STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam erinnern statt Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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„Was keiner geglaubt haben wird, was keiner gewusst haben konnte, was keiner geahnt haben durfte, das wird dann wieder das gewesen sein was keiner gewollt haben wollte.“ (Erich Fried)

Aktuelles & Termine  

Auf dieser Seite veröffentlichen wir 'Aktuelles' rund um das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen.

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+ + Nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen findet
Samstag, den 11. Juni sowie als Gemeinschaftsverlegung am Dienstag, 14. Juni 2022 statt.
Weitere Patenschaften zur Finanzierung von Stolpersteinen für nachfolgende Verlegungen können übernommen werden. + +

+ + + Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen + + +

+ + + Buchprojekt Stolperstein-Geschichten Gelsenkirchen sucht Sponsoren. + + +

 


Stadtumbau: An der Bochumer Straße sollen auch Fußwege verbreitert werden  

Andreas Jordan | 15. Mai 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Umbau Bochumer Strasse - Stolpersteine müssen zuvor gesichert werden

Der Umbau der Bochumer Straße zwischen Justizzentrum und Virchowstraße soll im Herbst diesen Jahres starten. Geplant sind auf dem Teilstück u.a. die deutliche Verbreiterung der Fußwege. Damit sind auch die vor dem Haus Bochumer Straße Nr. 92 verlegten Stolperstei- ne 'gefährdet'. Im Mai 2019 von Bildhauer Demnig dort ins Gehwegpflaster eingelassen, erinnern diese drei Stolpersteine an die Ermor- dung der jüdischen Kaufmannsfamilie Julius Buchthal. Ob die Verantwortlichen bei der Stadt- verwaltung auch diese drei Stolpersteine auf dem Radar haben? Wir werden nachfragen - bevor die kleinen Mahnmale übersehen und wohlmöglich mit Aushub entsorgt werden.

Update 18.5.2022: Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen teilt uns per Mail mit, dass die Stolpersteine zu Beginn der Bauarbeiten an der Bochumer Straße ausgebaut, eingelagert und nach Abschluss der Arbeiten an gleicher Stelle wieder eingebaut werden. Das treffe grundsätzlich auch in Zukunft auf alle betroffenen Stellen zu.


NS-Verbrechen: Gebot der Gerechtigkeit erforderte Verurteilung  

Redaktion | 12. Mai 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

NS-Verbrechen: Gebot der Gerechtigkeit erforderte Verurteilung

Seit 2011 erinnern in Gelsenkirchen zwei Stol- persteine an den Widerständler Erich Lange - der eine am letzten selbstgewählten Wohnort in der Schwanenstraße, ein weiterer am Rundhöf- chen, dem Ort seines gewaltsamen Todes in der Gelsenkirchener Altstadt.

Erich Lange war zunächst Mitglied der so ge- nannten Schutzstaffel der NSDAP. Er stellte sich jedoch noch vor der Machtübergabe gegen die Nationalsozialisten, wurde Mitglied der KPD und des "Kampfbundes gegen den Faschismus". In den Augen der Nazis war Erich Lange somit ein "Verräter an der nationalen Sache".

Am 23. März 1933 titelte die Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung "Kommunistischer Funktio- när erschossen" - das Opfer war Erich Lange. Der Schütze, ein SS-Mann, will in Notwehr geschossen haben. Mehr war bisher über das Verbrechen bisher nicht bekannt, beim Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen (ISG) fanden sich keine Archiva- lien zur Person oder dem Schicksal von Erich Lange.

Jüngst stieß Historiker Andreas Jordan (Gelsenzentrum e.V.) bei Recherchen zur Verfolgung von Ver- brechen gegen die Menschlichkeit in NRW zwischen 1946-1949 jedoch auf eine Archivsignatur, die auf ein Strafverfahren vor dem Schwurgericht Essen gegen zwei SS-Angehörige hinwies, die einen ehema- ligen Kameraden auf offener Straße in Gelsenkirchen erschossen hatten. Schnell stand fest, das es sich bei den Angeklagten um die Personen handelt, die 1933 Erich Lange getötet hatten. Die nun er- folgte Auswertung der Akte aus dem Bundesarchiv bringt mehr Licht in eines der Verbechen in der frü- hen Phase der NS-Gewaltherrschaft in Gelsenkirchen.

Während ihrer Zugehörigkeit zur SS hatten die beiden Angeklagten Erich Schneider und Wilhelm Dudek im Sommer 1932 Erich Lange kennengelernt. Lange war ebenfalls Mitglied der SS und gehörte wie die Angeklagten dem selben SS-Sturm an. Lange trat jedoch im November 1932 wieder aus der SS aus und wurde Mitglied der KPD. Das war den Angeklagten bekannt.

In der Nacht vom 21. auf den 22. März 1933 suchten die Angeklagten in SS-Uniform gemeinsam mit anderen SS-Männern die Wirtschaft "Stadtkeller" in der Gelsenkirchener Altstadt auf. Beide trugen eine Pistole. Kurze Zeit später betrat auch Erich Lange das Lokal. Es dauerte nicht lange, da kam es zu einem Wortwechsel zwischen den Angeklagten und Erich Lange, der in eine Schlägerei mündete. Die Angeklagten Schneider und Dudek schlugen mit ihren Koppeln auf Erich Lange ein, bis dieser aus dem Lokal floh. Der Angeklagte Dudek verfolgte ihm mit zwei weiteren uniformierten Männern. Sie holten Erich Lange in Höhe des Hotels "Monopol" in der Nähe der "Hubertusbar" ein und schlugen erneut massiv auf ihn ein, sodass er laut um Hilfe schrie. Als Lange dann loslief, um den Schlägen zu entge- hen, gab Dudek aus einer Entfernung von etwa 2-3 Metern drei Schüsse aus der Dienstpistole auf ihn ab. Von Kugeln getroffen fiel Erich Lange zu Boden. Das geschah gegen 5.10 Uhr. Die Verfolger such- ten das Weite, ohne sich weiter um Lange zu kümmern.

Als sich kurz nach dem Vorfall der Zeuge Funke dem Tatort näherte, traf er mit mehreren SA-Männern zusammen. Diesen teilte er seine soeben gemachte Beobachtung mit, Lange sei von einem SS oder SA-Mann erschossen worden. Diese entgegneten, das seien keine Uniformierten gewesen. Funke musste mit zur Polizeiwache, dort wurde er von Kriminalkommisar Tenholt vernommen. Funke konnte gegen 8 Uhr gehen, er ist in dieser Angelenheit nicht wieder verhört worden.

Nach dem letzten Schuss erschien der sich auf dem Weg zur Arbeit befindliche Zeuge Pruschinski am Tatort und konnte nur noch - wie zuvor Funke - den Tod des Erich Lange feststellen. Ein auftauchender SS-Mann mit gezogener Pistole forderte den Zeugen mit den Worten "Was ist den hier los, mach das du wegkommst, lass das Schwein liegen" auf, zu verschwinden.

Am nächsten Morgen mussten die beiden Angeklagten zur Sturmbann-Dienststelle kommen. Dudek schilderte den Sachverhalt. Daraufhin ordnete der Leiter der Dienststelle Schulz mit den Worten "Wir müssen die Sache drehen" an, das der Angeklagte Schneider als Hilfsbeamter der Polizei Lange er- schossen habe, weil dieser sich seiner Festnahme durch Flucht habe entziehen wollen. Schneider sollte die Tat auf sich nehmen, hatte dann jedoch zunächst Bedenken, das Vernehmungsprotokoll zu unterschreiben, da er sich einer Tötung bezichtigte. Doch ihm wurde sofort versichert, das es bei dieser einen Vernehmung bleiben werde und er nichts zu befürchten habe.

Vater des Opfers brachte Nachkriegsprozess ins Rollen

NS-Verbrechen: Gebot der Gerechtigkeit erforderte Verurteilung

Tatsächlich sind dann keine weiteren Ermittlun- gen getätigt worden, der nun Mitangeklagte Dudek ist seinerzeit nicht verhört worden. Nach dem Krieg wurde auf die Anzeige des Vaters von Erich Lange am 19. Juni 1948 ein Verfahren gegen die mutmaßlichen Täter Dudek und Schneider eingeleitet.

In der Verhandlung stellte das Schwurgericht fest, das sich der Angeklagte Schneider der gefährlichen Körperverletzung, der Angeklagte Dudek der vorsätzlichen Tötung sowie der ge- fährlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben. Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits ver- jährt, war zu prüfen, ob auf Grund der Verord- nung zur Beseitigung nationalsozialisticher Ein- griffe in die Strafrechtspflege vom 23. Mai 1947 noch eine Betrafung möglich war. Diese Frage hat das Schwurgericht Essen in der Verhand- lung vom 21. September 1949 bejaht, denn dass das Verbrechen der Tötung auch nach 16 Jahren eine Sühne verlangt, erfordere das Gebot der Gerechtigkeit. Schneider wurde erstinstanzlich zu zwei Mona- ten Gefängnis, Dudek zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Gegen das Urteil legte Schneiders Rechtsanwalt wie auch die Staatsanwaltschaft Revision ein. Im Januar 1950 ergeht ein Beschluss des I. Strafsenats des Obersten Gerichtshofes für die britische Zone, das Verfahren - soweit es Erich Schneider betrifft - einzustellen. Der Revision Dudeks wird stattgege- ben und das Verfahren an das Schwurgericht Essen zurückverwiesen. Im April 1950 wird Wilhelm Du- dek erneut vom Schwurgericht des Landgerichts Essen wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit Totschlag und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren verurteilt.


8. Mai: Virtuelle Kerzen für NS-Opfer entzünden  

Andreas Jordan | 2. Mai 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Eine neue WDR-App macht die rund 15.000 Schicksale hinter Stolpersteinen in Nordrhein-Westfalen erlebbar. Gezielt können Nutzer:Innen etwa nach Stadt oder Opfergruppe suchen. Zudem kann jedem einzelnen der Opfer durch das virtuelle Anzünden von Kerzen gedacht werden. Eine interaktive Karte zeigt alle derzeitig verlegten Stolpersteine in NRW.

Stolpersteine NRW - einzelnen NS-Opfern durch das virtuelle Anzünden von Kerzen gedenken

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um ein Projekt des Bildhauers Gunter Demnig. Jeder Stein erinnert an einen Menschen, der von der NS-Diktatur verfolgt, ermordet oder in den Suizid getrieben wurde. Dazu werden auch in Gelsenkirchen seit 2009 kleine Messingtafeln in den Boden eingelassen, zu finden sind sie etwa vor früheren Wohnhäusern oder Geschäften von NS-Verfolgten Menschen aller Opfergruppen. Das WDR-Projekt soll nach Angaben des Senders alle rund 15.000 Stolpersteine in NRW auffindbar und digital zugänglich machen, die es mittlerweile gibt. Es richtet sich auch stark an jüngeres Publikum. Mit „Stolpersteine NRW“ macht der Westdeutsche Rundfunk die Lebensgeschichten dieser Menschen digital zugänglich – Die App ist für die beiden Plattformen iOS und Android kostenlos verfügbar und kann dann auf dem üblichen Weg über die so genannten “Stores” heruntergeladen werden, für daheim über den Desktop-Browser


8. Mai 1945: Tag des Kriegsendes - Gelsenzentrum e.V. sucht putzbereite Unterstützer:Innen  

Andreas Jordan | 2. Mai 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

In den Tagen nach dem 28. März 1945 überschritten US-Truppen die nördliche Stadtgrenze von Gelsen- kirchen und rückten auf das Stadtzentrum zu. Am Karfreitag 1945 ging in Buer und Horst der 2. Welt- krieg zu Ende, amerikanische Truppen besetzten den Stadtnorden. Am 10. April 1945 hatten sie die ge- samte Stadt befreit, in Gelsenkirchen ruhten die Waffen. Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingslosen deutschen Kapitulation der zweite Weltkrieg in Europa.

Erinnerungsaktion am Jahrestag des Kriegsendes in Gelsenkirchen

Auch in diesem Jahr ruft der Gelsenzentrum e.V. auf, am Sonntag den 8. Mai die bisher in Gelsenkir- chen verlegten Stolpersteine zu putzen. Seit mehr als zehn Jahren beteiligt sich der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum e.V .mit seiner Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen an dem Kunstprojekt des Bildhauers Gunter Demnig. Seine kleinen Gedenktafeln, die sogenannten Stolpersteine, in den Gehweg eingelassen, erinnern an Lebens- und Leidenswege der Menschen, die dort in den Häusern gelebt haben und in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, geflohen, deportiert, ermordet, oder in den Suizid getrieben wurden. Inzwischen sind von Gelsenzentrum gemeinsam mit Bildhauer Demnig mehr als 260 Stolpersteine sowie eine Stolperschwelle in Gelsenkirchen verlegt worden. Der Verein betreut und organisiert nicht nur die Verlegung der Steine, sondern kümmert sich auch um Pflege und Erhalt. Wer sich an der Stolperstein-Putzaktion am Sonntag, 8. Mai, beteiligen möchte, kann sich per E-Mail unter a.jordan (ätt)gelsenzentrum.de melden, dort gibt es dann nähere Informationen.

Mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 hörte das Sterben jeoch noch nicht auf

Abb.: Am Tag des Kriegsendes hörte das Sterben jedoch noch nicht auf. Vor dem Haus Im Bahnwinkel 10 im Gelsenkirchener Norden erinnert ein Stolperstein an Robert Mäusert.


Stolpersteine Gelsenkirchen: NRW-Landesregierung fördert Rahmenveranstaltung  

Redaktion | 29. April 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Gunter Demnig zeigt einen Stolperstein

Die einzelnen Verlegungen von Stolpersteinen schaffen Gedenk- und Erinnerungsorte im urba- nen Raum. Sie werden dort realisiert, wo die Menschen, die Opfer des NS-Gewaltregimes wurden, einst ihren Lebensmittelpunkt hatten - zumeist vor den Türen ihrer Häuser, inmitten des damaligen nachbarschaftlichen Umfeldes.

Die zeitliche und räumliche Abstufung von Dis- kriminierung, Entfernung und Tötung durch das NS-Gewaltregime erleichterte es der Mehrheits- gesellschaft (im NS: 'Volksgemeinschaft'), sich an die Verfolgung, Entrechtung und Dehumani- sierung ihrer in unmittelbaren Nachbarschaft lebenden Mitbürger:Innen gedanklich zu gewöhnen oder sie zu ignorieren. Hinter jedem Stolperstein steht eine zumeist gewaltsam beendete Lebenswelt, jeder Stolperstein verweist gleichwohl auch auf die Täter des Holocaust.

Die Pat:Innen der Stolpersteine setzen Zeichen - für sich und für andere. Gemeinsam tragen wir die Vergangenheit in die Gegenwart und lassen die Stadtgesellschaft ihrer Verantwortung vor der Ge- schichte bewusst werden. Die Stolpersteine werden ausschliesslich über Patenschaften finanziert, jedem einzelnen NS-Opfer soll dabei ein eigener Stolperstein gewidmet werden. Um das Projekt in Gelsenkirchen kontinuierlich fortzuführen, ist daher auch weiterhin die Mithilfe vieler Menschen not- wendig. So konnten für die diesjährige Verlegeaktion in Gelsenkirchen 16 weitere Stolpersteine durch Patenschaften finanziert werden. Damit wächst die Gesamtzahl der von der Projektgruppe Stolper- steine des gemeinnützigen Vereins Gelsenzentrum e.V. in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine be- ständig auf 281 der kleinen Denkmale an.

NRW fördert Rahmenveranstaltungen der diesjährigen Stolpersteinverlegungen in Gelsenkirchen

Die Rahmenveranstaltungen der diesjährigen Stolpersteinverlegungen in Gelsenkirchen wer- den von der Landesregierung Nordrhein-West- falen aus dem Förderpogramm "2000 x 1000 € für das Engagement" gefördert.


Wir erinnern an die Deportation von Gelsenkirchen nach Warschau vor 80 Jahren  

Redaktion | 25. März 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Am 31. März 1942 rollte ein weiterer "Sammeltransport" mit jüdischen Kindern, Frauen und Männern ab Gelsenkirchen "in den Osten". Bestimmungsort der Menschenfracht war zunächst das Ghetto Warschau im deutsch besetzten Polen. Planmäßig um 12:12 Uhr verließ der ab Gelsenkirchen eingesetzte Trans- portzug der Deutschen Reichsbahn mit dem Kürzel "Da 6" am 31. März 1942 mit 52 Gelsenkirchener Juden die Stadt. Ein Waggon war für das Begleitkommando der Schutzpolizei bestimmt. In Bielefeld wurden weitere 326, in Hannover 500 und in Braunschweig 116 jüdische Menschen in den Zug gezwun- gen. Am Morgen des 2. April 1942 erreichte der Zug das Warschauer Ghetto im deutsch besetzten Po- len. Von den aus Gelsenkirchen mit diesem Menschentransport deportierten Juden hat niemand seine Befreiung erlebt. Die Namen sind überliefert, so wird beispielsweise mit Gunter Demnigs Stolpersteinen in Gelsenkirchen auch an von den Nazis zumeist im Warschauer Ghetto ermordeten Menschen erinnert.

Deportation Gelsenkirchener Juden nach Warschau.

Unter den im März 1942 nach Warschau deportierten Menschen befanden sich auch Angehörige der Familie Rosenbaum. Vor dem Haus Heinrichplatz 1 in Gelsenkirchen - dem letzten selbst gewählten Wohnort - erinnern seit einigen Jahren Stolpersteine an Familie Siegfried Rosenbaum sowie dessen Schwiegermutter Esther Lippers - sie wurde in Theresienstadt ermordet.


Gedenken: 16 weitere Stolpersteine werden in Gelsenkirchen verlegt  

Andreas Jordan | 9. März 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

"Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden." *

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Gelsenkirchen

Die Stolperstein-Verlegung 2022 haben wir be- reits lange vor Beginn des russischen Angriffs- krieges auf die Ukraine geplant, nun sollen am Samstag, den 11. Juni von Bildhauer Gunter Demnig weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt werden.

Am Dienstag, 14. Juni folgen dann an zwei Orten in Gelsenkirchen so genannte Gemein- schaftsverlegungen, die wir in Absprache mit Gunter Demnig selbst ausführen. Die Termin- angabe muss unter dem Vorbehalt der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine genannt werden.



Geplante Verlegereihenfolge Samstag, 11. Juni:

14.30 Uhr → Norman C. Cowley, Mühlenstr. 5-9
15.15 Uhr → Jürgen Sommerfeld, Emscherstr. 41
16.00 Uhr → Lore Grüneberg, Hauptstr. 16
16.30 Uhr → Ehepaar Schlossstein, Gildenstr. 7
17.00 Uhr → Dr. Alfred Alsberg, Bahnhofstr. 55-65
17.30 Uhr → Ida Reifenberg, Von-Der-Recke-Str. 11
17.45 Uhr → Familie Leibisch Grün, Husemannstr. 39

Gemeinschaftsverlegung Dienstag, 14. Juni:

10.00 Uhr → Vera Polyakova, Dessauerstr. 72
10.40 Uhr → Ehepaar Meyer, Florastr. 166

* Ztat: Fritz Bauer (1903-1968), Generalstaatsanwalt, Ankläger im Auschwitz-Prozess.

(Wir bitten Interessierte, ein Zeitfenster von +/- 20 Minuten zu den genannten Uhrzeiten einzuplanen. Es gelten bei den kleinen Verlege- zeremonien die jeweils aktuellen Corona-Richtlinien.)


Erinnerungskultur: Gesamtschule Berger Feld erhält weitere Auszeichnung  

Andreas Jordan | 7. Februar 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

'Wir, die Klasse 8.2 der Gesamtschule Berger Feld, haben gemeinsam mit unseren Klassenlehrerinnen Frau Mau und Frau Krause die Patenschaft für den Stolperstein von Walter Hes übernommen, weil uns sein Schicksal sehr berührt hat. Walter war so alt wie wir es jetzt sind, als er von den Nazis ermordet wurde. Mit unserem Engagement wollen wir dazu beitragen, dass Walter Hes und die vielen anderen Opfer des Holocausts nicht vergessen werden und so etwas niemals wieder geschieht.'

Mit der "Ernst-Alexander-Auszeichnung" wurde jüngst die Gelsenkirchener Gesamtschule Berger Feld geehrt. Mit herausragenden und nachhalti- gen Projekten hat sich die Schule für die Erinne- rungskultur und gegen das Vergessen einge- setzt. Mit dem Projektkurs „Geschichte“ erinnert die Gesamtschule Berger Feld zum einen fort- laufend an das Leid der jüdischen Bevölkerung in Gelsenkirchen nach der Machtübergabe an die Nazis 1933 und die späteren Deportationen durch das NS-Regime. Seit 2017 reist die Grup- pe deshalb jährlich nach Riga, um die traurige Verbindung zwischen Gelsenkirchen und der lettischen Hauptstadt zu erinnern und diese aufzuarbeiten. Nicht zuletzt hat auch das aktive Engagement der Gesamtschule Berger Feld für das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen zur Verleihung der Auszeichnung geführt.

So haben die Schüler:Innen gemeinsam mit ihren Lehrer:innen in den letzten Jahren Patenschaften für mehrere Stolpersteine übernommen und so die Verlegungen der kleinen Mahnmale für Walter Hes, Ernst Levie und dessen Eltern Walter und Malke Levie erst möglich gemacht: "Wir, die Klasse 8.2 der Gesamtschule Berger Feld, haben gemeinsam mit unseren Klassenlehrerinnen Frau Mau und Frau Krause die Patenschaft für den Stolperstein von Walter Hes übernommen, weil uns sein Schicksal sehr berührt hat. Walter war so alt wie wir es jetzt sind, als er von den Nazis ermordet wurde. Mit unserem Engagement wollen wir dazu beitragen, dass Walter Hes und die vielen anderen Opfer des Holocausts nicht vergessen werden und so etwas niemals wieder geschieht." schrieben uns die Schüler:Innen. Für dieses Engagement waren die Schülerinnen und Schüler vom Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten bereits mit dem Margot-Spielmann-Preis geehrt und ausgezeichnet worden.

Schüler:Innen der Gesamtschule Berger Feld übernahmen die Stolperstein-Patenschaft für Walter Hes

Bildhauer Gunter Demnig verlegt in Gelsenkirchen Stolpersteine für Walter, Malke und Ernst Levie

Zahlreich waren Lehrer:Innen, Schüler:Innen (Klasse 8.1) und Ehemalige der Gesamtschule Berger Feld vor Ort erschienen, als im Juni letzten Jahres am Knappschaftshof in Gelsenkir- chen-Ückendorf die Stolpersteine für Familie Walter Levie ins Pflaster eingelassen wurden - hatten sie doch die Patenschaften und damit die Finanzierung für diese drei Erinnerungszeichen übernommen. Die Jugendlichen gestalteten mit ihren Wortbeiträgen die kleine Zeremonie aktiv mit. Vor allem für die jüngere Generation, für die der Holocaust immer weiter wegrückt, bieten Stolpersteine einen besonderen Zugang zur Geschichte. Abstrakte Opferzahlen in Millionenhöhe werden auf diese Weise individualisiert und in einen lokalen, zeithistorischen Kontext gerückt. Mit der erschütternden und aufklärenden Wirkung der Stolpersteine kehren Namen zurück und gewaltsam genommene Lebenswelten werden sichtbar ge- macht. Auch in diesem Jahr beteiligt sich die Gesamtschule Berger Feld mit der Übernahme der Stol- persteinpatenschaften für die Familie Leibisch Grün am Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen.


27. Januar: Internationaler Holocaust-Gedenktag  

Redaktion | 26. Januar 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

27. Januar: Internationaler Holocaust-Gedenktag

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und ande- ren Verfolgten. Auschwitz ist Ausdruck des Ras- senwahns und das Kainsmal der deutschen Ge- schichte. Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist daher kein Feiertag im übli- chen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Die beste Versiche- rung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschis- mus und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. In Gelsenkirchen ist der 27. Januar ein zweifacher Gedenktag: Es wird der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 gedacht, außerdem der Deportation jüdischer Menschen von Gelsenkirchen nach Riga, die drei Jahre zuvor am 27. Januar 1942 vom NS-Terrorregime mit Hilfe der örtlichen Stadtverwaltung durchgeführt wurde.


„Stolpersteine NRW“: Neues digitales WDR-Angebot gegen das Vergessen 

Redaktion | 22. Januar 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Die rund 15 000 Stolpersteine in Nordrhein-Westfalen stehen im Mittelpunkt des innovativen digitalen WDR-Angebots „Stolpersteine NRW – Gegen das Vergessen“. Der WDR macht die Geschichte der Menschen hinter den Steinen des Künstlers Gunter Demnig jetzt auch digital zugänglich: mit Texten, Fotos, Audios, Illustrationen und Augmented-Reality-Elementen. „Stolpersteine NRW” ist ab sofort als App auf dem Smartphone und am PC/Laptop im Desktop-Browser (stolpersteine.wdr.de) nutzbar.

Mit der App erfahren Smartphone-Nutzer:innen zu jedem Stein, welcher Mensch sich dahinter verbirgt.© WDR/Jan-Philipp Behr

WDR-Intendant Tom Buhrow: „Wir dürfen die Menschen, an deren furchtbares Leid mit den Stolperstei- nen erinnert wird, niemals vergessen. ,Stolpersteine NRW‘ regt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Opfern des Nationalsozialismus vor der eigenen Haustür und im ganzen Land an. Mit unserem einzigartigen Angebot ist es erstmals digital möglich, jeden einzelnen Stein in Nordrhein-Westfalen an- zusteuern und mehr über die Menschen dahinter zu erfahren. Damit wollen wir vor allem Jüngeren auf ganz neue Art ermöglichen, sich mit dem Lebens- und Leidensweg dieser Menschen auseinanderzu- setzen.“ Mit der App erfahren Smartphone-Nutzer:innen zu jedem Stein, vor dem sie stehen, welcher Mensch sich dahinter verbirgt. Auf Basis von Namen oder Adressen lassen sich die Stolpersteine gezielt finden. Auf der Internetseite kann man auch zuhause am PC auf einem größeren Bildschirm ortsunab- hängig in der Datenbank recherchieren. Interaktiv nutzbare Filter machen es möglich, die mehr als 15.000 Biografien komfortabel zu durchsuchen.

Umfangreiches Unterrichtsmaterial für Lehrer:innen

Anfang 2020 hatte der WDR alle Städte und Gemeinden, in denen seit den 1990er Jahren die Messing- tafeln in den Bürgersteigen verlegt worden sind, kontaktiert und um Kooperation gebeten. Gemeinsam mit Expert:innen aus mehr als 200 nordrhein-westfälischen Kommunen, Initiativen und Aktionsbündnis- sen wurden Archive durchforstet, historische Dokumente gesichtet, Berichte von Überlebenden ausge- wertet und Quellen abgeglichen. Der WDR hat alle Informationen gesammelt und multimedial aufbe- reitet. Zudem gibt es umfangreiches Unterrichtsmaterial für Lehrkräfte, das zusammen mit den Kolleg: innen von „Planet Schule“ erarbeitet wurde.

Stolpersteine-Initiator und Künstler Gunter Demnig unterstützt das Projekt von Anfang an. Zum neuen WDR-Angebot sagt er: „Ich bin fasziniert von dem, was da entstanden ist. Besonders gelungen finde ich, dass ein pädagogisches Konzept mit eingebaut wurde mit der Absicht, sich an junge Menschen, an Schülerinnen und Schüler zu wenden. Das wird ein ganz anderer, neuer Geschichtsunterricht. Die App und die Website werden es leichter machen, in dieses Thema einzusteigen. Ich bin dem WDR sehr dankbar für das Engagement und für das gelungene Projekt.“

Projekt nur möglich durch Unterstützung vor Ort

Demnig ist es wichtig, auf die Hilfe vor Ort, etwa durch Einzelpersonen oder Initiativen, hinzuweisen. Ohne sie gäbe es die Stolpersteine in der Form nicht. Das gilt auch für das WDR-Projekt: Mit Expert: innen aus mehr als 200 nordrhein-westfälischen Kommunen, Initiativen und Aktionsbündnissen wurden Archive durchforstet, historische Dokumente gesichtet, Berichte von Überlebenden ausgewertet und Quellen abgeglichen. All das floss in eine Datenbank ein. Die ist seit Projektbeginn stark gewachsen – und wird das weiter tun. Denn der WDR wird Stolpersteine NRW auch künftig pflegen und erweitern.

Neben biografischen Texten, die teilweise auch als Audios zur Verfügung stehen, dienen historische Fotos, Mini-Hörspiele und Videos aus dem WDR-Archiv dazu, die Geschichte der Opfer, ihrer Wohnorte und ihrer Zeit so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen. An ausgewählten Orten werden mit Hilfe von „Augmented Reality“ alte Aufnahmen in die heutige Umgebung eingebettet. Zudem lassen sich zum Gedenken virtuelle Kerzen an den Steinen entzünden. Das digitale WDR-Angebot enthält auch mehr als 200 gezeichnete Kurzgeschichten, die sich mit den Biografien der Menschen auseinandersetzen. Diese wurden in Zusammenarbeit mit jungen Illustrator:innen der Kunsthochschule Kassel produziert.

Alle Informationen finden Sie unter: stolpersteine.wdr.de

Die Themenseite zu „Stolpersteine NRW“:


Großfamilie Schopper: Nachfahren wünschen Stolpersteine in Gelsenkirchen  

Andreas Jordan | 13. Januar 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Die weitverzweigte Großfamilie Schopper um Adolf und Patzura Schopper lebte zu großen Teilen in Gel- senkirchen. Als Angehörige der Minderheit deutscher Sinti geriet auch diese Familie alsbald nach der Machtübergabe an die Nazis ins Visier der Verfolgungsbehörden. Die einzelnen Mitglieder der Familie lebten mit ihren Frauen und Kindern vorwiegend in verschiedenen Wohnungen im Stadtgebiet und nur kurzeitig auf den Zwangs-Lagerplätzen der Stadtverwaltung. Bis auf wenige Überlebende bzw. Befreite wurden alle Familienmitglieder von den Nazis ermordet. Nun wünschen Nachfahren die Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen.

März 1943 - Deportation der Gelsenkirchener Sinti und Lovara nach Auschwitz-Birkenau

Die familiären Beziehungen lassen sich anhand der Publikation "Mit einer Rückkehr nach hier ist nicht mehr zu rechnen" von Stefan Goch aus dem Jahre 1999 größtenteils abbilden, wobei noch ergänzende, aktuelle Recherchen unsererseits durchgeführt werden müssen. Das Ehepaar Adolf und Patzura Schopper hatte sechs Kinder: Josef (Jg. 1900), Maria (Jg. 1902), Anna (Jg. 1904), Mimi (Jg. 1908), Janosch (Jg. 1909), und Klara (Jg. 1918) - die wiederum verheiratet waren und teilweise selbst Kinder hatten.

Der Konzeption von Bildhauer Demnig folgend, müssen wir für die Famile Schopper insgesamt 20 Stol- persteine in Gelsenkirchen verlegt werden, da Familien im Gedenken symbolisch möglichst wieder zusam- mengeführt werden sollten. Ein Teil der Summe wird auf ausdrücklichen Wunsch von Nachfahren aufge- bracht, jedoch müssen wir auch in diesem Fall um Spenden bzw. die Übernahme von Patenschaften bitten. Erfahrungsgemäß wird einige Zeit vergehen, bis ausreichend Patenschaften übernommen werden, so werden wir zunächst Stolpersteine für Adolf und Patzura Schopper, deren Sohn Janosch Schopper und dessen zweiter Frau Gertrud Goman und den gemeinsamen Sohn Harald Anton verlegen. Spendenkonto: Stolpersteine Gelsenkirchen, IBAN: DE 79 4205 0001 0132 0159 27, BIC: WELADED1GEK, Verwen- dungszweck: "Stolpersteine Familie Schopper". Auf Wunsch können wir entsprechende Spendenquittun- gen ausstellen.


Gelsenkirchen: Stolperschwelle für Opfer von Zwangssterilisation und Krankenmord  

Andreas Jordan | 8. Januar 2022 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Stolperschwelle für Opfer von Zwangsterilisation und Krankenmord

Die Januarausgabe des Stadtmagazins 'isso' ist erschienen, darin auch zwei Beiträge mit Bezug zu unserer Gedenk- und Erinnerungsarbeit. Die Artikel thematisieren die NS-Krankemorde (NS-Tarnbezeichnung T4, euphemistisch Euthanasie" genannte Mordaktion an Patienten in "Heil- und Pflegeanstalten"). Zum einen wird exemplarisch an Astrid "Iri" Steiner aus Gelsenkirchen erin- nert. Für Astrid haben wir bereits einen Stolper- stein an der Polsumerstraße verlegt. Der andere Beitrag thematisiert die Schaffung eines Erinne- rungsortes an einem der Täterorte Gelsenkir- chens in Form einer Stolperschwelle für Opfer von Zwangssterilisation und Krankenmord, ver- bunden mit einem Spendenaufruf.

'Leider muss ich Ihnen mitteilen, das ihre Toch- ter Astrid heute plötzlich verstorben ist'. Über das Schicksal des Mädchens Astrid "Iri" Steiner: Jetzt online lesen.

Eine Stolperschwelle für Opfer von Zwangssteri- lisation und Krankenmord - Schaffung eines Erinnerungsortes im öffentlichen Raum der Stadt Gelsenkirchen: Jetzt online lesen.

Abb.: Das Plakat wirbt für die vom Rassenpolitischen Amt der NSDAP herausgegebenen Monatshefte 'Neues Volk'. Es zeigt einen sitzenden, offenbar bewegungsunfähigen körperbehinderten Mann und einen hinter ihm stehenden Pfleger. Die bildliche Aussage wird durch den Satz '60.000 RM kostet dieser Erbkranke die Volksgemein- schaft auf Lebenszeit' und den Hinweis 'Volksgenosse, das ist auch Dein Geld' verdeutlicht: Behinderte und unheilbar Kranke sollten aus der 'Volksgemeinschaft' - ähnlich den Juden, Sinti und Roma und anderen Gruppen - ausgegrenzt werden, ihr Tod sei eine Einsparung für jeden gesunden 'Volksgenossen'. (Deutsches Historisches Museum, Berlin Inv.-Nr.: 1988/1284)


Zum Tod von Rolf Abrahamsohn - Gerettet, aber nicht befreit  

Andreas Jordan | 27. Dezember 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Rolf Abrahamson - Gerettet, aber nicht befreit (Foto: Gelsenzentrum e.V.)

Wir sind traurig, unser Freund Rolf Abraham- sohn ist am 23. Dezember 2021 gestorben. Ba- ruch Dayan HaEmet - Möge die Erinnerung an ihn ein Segen sein.

Auch Rolf Abrahamsohn war unter den jüdi- schen Menschen, die am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert wurde. Mit viel Glück überlebte Rolf als einziger seiner Familie den Holocaust.

Eigentlich wollte Rolf Abrahamsohn nach seiner Befreiung nach Palästina gehen. Als er jedoch erfuhr, dass er unter Umständen von den Eng- ländern auf Zypern interniert werden könnte, entschied er sich, doch in Deutschland zu blei- ben: „Die Jahre im KZ und im Arbeitslager waren doch genug, nie wieder wollte ich eingesperrt sein, und so blieb ich in Marl“. Zunächst nach seiner Befreiung in Recklinghausen lebend, kehrte Rolf Abrahamsohn Ende der 1940er Jahre in das zuvor von den Nazis geraubte Elternhaus in Marl zurück. Dem tüchtigen Kaufmann gelang der Aufbau einer neuen Existenz, auch gründete er eine Familie. Jedoch bekam nur allzuoft zu spüren, dass es vielen Menschen lieber gewesen wäre, wenn die Nazis ihr Mordwerk vollendet hätten.

Er setzte sich im Nachkriegsdeutschland auf vielfältige Weise für das Judentum ein. So hat er maßgeb- lich am Aufbau der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Recklinghausen gearbeitet, dessen Vorsitzen- der er lange Zeit war. Abrahamsohn kümmerte sich auch um Waisenkinder in Recklinghausens Part- nerstadt Akko in Israel. Zeit seines Lebens lag es Rolf Abrahmsohn besonders am Herzen, junge Men- schen von dem Schrecklichen zu berichten, was er während der Nazidiktatur am eigenen Leib erleben musste - nur weil er Jude war. Mit seiner Befreiung gehörte Rolf Abrahamsohn zu den Geretteten, eine Befreiung war es für ihn nicht, denn die Gespenster seiner Vergangenheit ließen ihn niemals mehr los. Nacht für Nacht kehrten sie zurück, ließen ihn nicht schlafen. Seine Augen sind nun für immer ge- schlossen, möge Rolf Abrahamsohn endlich seine friedvolle Ruhe finden.


Stolpersteine: Wie geht es in Gelsenkirchen weiter?  

Andreas Jordan | 7. Dezember 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolpersteine: Wie geht es in Gelsenkirchen weiter?

Gunter Demnigs Stolpersteine liegen in 27 Län- dern, im Dezember 2021 wird der 90.000 Stein verlegt werden. Die Stolpersteine gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Seit Be- ginn der 1990er Jahre arbeitet Demnig an dem Projekt "Stolpersteine", das die Erinnerung an die während der NS-Diktatur verfolgten, vertrie- benen und zumeist ermordeten Juden, Sinti und Roma, politischen Widerständler, Homosexuel- len, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeitenden, Eu- thanasieopfer und den als vorgebliche "Asozia- le" stigmatisierten lebendig erhalten soll.

Im Jahre 2009 konnten wir nach Überwindung von Vorbehalten seitens Politik und Stadtverwal- tung erste Stolpersteine auch in Gelsenkirchen verlegen, mittlerweile haben wir 265 Stolperstei- ne sowie eine Stolperschwelle in das Gehweg- pflaster unserer Stadt eingelassen.

Wenn auch durch die Coronapandemie unter erschwerten Bedingungen haben wir im Hinter- grund die Recherchen für die nächste Verlege- aktion in Gelsenkirchen im Sommer 2022 ab- geschlossen. Derzeit wird ein Termin mit dem Büro des Bildhauers Demnig vorbereitet. Damit ist jedoch keinesfalls das Ende der Stolperstein-Aktion in Gelsenkirchen erreicht, denn es gibt noch viele weitere Namen von ermordeten, zur Flucht gezwun- genen bzw. befreiten Menschen. Eine weitere Stolperschwelle für Opfer von Zwangssterilisation und Krankenmord ist in Vorbereitung.

Das von Bildhauer Gunter Demnig ersonnene Projekt Stolpersteine bietet auch für Geschichtskurse oder Schulklassen eine ganz besondere Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der NS-Gewaltherr- schaft und der Erinnerung an Opfer der nationalsozialistischer Verfolgung. Beteiligte Schülerinnen und Schüler finden einen ganz direkten Zugang zur lokalen NS-Geschichte. Die Stolpersteine werden über Patenschaften finanziert, jedem einzelnen NS-Opfer soll dabei ein eigener Stolperstein gewidmet werden. Die Paten der Stolpersteine setzen Zeichen - für sich und für andere, sie tragen gemeinsam die Vergangenheit in die Gegenwart und lassen uns alle unserer Verantwortung vor der Geschichte bewusst werden. Um das Projekt in Gelsenkirchen kontinuierlich fortzuführen, ist daher Mithilfe in Form finanzieller Unterstützung durch viele Menschen notwendig.

Die Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen ist kein städtisches Projekt, sondern wird von zivil- gesellschaftlichen Engagement einiger Gelsenkirchener BürgerInnen unter dem Dach des gemein- nützigen Vereins Gelsenzentrum e.V. umgesetzt. Die Finanzierung der Stolpersteine sowie die der Arbeit der Projektgruppe erfolgt nicht über Steuergelder, sondern ausschließlich durch Spenden. Wir bitten darum, unsere Arbeit weiterhin durch Spenden zu unterstützen.

Spendenkonto: Sparkasse Gelsenkirchen
IBAN: DE79 4205 0001 0132 0159 27
BIC: WELADED1GEK
Verwendungszweck: Stolpersteine Gelsenkirchen


Gelsenkirchen: 80 Jahre Riga-Deportation 

Andreas Jordan | 6. Dezember 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

2022 jährt sich die Deportation jüdischer Menschen von Gelsenkirchen nach Riga in Lettland, damals ein Teil des "Reichskommissariats Ostland", zum 80. Mal. Am 27. Januar 1942 rollte der erste "Sam- meltransport" mit jüdischen Kindern, Frauen und Männern von Gelsenkirchen Richtung Osten. Be- stimmungsort der Menschenfracht war das Ghetto Riga. Etwa 420 jüdische Menschen - davon rund 340 aus Gelsenkirchen - wurden zunächst in die zum temporären "Sammellager" umfunktionierten Ausstel- lungshalle am Wildenbruchplatz unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht. Auch Juden aus umliegenden Revierstädten wie bspw. Recklinghausen wurden eigens für die Deportation nach Gelsenkirchen transportiert.

Der erste Deportationstransport, der Gelsenkirchen am 27. Januar 1942 verließ, erreichte am 1. Februar den Bestimmungsort Riga in Lettland und entlud seine menschliche Fracht am Bahnhof Skirotava

Auf dem Weg nach Riga wurden weitere Menschen an verschiedenen Haltepunkten - u.a. in Dortmund und Hannover - in den Zug gezwungen. Der Deportationszug der Deutschen Reichsbahn erreichte schließlich mit etwa 1000 Menschen am 1. Februar 1942 Riga in Lettland. Der überwiegende Teil der aus Gelsenkirchen und anderen Städten am 27. Januar verschleppten Juden wurden in der Folgezeit im Ghetto Riga oder in Konzentrationslagern ermordet. Zu den wenigen, die oftmals als Einzige ihrer Fami- lien den Holocaust überlebt haben, gehört auch der im damaligen Horst-Emscher geborene Herman Neudorf. An Herman und seine Familie erinnern die ersten in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine.

Foto: Hermann Neudorf

Der 96jährige Herman Neudorf, heute in den USA lebend, erinnert sich:

"Am 20. Dezember 1941 erhielten wir von der Gestapo, Staatspolizeistelle Gelsenkirchen, die erste Aufforderung: "Sie haben sich auf einen Transport zum Arbeitseinsatz nach dem Osten vorzubereiten. An Gepäck darf 10 Reichsmark mitgenommen werden. Die Fahrtkosten sind selbst zu entrichten" - natürlich einfache Fahrt, eine Rückfahrt war ja nicht vorgesehen. Vorbe- reitungen wurden von Seiten der zur Deportation bestimmten jüdischen Einwohnern Gelsenkir- chens getroffen. Medikamente, Winterkleidung, warme Decken und so weiter beschafft. Am 20. Januar 1942 kommt wieder ein Schreiben: "Sie haben sich zum Transport nach dem Osten in den nächsten drei Tagen bereitzuhalten." Nun war es also soweit.

An einem Januarmorgen um 10 Uhr morgens wurden wir dann von der Gestapo aus dem sogenannten "Judenhaus" an der Markenstraße 28 in Horst abgeholt und in einen Autobus verfrachtet, mit je einem Koffer. In Handumdrehen sammelte sich um den Bus eine Anzahl Schulkinder. Auf ihre neugierige Frage, wohin wir fahren, antwortete der Gestapo-Chauffeur: "Zur Erholung in ein Sanatorium." Am Wildenbruchplatz schliefen wir eine Nacht wie Tiere in Stroh am Boden. Frühmorgens am folgenden Tag wurden wir verladen. Es war der 27. Januar 1942. Aber diese Mörder wussten zu gut, wohin unsere Fahrt führen sollte. Hoher Schnee mit ca. 25 Grad Kälte. Ein Personenzug stand am Güterbahnhof Gelsenkirchen für uns bereit. Ungeheizt. Am Ende des Zuges wurden drei Wagen mit unseren Koffern, Verpflegung und Küchengeräten angehängt. Dann fuhren wir ab. Türen natürlich abgeschlossen. Vor Hannover erfuhren wir, daß die letzten Wagen an- geblich "heißgelaufen" waren und abgehängt werden mussten. Nun besaßen wir nur noch das, was wir am Leibe trugen. es war eine lange Fahrt durch Ostpreußen, Litauen, Lettland. Aborte völlig verstopft und eingefroren, die Abteilwände mit einer Eisschicht überzogen.

Am 1. Februar erreichten wir unsere neue "Heimat", der Transport hielt am Bahnhof Skirotava im südli- chen Teil der Stadt Riga. Auf uns warteten schon SS-Leute in dicken Pelzmänteln. Sie trieben uns mit Schlägen, Beschimpfungen und Gebrüll aus dem Zug. Die Glieder waren noch starr vor Kälte. Zum Teil mit LKW oder zu Fuß ging es ab. Ungefähr drei Stunden Marsch. Lettische Wachen hüteten uns sorg- fältig und rissen einigen gute Kleidungsstücke vom Leibe herunter. Ein mit Stacheldraht umgebener Stadtteil tauchte auf. Personen mit gelben "Judensternen" konnte ich erkennen. Das war also das Rigaer Ghetto, das uns allen ewig in Erinnerung bleiben sollte. Oft wundert man sich selbst, dass man diese schrecklichen Jahre, die noch folgen sollten, überhaupt überleben konnte." Hermann Neudorf erlebte seine Befreiung im April 1945 auf einem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald in Richtung KZ Dachau. Lebensgeschichtlichen Erinnerungen von Herman Neudorf: Das war Riga...


Stolpersteine Bochum: Dr. Hans Buxbaum. Sozialdemokrat - Schwul - Jüdisch  

Redaktion | 24. November 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Crystal night faces v. Luka Stoisavljevic, Kragujevac, Serbia

Wer in einer dieser drei Kategorien verortet wur- de, war in der NS-Zeit unmittelbar ab Anfang 1933 in vielfältiger Weise bedroht. Von Betäti- gungsverbot, Berufsverbot über strafrechtliche Verfolgung bis zu völliger sozialer und gesell- schaftlicher Ausgrenzung reichten die sich stei- gernden Willkür-Maßnahmen, die die National- sozialisten und ihre willigen Helfer praktizierten. Am Ende gingen viele Menschen in den Kon- zentrationslagern "durch den Kamin", wie es die Häftlinge selbst formulierten. Ermordung von SozialdemokratInnen, Homosexuellen und Ju- den und Jüdinnen war Teil des Staatshandelns. Weitere Gruppen seien benannt: Bibelforscher, Behinderte, Sinti und Roma, Frauen und Män- ner, die Abtreibungen befürworteten und den in Not befindlichen Frauen halfen, Obdachlose, Arbeitslose, Kommunisten, Wehr- und Kriegs- dienstverweigerer, usw. Engagement, sei es sozial, sei es politisch, sei es durch besondere Leistungen, sei es als Mensch, zählten wenig bis gar nichts - in der NS-Zeit wurden Zugehö- rigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu ideologischen und rassistisch formulierten Kategorien der Maßstab, ob ein Mensch Chancen auf Fortkom- men, Leben und Unversehrheit hatte oder nicht. Worte wie "Volksfeinde, Volksschädlinge, Ras- seschänder, usw." waren das sprachliche Abbild von Hitlers Gauland. Was mit Hetze und Jubel begann, endete ... Für Homosexuelle endete die Verfolgung nach NS-Gesetzen erst 1969! Dr. Hans Buxbaum, stellvertretender Theaterleiter, Regisseur und Oberspielleiter von 1926 bis 1933 am Bochu- mer Theater - und aufgrund der damaligen Theaterehe mit Duisburg auch am dortigen Theater wirkend - fiel in alle drei Ausgrenzungskategorien: Sozialdemokrat, schwul, jüdisch. Bis heute ist der engagierte Theatermann weitestgehend vergessen.

Erstmals wird nun an ihn erinnert. Wesentliche Teile des Lebens- und Verfolgungsweges von Hans Buxbaum und seines Widerstandes gegen Hitler-Deutschland lesen sie in der ersten, schriftlichen Publikation und Würdigung von Jürgen Wenke, die Hans Buxbaum in den Mittelpunkt stellt: "Was bleibt, wenn der Vorhang fällt?"

Zweiter Teil der Würdigung: Stolpersteinverlegung für Hans Buxbaum in Bochum

In Bochum, Theatervorplatz Schauspielhaus Bochum, Königsallee 15, 44789 Bochum am Dienstag, den 14. Dezember 2021, ca. 12 Uhr (aufgrund der Tatsache, dass der Künstler Gunter Demnig nur einen ungefähren Zeitplan der Verlegung benennen kann und manchmal schon vor der geplanten Zeit erscheint, wird vom Veranstalter ca. 11.30 Uhr als Zeitpunkt einer Teilnahme empfohlen) Die Veran- staltung findet im Freien statt, bitte halten Sie die notwendigen Schutzmaßnahmen wg. der Corona-Pandemie eigenverantwortlich ein. Rückmeldungen an Veranstalter und Innitiator Jürgen Wenke per Email sind erwünscht.


Jahrestag: Gedenken und Erinnern an Opfer der Pogromwoche 1938  

Andreas Jordan | 4. November 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Crystal night faces v. Luka Stoisavljevic, Kragujevac, Serbia

Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an jüdische Bürgerinnen und Bürger statt, die in den Tagen und Nächten vom 7. bis 16. Novem- ber 1938 Opfer rassistisch motivierter Gewalt- taten gegen Leib, Leben und Eigentum wurden.

Der Höhepunkt der vom NS-Gewaltregime ini- tiierten Ausschreitungen fand in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 statt, im kollek- tiven Gedächnis als so genannte "Reichskristall- nacht" oder auch im neueren Sprachgebrauch als "Reichspogromnacht" verankert. Der Begriff "Reichspogromnacht" wiederum ist eine nach 1945 konstruierte Bezeichnung im Nazi-Jargon, und deshalb vollkommen unmöglich: Bei den Nazis wurde alles, was erhöht sein sollte, mit dem Zusatz "Reich" versehen. Pogromwoche bzw. Novemberpogrome sind daher die geeig- neteren Bezeichnungen.

Der als gemeinnützig anerkannte Verein Gelsen- zentrum e.V. ruft Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an den Kundgebungen und Veranstaltungen demokratischer Organisation und Gruppie- rungen zur Erinnerung und zum Gedenken an Menschen auf, die 1938 Opfer der Novemberpogrome wurden. Jeder von uns ist gefordert, sich entschlossen gegen jede Form von Rassismus, Hetze, Ge- walt, Ausgrenzung und Diskriminierung stellen. Die Pogromwoche im November 1938 erinnert gleich- wohl auch an die NS-Verbrechen, die vorausgingen und an die, die diesem Datum folgten.
Weitere Informationen bietet nachfolgend verlinkte Dokumentation auf der Internetpräsenz des Gel- senzentrum e.V.: Die Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen


"Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren."

(Richard von Weizsäcker)



83. Jahrestag der so genannten "Polenaktion" - Auftakt zur Vernichtung  

Andreas Jordan | 27. Oktober 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolperstein für David Nussbaum in Gelsenkirchen

Im Rahmen der im Nazi-Jargon als "Polenaktion" bezeichneten Abschiebeaktion zwischen dem 28. und 29. Oktober 1938 wurden rund 18.000 jüdi- sche Menschen mit polnischer Staatsangehörig- keit, pejorativ als "Ostjuden" bezeichnet, aus dem "Dritten Reich" abgeschoben. Bei im ganzen Reichsgebiet durchgeführten Razzien brutal fest- genommen, meist nur mit dem versehen, was die Betroffen auf dem Leib trugen, wurden die Men- schen in Sammeltransporten mit der Reichsbahn an die polnischen Grenze verschleppt und dort ins Niemandsland getrieben. In Gelsenkirchen waren etwa 80 jüdische Menschen jeden Alters von der Massenabschiebung betroffen. Einigen wenigen wurde anschließend die Rückreise nach Gelsenkirchen gestattet - sie wurden dann ge- zwungen, vor Ort bei der "Arisierung" ihres Be- sitzes "mitzuwirken" - um danach erneut ausge- wiesen zu werden. Diese Abschiebeaktion, die im Zusammenspiel von Polizei, Reichsbahn, Finanzbehörden und Diplomatie ablief, stellte einen ers- ten Höhepunkt der physischen Verfolgung jüdischer Menschen dar und war der eigentliche Auftakt zur geplanten Vernichtung der europäischen Juden.

Es gab mehrere Zielorte für die Abschiebungstransporte – einer der Orte war die polnische Grenzstation Zbaszyn (Bentschen) in der Provinz Posen. Dorthin wurden auch die Betroffenen aus Gelsenkirchen verschleppt. Die meisten der Deportierten (in Zbaszyn zwischen 5.000 und 10.000) mussten monate- lang in Ungewissheit ihrer Zukunft unter katastrophalen Bedingungen in Militär-Pferdeställen und einer ehemaligen Mühle hausen. Jüdische Hilfsorganisationen, wie z. B. das American Joint Distribution Com- mittee, unterstützten sie. Manchen der Internierten gestatteten die polnischen Behörden die Weiterreise ins Landesinnere Polens, sofern sie dort Verwandte hatten. Nach dem Überfall der deutschen Wehr- macht auf Polen am 1. September 1939 fielen diese Jüdinnen*Juden jedoch erneut unter deutsche Gewaltherrschaft. Die Mehrzahl der nach Polen ausgewiesenen Menschen wurde später in deutschen Vernichtungslagern ermordet.

Gelsenkirchen: Spenden sollen Verlegung von Stolpersteinen finanzieren

Abb.: Ein letztes Lebenszeichen von Isidor Jeckel aus Gelsenkirchen ist dieser Brief, gerichtet an seinen ebenfalls aus Gelsenkirchen stammenden Freund Ernst Alexander. Dieser konnte bereits im Januar 1938 in die USA in Sicherheit gebracht werden. In diesem Brief aus Zbaszyn, datiert auf den 9. Januar 1939, beschreibt der damals 16jährige Isidor Jeckel auch die Verhaftung in Gelsenkirchen und die unmenschlichen Zustände im Internierungslager Zbaszyn. So schildert er, wie er und sein Vater von der Arbeitstelle in Gelsenkirchen direkt in das Gefängnis gebracht wurden, ohne sich vorher entsprechende Bekleidung aus ihrer Wohnung holen zu dürfen. Weiter schreibt er: "(...) wünsche ich alles Gute, vor allem wünsche ich keinem jüdischen Jungen in eine solche Lage zu kommen, wie ich es bin (...)."

Zu den Ausgewiesenen zählte auch die Familie Grynszpan aus Hannover, die ihrem Sohn Herschel in Paris daraufhin eine Nachricht schickte. Aus Protest gegen die "Polenaktion" verübte der 17-Jährige Herschel daraufhin am 7. November 1938 in der deutschen Botschaft in Paris ein Attentat auf den Diplomaten Ernst vom Rath, das die Nazis wiederum als Vorwand für die zwischen dem 7. und dem 16. November gegen jüdische Menschen gerichtete Gewalt- und Terrorwelle (Novemberpogrome) nutzten.


Spendenaufruf: Spenden sollen Verlegung von Stolpersteinen finanzieren  

Redaktion | 9. Oktober 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Neben vielen weiteren Stolpersteinen sollen auch für die jüdische Familie Grün in Gelsenkirchen Stol- persteine verlegt werden. Eine achte Klasse hat nun die Patenschaft und damit auch die Finanzierung für den Stolperstein übernommen, der Hella Grün gewidmet wird. Finanziert werden Stolpersteine durch private Spenden, ein Stein kostet derzeit einschließlich seiner Verlegung 120 Euro. Im Gedenken soll die Familie Grün symbolisch wieder zusammengeführt werden, dafür werden weitere Paten gesucht. Jeder Euro zählt - auch Teilbeträge sind willkommen.

Verzweifelt haben die Gelsenkirchener Eva und Leibisch Grün versucht, ihre Leben und das ihrer Kinder zu retten. Sie schickten Hella (Jg. 1930 und Herbert (Jg. 1931) nach der Pogromwoche vom November 1938 in das vermeintlich sichere Holland, in der Hoffnung die beiden von dort aus mit einem der Kinder- transporte nach Übersee zu retten. Die Eltern blieben mit zwei weiteren Kindern, Esther (Jg.1929) und Samuel (Jg. 1937) in Gelsenkichen zurück, von hier werden die drei im 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Ihre Kinder Hella und Herbert werden von der NS-Mordmaschinerie in Holland eingeholt, auch sie gehören nicht zu den Überlebenden. Hella wird in Sobibor, Herbert in Auschwitz ermordet.

Gelsenkirchen: Spenden sollen Verlegung von Stolpersteinen finanzieren

Mit dem Projekt "Stolpersteine" erinnert der Bildhauer Gunter Demnig an Menschen, die zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden, unter den Bedingungen der Deportation oder der Haft zu Tode kamen oder unter dem Druck der damaligen Umstände Selbstmord begangen. Ein Stol- perstein wird dort verlegt, wo diese Männer, Frauen und Kinder ihren letzten freiwillig gewählten Wohn- ort hatten. Zu den Opfergruppen zählen Juden, Sinti, Euthanasieopfer, Deserteure, Homosexuelle, Zwangsarbeiter, ethisch, religiös oder politisch Verfolgte.

In Gelsenkirchen wird die Verlegung von Stolpersteinen durch den als gemeinnützig anerkannten Verein Gelsenzentrum koordiniert, um die Archiv-Recherche und Erstellung einer Dokumentation kümmert sich die unter dem Dach des Gelsenzentrum e.V. organisierte Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen. Auf Wunsch können Spenden auch vertraulich behandelt werden. Bei Beträgen von 25 bis 200 Euro reicht der Einzahlungsbeleg zur Ausweisung als Spende für gemeinnützige Zwecke. Für Spenden von mehr als 200 Euro stellen wir eine Spendenquittung aus. Anfragen richten Sie bitte direkt an den Gel- senzentrum e.V., Mail: a.jordan(ätt)gelsenzentrum.de.

Weitere Infos zu Patenschaften und Spenden für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen sowie die IBAN unseres Spendenkontos finden sie → hier.


Stolpersteine Gelsenkirchen: Kunst im öffentlichen Raum  

Andreas Jordan | 3. Oktober 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Stolpersteine - Kunst im öffentlichen Raum.

Stolpersteine - Hier wohnte 1933-1945. Ein Kunstprojekt für Europa von Gunter Demnig.

Kunst im öffentlichen Raum, erlebbar rund um die Uhr, jeden Tag, ohne Einschränkung: Das Kunstpro- jekt "Stolpersteine für Europa" nimmt dabei alle NS-Verfolgtengruppen gleichermaßen in den Blick. Die Kulturwissenschaftlerin Dora Osborne über Gunter Demnigs Kunstprojekt gegen das Vergessen: "Die Verlegung der Stolpersteine ist ein Akt des Archivierens, des Archivierens der Geschichte, die zumeist nur noch aus Asche und Staub besteht. Die Biografien der Menschen wären niemals recherchiert wor- den und somit für immer verloren gewesen." So geschehen in Gelsenkirchen an bisher 266 Orten im öffentlichen Raum - 266 Lern- und Erinnerungsorte, verortet durch einen Stolperstein. Weitere werden folgen - jeder kann mit der Übernahme einer Patenschaft dazu beitragen, denn über diese Patenschaf- ten werden die Stolpersteine finanziert.


80. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar: Massenmord nach Dienstplan 

Andreas Jordan | 29. September 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

IN MEMORIAM…BABIJ JAR, 29./30.09.1941. Fotoarbeit: Dr. Joest Leopold, Peter-Ustinov-Schule Hude

In dieser Phase des Eroberungs- und Vernich- tungskrieges gegen die Sowjetunion und des Ho- locaust brachten die mobilen Mordkommandos die Menschen noch auf kurzer Distanz mit ihren Schusswaffen um, der fabrikmäßige Massen- mord durch Gaseinsatz begann erst ab Anfang 1942. In Babyn Jar wurden auch nach den Mas- senerschießungen am 29. und 30. September 1941 weiterhin Zehntausende ermordet – Jüdin- nen und Juden, Roma, Kriegsgefangene, Kran- ke, KommunistInnen und viele andere.

"Sie mussten sich bäuchlings auf die Leichen der Ermordeten legen und auf die Schüsse warten. Dann kam die nächste Gruppe. 36 Stunden lang kamen Menschen in Babyn Jar an und wurden ermordet." - Vor 80 Jahren erschoss ein deutsches "Sonder- kommando 4a" der Einsatzgruppe C bestehend aus Waffen-SS, Wehrmacht und verschiedenen deut- schen Polizeieinheiten sowie ukrainischer Hilfspolizei innerhalb von 36 Stunden in der Schlucht Babyn Jar (Kiew) fast 34.000 Männer, Frauen und Kinder. Akribisch gezählt - und in Berichten festgehalten. Ein Holocaust durch Kugeln, perfide getarnt als "Umsiedlungsaktion": ein monströs-effizient geplantes Mas- senverbrechen. 36 Stunden lang, rund 1000 Menschen pro Stunde, 17 in einer Minute. Im Schichtbe- trieb wurden die hilflosen Opfer erschossen und anschließend im Massengrab verscharrt. Für das leib- liche Wohl der Mörder in Form warmer Mahlzeiten sorgte ein eigens herbeigeschaffter Küchenwagen, laut durch die Schlucht schallende Opernmusik sollte die Todesschreie der Menschen übertönen.

Das Foto zeigt einen dieser 'Kameradschaftsabende' des aktiv an Holocaust und Massenverbrechen von Babyn Jar beteiligten Bremer Polizeibataillons 303, aufgenommen vermutlich in Kiew 1941.

Abb.: Nach ihren Mordaktionen feierten die selbsternannten Herrenmenschen und Rassekrieger sich und ihre "Erfolge" bei sogenannten "Kameradschaftsabenden" - Nach einem Massenmord gab es zumeist eine Extra-Ration Alkohol. Das Foto zeigt einen dieser "Kamerad- schaftsabende" des aktiv an Holocaust und Massenverbrechen von Babyn Jar beteiligten Bremer Polizeibataillons 303, aufgenommen vermutlich in Kiew 1941. (Foto: Staatsarchiv Bremen)

Zwar wurden in den Nürnberger Nachfolgeprozessen 1947/48 drei hochrangige NS-Verbrecher (Paul Blobel, Otto Rasch und Waldemar von Radetzky) wegen ihrer Verantwortung für das Massaker zur Rechenschaft gezogen; SS-Offizier Blobel wurde am 7. Juni 1951 hingerichtet. 1968 werden einige der Täter vom Landgericht Darmstadt wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, andere freigesprochen. "Die An- geklagten saßen wie versteinert da, so als ob sie das nichts anginge", erinnert sich Peter Gehrisch, einer der Geschworenen. Trotzdem ist noch heute, 80 Jahre später, Babyn Jar nur wenigen ein Begriff.

Aus den Reihen der ebenfalls am Massaker beteiligten Wehrmacht jedoch wurde niemand juristisch be- langt, wie die Historikerin Franziska Davies betont. Straffrei blieben auch die meisten Angehörigen der Sonderkommandos und der laut Davies mindestens 700 Männer in der Einsatzgruppe C, die an dem Massenmord beteiligt waren. Erst 1967/68 standen im sogenannten Callsen-Prozess in Darmstadt zehn Mitglieder des Sonderkommandos 4a vor Gericht. Drei Angeklagte wurden freigesprochen, die anderen wegen Beihilfe zum Mord – nicht aber wegen Mordes – zu Gefängnisstrafen zwischen 4 und 15 Jahren verurteilt. August Hafner, Obersturmführer und Kriminalkommissar im Sonderkommando 4a, der Mann, der die Erschießungen in Babyn Jar koordinierte, wurde 87 Jahre alt und starb 1999 in Deutschland eines natürlichen Todes. Heinrich Hannibal, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei sowie Kom- mandeur des Bremer Polizeibataillons 303 wurde nie für seine Kriegsverbrechen belangt, er starb 1971 im Alter von 81 Jahren ebenfalls eines natürlichen Todes.


WDR-Stolperstein App: Unterstützender Faktencheck abgeschlossen 

Andreas Jordan | 15. September 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Schon bald kommt die WDR-Stolperstein App für NRW. Mehr als 260 Datensätze inclusive entsprechender Fotos für die in Gelsenkirchen bisher verlegten Stolpersteine haben wir im Rahmen eines unterstützenden Faktenchecks in innerhalb der letzten drei Wochen in die WDR-Datenbank eingepflegt. Gestern haben noch einige neue Fotos für die App gemacht und natürlich zuvor die jeweiligen Stolpersteine geputzt.

Beim putzen der Stolpersteine ergeben sich oftmals interessante und durchweg positive Gespräche mit Passanten, das war auch gestern im Gelsenkirchener Stadtgebiet nicht anders. Besonders motivierend für unsere weitere Arbeit am Gedenk- und Kunstprojekt Stolpersteine sind dabei auch der große Zuspruch und die Zustimmung, die wir erhalten.

Stolpersteine NRW – WDR-App gegen das Vergessen kommt im Herbst


Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers ist tot 

Andreas Jordan | 11. August 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Ingrid Remmers bei der Stolpersteinverlegung für Familie Buchthal in Gelsenkirchen.

Die Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers (DIE LINKE) ist im Alter von 56 Jahren verstor- ben. Die Verkehrsexpertin saß für den nord- rhein-westfälischen Wahlkreis Gelsenkirchen im Bundestag, zuletzt übernahm die gelernte Büro- kauffrau und Sozialwissenschaftlerin für ihre Fraktion die Funktion als verkehrspolitische Sprecherin. Trotz wiederholter Schicksalsschlä- ge durch schwere Erkrankungen hat sie sich stets zurück ins Leben gekämpft. Sie hinterlässt eine Tochter und zwei Enkelkinder.

Die engagierte Ingrid Remmers, die eigentlich aus Ibbenbüren im Tecklenburger Land stamm- te, hatte ihr Wahlkreisbüro in Gelsenkirchen. Remmers war die bisher erste und einzige Gel- senkirchener Landes- bzw. Bundespolitikerin, die sich in den vergangenen zwölf Jahren der Umsetzung des Projektes Stolpersteine in Gel- senkirchen stets sehr zugewandt gezeigt hatte. Vor zwei Jahren übernahm sie die Patenschaft und damit die Finanzierung für einen der Stol- persteine an der Bochumer Straße in Ückendorf, die dort an Familie Buchthal erinnern. Sie ließ es sich seinerzeit nicht nehmen, trotz gesundheit- licher Einschränkungen an der Verlegung "ihrer" Stolpersteine teilzunehmen. In ihrem Redebeitrag betonte Remmers, wie wichtig der dauerhafte Ein- satz für unsere Demokratie ist und weiter: "Diese Steine sollen Erinnerung und Mahnung zugleich sein. Lasst uns zukünftig Menschen in ihrem Anderssein akzeptieren, lasst uns widerstehen bei Menschen- rechtsverletzungen. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ unterstrich Ingrid Remmers ihr Engage- ment und bedankte sich persönlich bei Bildhauer Gunter Demnig für dessen ausdauernde und hervor- ragende Erinnerungsarbeit.


2. August: Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma 

Andreas Jordan | 2. August 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Das Sinti und Roma Denkmal erinnert im grünen Tiergarten nahe dem Brandenburger Tor an die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma.

Die Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurde zum "entsetzlichen Höhepunkt" der rassisti- schen Verfolgung von Sinti und Roma. Die SS löst das so ganannte "Familienlager" im deut- schen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf und trieb 4300 schreiende und weinende Menschen in den Tod, ein Schreckenstag des Völkermords an Sinti und Roma, dem Porajmos. Seit 2015 wird am 2. August der rund 500.000 Sinti und Roma gedacht, die dem Völkermord in der NS-Zeit zum Opfer fielen. Zugleich sind diese unfassbaren Verbrechen eine Mahnung, sich gegen den noch heute verbreiteten Antiziganismus zu stellen.


Stolpersteine NRW – eine WDR-App gegen das Vergessen 

Redaktion | 29. Juli 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Bildhauer Gunter Demnig. © Karin Richert

Sie sind Teil des größten dezentralen Denkmals der Welt: Die rund 14.000 Stolpersteine in Nord- rhein-Westfalen stehen im Mittelpunkt einer neuen multimedialen WDR-App, die im Herbst veröffentlicht werden soll. Hinter jedem einzelnen dieser Steine des Künstlers Gunter Demnig ver- birgt sich ein Leben, ein Schicksal. Mit Hilfe der App sollen der Lebens- und der Leidensweg die- ser Menschen erlebbar gemacht werden.

Tom Buhrow, WDR-Intendant: „Wir dürfen die Menschen, an deren furchtbares Schicksal mit den Stolpersteinen erinnert wird, niemals vergessen. Das Projekt ist einzigartig. Es wird zum ersten Mal möglich sein, zu jedem in NRW verlegten Stolperstein Informationen abzurufen. Auch jüngere Menschen, vor allem Schüler:innen, werden sich mit der WDR-App auf ganz neue Weise mit den Opfern des Nationalsozialismus beschäftigen können.“

Über 150 nordrhein-westfälische Städte und Gemeinden unterstützen mittlerweile das Projekt. Anfang 2020 hatte der WDR zu allen NRW-Kommunen, in denen seit 1992 die Messingtafeln in den Bürger- steigen verlegt worden sind, Kontakt aufgenommen und zur Kooperation aufgerufen. Nun soll histo- risches Datenmaterial zu den Themen „Deportation und Verfolgung“ das Projekt ergänzen. Der WDR startete jetzt eine entsprechende Abfrage bei den Städten und Gemeinden.


Bereits seit Monaten stehen auch wir mit dem Projekt-Team des WDR im Dialog, denn auch in Gelsenkirchen verlegte Stolpersteine und die damit untrennbar verbundenen Lebens- und Leidenswege NS-verfolgter Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger werden in das Angebot der WDR-App aufgenommen und entsprechend dargestellt.

Stefan Domke, Projektleiter im WDR: „Ohne das vielfältige Wissen und die jahrelange Vorrecherche der Expert:innen vor Ort, wäre ein Projekt dieser Größenordnung gar nicht möglich. Zusammen mit Initia-tiven, Archiven und Aktionsbündnissen sammeln wir erstmals das Material an einem Ort und bereiten es multimedial auf.“ Das Angebot soll ab Herbst unterschiedlich genutzt werden können: Mit der App sollen Smartphone-Nutzer:innen direkt zu jedem Stein, vor dem sie stehen, erfahren können, welche Ge- schichte sich dahinter verbirgt. Zum Anderen lassen sich Stolpersteine gezielt finden – auf der Basis von Namen oder Adressen. Außerdem soll es eine Internetseite mit einer umfangreichen Datenbank und verschiedenen Filtereinstellungen möglich machen, sich die Geschichte der Opfer des National- sozialismus auch am PC zu erschließen.

Stolpersteine NRW – WDR-App gegen das Vergessen kommt im Herbst

Abb.: Mit solch mehrteiligen, betexteten Bildergeschichten wird das Schicksal von rund 200 nordrhein-westfälischen Stolperstein-Opfern illustriert. Das Teilprojekt von "Stolpersteine NRW" wird mit Studierenden und Absolvent:innen der Kunsthochschule Kassel realisiert. Die Umsetzung wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) gefördert.
Collage Bildergeschichten: © Anne Zimmermann/Greta von Richthofen/Burcu Türker/Marthe Viehmann

Neben biographischen Texten, die teilweise auch als Audio zur Verfügung stehen, dienen historische Fotos, Tonaufnahmen und Videos dazu, die Geschichten der Opfer, ihrer Wohnorte und ihrer Zeit, so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen. An ausgewählten Orten werden, mit Hilfe von Augmented Rea- lity, alte Aufnahmen in die heutige Umgebung eingebettet. Darüber hinaus enthält die WDR-App rund 200 gezeichnete Kurzgeschichten, die sich mit dem Schicksal der Menschen auseinandersetzen. Die- se werden in Zusammenarbeit mit jungen Illustrator:innen der Kunsthochschule Kassel produziert. Die- ses Teilprojekt wird durch eine Förderung der Stiftung EVZ (Erinnerung/Verantwortung/Zukunft) ermög- licht. Das WDR-Projekt „Stolpersteine NRW“ soll fortlaufend aktualisiert werden – in Zusammenarbeit mit den beteiligten Kommunen, Initiativen und Archiven vor Ort.


Esther Bejarano ist tot 

Andreas Jordan | 10. Juli 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Esther Bejarano

Esther Bejarano ist im Alter von 96 Jahren in der Nacht auf Samstag (10. Juli 2021) in ihrer Wahl- heimat Hamburg verstorben.

Unser Beileid geht an ihre Familie und ihre Freunde; möge das Gedenken an sie ein Segen für uns alle sein. Baruch Dayan Ha‘Emet.


„Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.“ Esther Bejarano

Die Tochter eines jüdischen Kantors wurde 1943 in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. "Ich bekam die Nummer 41948. Namen wurden abgeschafft, wir waren nur noch Nummern", schreibt Bejarano in ihrer Autobiografie 'Erinnerungen'. Darin schildert sie die Schrecken des Alltags im Lager und wie sie durch das Frauenorchester eine Chance zum Überleben bekam. Am schlimmsten war für sie, dass das Orchester auch spielen musste, wenn neue Transporte ankamen, die direkt für die Gaskammern bestimmt waren. "Als die Men- schen in den Zügen an uns vorbeifuhren und die Musik hörten, dachten sie sicher, wo Musik spielt, kann es ja so schlimm nicht sein", erin- nerte sie sich. Weil ihre Großmutter Christin war, wurde sie in das KZ Ravensbrück verlegt, überlebte dort einen so genannten Todesmarsch.

Nach der Befreiung widmete die engagierte Mahnerin ihr Leben der Musik, dem Kampf gegen den Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Sie sei am frühen Samstagmorgen ganz friedlich eingeschlafen und habe nicht gelitten, sagte ihre enge Freundin Helga Obens, Vorstandsmitglied vom internationalen Auschwitz-Komitee. Schon am Abend habe sich abgezeichnet, dass es ihre letzten Stunden sein werden. Sie sei im Israelitischen Krankenhaus von Freunden umgeben gewesen, in den frühen Morgenstunden verstummte ihre Stimme für immer.


Gemeinsam erinnern: Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen  

Redaktion | 20. Juni 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gemeinsam erinnern: Stolpersteine wurden in Gelsenkirchen verlegt

Bildhauer Gunter Deming, der die Idee der Stol- persteine in den frühen 1990er Jahren erdachte, hat seither zumeist mit eigenen Händen annä- hernd 90.000 Stolpersteine in 26 Ländern Euro- pas in das Pflaster von Gehwegen eingelassen. Demnigs Stolpersteine erinnern an alle Verfolg- tengruppen gleichermaßen. Am Freitagvormittag traf der Bildhauer in Ückendorf ein, an Bord sei- nes roten Lieferwagens hatte Demnig auch die 25 neuen Stolpersteine für Gelsenkirchen. Am Knappschaftshof begann die Verlegetour durch das Stadtgebiet.

Zahlreich waren LehrerInnen, SchülerInnen (Klasse 8.1) und Ehemalige der Gesamtschule Berger Feld vor Ort erschienen, als am Knappschaftshof die Stolpersteine für Familie Walter Levie ins Pflaster eingelassen wurden. Hatten sie doch die Paten- schaften und damit die Finanzierung für dieser drei Erinnerungszeichen übernommen. Die Jugendlichen gestalteten mit ihren Beiträgen die kleine Zeremonie aktiv mit. Vor allem für die jüngere Generation, für die der Holocaust immer weiter wegrückt, bieten Stolpersteine einen besonderen Zugang zur Geschich- te. Abstrakte Opferzahlen in Millionenhöhe werden auf diese Weise individualisiert und in einen lokalen, zeithistorischen Kontext gerückt. Mit der erschütternden und aufklärenden Wirkung der Stolpersteine kehren Namen zurück und gewaltsam genommene Lebenswelten werden sichtbar gemacht.

Arisierungsgewinnler in der eigenen Familie

In der Stadtchronik Gelsenkirchen ist unter dem 3. Februar 1939 nachzulesen: "Das frühere jüdische Kaufhaus Heymann & Co. in Rotthausen ist in die Hände des Kaufmanns Bernhard Strickling überge- gangen." Mit dem Verlust ihrer Existenzgrundlage durch staatlich legitimierten Raub, von den Nazis "Arisierung" genannt, floh Familie Heymann im April 1939 in vermeintliche Sicherheit nach Holland. Ihr Lebensweg fand jedoch 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ein gewaltsames Ende.

Stolpersteine für Familie Hermann Heymann in Gelsenkirchen

Jeder entscheidet für sich selbst, wie er mit der Geschichte und der Vergangenheit der eigenen Familie umgeht. Was wusste der Kaufmann Bernhard Strickling seinerzeit über den Verbleib des Vorbesitzers des Kaufhauses Heymann & Co., was hat er möglicherweise später erfahren? Vielleicht hat es ihn auch nicht interessiert, vielleicht wollte er es gar nicht wissen. In der Unternehmensgeschichte der Stricklings wurde der Zugewinn durch "Arisierung" bisher nicht thematisiert. Cornelia Schwander hingegen, eine Enkelin von Bernhard Strickling, hat sich entschieden - sie hat die Patenschaft für die drei Stolpersteine übernommen, die nun an Hermann, Erna und Ellen Margrit Heymann erinnern. Vom Niederrhein, aus Karlsruhe und Freiburg waren Cornelia Schwander und weitere Nachfahren Bernhard Stricklings eigens angereist, um an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen und auf diese Weise den Ermordeten einen Teil ihrer menschlichen Würde zurückzugeben.

Gemeinsam erinnern: Stolpersteine für Familie Isidor Goldblum in Gelsenkirchent

Auch die Familien Goldblum (Zeppelinallee 55) und Katzenstein (Schalker Strasse 174) wurden Opfer der vornehmlich gegen jüdische Menschen gerichten NS-Ausplünderungspolitik. Fast allen Familienmitgieder konnten jedoch ihr Leben durch Flucht aus Nazi-Deutschland retten und in den USA neue Leben beginnen. An der Bahn- hofstrasse 62 und der Schalker Straße 160 erin- nern zwei weitere Stolpersteine an den jeweiligen Geschäftssitz der Firma Gbr. Goldblum.

Leider verhinderte die Pandemie die Anreise von Nachfahren, so wurden diese 14 Stolpersteine im kleinen Kreis verlegt. Kantor Juri Zemski, der seit mehr als zehn Jahren die Stolpersteinverlegun- gen in Gelsenkirchen unterstützt und begleitet, trug auf virtuose Weise auch an diesem Verlege- ort das Gebet El male rachamim vor.

Die Patenschaft für den Stolperstein, der nun im Lörenkamp in der Gelsenkirchener Altstadt an Elias Finger erinnert, hat der Förderverein des Schalker Gymnasiums übernommen. Leider war einer Lehrerin im Vorfeld ein bedauerlicher Feh- ler unterlaufen, sie hatte das Datum der Verlegung schulintern irrtümlich für Juli kommuniziert. Und so wurde auch dieser Stolperstein im kleinen Kreis verlegt.

Gemeinsam erinnern: Stolpersteine für Familie Dr. Hugo Alexander in Gelsenkirchent

Fred Alexander hatte der Verlegung der Stolper- steine, die nun an der Von-Der-Recke-Straße an ihn und seine Eltern erinnen, ausdrücklich zuge- stimmt. Die Spendengemeinschaft Flöz Dicke- bank, die zur Finanzierung dieser Stolpersteine beigetragen hat, war es sehr wichtig anwesend zu sein. In Wortbeiträgen aus diesem Kreis wur- de deutlich gemacht, das grade angesichts der stetigen Zunahme von rassistischen und neona- zistischen Äußerungen und Aktivitäten die Erin- nerung an die unfassbaren NS-Verbrechen im- mens wichtig ist.

Weiße Rose gilt als Zeichen des Widerstandes

Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung St. Josef hat die Patenschaft für den Stolperstein über- nommen, der nun im unteren Teil der Ahstraße an Vikar Heinrich König erinnert. Vielleicht wäre König nicht im KZ Dachau ermordet worden, wenn er eben nicht aus seinem nachbarschaft- lichen Umfeld bei der Gelsenkirchener Gestapo denunziert worden wäre. König hatte sich in sei- ner Dienstwohnung an der Ahstraße gegenüber dem Wehrmachtssoldaten Waßmann junior über die "Vergasung Geisteskranker" und die "Affäre Heß" geäußert. Für Waßmann Grund genug, König bei der Gestapo zu denunzieren. Ein Pädagoge der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung verteilte am Verlegeort weiße Rosen, die zum Abschluß der Verlegung von den Teilnehmenden als Geste des Gedenkens in eine Vase gestellt wurden.

Stolperstein für Heinrich König in Gelsenkirchen

"Uns ist es ein großes Anliegen, mit der Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen nicht zuletzt auch ein Zeichen gegen jedwede Form von Rassismus und Menschenhass zu setzen und die Erinne- rung an die Verfolgung und Ermordung unschuldigen menschlichen Lebens wachzuhalten" so Andreas Jordan, Initiator der Stolpersteininitiative Gelsenkirchen, und weiter: "An dieser Stelle sei den Patinnen und Paten dieser Stolpersteine gedankt, die mit ihrem Engagement die kleinen Denkmale finanziert haben. Unser Dank geht auch an Gunter Demnig und sein Team, an alle Menschen, die am Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen direkt oder indirekt mitarbeiten oder es unterstützen. Wir alle tragen ge- meinsam die Botschaft des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer weiter, der einmal gesagt hat: "Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon."


Gelsenkirchen: Weitere Stolpersteine sollen an Opfer der NS-Diktatur erinnern  

Andreas Jordan | 11. Juni 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Weitere Stolpersteine werden in Gelsenkirchen verlegt

Seit 2009 verlegen wir gemeinsam mit Stolper- stein-Erfinder Gunter Demnig die kleinen Denk- male in Gelsenkirchen als fester Bestandteil einer nachhaltigen Erinnerungs- und Gedenk- kultur. Finanziert wird das Projekt über Spenden, getragen von zivilgesellschaftlichem Engage- ment. Gunter Demnigs Kunstprojekt "Stolper- steine für Europa" nimmt alle NS-Verfolgten- gruppen gleichermaßen in den Blick.

Am 18. Juni diesen Jahres ist es soweit, dann kommt Bildhauer Gunter Demnig einmal mehr nach Gelsenkirchen. An diesem Tag werden Stolpersteine verlegt für die Familien Walter Levie (11.30, Knappschaftshof 1), Hermann Heymann (12.15, Karl-Meyer-Str. 29), Isidor Goldblum (13.00, Zeppelinallee 55), Siegmund Katzenstein (13.45, Schalker Str.174), Elias Finger (14.30, Im Lörenkamp 2), Dr. Hugo Alexander (15.00, Von-Der-Recke-Str. 15), Vikar Heinrich König (15.30, Husemannstr. Ecke Ahstr.). Zu beachten ist, das sich die angegebenen Uhrzeiten +/-20 Minuten verschieben können. Bei den einzelnen Verlegungen sind die gültigen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.

Zwei weitere Stolpersteine wird Gunter Demnig an diesem Tag im Gepäck haben. Wir werden diese beiden kleinen Denkmale in Eigenregie zeitnah auf Wunsch von Angehörigen an der Bahnhofstrasse sowie an der Schalker Straße/- Ecke Grillostrass in das Gehwegpflaster einsetzen. Die jeweiligen In- schriften verweisen auf den staatlich legitimierten Raub im Fall Isidor Goldblum, auf die wirtschaftliche Ausplünderung jüdischer Menschen, im Nazi-Jargon 'Arisierung' genannt.


Gelsenkirchen-Resse: Erneuerter Stolperstein erinnert wieder an jüdischen Arzt  

Andreas Jordan | 2. Juni 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Beschädigten Stolperstein ersetzt

Heute morgen haben wir in Absprache mit Bild- hauer Gunter Demnig den von einem privaten Winterdienst zerstörten Stolperstein für Dr. Sa- muel Hocs vor dem Emmaus-Hospiz an der Hedwigstrasse in Gelsenkirchen-Resse durch ein nagelneues Exemplar ersetzt. Metallplasti- ker und Bildhauer Michael Friedrichs-Friedlän- der aus Demnigs Team hatte trotz vollem Ter- minkalender schnellstmöglich für den Ersatz- stein gesorgt.


Winterdienst: Stolperstein in Gelsenkirchen-Resse zerstört 

Andreas Jordan | 29. März 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gedenken: Beschädigter Stolperstein

Knapp zwei Jahre erinnerte ein Stolperstein an der Hedwigstrasse in Resse an den vom NS-Terrorregime vertriebenen jüdischen Arzt Dr. Samuel Hocs. Nun wurde die Zerstörung der Messingkappe des Erinnerungszeichen fest- gestellt - augenscheinlich nach dem jüngsten Wintereinbruch von einem falsch eingestellten Schild eines Schneeräumers.

Am Freitag Morgen nahmen wir nach einem Hin- weis aus der Stadtgesellschaft den zerstörten Stolperstein vor Ort in Augenschein. Zunächst waren wir von einer gewaltsamen Beschädigung durch Vandalen ausgegangen, auch der Ver- dacht einer politisch motivierten Tat stand zu- nächst im Raum.

Doch auch im weiteren Bereich um das kleine Bodendenkmal wies das Gehwegpflaster gleichartige Schleifspuren und Beschädigungen auf. In der Summe deuteten die Spuren dann doch eher auf die unglückliche Handhabung eines Schneeräum- gerätes hin. Die hinzugerufene Polizei sah nach telefonischer Rücksprache mit dem polizeilichen Staatsschutz aufgrund der Spurenlage ebenfalls keine Anhaltspunkte für einen mutwilligen Angriff auf das Gedenkprojekt Stolpersteine. Wir haben bereits einen Ersatzstein zur Verlegung an gleicher Stelle in Auftrag gegeben, wer jedoch letztlich die Kosten für den neuen Stolperstein übernehmen wird, ist derzeit noch unklar.


Die Zeit heilt nicht alle Wunden: Deportation der Gelsenkirchener Sinti und Roma 

Andreas Jordan | 4. März 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Vor 78 Jahren, am 9. März 1943, veranlasste die Gelsenkirchener Polizei auf der Basis des sogenann- ten "Auschwitz-Erlass" von Heinrich Himmler die Deportation der sich noch im kommunalen Zwangsla- ger an der damaligen Reginenstrasse befindlichen Gelsenkirchener Sinti in das deutsche Vernichtungs- lager Auschwitz-Birkenau. Die allermeisten der verschleppten Menschen fielen dem unbedingten Ver- nichtungswillen der Nazi-Barbaren zum Opfer, nur einige wenige erlebten 1945 ihre Befreiung.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden: Erinnerung an die Deportation der Gelsenkirchener Sinti und Roma am 9. März 1943

Abb.: Im Mai 1939 wurde von der Stadt Gelsenkirchen ein neuer Zwangslagerplatz für die Gelsenkirchener Sinti bestimmt: Das neu errichtete Inter- nierungslager an der Reginenstraße, gelegen auf unbebautem Gelände zwischen den Deutschen Eisenwerken (Schalker Verein) und der Gelsen- kirchener Bergwerk-AG (GBAG) mit ihrer Zeche und Kokerei Rheinelbe/Alma. Der "Umzug" fand am 9. Juni 1939 statt. Die Wohnwagen, dreißig an der Zahl, zogen vor den Augen der Stadtgesellschaft unter behördlicher Bewachung in einer Kolonne vom vorherigen Lagerplatz an der Cranger Straße (Höhe Freibad Grimberg) quer durch die Stadt zum Lagerplatz Reginenstraße in Gelsenkirchen-Hüllen (Luthenburg). (Repro: Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939)

Bis heute ist die Gesamtzahl der ermordeten Kinder, Frauen und Männer der Minderheit nicht exakt zu bestimmen; der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma geht von etwa 500 000 Menschen aus, die den Mordaktionen und den grausamen Bedingungen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern zum Opfer fielen. Doch auch nach Kriegsende setzten sich die Diskriminierung und Kriminalisierung der Angehörigen dieser Minderheit in Behörden, Schulen und Institutionen fort. Die wenigen überlebenden Sinti und Roma erfuhren weder eine Anerkennung als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung noch erhielten sie Entschädigungsleistungen. Die Täter hingegen konnten in den allermeisten Fällen ihre Karrieren ungebrochen weiterführen - so auch in Gelsenkirchen. Auch heute noch sehen sich Sinti und Roma mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert.


Gedenken: Blick auf alle Opfergruppen 

Redaktion | 28. Januar 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gedenken: Blick auf alle Opfergruppen

Ein lesenswerter Artikel, hier in leicht gekürzter Fassung, der u.a. auch und grade in Gelsen- kirchen wahrgenommen werden sollte.

Von Andreas Froese, zuerst erschienen in Volksstimme am 27. Januar 2021:

Gedenken aller Opfer der Nationalsozialisten

"[...] Wem ist der 27. Januar – der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernich- tungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen – eigentlich gewidmet? Oft wird dieser Tag vorschnell zum „Holocaust-Gedenktag“ verkürzt. Doch diese Bezeichnung ist nur zum Teil zutreffend. Denn im Gegensatz zum inter- nationalen „Holocaust Remembrance Day“, den die Vereinten Nationen seit 2005 alljährlich am 27. Januar begehen, ist dieser Gedenktag in Deutschland nicht nur den Ermordeten des Holocausts, sondern darüber hinaus allen Opfern und Verbrechenskomplexen des Nationalsozialismus gewidmet.

Dazu gehören neben Jüdinnen und Juden auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeuginnen und Zeugen Jehovas, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Opfer von NS-Justiz- verbrechen, Widerstandskämpfende, Opfer des Vernichtungskrieges der deutschen Wehrmacht in den besetzten Ländern, Ermordete der nationalsozialistischen „Euthanasie“, Opfer von Todesmarsch- und Endphaseverbrechen und viele mehr.

Fragen nach Täterschaft und Mitläufertum

Mit diesem ganzheitlichen Blick auf alle Opfergruppen und Verbrechenskomplexe erweitern sich auch die räumliche und die zeitliche Dimension dieses Gedenktages. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die nationalsozialistischen Verbrechen weit entfernt irgendwo „im Osten“, sondern eben auch die dama- ligen Gewalt-, Verfolgungs-, Entrechtungs- und Mordpraktiken an unseren Nachbarinnen und Nach- barn, vor unseren Haustüren, in unserer Stadt, vor aller Augen.

Menschenfeindliche Praktiken, die zudem nicht erst mit „Auschwitz“ begannen, sondern bereits unmit- telbar nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten ab Januar 1933 zum Alltag in Deutschland gehörten.

Zudem sind mit den vielen Millionen Opfern des Nationalsozialismus auch Fragen nach Täterschaft und Mitläufertum, nach Profiteurinnen und Profiteuren, nach Mitbeteiligten und Unterstützenden der natio- nalsozialistischen Gewaltverbrechen verbunden. Es waren eben nicht nur einige wenige Haupttäte- rinnen und -täter, sondern unzählige Menschen aus der gesamten damaligen Gesellschaft, deren bereitwilliges Mitwirken die Durchführung all dieser Verbrechen erst ermöglichte. Ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, das die Fragen nach konkreten Täter- und Mittäterschaften ausklam- mert, würde sich auf ein ohnmächtiges und hilfloses Betrauern beschränken.

Mit Geschichte kritisch auseinandersetzen

Deshalb ist eine fundierte Auseinandersetzung mit der Funktionsweise der damaligen NS-Gesellschaft unverzichtbar. Kränze und Blumen zum Gedenken niederzulegen, ermöglicht es uns alleine noch nicht, ein solches kritisches Geschichtsbewusstsein zu entwickeln. Dafür müssen wir einen Schritt weiterge- hen, indem wir uns mit Fragen nach Gewalt im sozialen Alltag der damals propagierten „Volksgemein- schaft“ beschäftigen und dabei die Mechanismen von sozialer Ausgrenzung und Verfolgung, von Ras- sismus, Nationalismus, Antisemitismus und anderen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeind- lichkeit hinterfragen. Eine große Aufgabe, die sich nicht allein auf den 27. Januar beschränkt, sondern auch an allen übrigen Tagen im Jahr erfolgen sollte.

Schließlich ist unser Gedenken immer auf unsere eigene jeweilige Gegenwart bezogen. Welche Be- deutung messen wir heute den Ereignissen zwischen 1933 und 1945 bei? Und welche Formen des mangelnden Geschichtsbewusstseins oder des absichtlichen Geschichtsrevisionismus erleben wir heute?

Öffentliche Beispiele hierfür finden sich jede Menge: etwa Gedenksteine an öffentlichen Straßen und Plätzen, die geschändet werden. Etwa Menschen der sogenannten „Querdenkenden“, die sich auf Demonstrationen in anmaßender Weise in eine gemeinsame Reihe mit Verfolgten und Widerstand- kämpfenden aus der NS-Zeit stellen, sich in einer „Corona-Diktatur“ wähnen und von einem „neuen Ermächtigungsgesetz“ sprechen. Etwa Menschen, die bis heute die Verbrechen der deutschen Wehr- macht verharmlosen, indem sie zum „Heldengedenken“ aufrufen. Oder etwa Menschen, die alliierte Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs beklagen, ohne aber den deutschen Angriffs- und Ver- nichtungskrieg als deren Vorgeschichte und Ursache zu benennen.

Über eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte den Blick schärfen für unsere eigene Ge- genwart und Zukunft: In einem solchen umfassenden Sinne können wir uns trotz der coronabedingten Einschränkungen auch in diesem Jahr von zu Hause aus mit dem Gedenken an die Opfer des Natio- nalsozialismus auseinandersetzen. [...]"


Zahl der Lernorte wächst: Projekt Stolpersteine wird in Gelsenkirchen auch 2021 fortgesetzt 

Andreas Jordan | 27. Januar 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Auch 2021 werden in Gelsenkirchen Stolpersteine verlegt

Seit 2009 verlegen wir in Gelsenkirchen gemein- sam mit Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig seine Stolpersteine als festen Bestandteil einer nachhaltigen Erinnerungs- und Gedenkkultur - getragen von zivilgesellschaftlichem Engage- ment. Bildhauer Gunter Demnig sieht sein Stol- perstein-Projekt als "Soziale Skulptur", in Anleh- nung an den von Joseph Beuys geprägten Be- griff der "sozialen Plastik".

Das Projekt Stolpersteine nimmt alle Verfolgten- gruppen gleichermaßen in den Blick. Am Projekt beteiligen kann sich praktisch jeder. Das Geld für die Gedenksteine kommt allein durch Spenden zusammen. Wer für einen solchen Stolperstein die Patenschaft übernehmen will (pro Stein 120 Euro), bekommt die nötigen Informationen hier auf unserer Website. Wer das Projekt ohne Geld unterstützen möchte, kann sich beispielsweise daran beteiligen, die Stolpersteine zu reinigen und zu pflegen. Seit 2009 konnten wir so mit Unterstützung von Patinnen und Paten 238 Stolpersteine sowie eine Stolperschwelle (Sonderform der Stolpersteine) in Gelsenkir- chen verlegen. Schon bald kommen in unserer Stadt weitere 25 der kleinen Erinnerungszeichen hinzu.

Am 18. Juni diesen Jahres ist es soweit, dann kommt Bildhauer Gunter Demnig nach derzeitigem Planungsstand einmal mehr nach Gelsenkirchen. An diesem Tag werden Stolpersteine verlegt für die Familien Isidor Goldblum, Siegmund Katzenstein, Hermann Heymann, Dr. Hugo Alexander, Walter Levie sowie für den Kaufmann Elias Finger und Vikar Heinrich König.

Das komplexe und abstrakte Wissen um die Geschichte des Holocaust wird in den Stolpersteinen sehr konkret. Die Erinnerung an jedes einzelne NS-Opfer wirkt so intensiv und nachhaltig, weil die Wahrneh- mung an seinem früheren Lebensmittelpunkt – der Straße, dem Eingang zur Wohnung, dem sozialen Umfeld – erfolgt. Jeder einzelne Stolperstein steht dabei für ein Leben und symbolisiert einen Erinne- rungsort, der gleichzeitig zum Lernort wird. Diese Orte bieten ohne Einschränkungen an jedem Tag rund um die Uhr die Möglichkeit, Gedenken sehr individuell und privat zum Ausdruck zu bringen. Frei verfügbare biografische Skizzen, die in unserem digitalen Lesesaal zum Abruf bereit stehen, ergänzen die Inschriften auf den jeweiligen Stolpersteinen.


Die extremste Form der Flucht 

Andreas Jordan | 23. Januar 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

"Denn die Steigerung des Leides ist keineswegs der Tod, sondern das einem lebenden Menschen
angetane Maß an Erniedrigung und Beleidigung."

(Zitat nach H.G. Adler*)

Ein Stolperstein für Helene Lewek in Gelsenkirchen

Die Gelsenkirchenerin Helene Lewek (Jg. 1881) wählte am 25. Januar 1942 in der zum "Juden- sammellager" umfunktionierten Ausstellungshal- le am Wildenbruchplatz angesichts der ihr be- vorstehenden Deportation die Flucht in den Tod. Bereits kurz zuvor gab es weitere Suizide in- nerhalb der jüdischen Gemeinschaft in unserer Stadt. Mit dem Erhalt der schriftlichen Ankündi- gungen der "Evakuierung in den Osten" ent- schieden sich weitere Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener, darunter Ida Reifenberg (Jg. 1878) und Hulda Silberberg (Jg. 1883) diesen Weg zu gehen. Entrechtung, Resignation, Angst, Verzweiflung und Einsamkeit hatten die Menschen zu diesem letzten, selbstbestimmten Schritt gebracht. Um sich dem physischen und psychischen Terror der NS-Machthaber, der gesell- schaftlichen und der persönlichen Ächtung in Deutschland zu entziehen, gaben sie sich selbst den Tod. Wenigstens die Entscheidung über ihren Tod wollten diese Menschen nicht den Nazis überlassen. Nur auf diesem Wege wussten sie sich ihrer Würde bewahrt.

An Helene Lewek erinnert ein Stolperstein an ihrem letzten Wohnort, ein weiterer an ihrem Todesort, dem temporären "Judensammellager" in der Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz. Heute steht dort die Polizeiwache Gelsenkirchen-Süd und ein Gebäude von Straßen.NRW. An der Bochumer Straße 45, ihrem letzten Wohnort, erinnert ein Stolperstein an Hulda Silberberg. Auch an Ida Reifenberg soll ein Stolperstein erinnern, hier wird zur Finanzierung noch ein Stolperstein-Pate gesucht.

*Zitat von H.G. Adler in: Theresienstadt 1941-1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft. Tübingen 1955, 2. Aufl. 1960, S. 109)


Homosexuelle Nazi-Opfer: Ihr Leid blieb bisher weitgehend unbeachtet 

Andreas Jordan | 22. Januar 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Dem Holocaust der deutschen Nazis fielen vor allem Menschen jüdischen Glaubens zum Opfer. Unter den Millionen Verfolgten, Gequälten und Ermordeten waren neben Sinti und Roma, Slawen, Zeugen Jehovas oder politischen Regimegegner auch viele Homosexuelle. Auch die zeitgeschichtliche For- schung hat sich über Jahrzehnte hinweg nicht mit Schwulen, Lesben oder anderen aus sexuellen Grün- den im Nationalsozialismus bedrängten Menschen befasst.

Der Bochumer Diplom-Psychologe und Mitbegründer der Schwulenberatung Rosa Strippe, Jürgen Wenke, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in den Archiven nach Dokumenten zur Verfolgung bzw. Ermordung schwuler Männer zu recherchieren und diese aufzuarbeiten. Die Ergebnisse seiner For- schungsarbeit veröffentlicht er anlässlich von daraus resultierenden Stolpersteinverlegungen. In ge- deihlicher, kontinuierlicher Zusammenarbeit haben wir so in den letzten Jahren gemeinsam vier Stol- persteine für homosexuelle Männer in Gelsenkirchen realisieren können, Bildhauer Gunter Demnig verlegte in unserer Stadt Stolpersteine für Arthur Hermann, Ernst Papies, Lothar Keiner und Josef Wesener.

Der Opfer gedenken, Faschismus verhindern, Demokratie stärken.

(Foto: cc Ingolf / flickr)

Mehr als beschämend, dass Nachkriegsdeutschland nahtlos an die Nazi-Verfolgung von sexuellen Min- derheiten anknüpfte. Homosexuelle sind noch lange nach Kriegsende weiter diskriminiert, isoliert und auch strafrechtlich verfolgt worden. Erst am 11. Juni 1994 verschwand der §175, der sexuelle Handlun- gen zwischen Männern unter Strafe stellte und viele Leben zerstörte, endgültig aus dem deutschen Strafrecht. Rehabilitation und Entschädigung haben viele der Opfer nicht mehr erlebt. Schwulenfeind- lichkeit und Vorurteile gegen Homosexuelle sind weitverbreitet. Wir mögen zwar vereinzelt homosexu- elle Minister und Bürgermeister haben, aber in weiten Teilen der Gesellschaft sieht das noch völlig anders aus. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Fußball, dort sind homophobe und sexistische Diskriminierungen fest verankert - bei vielen Zuschauern, Spielern und Funktionären gleichermaßen.


27. Januar: Internationaler Holocaust-Gedenktag 2021 

Andreas Jordan | 15. Januar 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Der 27. Januar ist für Gelsenkirchen ein Gedenktag mit doppelter Bedeutung. An diesem Tag im Jahr 1942 verließ ein Deportationszug Gelsenkirchen Richtung Riga in Lettland, drei Jahre später wurde am 27. Januar das deutsche Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit.

Auch in Gelsenkirchen wird anlässlich dieses Tages an die Verbrechen der nationalsozialistischen Ge- waltherrschaft erinnert und aller Opfer des Terrorregimes gedacht. Die Erinnerung an die Deportation Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger, die Befreiung von Auschwitz und alle Opfer des deutschen Faschismus halten wir lebendig, auch und grade in der Coronapandemie. Wir müssen heute mehr denn je aufzeigen, warum das Gedenken an historisches Unrecht eine Relevanz für unser Zusammenleben hier und heute hat, ob das vor dem Hintergrund der aktuellen pandemiebedingten Einschränkungen in Präsenzveranstaltungen, individuellem Gedenken oder digital geschieht, ist dabei eher zweitrangig.

Am 27. Januar 2021 der Opfer gedenken, Faschismus verhindern, Demokratie stärken.

Abb.: Deportation jüdischer Deutscher nach Riga. Das Foto wurde 1941 auf dem Güterbahnhof Bielefeld aufgenommen. (Foto: Stadtarchiv Biele- feld, Bestand 300,11/Kriegschronik der Stadt Bielefeld, Nr. 4., S. 332)

Die auf dem Foto gezeigte Szenerie ist vergleichbar mit dem Gelsenkirchener Deportationstransport vom 27. Januar 1942. Die im temporären "Judensammellager" am Wildenbruchplatz einige Tage zuvor eingepferchten Menschen mussten am nahegelegenen Güterbahnhof in einen Personenzug der Reichs- bahn einsteigen, der sie nach Riga transportieren sollte. Deutsche Juden wurden nicht mit Güterzügen aus ihren Heimatorten, sondern durchweg mit Personenzügen deportiert — nicht zuletzt, um die Opfer zu täuschen und ihnen einen "Arbeitseinsatz im Osten" vorzugaukeln. Die Fahrtkosten hatten die zur Deportation bestimmten Menschen selbst zu entrichten. Einfache Fahrt, 3. Klasse. Eine Rückfahrt war nicht vorgesehen. - 27. Januar 1942 - ein Deportationszug mit Ziel Riga verlässt Gelsenkirchen: Lebens- geschichtliche Erinnerungen von Zeitzeugen

 

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Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen.

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