STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Ausgrenzung und Verfolgung erinnern - dem Vergessen entgegen wirken


Stolpersteine Gelsenkirchen

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„Was keiner geglaubt haben wird, was keiner gewusst haben konnte, was keiner geahnt haben durfte, das wird dann wieder das gewesen sein was keiner gewollt haben wollte.“ (Erich Fried)


Aktuelles & Termine  

Auf dieser Seite veröffentlichen wir 'Aktuelles' rund um das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen.

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Die nächste Verlegung Link von Stolpersteinen in Gelsenkirchen mit Bildhauer Gunter Demnig ist für Dienstag 9. Juni 2026 geplant, weitere Gemeinschaftsverlegungen
finden am Dienstag 16. Juni 2026 und am Montag, 9. November 2026 statt.

+ + Weitere Patenschaften Link zur Finanzierung von Stolpersteinen können übernommen werden. + +

+ + + Ausgrenzungsgesellschaft: Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen Link + + +

+ + + Buchprojekt Stolperstein-Geschichten Gelsenkirchen Link sucht Sponsoren. + + +

 


Bildhauer Demnig verlegte erste Stolpersteine in Herne  

Andreas Jordan | 28. Januar 2026 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gut vorbereitet war Hernes erste, gut besuchte Stolpersteinverlegung. Stadthistoriker Ralf Piorr, der federführend das Stolpersteinprojekt für Herne umsetzt, hat mit seinem Team hervorragende Arbeit geleistet. Wie üblich bei einer Erstverlegung in einer Komune hat der 78jährige Bildhauer Gunter Demnig diese Stolpersteine selbst verlegt. Sie erinnern nun im Ortsteil Wanne-Eickel an der Hauptstraße vor Hausnummer 293 an die jüdische Kaufmannsfamilie Chaim, Jutta Malka, Simon und Jeanette Hecht.


""Es ist wichtig, eine Erinnerungskultur zu schaffen: an das Geschehene zu erinnern, die Geschichten der Menschen zusammenzuführen und deutlich zu machen, dass Judenhass kein Relikt des Holocausts ist, sondern so alt wie der Hass selbst."".

(Talya Mossenson)


Zur Verlegung eigens angereist war auch die Nachfahrin Dr. Diane Mossenson - sie lebt in der Stadt Perth, Hauptstadt Westaustraliens. Diane Mossenson ist die Tochter von Jeanette Hecht, begleitet wurde sie von Ihrer Tochter Talya.

Erinnerungskultur in Herne: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Schülerinnen und Schüler legten vor Ort mitgebrachte rote Rosen nieder. Netty Hecht war etwa im gleichen Alter, als sie erste Ausgrenzungs- und Verfolgungsmaßnahmen erlebte. (Foto: © Gelsenzentrum e.V.)

Zahlreiche Menschen, darunter auch viele Schülerinnen und Schüler, die rote Rosen mitgebracht hatten, haben sich heute Morgen vor dem Haus an der Hauptstraße 293, Ecke Mozartstraße versammelt, um an der ersten Verlegung von Stolpersteinen in Herne teilzunehmen. Bereits 2013 haben wir gemeinsam mit dem Ehepaar Mossenson einen ersten Anlauf unternommen, diese Stolpersteine dort zu verlegen, haben persönlich mit dem damaligen OB Schiereck Link gesprochen - erfolglos. Angestoßen durch einen jüngst gestellten Antrag von Die Grünen/Bündnis 90 im Rat der Stadt Herne fand sich eine Mehrheit, die für die Realisierung des Projektes Stolpersteine in Herne stimmte. Gut, das es in Herne nun ein Umdenken gab.

Erinnerungskultur in Herne: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Von links nach rechts: Talya Mossenson, Bildhauer Gunter Demnig, Dr. Diane Mossenson und Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda an der Hauptstr. 293. (Foto: © Gelsenzentrum e.V.)

Stolpersteine rühren Nachfahren zu Tränen

Werbeanzeige der Firma Hecht in der Wanne-Eickeler Zeitung v. 28.5.1930

Abb.: Werbeanzeige Firma Hecht in der Wanne-Eickeler Zeitung vom 28.5.1930. (Quelle: Zeitungsportal NRW)

Von ihren Emotionen überwältigt, fiel es Dr. Diane Mossenson nicht leicht, ihre beindruckende Rede zu halten, die daran anschließend von Patricia van den Brink in der deutschen Übersetzung Link verlesen wurde. Dianes Großeltern, Chaim und Jutta Malka Hecht und deren Kinder Jeanette und Simon lebten zuletzt in Wanne-Eickel, bevor sie vom Nazi-Regime mit dem Ziel ihrer Ermordung deportiert wurden. Chaim Hecht wurde am 2. September 1939 von der Gestapo in seiner Wohnung Hindenburgstraße 293 (Heutige Hauptstraße) verhaftet und am 5. November 1942 in Auschwitz ermordet. Sohn Simon wurde im Rahmen der so genannten "Polenaktion" nach Bentschen/Zbasyn abgeschoben und zu einem nicht bekannten Zeitpunkt ermordet. Einzig Mutter Jutta Malka und Jeanette, genannt "Netty" überlebten das Ghetto Riga, die Konzentrationslager Riga-Kaiserwald sowie Stutthof und dessen Außenlager Thorn-Winkenau sowie einen daran anschließenden Todesmarsch. Mutter und Tochter Hecht kehrten 1945 nach Wanne-Eickel zurück und emigrierten schließlich 1947 nach Australien.

Chaim, Jutta, Jeanette und Simon Hecht sind im Gedenken symbolisch wieder vereint – vor ihrem ehemaligen Geschäft an der Hauptstraße 293 in Wanne-Eickel. Vereint an dem Ort, an dem sie einst lebten, arbeiteten, lachten, weinten und hofften, bevor sie von den Nazis und der Ausgrenzungsgesellschaft verfolgt wurden, weil sie Juden waren. Diane und Talya Mossenson stellten Kerzen mit den Bildern der Familienmitglieder am jeweiligen Stolperstein auf. Tränen fließen. "May their memory be a blessing", so schloß Diane Mossenson ihre Rede, übersetzt: "Möge ihre Erinnerung ein Segen sein".

Erinnerungskultur in Herne: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Chaim, Jutta, Jeanette und Simon Hecht sind im Gedenken symbolisch wieder vereint – vor ihrem ehemaligen Geschäft an der Hauptstraße 293 in Wanne-Eickel. (Foto: © Gelsenzentrum e.V.)

Weitere Verlegungen von Stolpersteinen in Herne folgen im Februar:

Sally und Frieda Neugarten: Bahnhofstr. 29a; Dienstag, 17. Februar, 15 Uhr.
Emma Schlewitz: Bruchstr. 136; Samstag, 21. Februar, 11 Uhr.
August und Wilhelmine Schuster: Altenhöfener Straße 47; Samstag, 21. Februar, 12 Uhr.
Friedrich und Helene Gotthold: Düngelstr. 58; Montag, 23. Februar, 10.30 Uhr.


Gelsenkirchen: Internationaler Holocaust-Gedenktag und Jahrestag der Deportation nach Riga  

Online-Redaktion | 23. Januar 2026 (Repost) | Stolpersteine Gelsenkirchen

Der 27. Januar ist in Gelsenkirchen ein besonderer Gedenktag, hier wird am 27. Januar der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 gedacht, zudem der Deportation Link jüdischer Menschen von Gelsenkirchen nach Riga, die auf den Tag genau drei Jahre zuvor vom NS-Terrorregime nicht zuletzt mit tatkräftiger Hilfe der örtlichen Stadtverwaltung durchgeführt wurde.

Vor einundachtzig Jahren, am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die letzten 7.600 noch im deutschen Vernichtungslager Auschwitz verbliebenen, zumeist schwerkranken Überlebenden. Zuvor waren etwa 56.000 noch marschfähigen KZ-Häftlinge von SS-Wachen auf tagelange Todesmärsche in der eisigen Kälte des polnischen Winters in Richtung Westen gezwungen worden.

So erlebte der Großteil der Gefangenen die Befreiung von Auschwitz nicht mit, sondern befand sich bereits auf einem der als Evakuierung deklarierten, grausamen Todesmärsche, bei denen viele ihr Leben verloren, oft von den SS-Wachmannschaften erschossen wurden. Die Kolonnen von abgemagerten Menschen durchzogen auf den Todesmärschen Dörfer und Städte und starben vor den Augen der Bewohner. Die meisten Häftlinge des Auschwitz-Komplexes erlebten jedoch die Befreiung durch die Rote Armee nicht mehr.

Bereits am 27. Januar 1942 fand die erste Deportation jüdischer Männer, Frauen und Kinder aus Gelsenkirchen und weiteren umliegenden Städten in das Ghetto Riga statt. Zu diesem Zweck hatten die Nazis in der damaligen Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz eigens ein temporäres 'Judensammellager' Link eingerichtet. In Deutschland wird seit 1996 am 27. Januar an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert. 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.

Internationaler Holocaust-Gedenktag und Jahrestag der Deportation nach Riga.

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und anderen Verfolgten. Auschwitz ist Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte. Dabei hat die jahrzehntelange Gleichsetzung von Auschwitz und Holocaust mit dazu beigetragen, dass der Massenmord an den europäischen Juden vor allem mit Konzentrationslagern assoziiert wird. Für die Synonymität von Auschwitz und Holocaust gibt es durchaus plausible Gründe: An keinem Ort kamen mehr jüdische Opfer ums Leben, insgesamt rund eine Million Menschen, die nach Auschwitz deportiert und in den Gaskammern ermordet wurden. Diese Frauen, Männer und Kinder stammten zudem aus nahezu sämtlichen europäischen Ländern, sodass kein anderer Ort das europaweite Mordgeschehen in ähnlicher Weise symbolisiert.

Die große Mehrheit der Holocaust-Opfer hatte jedoch nie ein Konzentrationslager von innen gesehen: Nicht die rund zwei Millionen Jüdinnen und Juden – vor allem aus Osteuropa – die bei Massenerschießungen ("Holocaust durch Kugeln") hingerichtet wurden; nicht die mindestens 1,3 Millionen Menschen, die in Belzec, Treblinka und Sobibór ermordet wurden, den Vernichtungsstätten der "Aktion Reinhardt"; nicht einmal das Gros der nach Auschwitz Deportierten, die gar nicht erst im Lager registriert, sondern unmittelbar nach der Ankunft in die Gaskammern getrieben worden waren. Die berüchtigte Inschrift "Arbeit macht frei" hatten sie nicht zu Gesicht bekommen.

Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist daher kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte.


Save the Date: Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen 2026 

Andreas Jordan | 6. Januar 2026 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Auch in 2026 werden Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt.

In der Gelsenkirchener Stadtgesellschaft hat Gunter Demnigs Kunstprojekt Stolpersteine mittlerweile eine breite, anschlußfähige Akzeptanz erfahren. Stolpersteine sind dauerhafte Zeichen der Gelsenkirchener Erinnerungskultur geworden - sie sind durch ihre unaufdringliche Präsenz integraler Bestandteil des täglichen Lebens.

Die kleinen Lernorte sollen nicht zuletzt auch darauf aufmerksam machen, wozu Ausgrenzung, Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit und Dehumanisierung letztendlich führen können. Es ist unsere Verantwortung, nicht nur die Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen zu bewahren, sondern auch aktiv für Menschlichkeit, Vielfalt und gegen Ausgrenzung in der Gegenwart einzutreten.

Umgesetzt wird Demnigs Kunstprojekt für Europa in Gelsenkirchen durch den gemeinnützigen Verein Gelsenzentrum e.V. - gemeinsam mit der unter dem Dach des Vereins agierende Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen. - Das ist kein städtisches Projekt, sondern wird von zivilgesellschaftlichen Engagement einiger Gelsenkirchener Bürger*Innen umgesetzt. Die Finanzierung der Stolpersteine sowie die der Arbeit der Projektgruppe erfolgt nicht über Steuergelder, sondern ausschließlich durch Spenden. Interessierte sind eingeladen, mit uns gemeinsam an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und den feierlichen Verlegungen beizuwohnen.

Die nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen findet am Dienstag 9. Juni 2026 ab 15.00 Uhr zusammen mit Bildhauer Gunter Demnig statt:

15.00 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN FAMILIE WILHELM NETZEL Link (Verlegeort: Katharinastraße 5)

15.30 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN OLEKSANDR KOLOSOVSKIJ Link (Verlegeort: Wilhelminenstraße 176)

15.50 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen FAMILIE EBEHARD, ISIDOR, JAKOB, PHILIPP HIRSCH, REGINA HIRSCH, GEB. KUSCHER, SOPHIE KUSCHER, GRETE JECKEL, GEB. HIRSCH, ISIDOR ROSENZWEIG, GISELA HIRSCH, ALFRED HIRSCH, MASCHE HIRSCH, KLARA COHN, GEB. HIRSCH Link (Verlegeort: Liboriusstraße 73)

(Die genannten Uhrzeiten sind Richtwerte, Teilnehmende sollten +/- 20 Min. zu dem genannten Uhrzeiten einplanen)

Gemeinschaftsverlegung (Gunter Demnig ist nicht vor Ort) Dienstag 16. Juni 2026:

9.00 Horster Straße 208 STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN PIETRO FARINA Link

9.45 Waltraudstraße 1 STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN EHEPAAR ALFRED & MARGARETE ZINGLER Link

10.20 Hauptstraße 63 Stolpersteine Gelsenkirchen ELSE & ROSA JECKEL & FEIGA PHILIPP, GEB. JECKEL Link

11.10 Florastraße 24 /Ecke Hansemannstraße Stolpersteine Gelsenkirchen FAMILIE ROBERT ROSENDAHL & SALI BRÜCKHEIMER Link

11.30 Gewerkenstraße 13 Stolpersteine Gelsenkirchen FAMILIE FRANZ NATHAN Link

Gemeinschaftsverlegung (Gunter Demnig ist nicht vor Ort) am 9. November 2026 um 10.00 Uhr:

Stolperstein Vom damaligen Lyzeum (heute Getrud-Bäumer-Realschule) vertriebene jüdische Schülerinnen: FELLA ISACSON, ERNA SCHÖNENBERG, MARGOT ALEXANDER, ADELE ISSLER Link

(Die genannten Uhrzeiten sind Richtwerte, Teilnehmende sollten +/- 20 Min. zu dem genannten Uhrzeiten einplanen)


Zum Jahreswechsel: Erinnerung hat Zukunft 

Online-Redaktion | 30. Dezember 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Bildhauer Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Gelsenkirchen.

Liebe Freund:innen und Unterstützer:innen der Gelsenkirchener Stolperstein-Initiative,

auch für uns war 2025 ein arbeits- und ereignisreiches Jahr: Am 5. Juni 2025 haben wir gemeinsam mit Bildhauer Gunter Demnig und am 24. Juni im Rahmen einer Gemeinschaftsverlegung insgesamt 40 neue Stolpersteine für Opfer des NS-Regimes in Gelsenkirchen verlegt. Auch im kommenden Jahr findet das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen seine Fortsetzung, im Juni und November 2026 verlegen wir weitere 31 neue Stolpersteine im Stadtgebiet.

Unterstützung haben wir im vergangenen Jahr auf vielerlei Arten bekommen. Manchmal auf Nachfrage. Manchmal, weil Menschen an uns herangetreten sind. Oft von Menschen, von denen wir es erhofft hatten - weil sie hier in der Stadt leben oder einen anderen Bezug dazu haben. Unser Dank geht an alle Menschen, die das Stolperstein-Projekt in Gelsenkirchen auch in diesem Jahr unterstützt, gefördert und aktiv mitgestaltet haben. Jede Persönlichkeit, jedes Schicksal, jeder Name und jede Geschichte sollte nicht vergessen werden. Deshalb gibt es inzwischen knapp 400 Stolpersteine in unserer Stadt. Jeder einzelne davon erinnert an genau eine Gelsenkirchenerin oder einen Gelsenkirchener, der oder dem schreckliches Unrecht zugefügt wurde. Das wäre ohne die Unterstützung durch die vielen Spender:innen nicht möglich gewesen.

Ein friedliches und gesundes 2026 wünschen

Andreas Jordan (Gelsenzentrum e.V.) und das Stolperstein-Team Gelsenkirchen


Gertrud-Bäumer-Realschule übernimmt Patenschaften für vertriebene jüdische Schülerinnen  

Andreas Jordan | 19. Dezember 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Auch vom damaligen Lyzeum (Heute Gertrud-Bäumer-Realschule) wurden im so genannten "Dritten Reich" jüdische Schülerinnen vertrieben, weil sie nicht in das rassistische Weltbild der Nazis passten. Bereits vor einigen Jahren haben wir der damaligen Schulleitung der Gertrud-Bäumer-Realschule vorgeschlagen, mit Stolpersteinen an ehemalige jüdische Schülerinnen am damaligen Lyzeum Link (heute GBR) zu erinnern. Die Geschichtswerkstatt der GBR hat sich zwischenzeitlich der Sache angenommen und sich für die Realisierung der Stolpersteinverlegung eingesetzt.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Die Schulgemeinschaft hat durch verschiedene Aktivitäten den Betrag für vier Stolpersteine zusammengebracht. Foto: © GBS

Unter der Leitung von den Lehrerinnen Frau Güler und Frau Duranöz recherchierten die Beteiligten in nationalen wie auch internationalen Archiven zu den Lebens- und Leidenswegen von vier namentlich bekannten Schülerinnen. Die Stolpersteine für Felia 'Fella' Isacson, Erna Schönenberg, Adele Issler und Margot Alexander werden am 9. November 2026 um 10 Uhr vor dem Schulgebäude an der Rotthauser Str. 2-4 in das Gehwegpflaster eingesetzt. Den genauen Verlegeort haben wir nach einem Meeting am 11. Dezember 2025 gemeinsam mit den genannten Lehrerinnen und Schulleiterin Antje Bröhl ausgewählt. Finanziert werden die Stolpersteine duch verschiedene Aktivitäten der Schulgemeinschaft, die den erforderlichen Betrag von 480,-€ für vier der kleinen Denkmale zusammenbrachten.


Verbotene Liebe – Kurt Brüssow – fast eintausend Tage Auschwitz überlebt  

Gastbeitrag v. Jürgen Wenke | 18. Dezember 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Vor sechs Jahren habe ich die zahllosen, sehr unterschiedlichen Spuren, die der Schauspieler und Auschwitz-Überlebende Kurt Brüssow (1910-1988) hinterlassen hat, in meiner Publikation „Was bleibt, wenn der Vorhang fällt.“ wie in einem Kaleidoskop zusammengefügt, um ihn zu würdigen.

Ein Mensch mit vielen, sehr vielen Facetten: Kreativität, Veränderungswillen und Veränderungsfähigkeit, politische Haltung und politisches Handeln, hohe Kommunikationsfähigkeit und ansteckende Überzeugungskraft, Widerstandsfähigkeit gegen Willkür bis zur fast tödlichen Konsequenz, gleichzeitig Zugewandtheit und starke familiäre Bindung und Verantwortungsübernahme: trotz oder gerade wegen (?) der jahrelangen Torturen, Quälereien und Folterungen und der Kastration in Auschwitz. Es hat mich daher wenig überrascht, dass Brüssow auf diejenigen, die von diesem Lebensweg und von seiner Widerständigkeit erfuhren, „ansteckend“ wirkte. Es freut mich sehr, dass zahlreiche Personen und Initiativen seine Geschichte oder Teile davon aufgegriffen haben, um sie weiterzuverbreiten.

Die Initiative zur Verlegung eines Stolpersteins für Kurt vor seinem geliebten Theater in Greifswald war nicht nur mir eine Herzensangelegenheit. Mit viel Unterstützung gelang die Verlegung trotz der starken Einschränkungen durch die Corona-Zeit an seinem 110ten Geburtstag, dem 9. Dezember 2020. Es folgten zahllose Beiträge in Hörfunk, Presse, in Büchern und Broschüren, als Podcasts, in einer bundesweiten Ausstellung, durch Schulprojekte, durch eine neu entwickelte „Theatersequenz“, in der die Denunzierung aufgegriffen wurde als Mittel der Auseinandersetzung im schulischen Zusammenhang. Es gelang außerdem, noch einen Zeitzeugen zu finden und zu interviewen, der Kurt noch aus dem Jahr 1945 (!) kannte. Jetzt steht auf dem Programm ein weiterer Schritt zur Würdigung von Kurt Brüssow:

Stolpersteine putzen - ein wichtiger Beitrag zu einer gelebten Erinnerungskultur.

Abb.: Jannik Schümann, Schauspieler (li.) und Jürgen Wenke, Brüssowbiograph Drehpause, November 2025
(Foto: © Jürgen Wenke)

Im Rahmen der Serie „Verbotene Liebe“ (ZDF Info) wird am Auschwitz-Gedenktag, dem 27. Januar 2026 die dritte Folge („Queere Überlebende der NS-Diktatur“) gezeigt. Es freut mich, dass der Schauspieler Jannik Schümann und ich darin einem breiteren Publikum die Persönlichkeit und einige Stationen des Lebensweges von Kurt Brüssow näherbringen können. Die Reihe findet sich in der ZDF-Mediathek. Die Biographie Kurt Brüssow und weitere Informationen finden Sie auf: Stolpersteine Homosexuelle Link

Gemeinschaftsprojekt Stolpersteine: Gelsenkirchener Schulen erhalten Margot-Spielmann-Preis  

Online-Redaktion | 17. Dezember 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gleich zwei Gelsenkirchener Schulen, die Gesamtschule Buer-Mitte (GSB) Link und das Hans-Schwier-Berufskolleg (HSBK) Link wurden jüngst mit dem Margot-Spielmann-Preis 2025 des Jüdischen Museums Westfalen ausgezeichnet. Die Schulen erinnerten in einem Gemeinschaftsprojekt mit einer von Gelsenzentrum e.V. kuratierten feierlichen Verlegezeremonie am 5. Juni diesen Jahres an die Lebens- und Leidenswege der jüdischen Familien Alpern und Ständig.

Bereits im Vorfeld hatten die Jugendlichen zu den Lebenswegen der Betroffenen Menschen recherchiert. Die insgesamt zwölf Stolpersteine – acht für Familie Ständig und vier für Familie Alpern – wurden an der Dorstener Straße 27 verlegt. Finanziert wurden die Stolpersteine durch Spendenaktionen, unter anderem durch Waffel- und Kuchenverkäufe der Schüler.

Ein besonderer Beitrag kam von der Mittelstufe der Steinmetzklasse des HSBK: Zwei Schüler verlegten die Stolpersteine für die Familien eigenständig und fachkundig. Die Verbindung von beruflicher Ausbildung und historischer Verantwortung wurde hier besonders greifbar.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Die Verlegung der zwölf Stolpersteine an der Dorstener Str. 27 für die Familien Alpern u. Ständig übernahmen zwei Schüler der Steinmetzmittelstufe des HSBK.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Die Stolpersteine vor dem Haus Dorstener Straße 27 erinnern nun an die jüdischen Familien Alpern und Ständig, die hier bis zu ihrer gewaltsamen Vertreibung durch das NS-Regime lebten.

Auch die Lokalpresse berichtet über die Auszeichnung, in einem Artikel vom 17. Dezember heißt es in der WAZ Gelsenkirchen u.a., Zitat: "(...) Das Projekt ist bewusst langfristig angelegt. Durch regelmäßige Pflege und Reinigung der Stolpersteine, sowie kontinuierlicher Auseinandersetzung mit den Biografien der Opfer bleibt die Erinnerung dauerhaft im Schulalltag verankert. Ergänzend erstellten die Jugendlichen sogenannte Graphic Storys, die in der WDR-App "Stolpersteine NRW" Link veröffentlicht wurden. An der Preisverleihung nahm eine gemeinsame Abordnung beider Schulen teil, darunter Schülerinnen und Schüler verschiedener Klassen sowie die Lehrkräfte Anika Zernicke und Maria Thiemann (HSBK) und Julian Berendes (GBM)."

Der Jugendgeschichtspreis des Jüdischen Museums Westfalen ist nach Margot Spielmann Link benannt, einer deutsch-jüdischen Jugendlichen aus Gelsenkirchen, die 1942 mit nur 16 Jahren ein Opfer des Holocausts wurde. Mit dem Preis werden Schüler*innen aller Schulformen aus Westfalen und dem Rheinland ausgezeichnet, die einen besonderen Beitrag zur deutsch-jüdischen Geschichte geleistet haben. Der Margot Spielmann-Preis zählt inzwischen schon zu den Traditionsveranstaltungen des Jüdischen Museums Westfalen.

In den vergangenen Jahren konnten bereits ca. 40 Jugendliche mit dem Margot Spielmann-Preis für Facharbeiten und über 25 Projekte von Schulen und Gruppen mit dem Preis für Projekte ausgezeichnet werden. Dabei war die Jury immer wieder vom Forscherdrang der Jugendlichen beeindruckt. Gleiches gilt auch für die Projekte: Ob Theaterstück, szenische Inszenierung, Comic oder Video, die Jugendlichen bewiesen stets viel Kreativität. Im Jahr 2020 war ebenfalls eine Gelsenkirchener Schule Preisträger: die Gesamtschule Berger Feld erhielt die Würdigung für das Projekt "Unser Stolperstein für Walter Hes" Link der Klasse 9.2 mit ihrer Lehrerin Inga Kraus. In diesem Jahr ging der Preis nun in die 17. Runde.


Stolperstein für schottisches Holocaust-Opfer in Edinburgh enthüllt  

Online-Redaktion | 29. November 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Schottland hat seinen ersten Stolperstein zu Ehren von Jane Haining installiert, einer Schottin, die sich entschieden hat, während des Krieges in Budapest zu bleiben, um jüdische Kinder zu schützen und dafür in Auschwitz ermordet wurde.

Haining verließ Edinburgh 1932, um sich um Mädchen in einer Schule zu kümmern, die von der schottischen Mission to the Jews. Selbst nachdem sie aufgefordert wurde, nach Hause zurückzukehren, weigerte sie sich und bestand darauf, „bei den Mädchen bleiben zu müssen. "Nach der Invasion der Nazis in Ungarn wurde sie verhaftet, weil sie mit jüdischen Menschen zusammenarbeitete und auch, weil sie geweint hatte, als sie den Kindern half, 'gelbe Sterne' auf die Kleidung zu nähen. Sie wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und starb dort mit 47 Jahren einen gewaltsamen Tod. Am 27. Januar 1997 wurde sie posthum in der Welt-Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als "Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet, als einzige Schottin, der diese Ehre zuteil wurde.

Stolperstein erinnert in Edingburgh an Jane Haining

Jane Haining

Abb.: Der Stolperstein für Jane Haining ist der erste, der in Schottland verlegt wurde. Er dient nicht nur als Gedenkstein, sondern auch als Mahnung, die Lehren aus der Geschichte nie zu vergessen. (Fotos: Church of Scotland)

Der neue Stolperstein wurde vor der St. Stephen’s Church in Edinburgh verlegt. Ein kleiner glänzender Stein, der Passanten dazu einlädt, innezuhalten, sich zu erinnern und über ein von außergewöhnlichem Mut geprägtes Leben nachzudenken.


Zeichen gegen das Vergessen: Stolpersteine in Gelsenkirchen geputzt  

Online-Redaktion | 14. November 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolpersteine putzen - ein wichtiger Beitrag zu einer gelebten Erinnerungskultur.

Zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome haben einige Schüler:innen des Hans-Schwier-Berufskollegs (HSBK) eigeninitiativ Stolpersteine in Buer geputzt. In einem Instagram-Post des HSBK heißt es: "Gestern hat die Klasse AM-U1 Stolpersteine geputzt. Damit erinnern wir an die Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. Gerade jetzt, rund um den 9. November – den Gedenktag an die Opfer der Pogromnacht – ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen und nicht zu vergessen. Am heutigen Tag werden auch die Stolpersteine geputzt, die in diesem Jahr von SM- und SV-WW-Klassen des HSBK und dem Spurensucherkurs der Gesamtschule Buer-Mitte verlegt wurden." Rund um den Schalker Markt war die Schalker Fan-Initiative e.V. gegen das Vergessen aktiv, auch dort wurden Stolpersteine zum Glänzen gebracht.

Gerade in diesen Zeiten, in denen Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und Antiziganismus verstärkt Zulauf finden, ist es umso wichtiger, sich für die Stärkung von Demokratie und Zivilcourage zu engagieren.

Die Stolpersteine bedürfen der regelmäßigen Pflege, die auch jenseits besonderer Gedenktage erfolgen sollte. Die App des WDR "Stolpersteine NRW" navigiert euch zu den Steinen in Gelsenkirchen. → Anleitung zur Reinigung von Stolpersteinen [PDF]


Jahrestag: Gedenken und Erinnern an Opfer der Pogromwoche 1938  

Online-Redaktion | Repost v. 4. November 2021 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Crystal night faces v. Luka Stoisavljevic, Kragujevac, Serbia

Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an jüdische Bürgerinnen und Bürger statt, die in den Tagen und Nächten vom 7. bis 16. November 1938 Opfer rassistisch motivierter Gewalttaten gegen Leib, Leben und Eigentum wurden.

Der Höhepunkt der vom NS-Gewaltregime initiierten Ausschreitungen fand in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 statt, im kollektiven Gedächnis als so genannte "Reichskristallnacht" oder auch im neueren Sprachgebrauch als "Reichspogromnacht" verankert. Der Begriff "Reichspogromnacht" wiederum ist eine nach 1945 konstruierte Bezeichnung im Nazi-Jargon, und deshalb vollkommen unmöglich: Bei den Nazis wurde alles, was erhöht sein sollte, mit dem Zusatz "Reich" versehen. Pogromwoche bzw. Novemberpogrome sind daher die geeigneteren Bezeichnungen.

Der als gemeinnützig anerkannte Verein Gelsenzentrum e.V. ruft Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an den Kundgebungen und Veranstaltungen demokratischer Organisation und Gruppierungen zur Erinnerung und zum Gedenken an Menschen auf, die 1938 Opfer der Novemberpogrome wurden. Jeder von uns ist gefordert, sich entschlossen gegen jede Form von Rassismus, Hetze, Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung stellen. Die Pogromwoche im November 1938 erinnert gleichwohl auch an die NS-Verbrechen, die vorausgingen und an die, die diesem Datum folgten.
Weitere Informationen bietet nachfolgend verlinkte Dokumentation auf der Internetpräsenz des Gelsenzentrum e.V.: Die Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen Link


"Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren."

(Richard von Weizsäcker)



Postwertzeichen "Stolpersteine" 

Online-Redaktion | 28. Oktober 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Als der Künstler Gunter Demnig vor über 30 Jahren die Idee zum KunstDenkmal STOLPERSTEINE hatte, war es für ihn aufgrund der großen Opferzahl zunächst nur ein rein konzeptuelles Kunstwerk. Erst ein Freund, der damalige Pfarrer der Antonitergemeinde in Köln, bekräftigte ihn, er werde zwar nie die Million schaffen, aber er könne doch erstmal klein anfangen. So hoffte Gunter Demnig irgendwann vielleicht einmal 1.000 Steine zu verlegen; er dachte damals aber nicht im Traum daran, dass seine kleinen knapp 10 x 10 x 10 cm großen, golden-glänzenden Erinnerungssteine, die er zumeist vor die Hauseingänge des letzten selbstgewählten Wohnorts der NS-Opfer verlegte, irgendwann einmal zum größten dezentralen Mahnmal der Welt "heranwachsen" würden.

Inzwischen liegen die Gedenksteine in 31 europäischen Ländern und erinnern vor Wohnhäusern, Geschäften, Universitäten, Schulen, Rathäusern und vielen weiteren Stellen an über 116.000 Menschen.

Sonderpostwertzeichen 'Stolpersteine'

Abb.: Wird ab dem 4. Dezember 2025 ausgegeben: Das Postwertzeichen Stolpersteine im Wert von 95 Cent. (Foto: Bundesministerium der Finanzen)

Während Gunter Demnig die Verlegungen der ersten STOLPERSTEINE in Köln für Sinti und Roma und in Berlin für jüdische Opfer noch illegal und ohne großes Publikum durchgeführt hatte, werden sie heute mit Zustimmung der Kommunen und mit großer Beteiligung von vielen verschiedenen Interessierten vor Ort begleitet, wie z. B. von Mitgliedern der örtlichen Heimat- und Geschichtsvereine, Hausbewohnerinnen und -bewohnern, Abgeordneten der Kommunen, Schülerinnen und Schülern, Angehörigen, religiösen Vertreterinnen und Vertretern und vielen anderen. Sie alle tragen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement rund um die Verlegungen dazu bei, dass die Erinnerungssteine würdig verlegt werden.

Eine Besonderheit des KunstDenkmals STOLPERSTEINE ist nach wie vor, dass mit den Steinen allen Opfergruppen gedacht wird und die Steine auch für die Opfer verlegt werden, die während des Nationalsozialismus fliehen mussten und / oder den nationalsozialistischen Terror nur knapp überlebt haben. Jeder Mensch erhält dabei seinen eigenen Stein mit seinem individuellen Schicksal und wird damit dem Vergessen entrissen. Dabei bleibt die Hoffnung, dass wir aus der Geschichte lernen und in Deutschland nie wieder eine Zeit hereinbrechen wird, in der Menschen aufgrund ihrer Religion, ihres Gesundheitszustandes, ihrer politischen Ansichten, ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und entrechtet werden.

Text: Katja Demnig M.A., Geschäftsführerin der STIFTUNG — SPUREN — Gunter Demnig


Heute wird er 78 Jahre alt: Herzlichen Glückwunsch, Gunter Demnig! 

Online-Redaktion | 27. Oktober 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Heute wird er 78 Jahre alt: Herzlichen Glückwunsch, Gunter Demnig! Gunter Demnig ist nicht nur für die Stadt Gelsenkirchen ein wichtiger Künstler – er setzt sich auch seit vielen Jahren dafür ein, dass die deutsche Gesellschaft die Augen nicht vor der eigenen NS-Vergangenheit verschließen kann.

Wir gratulieren Bildhauer und Stolperstein-Initiator Gunter Demnig herzlich zum 78. Geburtstag. Der in Berlin am 27. Oktober 1947 geborene Demnig wurde insbesondere durch die von ihm verlegten Stolpersteine bekannt. Diese Gedenksteine, niveaugleich in das Pflaster der Gehwege integriert, erinnern an das Schicksal von Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Mit seiner Kunst hat er viele Menschen zutiefst berührt. Sein Name und sein Werk sind untrennbar mit der Erinnerungskultur in Deutschland und Europa verbunden. Schon früh hat Demnig mit den Mitteln der Kunst Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeprangert. Mit den Stolpersteinen entwickelte er eine Form des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, von Faschismus und Krieg, wie sie persönlicher und wirkungsvoller nicht sein kann. Längst sind diese Gedenksteine fast überall in Deutschland und weit darüber hinaus in die Gehwege von Städten und Gemeinden in mehr als 30 Ländern Europas eingebettet, so auch in Gelsenkirchen.

Für unseren Verein Gelsenzentrum eine große Ehre, seit mehr als 15 Jahren Demnigs lokaler Partner dafür in Gelsenkirchen zu sein. Ein zivilgesellschaftlicher Partner, der mit seiner Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen die Geschichten der Menschen recherchiert, die verfolgt, vertrieben, deportiert und zumeist ermordet wurden, der Patinnen und Paten vermittelt, um die einzelnen Stolpersteine zu finanzieren, und der den jährichen Ablauf der Verlegungen in Gelsenkirchen organisiert.


Verfolgte Zwillinge erhalten Ihr Gesicht zurück: Ernst und Leo Salomon 

Online-Redaktion | 23. Oktober 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Von Jürgen Wenke, Oktober 2025

Verschärfte NS-Verfolgung im Jahr 1935: Rassistische Nürnberger Gesetze gegen Juden und drastische Ausweitung des berüchtigten § 175 Strafgesetzbuch zur Verfolgung von Homosexuellen. 90 Jahre danach:

Sie waren Zwillinge, sie waren homosexuell, sie waren jüdisch. Die Brüder Ernst und Leo Salomon (geboren am 3.Oktober 1894) aus Trier. Bereits am 6. November 2017 wurden auf Initiative des Forschers und Psychologen Jürgen Wenke aus Bochum zwei Stolpersteine in Trier zur Würdigung der Brüder verlegt. Die damalige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz hatte die Patenschaft für die Stolpersteine übernommen.- Jetzt machte der Forscher und Biograph der beiden Männer eine neue, seltene Entdeckung: Er fand erstmals Bilder der Zwillinge. Und das ausgerechnet in einer Nazizeitung von 1935: Im August 1935 berichtete die NS-Tageszeitung Nationalblatt Trier unter der reißerischen Überschrift "Jüdisches Zwillingsgestirn erloschen" mit der hetzerischen Unterzeile "Rasseschänder Ernst und Leo Salomon dingfest gemacht" über deren Verhaftung.

Sie waren Zwillinge, sie waren homosexuell, sie waren jüdisch: Brüder Ernst und Leo Salomon

Abb.: In dem Artikel werden die Brüder mit vollem Namen, Privatadresse und Adresse ihres Herrenbekleidungsgeschäftes in Trier genannt und Privatfotos der beiden Männer präsentiert und in Text und Bild als Homosexuelle geoutet.

In dem ganzzeitigen Artikel, voll von Hetze gegen Juden und gegen Homosexuellen, werden die beiden bereits zu Straftätern abgestempelt, obwohl eine Gerichtsverhandlung und eine Verurteilung wegen homosexueller Kontakte in Trier erst im April 1936 erfolgte. Der letzte Satz des umfangreichen, ganzseitigen Artikels von 1935 kann als vorweggenommenes Urteil und Todesurteil verstanden werden: "Das jüdische 'Zwillingsgestirn', dessen Gemeinheit lange genug am dunklen Firmament unserer Stadt flackerte, ist erloschen. Aufgegangen ist der Stern der Wahrheit. Die Flamme der Strafe wird entzündet und die Rache spricht aus unseren geballten Fäusten."

Ernst und Leo Salomon kamen nach der Verhaftung 1935 nicht mehr in Freiheit. Sie wurden vom Trierer Landgericht wegen "homosexueller Handlungen" (im Sprachgebrauch der Nazis "widernatürliche Unzucht") zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, die sie in vollem Umfang verbüßen mussten im Gefängnis von Wittlich an der Mosel, im Gefängnis von Bochum (genannt "Krümmede") an der Ruhr und im Gefängnis von Wolfenbüttel in Niedersachsen. Leo Salomon starb dort im Oktober 1942 kurz vor Ende der Haftzeit. Ernst Salomon wurde am Ende der Haft von Wolfenbüttel nach Auschwitz deportiert und wurde dort am 18. Februar 1943 ermordet.

Das, was die Nazizeitung 1935 angekündigt hatte: "Die Flamme der Strafe wird entzündet" war auf grausige Weise Realität geworden: Ernst Salomons Leiche wurde nach der Ermordung in den KZ-Öfen von Auschwitz verbrannt. Was bleibt: die einzigen Fotos der Brüder aus der Nazizeitung vom August 1935 - und der Bericht über die Zwillinge Ernst und Leo Salomon sowie die Stolpersteine, zu finden unter: Ernst u. Leo Salomon – Stolpersteine für Homosexuelle Link

Stolpersteine erinnern an die Brüder Ernst und Leo Salomon

Abb.: Stolpersteine erinnern an die Brüder Ernst und Leo Salomon.( Foto: Jürgen Wenke)


Video: Stolpersteinverlegung für Gerold Günsberg 

Andreas Jordan | 22. Oktober 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Vor dem Haus Poststraße 20 in Gelsenkirchen-Horst wurde am 5. Juni 2025 im Zuge einer Nachverlegung ein Stolperstein für Gerold Günsberg Link verlegt. Bereits 2017 wurden dort die Stolpersteine für Vater Josef und die Kinder Fanny und Lothar Günsberg verlegt, alle drei wurden im Holocaust von den Nazis ermordet. Die seinerzeit durchgeführten Recherchen ergaben vor dem Hintergrund des Datenschutzes keinen Hinweis auf Gerold Günsberg.

Erst neue Quellen und die Übernahme der Patenschaft für diesen Stolperstein durch Astrid Becker machten die Nachverlegung für Gerold Günsberg möglich. Gerold konnte im Alter von dreizehn Jahren von Köln mit einem Kindertransport auf der SS Washington nach New York gerettet werden, seine Tante Renchie Kramer nahm ihn auf. Im Juli 1943 wird er US-Soldat und kommt als Befreier nach Deutschland zurück. 1949 kehrt Gerold Günsberg zurück in die USA.

Video von Jesse Krauß: Stolpersteinverlegung für Gerold Günsberg in Gelsenkirchen


Neue Spuren zur Familie Keiner 

Andreas Jordan | 8. Oktober 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Stolperstein erinnert an Lothar KeinerSeit Mai 2018 erinnert in Gelsenkirchen ein Stolperstein an Lothar Keiner. Initiiert hatte die Stolpersteinverlegung seinerzeit der Bochumer Jürgen Wenke, der zuvor umfangreiche Recherchen zu den Lebens- und Leidenswegen von Lothar Keiner durchgeführt hat. Nun tauchten neue Spuren auf, Petra Hölzle, eine Verwandte von Lothar Keiner meldete sich bei Jürgen Wenke und konnte interessante, neue Details zur Familiengeschichte mitteilen. Das führte zur Überarbeitung und Ergänzung des Textes, der bisher an Lothar Keiner erinnerte. Die Ausarbeitung steht nun als aktualisierte PDF-Datei zum Download Link bereit.


Stolperschwelle und Stolpersteine für Gelsenkirchener Opfer der NS-Krankenmorde 

Online-Redaktion | 17. September 2025 | Gelsenzentrum e.V. Gelsenkirchen

Den Menschen aus Gelsenkirchen, die den "Euthanasie"-Verbrechen des NS-Terrorregimes zum Opfer gefallen sind, soll schon bald eine Stolperschwelle an einem der Täterorte in unserer Stadt gewidmet werden. Auch sollen dann dort gleichzeitig einzelne Stolpersteine für namentlich bekannte Opfer der NS-Krankenmorde verlegt werden.

Die AG "Laufend Erinnern" der Schalker Fan-Initiave hat im Zuge ihres Projektes "Verfolgte des NS auf dem Westfriedhof Gelsenkirchen" die Schicksale von Menschen recherchiert, deren Urnen auf dem Gelsenkirchener Westfriedhof eine letzte Ruhestätte gefunden haben. Darunter befinden sich fünf Menschen, die den Euthanasie«-Verbrechen im NS 1933 bis 1945 (so genannte "Aktion T4") zum Opfer gefallen sind - sie starben in der Tötungsanstalt Hadamar einen gewaltsamen Tod. Es handelt sich um die Gelsenkirchenerinnen Berta Haut, Auguste Schneider, Maria Seller, geb. Wettklo, Helene Wildaczyk und Martha Anna Woltschläger. Auf Basis dieser Recherchen entstand hier das Vorhaben, für die Frauen, denen das Recht auf Leben im nationalsozialistischen Staat abgesprochen wurde, Stolpersteine zu verlegen. Für diese fünf Stolpersteine suchen wir Stolpersteinpat:Innen zur Finanzierung.

'Aktion T4' (1941) Massenmord an Anstaltspatientinnen und -patienten

Abb.: Fotografie der Tötungsanstalt Hadamar mit rauchendem Schornstein 1941. Foto: Gedenkstätte Hadamar, Sammlung FS 4

Die Stolperschwelle Link wird als ein Zeichen gegen das Vergessen verlegt. Und auch, um uns als Stadtgesellschaft immer wieder kritische Fragen an die Gegenwart stellen zu lassen. Es geht nicht darum, von einer moralischen Anhöhe aus Urteile über die Vergangenheit zu fällen, sondern es geht um unser Handeln heute. Nur wenn wir wissen, wie die damalige Situation sich entwickelt hat und wir die Erinnerung bewahren an das, was Menschen anderen Menschen angetan haben, können wir dafür eintreten, dass unser Gegenüber auch dann ein Mensch bleibt, wenn er behindert, psychisch krank oder einfach nur anders ist. Angehörige bzw. Nachfahren von Betroffenen können per Mail Kontakt mit uns aufnehmen: a.jordan(ätt)gelsenzentrum.de

Da die Kosten für eine Stolperschwelle um ein vielfaches höher sind als für einen einzelnen Stolperstein, bitten wir um Spenden. Bankverbindung: Stolpersteine Gelsenkirchen, IBAN: DE79 4205 0001 0132 0159 27, Stichwort "Stolperschwelle". Eine entsprechende Spendenbestätigung zur Vorlage beim Finanzamt kann auf Wunsch von uns ausgestellt werden.


Italien: Erster nationaler Gedenktag für italienische Militärinternierte (IMI) 

Online-Redaktion | 6. September 2025 | Gelsenzentrum e.V. Gelsenkirchen

Im Fokus der Veranstaltung in Vigevano/Italien stehen die Schicksale der so genannten italienischen Militärinternierten (IMI), exemplarisch wird erstmals öffentlich an Petro Farina und Renzo Filiberti erinnert.

Der italienische Militärinternierte Pietro Farina Link soll 2026 in Gelsenkirchen einen Stolperstein erhalten - unweit des Zwangsarbeiterlagers der damaligen Kokerei Hugo an der Horster Straße, in dem er damals interniert war. Pietro Farina starb im Mai 1945 in Gelsenkirchen an den Folgen seiner Gefangenschaft. Die Nichten von Pietro Farina, Maria Rita und Patrizia Merati, zeigten sich tief bewegt: "Es wäre ein wahrgewordener Traum, einen Stolperstein in Gedenken an unseren Onkel in Gelsenkirchen zu verlegen, natürlich übernehmen wir auch die Kosten und werden zur Verlegung des Stolpersteins anreisen".

Erinnerungskultur: Wir erinnern an den italienischen militärinternierten Pietro Farina

Abb.: Ankündigung der Veranstaltung zum ersten nationalen Gedenktag für italienische Militärinternierte (IMI) in der Stadt Vigevano/Italien. Unser Verein hat auf Wunsch der Nichten von Pietro Farina ein Grußwort übermittelt.


Gelsenkirchen: 20 weitere Stolpersteine bringen Namen zurück (2)  

Andreas Jordan | 25. Juni 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Stolpersteine erinnern an die Familie Ernst SondermannAm Dienstag (24.6.) wurden im Zuge einer weiteren Gemeinschaftsverlegung in diesem Jahr von der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen im Beisein von Stolpersteinpaten, Nachfahren und zahlreichen Interessierten 20 neue Stolpersteine in Gelsenkirchener Gehwege eingelassen. Ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen sang an den vier Verlegeorten für die als jüdisch Verfolgten das Gebet "El Male Rachamim".

Erste Station an diesem Tag war die Bismarckstr. 50. Dort lebte die Familie Ernst Sondermann Link. Tochter Liese gelang 1938 die Flucht ins rettende Ausland, ihr Bruder Kurt überlebte mehre Konzentrationslager, alle übrigen Familienmitglieder wurden von den Nazis ermordet.

An der Gildenstr. 7 erinnern nun Stolpersteine an die Zahnarztfamilie Dr. Paul Eichengrün Link, die Kinder Lore und Werner konnten mit einem Kindertransport zunächst nach England fliehen, auch den Eltern gelang wenig später die Flucht, so war die Famile in England wieder vereint.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Das Niederlegen von Kieselsteinen ist eine Ehrerbietung vor den Verfolgten und zumeist ermordeten Menschen.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Eine Anwohnerin nahm spontan an der Zeremonie teil und legte ebenfalls einen kleinen Kieselstein zum Gedenken nieder.

In Gedenken an jüdische Schicksale auf Schalke

Familie Feibisch Rosenberg Link lebte an der Ringstraße 48. Feibisch und Sohn Josef wurden nach ihrer Abschiebung im deutsch besetzten Polen von Nazis ermordet, Ehefrau und Mutter Chana Rosenberg konnte zunächt über Belgien nach Frankreich fliehen, lebte dort im Versteck. Sie erlebte ihre Befreiung, starb jdoch kurze Zeit später - nicht zuletzt aus Kummer über das Schicksal ihrer Familie. Der FC Schalke 04 Link hat im Vorfeld Recherchen zu den Lebens- und Leidenswegen getätigt und mit seiner Stiftung "Schalke hilft " auch die Patenschaften für diese drei Stolpersteine übernommen.

Schalke-Vorstandsmitglied Christina Rühl-Hamers betonte in ihrem Wortbeitrag die Wichtigkeit und Bedeutung des Projektes Stolpersteine auch für die Stadtgesellschaft: "Als FC Schalke 04 möchten wir aktiv daran teilhaben, dieses wichtige Zeichen der Erinnerungskultur zu setzen und dadurch den Schicksalen jüdischer Schalker im Nationalsozialismus zu gedenken. Die heute verlegten Stolpersteine machen die Spuren unbegreiflicher Unmenschlichkeit sichtbar. Sie sind Erinnerung und Mahnung zugleich. Gerade in unserer heutigen Zeit sehen wir uns mehr denn je in der Pflicht, diese Werte nicht nur zu fordern, sondern sie aktiv zu leben. Ein sichtbares Zeichen dafür sind die Stolpersteine für Feibisch, Josef und Chana Rosenberg."

Mit den Weißen Bussen nach Schweden gerettet

Die Familie von Rosalie Voosen Link lebte an der Klosterstr. 13. Erich und auch Erna Voosen flohen 1939 nach Palästina, Rosalie Voosen wurde im Ghetto Warschau ermordet. Hermann Voosen und seine Frau Flora überlebten mehrere Konzentrationslager und wurden 1945 mit der Rettungsaktion "Weiße Busse" nach Schweden gerettet, ihre kleine Tochter Mathel wurde in Auschwitz ermordet.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Auf Hermann Kondrings Widerstand reagierte das NS-Regime mit brutaler Gewalt. Bei der Verlegezeremonie zeigten die Nachfahren tiefe Betroffenheit, es flossen Tränen.

Eigens zur Stolpersteinverlegung angreist waren die Nachfahren von Widerständler Hermann Kondring Link. Vor dem Haus Parallelstraße 4 erinnert nun ein Stolperstein an den mutigen Mann, der sich nicht in den Dienst der Nazis stellen wollte und dafür mit seinem Leben bezahlen musste.

Gedenken in schwierigen Zeiten

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen gedenkt seit über 15 Jahren immer wieder aufs Neue den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. 80 Jahre nach dem Ende des NS-Terrorregimes sind nationalistische, rassistische und antisemitische Ideologien in vielen Ländern der Welt wieder im Aufwind. Ausgrenzung von Minderheiten, Fremdenhass und Nationalismus sind wieder erfolgreiche Lockmittel populistischer Parteien, die die demokratischen Gesellschaften im Kern bedrohen. Die Gedenksteine für alle Opfer des NS-Terrors dienen darum nicht nur als Erinnerung an das, was damals geschah, sie sollen uns auch mahnen, wohin diese Entwicklungen auch heute und in Zukunft wieder führen können. Seit 2009 wurden allein in Gelsenkirchen 390 Stolpersteine sowie eine Stolperschwelle verlegt. Insgesamt hat Bildhauer Gunter Demnig europaweit bereits mehr als 120.000 Stolpersteine verlegt, die Stolpersteine gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt.


Neue Stolperschwelle würdigt auch homosexuelle Gefängnishäftlinge 

Online-Redaktion | 11. Juni 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Am 5. Juni ´25 verlegte der Künstler Gunter Demnig vor dem Strafgefängnis in Bochum (genannt „Krümmede") eine Stolperschwelle. Gewürdigt werden Häftlingsopfergruppen der NS-Willkür. Die Inschrift benennt sie:

KRÜMMEDE 1933 – 1945
MEHR ALS 2000 POLITISCH VERFOLGTE MENSCHEN INHAFTIERT
ANGEHÖRIGE DES WIDERSTANDES AUS FRANKREICH, BELGIEN UND ANDEREN BESETZTEN LÄNDERN WESTEUROPAS
MITGLIEDER VERBOTENER PARTEIEN – CHRISTLICHE REGIMEGEGNER – HOMOSEXUELLE – ZEUGEN JEHOVAS
VIELE VERSTERBEN AN DEN HAFTBEDINGUNGEN ODER WERDEN IN HINRICHTUNGSSTÄTTEN DER NS-JUSTIZ GETÖTET

Für viele homosexuelle Häftlinge folgte nach der vollen Verbüßung der Haft wegen Verurteilung nach dem Schandparagraphen 175 eine willkürliche neue Verhaftung durch die Polizei und die anschließende Deportation in ein Konzentrationslager. Aber auch für diejenigen, die nach der Haft entlassen wurden, gab es kein Leben ohne Repressionen: Oft hatten sie berufliche Nachteile aufgrund der Vorstrafe, galten auch in der jungen BRD als rechtmäßig verurteilte Straftäter. Viele flüchteten zur Tarnung in eine Ehe, andere flüchteten in den Tod. Die Strafverfolgung ging nach 1945 mittels §175 (in der Nazifassung von 1935!) bis 1969 weiter.

Neue Stolperschwelle würdigt auch homosexuelle Gefängnishäftlinge

Quelle: J. Wenke

Der Forscher Jürgen Wenke hat die Lebenswege einiger Häftlinge des Bochumer Knastes recherchieren können, z.B. die der homosexuellen, jüdischen Zwillinge Ernst und Leo Salomon aus Trier, - der eine wurde in Auschwitz (Feb. 1943) ermordet, der andere, Leo, wurde vom Bochumer Gefängnis in das Gefängnis Wolfenbüttel transportiert und starb dort im November 1942 aufgrund der miserablen Haftbedingungen. Ein weiterer Häftling, Gerhard Krebs, nahm sich im Bochumer Gefängnis kurz vor Ende der Haftzeit das Leben. Man hatte ihm vermutlich mitgeteilt, dass er in ein KZ deportiert werden sollte. Der Auschwitz-Überlebende Michael Unger (1913-1969), der in Auschwitz Sex mit einem anderen KZ-Häftling hatte, starb 1969 im Bochumer Gefängnis. Sein Schicksal ist bisher weitestgehend unerforscht.

Ein weiterer Häftling, Gerhard Krebs, nahm sich im Bochumer Gefängnis kurz vor Ende der Haftzeit das Leben. Man hatte ihm vermutlich mitgeteilt, dass er in ein KZ deportiert werden sollte. Der Auschwitz-Überlebende Michael Unger (1913-1969), der in Auschwitz Sex mit einem anderen KZ-Häftling hatte, starb 1969 im Bochumer Gefängnis. Sein Schicksal ist bisher weitestgehend unerforscht.

Weitere Informationen finden sich auf: www.stolpersteine-homosexuelle.de/gefaengnis-bochum


Gelsenkirchen: Weitere 20 Stolpersteine bringen Namen zurück (1)  

Andreas Jordan | 10. Juni 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Stolpersteine erinnern an die Familien Alpern u. StändigGleich zwei Schulen beteiligten sich in diesem Jahr am Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen, zum einen die Gesamtschule Buer-Mitte (GBM, Herr Berendes) mit einem Geschichtskurs der Oberstufe und der AG Spurensucher sowie das Hans-Schwier-Berufskolleg (HSBK, Frau Zernicke) und setzten so ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus.

Im Vorfeld haben die Jugendlichen die Lebens- und Leidenswege der einzelnen Familienmitglieder recherchiert. Pepi Alpern wurde im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet, ihre Söhne Aron und Max erlebten 1945 ihre Befreiung aus dem Ghetto Theresienstadt und kehrten nach Gelsenkirchen zurück.

Moses und Rebeka Ständig, geborene Alpern wurden wie ihre Kinder Karl, Lea, Betti und Sabine im deutsch besetzten Polen ermordet, ihren Kindern Alexander, Charlotte und Max gelang die Flucht nach Palästina. Der Geschichtskurs der GBM hat die Patenschaften für Familie Alpern sowie für Rebeka Ständig übernommen.

Steinmetzschüler verlegen Solpersteine

Angehende Steinmetze vom HSBK haben die acht Stolpersteine für Familie Ständig durch eigene Aktivitäten wie bspw. Waffelverkauf finanziert. Am Donnerstag (5.6.) wurden mit fachkundiger Begleitung die insgesamt 12 Stolpersteine für die Familie Alpern Link und Ständig Link von zwei Steinmetzschülern in das Gehwegpflaster an der Dorstener Straße 27 eingesetzt. Im Anschluss zeichneten die jungen Menschen in ihren Wortbeiträgen Lebens- und Leidenswege der einzelnen Familienmitglieder nach, danach legten die Jugendlichen als Zeichen der Ehrung Rosen an den kleinen Denkmalen nieder. Frau Fhirvanyan begleitete auf ihrer Geige musikalisch die berührende Verlegezeremonie, zum Abschluss sang Alfred Brechner das El Male Echamim, ein jüdisches Gebet zum Gedenken an die Opfer des Holocaust.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Die Verlegung der zwölf Stolpersteine an der Dorstener Str. 27 für die Familien Alpern u. Ständig übernahmen zwei Schüler der Steinmetzmittelstufe des HSBK.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Die Stolpersteine vor dem Haus Dorstener Straße 27 erinnern nun an die jüdischen Familien Alpern und Ständig, die hier bis zu ihrer gewaltsamen Vertreibung durch das NS-Regime lebten.

Pilot wurde nach Fallschirmabsprung von fanatisierten Gelsenkirchern zu Tode geprügelt

An der Gecksheide 148 erinnert nun ein Stolperstein an den amerikanischen Bomberpilot John H. Friedhaber Link. Friedhaber, der sich wie vier weitere Besatzungsmitglieder zunächst mit dem Fallschirm aus dem nach einem Flaktreffer brennenden Bomber hatte retten können, am Boden unweit der Absturzstelle der B-24 Liberator mit dem Namen "Never Mrs" in der Heege im Stadtteil Buer von fanatisierten Gelsenkirchenern im November 1944 brutal zu Tode geprügelt. Die Patenschaft für diesen Stolperstein haben Philipp und Melanie vom digitalen Museum 'Liberating Gelsenkirchen' übernommen, ebenso die beiden Patenschaften für das Ehepaar Dessauer Link, so kehren ihre Namen zurück ins Stadtbild, dorthin, wo Gustav Dessauer und seine Ehefrau Regine ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten - an der Königstraße 30/Ecke Rolandstraße - die alte Bebauung ist nicht erhalten.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Verlegt wurde der Stolperstein, der an den gewaltsamen Tod von John H. Friedhaber erinnert, vor dem Haus Gecksheide 148 - in der eher ländlich geprägten Umgebung ein Ort, an dem der Stolperstein von der Öffentlichkeit auch wahrgenommen werden kann.

Ruth Jampel: "Wir waren hier. Unser Laden war hier. Der Laden ist weg. Wir sind hier."

Eigens aus Großbritannien zur Stolpersteinverlegung für ihre Vorfahren angereist war die Familie Jampel. Leo und Anna Jampel betrieben in den 1930er Jahren in Schalke ein florierendes Schuhgeschäft an der Schalker Staße/Ecke Grillostraße. Ihre beiden Zwillingssöhne Salo und Hermann besuchten das heutige Grillogymnasium - bis sie von dieser Schule vertrieben wurden, weil sie Juden waren. Das Schuhgeschäft der Familie Jampel Link wurde in der Pogromwoche im November 1938 zerstört. Das Schuhgeschäft wurde der Familie staatlich legitimiert geraubt, für die wirtschaftliche Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung schufen die Nazis den Begriff "Arisierung". Die Familie Jampel konnte ihr Leben retten, ihnen gelang 1939 die Flucht nach Großbritannien. Das Geschäft der Familie wurde im Dezember 1938 unter dem Namen des neuen 'arischen' Inhabers Richard Drewer wieder eröffnet. Die Verlegung dieser vier Stolpersteine hat die Familie Jampel initiiert und auch die Patenschaft übernommen.

Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen zurück

Abb.: Nachfahren der Familie Jampel waren zur Stolpersteinverlegung eigens aus Großbritannien angereist. "Unser Haus steht nicht mehr - aber wir sind hier!" so die einhellige Meinung der Nachfahren.

Letzte Station an diesem Tag war die Poststraße 20, dort wurde ein Stolperstein für Gerold Günsberg Link verlegt. Bereits 2017 wurden dort die Stolpersteine für Vater Josef und die Kinder Fanny und Lothar Günsberg verlegt, alle drei wurden im Holocaust von den Nazis ermordet. Die seinerzeit durchgeführten Recherchen ergaben vor dem Hintergrund des Datenschutzes keinen Hinweis auf Gerold Günsberg, erst neue Quellen machten die heutige Nachverlegung für Gerold Günsberg möglich. Gerold konnte im Alter von dreizehn Jahren von Köln mit einem Kindertransport auf der SS Washington nach New York gerettet werden, seine Tante Renchie Kramer nahm ihn auf. Im Juli 1943 wird er US-Soldat und kommt als Befreier nach Deutschland zurück. 1949 kehrt Gerold Günsberg zurück in die USA.


Erster Stolperstein für einen italienischen Militärinternierten in Gelsenkirchen 

Andreas Jordan | 4. Juni 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Ehrenmedaille Pietro Farina.Pietro Farina wurde am 20. November 1923 in Cremona/Italien als ältestes Kind von Giovanni Farina und Rosa Ghizzoni geboren. Pietro Farina wurde am 9. September 1943 in Jugoslawien von deutschen Truppen gefangengenommen. Als so genannter "Italienischer Militärinternierter" (IMI) wurde auch Pietro Farina zur Ableistung von Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Zunächst wird er im Mannschafts-Stammlager VI A Hemer bei Iserlohn unter der Gefangenen-Nr. 89056 interniert. Ab dem 5. Oktober 1944 wird Farina als Zwangsarbeitender im "Arbeitskommando 213I, Kokerei Hugo" in Gelsenkirchen-Buer ausgebeutet.

"Wie meisten seiner Kameraden litt auch Pietro Farina während seiner Gefangenschaft in Deutschland an Hunger, Kälte und Demütigung. Er verlor jedoch nicht die Hoffnung, eines Tages nach Hause zurückehren zu können. Er glaubte fest daran, das auch sein persönliches Opfer der Freiheit und dem Frieden in Italien und Europa diene. Sein Glaube an Gott, das Gebet und der Mut, den er im Briefwechsel mit seiner Familie fand, gaben ihm Kraft zum Leben. Ein Kamerad, der aus einem Dorf nicht weit von Spinadesco kam, sah vor seiner Rückkehr nach Italien Pietro Farina ein letztes Mal in einem Krankenhaus in Buer. Diesen Kameraden bat Pietro kurz vor seinem Tod noch um einige Buntstifte, um zeichnen zu können. Er zeichnete damit sein Heim, das Haus und seine Familie - und den Himmel darüber, denn er glaubte fest daran, in den Himmel zu kommen", schrieb uns seine Nichte Maria Rita Merati. Pietro Farina sollte jedoch seine Heimat Italien niemals wiedersehen, er starb, psychisch und körperlich geschwächt von den Folgen der erlittenen Gefangenschaft, am 22. Mai 1945 in Gelsenkirchen, laut der Sterbeurkunde angeblich an Lungentuberkulose.

Zunächst in Gelsenkirchen-Buer begraben, wurde sein Leichnam exhumiert und zum Hauptfriedhof in Frankfurt a. M. gebracht. Dank seiner noch vorhandenen Erkennungsmarke wurde der Leichnam auf Wunsch seiner Angehörigen schließlich 1958 in Pietro Farinas Heimatort Spinadesco, Provinz Cremona, Italien überführt und auf dem dortigen Friedhof, wo auch seine Eltern und Bruder Sergio ihre letzte Ruhestätte haben, würdig bestattet.

Die Schwestern Maria Rita und Patrizia Merati haben die Verleihung einer Ehrenmedaille für ihren Onkel Pietro Farina angestoßen, diese Ehrung wurde im November 2024 vom Präfekten von Pavia übergeben. Pietro Farina soll im nächsten Jahr in Gelsenkirchen einen Stolperstein erhalten - unweit des Zwangsarbeiterlagers an der Horster Straße, in dem er damals interniert war. Die Schwestern Merati zeigten sich tief bewegt: "Es wäre ein wahrgewordener Traum, einen Stolperstein in Gedenken an unseren Onkel in Gelsenkirchen zu verlegen, natürlich übernehmen wir auch die Kosten und werden zur Verlegung des Stolpersteins anreisen."

Erinnerungskultur: Verleihung einer Ehrenmedaille für Pietro Farina

Abb.: Verleihung der Ehrenmedaille im November 2024 in Pavia/Italien.


Gedenken: Vierzig neue Stolpersteine für Gelsenkirchen  

Online-Redaktion | 21. Mai 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Am 5. und 24. Juni 2025 werden im Rahmen von Gemeinschaftsverlegungen 40 weitere Stolpersteine für Opfer des NS-Regimes in Gelsenkirchen verlegt. Sie alle wurden diskriminiert, verfolgt, verhaftet, deportiert, gequält und zumeist ermordet. Einigen gelang die Flucht ins rettende Ausland. Interessierte sind eingeladen, mit uns gemeinsam an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und den feierlichen Verlegungen beizuwohnen. Namen, Orte und Zeiten Link

Gedenken: Vierzig neue Stolpersteine für Gelsenkirchen


Holocaust-Überlebende Margot Friedländer gestorben 

Andreas Jordan | 10. Mai 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Margot Friedläner, Foto: Copyright © Luigi Toscano.

Foto: Copyright © Luigi Toscano Zum Vergrößern anklicken

Margot Friedländer ist tot. Die Holocaust-Überlebende starb am Freitag im Alter von 103 Jahren in Berlin, wie die Margot-Friedländer-Stiftung mitteilte. "Mit ihrem Tod verliert Deutschland eine bedeutende Stimme der Zeitgeschichte", so die Stiftung.

An diesem Tag hätte Margot Friedländer eigentlich das Große Bundesverdienstkreuz entgegennehmen sollen. Friedländer wurde 1921 als Margot Bendheim in Berlin geboren und gehörte zu den bekanntesten Zeitzeuginnen. Sie versteckte sich während der nationalsozialistischen Judenvernichtung in Berlin im Untergrund, wurde aber verraten und in ein Konzentrationslager verschleppt. Sie überlebte, ihre Mutter und ihr jüngerer Bruder wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Eine ihrer Botschaften war: "Was war, können wir nicht mehr ändern, aber es darf nie wieder geschehen." Vor dem ehemaligen Wohnhaus Friedländers in der Skalitzer Straße 32 in Kreuzberg wurden am Freitagabend Blumen an den dort verlegten Stolpersteinen niedergelegt. Hier lebte Margot Friedländer bis 1943, bis die die Gestapo ihre Mutter und ihren Bruder Ralph verschleppte und Margot sich ab dann im Untergrund versteckt hielt, bis sie im Frühjahr 1944 verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurde.


8. Mai – 80 Jahre Kriegsende 

Andreas Jordan | 8. Mai 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Vor 80 Jahren kapitulierte Deutschland bedingungslos vor den alliierten Streitkräften. Der Zweite Weltkrieg in Europa endete und mit ihm die NS-Herrschaft. In der Nacht auf den 9. Mai unterzeichneten ihre Vertreter im heutigen Museum Berlin-Karlshorst die Kapitulationsurkunde - das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Bild mit Text: Esther Goldschmidt, zum 08. Mai Kriegsende, mit freundlicher Genehmigung.

Abb.: Bild mit Text: Esther Goldschmidt, zum 08. Mai Kriegsende, mit freundlicher Genehmigung.

Dieser Tag bedeutete die Befreiung für Millionen: von Zwangsarbeit, Verfolgung, Terror. Tatsächlich war das aber ein langer Prozess, der vor dem 8. Mai 1945 begann und damit nicht endete. Die gewonnene Freiheit ging nicht selten mit einem schmerzhaften Neuanfang einher. Schon Monate zuvor begannen alliierte Truppen Konzentrationslager zu befreien. Tausende Häftlinge befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf sogenannten Todesmärschen – gehetzt, geschwächt, entrechtet. Die in den Lagern verbliebenen Gefangenen waren Krankheiten, Hunger und systematischen Tötungsaktionen ausgesetzt.

Das Jahr vor der Befreiung forderte in den Konzentrationslagern mit Abstand die meisten Opfer. Viele überlebten die Befreiung nur um schwer krank, entwurzelt und traumatisiert in eine ungewisse Zukunft entlassen zu werden. Der 8. Mai markiert nicht nur das militärische Ende eines verbrecherischen Regimes – er steht für einen Neubeginn. Und für das bleibende Vermächtnis, das Erinnern wachzuhalten.


Keine Verjährung für NS-Unrecht - Pressestatement vom 7. Mai 2025 Urteil OLG Hamm  

Online-Redaktion | 7. Mai 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Arthur Levy

Abb.: Arthur Levy

Der Schweizer Unternehmer Marc Benseghir möchte Auskunft über das Konto seines Urgrossvaters. Dafür klagt er bereits in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Hamm in Nordrhein-Westfalen. Das Gericht hat die Klage jedoch an diesem Mittwoch abgewiesen. Grund: Verjährung. Benseghir will die Verjährung für NS-Unrecht nicht gelten lassen und Revision einlegen. Sein Fall steht beispielhaft für ein Thema, das in grossem Stil ungelöst ist: Der Verbleib jüdischer Guthaben auf deutschen Bankkonten während und nach dem National- sozialismus. In einem Statement heißt es:

"Wir haben nach dem Verhandlungstermin die Abweisung unserer Berufung erwartet, sind aber gleichwohl sehr enttäuscht. Das Oberlandesgericht Hamm hat die Einrede der Verjährung der Sparkasse Hagen (Sparkasse an Volme und Ruhr) im Fall der Enteignung des Bankguthabens von Arthur Levy während der NS-Zeit bestätigt. Dieses Urteil verkennt die historische Verantwortung der Sparkasse Hagen und widerspricht dem Grundsatz, dass NS-Unrecht nicht verjähren darf. Arthur Levy, mein Grossvater und schweizerischer Staatsbürger, wurde in den 1930er Jahren Opfer eines nationalsozialistischen Verbrechens, als ihm die Auszahlung seines rechtmässigen Guthabens bei der Sparkasse Hagen verweigert wurde.

Trotz wiederholter Versuche, sowohl durch ihn als auch durch mich als Nachkommen, Auskunft über das Konto zu erhalten, blieb die Sparkasse untätig. Zudem bestritt die Sparkasse mehrmals den Bestand des Bankkontos noch bis zur Einreichung der Klage und verweigert bis heute die Herausgabe relevanter Informationen. Sowohl der Kontoinhaber wie auch ich haben nie die faire Chance erhalten, Ansprüche auf das Bankguthaben zu stellen, weshalb die Einrede der Verjährung sowohl moralisch verwerflich wie auch rechtswidrig ist. Das vorprozessuale Verhalten der Sparkasse Hagen bleibt dabei ausschlaggebend.

Das heutige Urteil ignoriert nicht nur die Verpflichtung zur Wiedergutmachung, sondern setzt auch ein fatales Zeichen: es suggeriert, dass institutionelles Schweigen über nationalsozialistische Verbrechen und die Verweigerung von Transparenz belohnt werden können. Dies steht im Widerspruch zur Staatsraison der Bundesrepublik Deutschland, die Aufklärung und Wiedergutmachung von nationalsozialistischen Verbrechen als prioritär und unverzichtbar anerkennt. Wir werden dieses Urteil nicht akzeptieren. Eine Revision vor dem Bundesgerichtshof wird eingelegt. Die Frage der Verjährung von enteigneten Bankguthaben während der NS-Zeit und die Verantwortung der Sparkasse muss auf höchstrichterlicher Ebene geklärt werden."

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Webseite Simson Cohen entnommen.

Das anonymisierte Urteil des Oberlandesgerichts sowie das diesem zugrunde liegende anonymisierte Urteil des Landgerichts Hagen werden in die Rechtsprechungsdatenbank www.nrwe.de eingestellt werden. Aktenzeichen: 31 U 10/24 OLG Hamm (8 O 209/22 LG Hagen)


Zerstörter Stolperstein an der Bergmannstraße ersetzt 

Andreas Jordan | 6. Mai 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Neuverlegung eines zerstörten Stolpersteins.Seit heute Morgen erinnern sie wieder an Familie Springer, die Stolpersteine vor dem Haus an der Bergmannstr. 37 in Gelsenkirchen-Ückendorf. Im Oktober letzten Jahres wurde der Stolperstein für Sohn Herbert Springer von bisher Unbekannten durch Vandalismus irreversibel beschädigt und musste komplett ausgetauscht werden.

Präventiv wurden auch die am 8. Mai 2020 an gleicher Stelle verlegten Stolpersteine für Hermann und Ida Springer sichergestellt und bis zur Neuverlegung eingelagert. Ein Spendenaufruf für den neuen Stolperstein brachte keinen Erfolg, die Gelsenkirchener Stolpersteingruppe hat aus eigener Tasche die Kosten für das zerstörte Exemplar übernommen


Enteignung von jüdischen Vermögen - ein dringender Aufruf zur Aufarbeitung 

Online-Redaktion | 30. April 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Der Name → Simson Cohen steht stellvertretend für das an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger während der NS-Diktatur begangene Unrecht und das dadurch verursachte unsägliche Leid.

SA-Schergen haben die Liegenschaft von Simson Cohen am Hohen Graben 2 in Hagen in den 30er Jahren überfallen, die Möbel demoliert, das Klavier in die Volme geworfen, den Hund erschossen und Simson Cohen brutal zusammengeschlagen. Er musste daraufhin mit seiner Familie in die Schweiz nach Bern flüchten und ist dort seinen Verletzungen aufgrund des Überfalls erlegen. Die Liegenschaft am Hohen Graben 2 wurde von der Stadt Hagen übernommen (staatlich legitimierte Enteignung, im NS-Sprachgebrauch 'Arisierung' und mittels Strohmänner an 'arische' Privatleute verkauft.

Aufgrund der alliierten Militärgesetze hat nach Ende des 2. Weltkrieges das Entschädigungsamt der Stadt Hagen mit den Erben von Simson Cohen Verhandlungen über eine Entschädigung der enteigneten Liegenschaft geführt. Die Erben wurden von der jüdischen Gemeinde Dortmund vertreten. Ein rechtsgültiger Vergleich ist dabei jedoch nicht zustande gekommen; die notwendige schriftliche Zustimmung der Stadtvertretung Hagen fehlt bis heute. Auch der leitende Historiker der Stadt Hagen konnte diesbezüglich nicht weiterhelfen. Der in der Schweiz lebende Nachkomme von Simson Cohen wird deshalb noch eine Auskunftsklage einreichen, um zu erfahren, ob die schriftliche Zustimmung der Stadtvertretung vorhanden ist.

Simon Cohen - NS-Unrecht muss immer justiziabel sein

Abb.: In der Westfalenschau vom 9. August 1995 wurde ein Artikel veröffentlicht, bei dem ersichtlich ist, dass die Sparkasse Hagen (Sparkasse an Volme und Ruhr) in ihrem Archiv historisch wertvolle und brisante Akten über die Enteignung von Konten jüdischer Hagener aufbewahrt.

Ein weiterer beim Oberlandesgericht Hamm anhängiger Rechtsfall betrifft die Enteignung des Bankguthabens von Arthur Levy, Schwiegersohn von Simson Cohen, bei der damaligen Sparkasse Hagen (heute Sparkasse an Volme und Ruhr) während der NS-Zeit in den 30-Jahren. Sowohl Simson Cohen wie auch Arthur Levy hatten ein Bankkonto bei der Sparkasse Hagen. Simson Cohen verfügte zudem über ein Wertschriftendepot, das auch enteignet wurde. Dieser Rechtsfall steht auch im Zusammenhang mit der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie über nachrichtenlose Vermögenswerte (Social Impact Fonds). Dort wird ersichtlich, dass die deutschen Sparkassen ihrer Buchführungspflicht über nachrichtenlose Vermögenswerte nicht genügend nachgekommen sind (sog. „schlafende Konten“); es müssen von einer Bank alle Kommunikationskanäle benutzt werden, um erbberechtigte Nachkommen von Kontoinhaber ausfindig zu machen. Es kann davon ausgegangen werden, dass noch einige Milliarden EUR an „schlafenden Konten“ in Deutschland vorhanden sind. Die Sparkasse an Volme und Ruhr hat jedoch nie irgendwelche Nachforschungen über mögliche Nachkommen von Arthur Levy gemacht, welche Ansprüche auf das Kontoguthaben stellen könnten. Auch nach Kontaktaufnahme seitens des Nachkommen von Arthur Levy, hat die Sparkasse an Volme und Ruhr keine Anstrengungen unternommen, das Gespräch mit dem Nachkommen aufzunehmen. Das die Sparkasse an Volme und Ruhr kein Einzelfall ist, liegt auf der Hand.

Im Zusammenhang mit der erwähnten Studie über nachrichtenlose Vermögenswerte gibt es aktuell Versuche der Sparkassen nach dem Informationsfreiheitgesetz (IFG) NRW nicht mehr über personenbezogene Konten berichten zu müssen. Die angehörten Sachverständigen lehnen jedoch diese Änderungen des IFG NRW ab. Der Fall Simson Cohen und Arthur Levy zeigt eindringlich auf, dass nationalsozialistisches Unrecht immer justiziabel sein muss und der deutsche Staat weiterhin in der Pflicht steht Aufklärungsarbeit im Zusammenhang mit der Enteignung von jüdischen Vermögen zu leisten.

Die Gerechtigkeit hat kein Verfallsdatum

Der moralischen und finanziellen Wiedergutmachung des vom NS-Regime verübten Unrechts hat die Bundesrepublik Deutschland seit jeher eine besondere Priorität beigemessen. Den Worten müssen nun Taten folgen… Das Urteil am Oberlandesgericht Hamm wird am 7. Mai 2025 erwartet. Erstmals muss ein deutsches Gericht über die Frage entscheiden, ob das NS-Verbrechen der Enteignung jüdischer Bankguthaben verjähren kann.

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Webseite Simson Cohen entnommen.


Nachfahren Familie Silberberg: Wer kann bei der Suche helfen? 

Andreas Jordan | 16. April 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Nachfahren Familie Silberberg: Wer kann bei der Suche helfen?

Der hier abgebildete Jüdische Kinderkalender für das Jahr 5689 (1928/29) wurde 1974 in einem Heidelberger Antiquariat erworben. Im Innenteil findet sich ein handschriftlicher Vermerk: "Silberberg, 84 Summerlee Ave, London N2". (Es handelt sich hier um Familie Salomon, Hedwig u. Rudolf Silberberg, vormals Berlin-Nikolassee. Salomon war der Bruder von Hulda Silberberg, Gelsenkirchen.)

Die Summerlee Ave befindet sich in einem Vorortbezirk im Norden von London. Die heutige Besitzerin möchte den Kalender an derzeit noch nicht bekannte mögliche Nachfahren übergeben. Wir unterstützen dieses Vorhaben und suchen nun auf diesem Weg nach entsprechenden Hinweisen auf den ehemaligen Besitzer bzw. die Besitzerin. Kontakt per Mail: a.jordan(ätt)gelsenzentrum.de

Descendants of the Silberberg family: Who can help with the search?

Descendants of the Silberberg family: Who can help with the search?

The illustrated Jewish children's calendar for the year 5689 (1928/29) shown here was purchased in 1974 from an antiquarian bookshop in Heidelberg. There is a handwritten note on the inside: "Silberberg, 84 Summerlee Ave, London N2". (This is the Silberberg family Salomon, Hedwig and Rudolf Silberberg, formerly of Berlin-Nikolassee. Salomon was the brother of Hulda Silberberg, Gelsenkirchen.)

The Summerlee Ave is located in a suburban district in the north of London. The current owner would like to pass the calendar on to possible descendants who are not yet known. We support this project and are now looking for information about the former owner. Contact by e-mail: a.jordan(ätt)gelsenzentrum.de


EDU_Westfalen - Ein neues Portal stellt regionales Unterrichtsmaterial bereit 

Online-Redaktion | 25. März 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Auf der neuen Webseite EDU_Westfalen stellt der LWL Lehrkräften sowie Schüler:innen Quellen und Lernmaterialien zunächst für das Fach Geschichte bereit, weitere Schulfächer folgen.
Foto: LWL

Westfalen-Lippe (lwl). Mit der Webseite EDU_Westfalen bringt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ein neues digitales Angebot an den Start. Das von der LWL-Kulturstiftung und dem Ministerium für Schule und Bildung NRW geförderte und vom LWL-Medienzentrum für Westfalen entwickelte Portal stellt Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern vielfältige Quellen und Lernmaterialien für unt "Der Schulunterricht wird immer digitaler. Lehrerinnen und Lehrer suchen ihre Unterrichtsmaterialien längst im Internet, Schülerinnen und Schüler sowieso," betont Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums. erschiedliche Schulfächer bereit, beginnend mit dem Fach Geschichte. Der Clou: Sämtliche Materialien stammen aus der Region Westfalen-Lippe.

"Der Schulunterricht wird immer digitaler. Lehrerinnen und Lehrer suchen ihre Unterrichtsmaterialien längst im Internet, Schülerinnen und Schüler sowieso," betont Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums. Mit EDU_Westfalen reagiert das LWL-Medienzentrum auf diese Bedarfe und bietet zunächst für das Fach Geschichte über 300 Lernressourcen, die die Lehrplanthemen an westfälischen Beispielen erfahrbar machen. Gemeinsam mit Autorinnen und Autoren und in Kooperation mit zahlreichen Archiven wurden diese Materialien in den letzten vier Jahren recherchiert, aufbereitet und didaktisch gerahmt, sodass sie nun vorrangig von Lehrerinnen und Lehrern aber auch von Schülerinnen und Schülern sowie Akteurinnen und Akteuren der außerschulischen Bildung frei genutzt werden können. Neben verschiedenen Lernressourcen zum Suchwort Gelsenkirchen hat auch unsere Datenbank Die Dabeigewesenen" als Sachquelle Erwähnung gefunden.


Stolpersteinverlegung 2025 in Gelsenkirchen: Ein Aufschrei gegen das "laute Schweigen"  

Andreas Jordan | 12. März 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: 40 neue Stolpersteinein werden 2025 verlegt

Vor 150 Jahren – im Jahr 1875 – hat Gelsenkirchen die Stadtrechte verliehen bekommen. Im Jubiläumsjahr 2025 werden in Gelsenkirchen weitere 40 Stolpersteine verlegt. Jeder in in unserer Stadt verlegte Stolperstein lenkt dabei auch den Blick auf das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte - die Zeit zwischen 1933-1945. Die Vergangenheit zu verstehen, ist der Schlüssel, um die Zukunft zu gestalten.

Es ist unsere Verantwortung, nicht nur die Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen zu bewahren, sondern auch aktiv für Menschlichkeit, Vielfalt und gegen Ausgrenzung in der Gegenwart einzutreten.

In der Gelsenkirchener Stadtgesellschaft hat Gunter Demnigs Kunstprojekt Stolpersteine mittlerweile eine breite, anschlußfähige Akzeptanz erfahren. Stolpersteine sind dauerhafte Zeichen der Gelsenkirchener Erinnerungskultur geworden - sie sind durch ihre unaufdringliche Präsenz integraler Bestandteil des täglichen Lebens. Die kleinen Lernorte sollen nicht zuletzt auch darauf aufmerksam machen, wozu Ausgrenzung, Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit und Dehumanisierung letztendlich führen können. Umgesetzt wird Demnigs Kunstprojekt für Europa in Gelsenkirchen durch den gemeinnützigen Verein Gelsenzentrum e.V. - gemeinsam mit der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen. - Das ist kein städtisches Projekt, sondern wird von zivilgesellschaftlichen Engagement einiger Gelsenkirchener Bürger*Innen umgesetzt. Die Finanzierung der Stolpersteine sowie die der Arbeit der Projektgruppe erfolgt nicht über Steuergelder, sondern ausschließlich durch Spenden. Interessierte sind eingeladen, mit uns gemeinsam an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und den feierlichen Verlegungen beizuwohnen.

Die nächste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen findet am Donnerstag, 5. Juni 2025 statt:

09.00 Uhr, Dorstenerstr. 27: → FAMILIEN PEPI, MAX, ARON ALPERN + → MOSES, REBEKKA (GEB. ALPERN), ALEXANDER, KARL, MAX, LEA, CHARLOTTE, BETTI u. SABINE STÄNDIG
10.00 Uhr, Gecksheide 148: → JOHN H. FRIEDHABER (Pilot USAAF)
10.40 Uhr, Schalker Straße 156 / Ecke Grillostr.: → FAMILIE LEO, ANNA, HERMANN u. SALO JAMPEL
11.15 Uhr, Königstr. 30/Ecke Rolandstr.: → EHEPAAR GUSTAV u. REGINE DESSAUER
12.00 Uhr, Poststr. 20 → GEROLD GÜNSBERG

Verlegung von weiteren Stolpersteinen am Dienstag, 24. Juni 2025:

09.00 Uhr, Bismarckstraße 50: → FAMILIE ERNST, MARTA, LIESE, KURT, HANS, FRIEDA SONDERMANN
09.30 Uhr, Gildenstraße 7 → FAMILIE DR. PAUL, ILSE, LORE, WERNER EICHENGRÜN
10.00 Uhr, Ringstr. 48: → FAMILIE FEIBISCH, CHANA u. JOSEF ROSENBERG
10.30 Uhr, Klosterstr. 13: → FAMILIE HERMANN, FLORA, MATHEL, ERICH, ROSALIE, ERNA VOOSEN
11.15 Uhr, Parallelstraße 4: → HERMANN KONDRING

(Die genannten Uhrzeiten sind Richtwerte, Teilnehmende sollten +/- 20 Min. zu dem genannten Uhrzeiten einplanen)


Stolpersteine putzen gegen das Vergessen 

Online-Redaktion | 30. Januar 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Millionen Deutsche sind dem Rassenwahn und dem Gewaltrausch der Nazis gefolgt und haben dabei mitgetan. Das dürfen wir nie vergessen, denn auch heute gibt es wieder menschenfeindliche Bestrebungen, gerade auch gegen jüdische Menschen gerichtet, die die Grundlagen unseres friedlichen und freien Zusammenlebens bedrohen. Hass, Menschenverachtung und rassistischer Wahn dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wir müssen uns dem leider weiter grassierenden Antisemitismus und Antiziganismus und auch jeder Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus mit aller Kraft im breiten Konsens aller demokratischen Kräfte entschlossen entgegenstellen.

Auch in diesem Jahr wird die jährliche Putzaktion der Stolpersteine fortgesetzt. So sollen auch außerhalb der Gedenktage 27. Januar, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, dem 2. August, dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma und dem 9. November, dem Scheitelpunkt der Novemberpogrome 1938 die bisher in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine poliert werden. Denn auch an jedem anderen Tag dürfen wir nicht nicht vergessen, was passiert, wenn wir nichts gegen die Verbreitung von antisemitischem und antiziganistischem Hass unternehmen.

Etwas, das uns tatsächlich immer wieder daran erinnert, weil es auf unseren täglichen Wegen immer wieder auftaucht, sind die Stolpersteine. Die in den Boden eingelassenen Messingtafeln erinnern an Opfer des NS-Regimes; meistens dort, wo die Menschen zuletzt freiwillig gewohnt haben, bevor sie deportiert, vertrieben oder ermordet wurden.

Jeder ist aufgerufen, alleine oder in Gruppen, einen oder mehrere Stolpersteine in seiner Nachbarschaft an einem beliebigen Tag wieder zum Glänzen zu bringen. Gerade in diesen Zeiten, in denen Rassismus, Nationalismus,Antisemitismus und Antiziganismus verstärkt Zulauf finden, ist es umso wichtiger, sich für die Stärkung von Demokratie und Zivilcourage zu engagieren.

Die Stolpersteine bedürfen der regelmäßigen Pflege, die auch jenseits besonderer Gedenktage erfolgen sollte. Die App des WDR "Stolpersteine NRW" navigiert euch zu den Steinen in Gelsenkirchen. Schickt uns Fotos von euren Putzaktionen. → Anleitung zur Reinigung von Stolpersteinen [PDF]


Gelsenkirchen: Internationaler Holocaust-Gedenktag und Jahrestag der Deportation nach Riga  

Online-Redaktion | 22. Januar 2025 | Stolpersteine Gelsenkirchen

27. Januar: Internationaler Holocaust-Gedenktag

Abb.: Max Mannheimer, Holocaust-Überlebender und Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees. Ab den 1980er Jahren engagierte er sich aktiv für eine Kultur des Erinnerns und des Gedenkens. Max Mannheimer starb am 23. September 2016.

Der 27. Januar ist in Gelsenkirchen ein besonderer Gedenktag. Vor achtzig Jahren, am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die letzten 7.600 noch im deutschen Vernichtungslager Auschwitz verbliebenen, zumeist schwerkranken Überlebenden. Zuvor waren etwa 56.000 noch marschfähigen KZ-Häftlinge von SS-Wachen auf tagelange Todesmärsche in der eisigen Kälte des polnischen Winters in Richtung Westen gezwungen worden.

So erlebte der Großteil der Gefangenen die Befreiung des Lagers Auschwitz nicht mit, sondern befand sich bereits auf einem der als Evakuierung deklarierten, grausamen Todesmärsche, bei denen viele ihr Leben verloren, oft von den SS-Wachmannschaften erschossen wurden. Die Kolonnen von abgemagerten Menschen durchzogen auf den Todesmärschen Dörfer und Städte und starben vor den Augen der Bewohner. Die meisten KZ-Häftlinge von Auschwitz erlebten die Befreiung durch die Rote Armee nicht mehr.

Bereits am 27. Januar 1942 fand die erste Deportation jüdischer Männer, Frauen und Kinder aus Gelsenkirchen und weiteren umliegenden Städten in das Ghetto Riga statt. Zu diesem Zweck hatten die Nazis in der damaligen Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz eigens ein temporäres 'Judensammellager' eingerichtet. In Deutschland wird seit 1996 am 27. Januar an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert. 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und anderen Verfolgten. Auschwitz ist Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte. Dabei hat die jahrzehntelange Gleichsetzung von Auschwitz und Holocaust mit dazu beigetragen, dass der Massenmord an den europäischen Juden vor allem mit Konzentrationslagern assoziiert wird. Für die Synonymität von Auschwitz und Holocaust gibt es durchaus plausible Gründe: An keinem Ort kamen mehr jüdische Opfer ums Leben, insgesamt rund eine Million Menschen, die nach Auschwitz deportiert und in den Gaskammern ermordet wurden. Diese Frauen, Männer und Kinder stammten zudem aus nahezu sämtlichen europäischen Ländern, sodass kein anderer Ort das europaweite Mordgeschehen in ähnlicher Weise symbolisiert.

Die große Mehrheit der Holocaust-Opfer hatte jedoch nie ein Konzentrationslager von innen gesehen: Nicht die rund zwei Millionen Jüdinnen und Juden – vor allem aus Osteuropa – die bei Massenerschießungen ("Holocaust durch Kugeln") hingerichtet wurden; nicht die mindestens 1,3 Millionen Menschen, die in Belzec, Treblinka und Sobibór ermordet wurden, den Vernichtungsstätten der "Aktion Reinhardt"; nicht einmal das Gros der nach Auschwitz Deportierten, die gar nicht erst im Lager registriert, sondern unmittelbar nach der Ankunft in die Gaskammern getrieben worden waren. Die berüchtigte Inschrift "Arbeit macht frei" hatten sie nicht zu Gesicht bekommen.

Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist daher kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. Der 27. Januar ist in Gelsenkirchen ein besonderer Gedenktag, hier wird am 27. Januar der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 gedacht, zudem der Deportation jüdischer Menschen von Gelsenkirchen nach Riga, die auf den Tag genau drei Jahre zuvor vom NS-Terrorregime nicht zuletzt mit tatkräftiger Hilfe der örtlichen Stadtverwaltung durchgeführt wurde.


Zum Jahreswechsel  

Online-Redaktion | 23. Dezember 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Bildhauer Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Gelsenkirchen.

Liebe Freund*innen und Unterstützer*innen der Gelsenkirchener Stolperstein-Initiative,

auch für uns war 2024 ein arbeits- und ereignisreiches Jahr. Sowohl am 6. Juni (mit Gunter Demnig) als auch im Mai und Juni (jeweils im Rahmen von Gemeinschaftsverlegungen) wurden 31 weitere Stolpersteine für Opfer des NS-Regimes in Gelsenkirchen verlegt. Auch im kommenden Jahr findet das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen seine Fortsetzung, im Juni 2025 verlegen wir im Rahmen einer Gemeinschaftsverlegung 40 neue Stolpersteine im Stadtgebiet.

Unser Dank geht an alle, die das Stolperstein-Projekt in Gelsenkirchen auch in diesem Jahr unterstützt, gefördert und aktiv mitgestaltet haben. Ein friedliches und gesundes 2025 wünschen

Andreas Jordan und das Stolperstein-Team Gelsenkirchen


Erfinder der Stolpersteine ausgezeichnet 

Online-Redaktion | 12. Oktober 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Bildhauer Gunter Demnig hat den Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel bekommen.

Stolpersteinerfinder Gunter Demnig wurde jetzt für sein Engagement mit dem Arnold-Bode-Kunstpreis der Stadt Kassel ausgezeichnet. Demnig hat seit 1992 bis auf wenige Ausnahmen über 100.000 Stolpersteine in über 30 Ländern selbst verlegt. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ist nach dem documenta-Gründer Arnold Bode benannt.

Prof. Heiner Georgsdorf, Vorsitzender des Kuratoriums der Arnold-Bode-Stiftung bekräftigte: „Ausschlaggebend für die Entscheidung des Kuratoriums war, dass Gunter Demnig auf eine einmalige und höchst beeindruckende und überzeugende Weise künstlerische Aktion und gesellschaftspolitisches Engagement verbindet.“ Kassels Oberbürgermeister Schoeller hob das besondere Engagement des Künstlers hervor: „Seit den frühen 1990er Jahren hält Gunter Demnig mit dieser künstlerischen Aktion unermüdlich die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach, indem er sichtbar macht, dass sie einmal mitten unter uns gelebt haben. Seine Gedenkarbeit ist einzigartig, sie rüttelt auf und lässt uns immer wieder über die dunkelste deutsche Geschichte stolpern.“


Gelsenkirchen: Stolperstein mutwillig zerstört 

Online-Redaktion | 9. Oktober 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Stolperstein mutwillig zerstört.

Drei Stolpersteine erinnerten seit 2020 an der Bergmannstraße 37 in Gelsenkirchen-Ückendorf an die während der NS-Zeit verfolgte → Familie Hermann Springer. Nun haben bisher Unbekannte einen der Stolpersteine mutwillig zerstört. Wir haben Strafantrag gestellt, die Polizei ermittelt.

Beauftragte des Städtischen Bauhofes sicherten die drei Stolpersteine am Montagnachmittag, die Verlegestelle wurde temporär mit einfachen Pflastersteinen aufgefüllt. Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen hat die kleinen Denkmale bis zu deren Neuverlegung in Verwahrung genommen.

Spendenkonto: Stolpersteine Gelsenkirchen, Sparkasse Gelsenkirchen, IBAN: DE79 4205 0001 0132 0159 27

Eingehende Spenden werden in Abstimmung mit dem Verein Gelsenzentrum e.V. und dessen Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen genutzt, um den Stolperstein alsbald zu ersetzen. Nicht benötigte Spenden werden der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen Verfügung gestellt, um die Erinnerungsarbeit im Rahmen des Stolpersteinprojektes in Gelsenkirchen zu unterstützen.


Rheine: Stolperstein für Lehrer Abraham Weinstock verlegt 

Andreas Jordan | 22. August 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Rheine: Stolperstein für Lehrer Abraham Weinstock verlegt

Lehrer Abraham Weinstock kam nach seiner Vetreibung durch die Nazis aus Rheine über Zwischenstationen Anfang 1934 nach Gelsenkirchen. Er lehrte an der jüdischen Schule in Gelsenkirchen, bis diese von den Nazis geschlossen wurde. Mit seiner Frau Martha und Sohn Heinz lebte Abraham Weinstock zunächst in der Heinrichstraße 57 (Heute Auf dem Graskamp), im Mai 1937 zog die Familie in die Hindenburgstraße 38 (Heutige Husemannstraße). Zuletzt musste die Familie von der Wanner Straße 24 in die Von-der-Recke-Straße 9 (Ghettohaus) umziehen. Die Familie wurde im Januar 1942 von Gelsenkirchen aus in das Ghetto Riga deportiert, einzig Familienoberhaupt Abraham erlebte 1945 seine Befreiung. Gestern wurde in Rheine ein Stolperstein im Gedenken an Abraham Weinstock verlegt.


Wir trauern um Juri Zemski 

Andreas Jordan | 16. Juli 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Juri Zemski ist tot

Der jüdische Kantor Juri Zemski ist im Alter von 63 Jahren am Freitag (12. Juli 2024) in seiner Wahlheimat Gelsenkirchen verstorben.

Der am 11. Dezember 1961 in Odessa geborene Tenor mit ukrainischen Wurzeln und freischaffende jüdische Vorbeter war uns und dem Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden. Seine liebenswerte Art, seine große Hilfsbereitschaft und sein Sinn für Humor werden uns sehr fehlen. Als Kantor nahm Juri Zemski seit 15 Jahren aktiv an den Stolpersteinverlegungen in Gelsenkirchen teil, vielen Menschen wird auch seine unvergleichliche Stimme in Erinnerung bleiben. Wir werden ihm für alle Zeit ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen; möge das Gedenken an ihn ein Segen für uns alle sein. Baruch Dayan Ha‘Emet.


Kunst und Erinnerung: 15 Jahre Stolpersteine in Gelsenkirchen 

Online-Redaktion | 5. Juli 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolpersteine Gelsenkirchen. Gunter Demnig hat die Stolpersteine erdacht.

Seit 15 Jahren gibt es sie auch in Gelsenkirchen: Gunter Demnigs Kunstprojekt für Europa - die Stolpersteine, dass größte dezentrale Mahnmal der Welt. Es ist nicht sein einzigstes Werk, jedoch das bekannteste. Bildhauer Demnig hat die Idee der Stolpersteine Anfang der 1990er Jahre ersonnen, gemeinsam mit seinem Team und lokalen Initiativen hat er mittlerweile rund 106.000 Stolpersteine zu Ehren der von den Nazis in Deutschland und Europa verfolgten, verschleppten, in den Suizid getriebenen und ermordeten Menschen verlegt. Menschen, denen eine rechtzeitige Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen ist, werden dabei ebenso wenig ausgeschlossen wie verfolgte Menschen, die den NS-Terror überleben konnten.

Stolpersteine Gelsenkirchen. Gelsenkirchens erste Stolpersteine an der Markenstr. 19 in Horst erinnern seit 2009 an Familie Neudorf

Die Stolpersteine für → Simon und Frieda Neudorf an der Markenstraße 19 wurden am 13. Juli 2009 mit Zustimmung des Sohnes → Herman Neudorf sel. A. verlegt - es waren die ersten in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine. Die Stolpersteine finden sich heute überall im Stadtgebiet Gelsenkirchens, zumeist genau dort, wo Menschen wohnten, die in der NS-Zeit verfolgt und in der Vielzahl ermordet wurden.

In unserer Stadt erinnern mittlerweile → 350 der kleinen Denkmale sowie eine Stolperschwelle an NS-Opfer. Während Stolpersteine personenbezogene Erinnerungsorte sind und in der Regel an den letzten freiwilligen Wohnorten der verfolgten Personen verlegt werden, sind Stolperschwellen gruppenbezogene Erinnerungsorte für Opfer der Nazi-Zeit. In Gelsenkirchen wird die Verlegung von Stolpersteinen seit mehr als 15 Jahren von dem als gemeinnützig anerkannten Verein Gelsenzentrum e.V. geplant und koordiniert, um die Archiv-Recherche und Erstellung lebensgeschichtlicher Dokumentation kümmert sich die unter dem Dach des Vereins agierende Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen. "Bei den Patinnen und Paten der einzelnen Stolpersteine möchten wir uns herzlich dafür bedanken, dass sie mit ihren Spenden einen mutigen Beitrag zur Sichtbarmachung des düstersten Kapitel unserer Stadtgeschichte geleistet haben" sagt Projektleiter Andreas Jordan.


"Die Bereitschaft, mit Spenden die Patenschaft für die Stolpersteine zu übernehmen, verdient Respekt und Anerkennung. Je mehr Menschen dieses Projekt unterstützen, umso mehr Stolpersteine können verlegt werden".


Die Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen ist kein städtisches Projekt, sondern wird von zivilgesellschaftlichen Engagement getragen. Die Finanzierung der Stolpersteine sowie die der Arbeit der Projektgruppe erfolgt nicht über Steuergelder, sondern ausschließlich durch Spenden. Wenn ihnen das Projekt Stolpersteine am Herzen liegt, freuen wir uns über ihre Unterstützung: Wer künftige Stolperstein-Verlegungen finanziell unterstützen möchte, kann an das Konto „Stolpersteine Gelsenkirchen“ bei der Sparkasse Gelsenkirchen mit der IBAN DE79 4205 0001 0132 0159 27 spenden, Verwendungszweck „Spende Stolpersteine“. Auf Wunsch stellen wir eine Spendenquittung aus.


Erinnerungskultur: Stolpersteine bringen Namen und Lebensgeschichten zurück 

Andreas Jordan | 19. Juni 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Im Rahmen einer Gemeinschaftsverlegung verlegte die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen gestern fünf neue Stolpersteine im Stadtgebiet Gelsenkirchens. Damit hat die diesjährige Verlegeaktion der kleinen Denkmale ihren Abschluss gefunden, 350 Stolpersteine sowie eine Stolperschwelle gibt es jetzt in Gelsenkirchen. Fortgesetzt wird Gunter Demnigs Stolpersteinprojekt in unserer Stadt mit neuen Verlegungen im Sommer 2025.

Stolpersteine Gelsenkirchen: Felix fröhling

Am ersten Verlegeort an diesem Tag an der Horster Str. 40 hatte sich bereits eine 9. Klasse des Ricarda-Huch-Gymnasiums nebst Lehrerinnen eingefunden. Hier erinnert jetzt ein Stolperstein an den von den Nazis ermordeten Felix Fröhling. Die Jugendlichen hatten sich zuvor intensiv mit dem Thema Verfolgung im NS beschäftigt und waren gut vorbereitet. Ein Schüler hielt eine ergreifende Ansprache, eine Schülerin trug ein Gedicht vor. Der geplante Musikbeitrag der Jugendlichen scheiterte jedoch letztlich am schlechten WLAN Empfang, was jedoch dem würdigen Rahmen der kleinen Zeremonie keinen Abbruch tat. Eine entsprechende Nachbereitung soll zeitnah im Schulunterricht stattfinden.

Karl Schönebergs Name ist auf die Schalker Meile zurückgekehrt

Stolpersteine Gelsenkirchen. Karl Schönebergs Name ist auf die Schalker Meile zurückgekehrt

Stolpersteine Gelsenkirchen. Karl Schönebergs Name ist auf die Schalker Meile zurückgekehrt

Anlässlich der Stolpersteinverlegung berichtete eine anwesende Zeitzeugin an der Kurt-Schumacher-Str./Berliner Brücke:

"Genau so war das, auch die Bonbons lagen auf der Straße vor dem Geschäft. Mutter Schöneberg stand mit ihren Kindern fassungslos in ihren Grundfesten erschüttert inmitten der verstreuten Waren und der Ladeneinrichtung. Die Nazischergen waren in ihrer Zersstörungswut sogar mit ihren Stiefeln bzw. Schuhen im Laden in die Butter- und Margarinefässer gestiegen um so deren Inhalt zu verderben. Der Panzerschrank wurde aufgebrochen, die darin verwahrten Dokumente und Ordner einfach mitgenommen. Für den begeisterten Anhänger des Schalke 04 Karl Schöneberg war es besonders schmerzvoll, dass ihn als und bekannter, fest verwurzelter Einwohner des Stadtteils Schalke niemand seiner alten Kunden und "Freunde" aus gemeinsamen Fußballtagen nach der Pogromwoche mehr grüßte - erst recht nicht mit ihm sprachen." Die Nazis wollten die Menschen vernichten und selbst die Erinnerung an sie auslöschen, der Stolperstein kehrt diesen Prozess um und holt den Namen zurück nach Schalke - dorthin, wo Karl Schöneberg einst seinen Lebensmittelpunkt hatte.

Unterstrichen wurde die Zeremonie abschließend mit dem jüdischen Erinnerungsgebet El male rachamim, in dem auch verschiedene der grausamen Vernichtungslager der Nazis namentlich erwähnt werden. Mit großem Einfühlungsvermögen von Alfred Brechner gesungen - seine Stimme klang warm und innig über die Schalker Meile, es herrschte eine feierlich - besinnliche Atmosphäre, welche die Anwesenden berührte und zum Nachdenken anregte.

Stolpersteine Gelsenkirchen: Karl Schönebergs Name ist auf die Schalker Meile zurückgekehrt

An der Kesselstraße 29 wurde auf Wunsch der Enkelin von David Rabinowitsch ein Stolperstein nachverlegt. Bereits 2020 hatten wir dort für Mitglieder der Familie David Rabinowitsch Stolpersteine verlegt. Der 'Datenschutz' hatte jedoch die Suche nach weiteren Nachfahren verhindert, die Enkelin hatte im Internet mehr zufällig von der bereits erfolgten Stolpersteinverlegung erfahren. Sie nahm mit uns Kontakt auf, regte die Verlegung eines weiteren Stolpersteins für ihren Vater Berthold Rabinowitsch (Sohn von David Rabinowitsch aus erster Ehe) an und hat auch die Patenschaft für diesen Stolperstein übernommen. Leider konnte sie zum eigenen Bedauern aus gesundheitlichen Gründen nicht an der gestrigen Verlegung teilnehmen. Ein Treffen vor Ort zu einem späteren Zeitpunkt ist bereits in Planung.

Letzte Station an diesem Tag war die Fischerstr. 173 - hier erinnern nun zwei Stolpersteine an das kinderlose Ehepaar Selma und Norbert Homberg. Beide überlebten den Nazi-Terror nicht, Norbert wurde von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert und im KZ-Kaiserwald (Riga) ermordet, seine Frau Selma starb gedemütigt und entrechtet 1939 in Gelsenkirchen. Sichtlich berührt hörten auch hier die engagierten Schülerinnen und Schüler des Ricarda-Huch-Gymnasiums den vorgetragenen biografischen Skizzen zu den Lebens- und Leidenswegen des Ehepaars Homberg aufmerksam zu. In der Vergangenheit hatten die Jugendlichen bereits Stolpersteine im Umfeld ihrer Schule poliert, diese Aktion soll schon bald ihre Wiederholung finden.

Stolpersteine Gelsenkirchen: Ehepaar Norbert und Selma Homberg

Mit der Verlegung in Horst für das Ehepaar Homberg haben wir die diesjährige Verlegeaktion von 31 neuen Stolpersteinen in Gelsenkirchen abgeschlossen. Damit ist aber keinesfalls das Ende der Stolperstein-Aktion in unserer Stadt erreicht, wir haben bereits mit den Vorbereitungen der Verlegungen der Stolpersteine für 2025 begonnen.


Weitere 18 Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt - Gäste auch aus Israel, USA und England 

Andreas Jordan | 12. Juni 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Bildhauer Gunter Demnig, geistiger Vater der Stolpersteine, traf am Donnerstagmittag (6.6.) pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt in Gelsenkirchen ein. Auf seiner To-Do-Liste für den Nachmittag stand die Verlegung von 18 neuen Stolpersteinen an fünf Orten im Stadtgebiet.

Stolpersteine in Gelsenkirchen für das Ehepaar Josef und  Lea Issler

Familientreffen an der Hauptstraße

An der Hauptstraße kamen 20 Angehörige der Familie Issler zusammen - eigens tausende Kilometer zur Stolpersteinverlegung angereist aus Israel, USA und England. Zwei Stolpersteine - von der Familie initiiert und finanziert - erinnern an der Hauptstraße nun an ihre Vorfahren Josef und Lea Issler, geborene Franzblau. Das jüdische Ehepaar fiel dem NS-Massenmord zum Opfer, Josef Issler wurde in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, seine Frau Lea im Lager Riga-Jungfernhof ermordet.

Weinen, lachen, tanzen, singen, beten - Freude und Trauer wechselten einander ab. "Vom ersten Moment an war es eine Achterbahn der Gefühle" so beschrieb David Issler die Verlegezeremonie an der Hauptstraße. Tieftraurig und erhebend zugleich klang abschließend das von ihm intonierte Kaddisch durch die Hauptstraße. Als sich seine Stimme in der hallenden Akustik des Ortes zu einem gesungenen, eindringlichen Gebet erhob, ergriff auch andere Anwesende die emotionale Kraft dieses Moments. Am nächsten Tag besuchte Familie Issler das KZ Buchenwald und die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein.

Stolpersteine in Gelsenkirchen - David Issler betet Kaddisch

Zuvor hatte Bildhauer Demnig im Beisein der Paten Philipp, Melanie und Jonas Siebert, die in historischen Uniformen der US Army an der Verlegung teilnahmen, bereits hinter dem MIR an der Königstraße 30, Einmündung Rolandstr. (Das Haus mit der Nummer 30 ist nicht erhalten) drei Stolpersteine für Arthur, Johanna Dessauer und deren Tochter Mathel verlegt, alle drei wurden in Auschwitz ermordet.

Stolpersteine in Gelsenkirchen - Familie Sacher Häusler

Gleich sieben Stolpersteine wurden der Familie Sacher Häusler an der Ringstraße gewidmet. Deren Sohn Chaim Baruch überlebte als Einziger seiner Familie den Holocaust. Auch hier nahmen die Stolpersteinpaten - Asli Beyer und Thomas Risse - an der Verlegung teil und zeigten sich ob der entsetzlichen Familiengeschichte tief berührt.

An der Augustastraße erinnern nun weitere Stolpersteine an Menschen, die bereits weit vor dem Zeitpunkt, zu dem das Haus Augustastraße 7 zu einem der Gelsenkirchener Ghettohäuser deklariert wurde, dort wohnten. Auch hier waren es Angehörige, die für die Finanzierung der kleinen Denkmale gesorgt haben. Henriete Breuer, Elfried Prüfke, Luise und Kurt Todtenkopf sowie Margot Spielmann - Jeder dieser Menschen erhielt einen eigenen Stolperstein. Ein Anliegen von Gunter Demnig war und ist, Familien, die durch NS-Verfolgung getrennt wurden, im Gedenken symbolisch wieder zu vereinen. Das Haus in der Augustastraße 7 wurde zum 21. November 1974 als vollständig abgebrochen vermerkt. Heute befindet sich auf dem Grundstück ein Parkplatz. Stolpersteine erinnern an diesem Unrechtsort bereits seit 2010 an die Schwestern Margit und Annemie Zorek.

Stolpersteine in Gelsenkirchen, Augustastrasse

An August Engler, Sozialdemokrat im Widerstand, erinnert nun ein Stolperstein am letzten, selbstgewählten Wohnort, der Wilhelminenstr. 77. August Engler, 1937 in Gelsenkirchen verhaftet, überlebte das KZ Buchenwald nicht. Die Patenschaft für diesen Stolperstein hatte die Schalker Fan-Ini übernommen.


Bochum: Bundesweit erste Stolperschwelle für verfolgte Homosexuelle  

Andreas Jordan | 22. Mai 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Bundesweit erste STOLPERSCHWELLE für verfolgte Homosexuelle

Am Freitag, den 7. Juni 2024 um 9 Uhr wird in Bochum, Viktoriastraße 8-10 / Husemannplatz erstmals in Deutschland eine Stolperschwelle für verfolgte Homosexuelle verlegt. Bildhauer Gunter Demnig wird die Schwelle selbst verlegen.

Ort der Verlegung: Neubau des Husemannkarree (vor dem Eingang Woolworth), hier stand während der NS-Zeit der Gebäudekomplex aus Amts- und Landgericht und Staatsanwaltschaft. Weitere Informationen → hier.

Bochum: Bundesweit erste STOLPERSCHWELLE für verfolgte Homosexuelle


Gelsenkirchen: Stolpersteine geschändet - Staatsschutz ermittelt 

Online-Redaktion | 16. April 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolpersteine für Familie Krämer geschändet

Bisher Unbekannte haben in der Gelsenkirchener Von-Der-Recke-Straße vier Stolpersteine zum Andenken an im Nationalsozialismus verfolgte Gelsenkirchener Juden offenbar gezielt geschändet. Empörte Anwohner entdeckten die Tat und informierten die hiesige Stolperstein-Initiative. Vor Ort angekommen war dann festzustellen, dass die Stolpersteine massiv mit Farbe beschmiert und auf diese Weise die Namen und Daten auf den Stolpersteinen unkenntlich gemacht worden sind.

Die hinzugerufene Polizei und der Staatsschutz dokumentierten die Schändung und nahmen eine Strafanzeige auf. Unmittelbar danach begannen Mitglieder der Projektgruppe Stolpersteine mit der Reinigung der Mahnmale. "Eine unbegreifliche, abscheuliche Tat, weil die Namen der Holocaustopfer erneut ausgelöscht worden sind" sagt Andreas Jordan, Projektleiter der Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen. Die Stolpersteine konnten nur mit erheblichem Aufwand gereinigt werden und so ein würdiges Erscheinungsbild wiederhergestellt werden.

Mit erheblichem Aufwand konnten die Stolpersteine gereinigt werden

Die vier Stolpersteine erinnern vor dem Haus Von-Der-Recke-Straße 10 seit Oktober 2012 an Selig Uscher Krämer, seine Frau Perla sowie deren Kinder Max und Charlotte Link. Seit nunmehr 15 Jahren verlegt die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen zumeist gemeinsam mit Bildhauer Gunter Demnig - dem Erfinder der Stolpersteine - die kleinen Denkmale in Gelsenkirchen. Es war das erste Mal, dass in Gelsenkirchen Stolpersteine gezielt geschändet wurden.

Stellungnahme zur Verschmutzung/Farbanschlag Link auf die Stolpersteine in der „Von-der-Recke-Straße“ in Gelsenkirchen im Mai 2024 von der Gesamtschule Berger Feld und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband NRW.

+ + + Update 17. Mai 2024: Die Polizei sucht nun Zeugen und bittet um Hinweise unter den Telefonnummern 0209 365 8501 oder 0209 365 8240.


Geschichtsorte: Acht neue Stolpersteine in Gelsenkirchen würdigen NS-Opfer  

Andreas Jordan | 8. Mai 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolpersteinverlegung Wieselmann in Gelsenkirchen mit der Gesamtschule Buer-Mitte

Abb: Stolpersteinverlegung für Familie Ignaz Wieselmann in Gelsenkirchen mit der Gesamtschule Buer-Mitte

Die Klänge aus dem Saxophon - Luca spielte ein Musikstück aus dem Film 'Schindlers Liste' - schlossen die gestrige (7.5.) Stolpersteinverlegung in Buer atmosphärisch ab, es flossen bei einigen der Teilnehmenden Tränen.

Gemeinsam mit den Schüler*innen der AG Spurensucher und einem Geschichtskurs - beide von der Gesamtschule Buer-Mitte - und Gästen aus dem nachbarschaftlichen Umfeld verlegten wir heute vor dem Haus Luggendelle 26 fünf Stolpersteine für die Familie Wieselmann. Unter dem NS-Gewaltregime wurden Ignaz Wieselmann und seine Frau Adele im KZ Majdanek, Tochter Hildegard im deutsch besetzten Polen ermordet. Diese drei Familienmitglieder waren zuvor nach Polen abgeschoben worden. Den Töchtern Elfriede und Helene gelang die frühzeitige Flucht nach Palästina.

Lehrer Julian Berendes hatte mit seinem Geschichtskurs Lebens- und Leidenswege der Familie Wieselmann recherchiert und gemeinsam mit den Schülern auch eine Sammelaktion mit verschiedenen Aktivitäten gestartet - so konnten vier der Stolpersteine finanziert werden, eine Patenschaft war bereits zuvor anderweitig vergeben worden.

Stolpersteinverlegung für Familie Alfred Heymann in Gelsenkirchen-Schalke

Abb: Stolpersteinverlegung für Familie Alfred Heymann

Todesurteil wegen 'Diebstahl einer Kartoffel'

Im Beisein der eigens angereisten US-Amerikanerin Ellen Marcus und den Stolpersteinpaten Irene Mihalic (MdB), Markus Töns (MdB) und Cristoph Klug, der den terminlich in Berlin gebundenen Bundesjustizminister Marco Buschmann vertrat, verlegten wir heute im Rahmen einer Gemeinschaftsverlegung Stolpersteine für Familie Alfred Heymann vor dem Haus Liboriusstr. 100 in Gelsenkirchen. Familie Heymann wurde am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga deportiert. Alfred Heymann wurde in der Folge im Ghetto Riga ermordet, Tochter Hannelore wurde wegen dem 'Diebstahl einer Kartoffel' im Zentralgefängnis Riga ermordet, ihre Mutter Grete, geb. Marcus, starb einen gewaltsamen Tod im KZ Stutthof.


Stolpersteinverlegungen in Gelsenkirchen: Ausblick 2024  

Andreas Jordan | 5. Januar 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: 31 neue Stolpersteinein werden 2024 verlegt

Gunter Demnig hat die Stolpersteine erdacht, das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Es ist nicht sein einzigstes Werk, jedoch das bekannteste. Seit mehr als 30 Jahren verlegt der Bildhauer die von ihm ersonnenen Stolpersteine zu Ehren der von den Nazis in Europa verfolgten, verschleppten, in den Suizid getriebenen und ermordeten Menschen - zumeist vor deren ehemaligen Wohnhäusern. Menschen, denen eine rechtzeitige Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen ist, werden dabei ebenso wenig ausgeschlossen wie verfolgte Menschen, die den NS-Terror überleben konnten.

Geschichtsorte in der Nachbarschaft

Die Stolpersteinverlegungen 2024 in Gelsenkirchen finden zweimal als Gemeinschaftsverlegung statt, zu einer weiteren Verlegeaktion kommt Bildhauer Gunter Demnig persönlich nach Gelsenkirchen. 2024 werden wir in Summe 31 neue Stolpersteine in unserer Stadt verlegen.


Donnerstag 6. Juni 2024: Stolperstein-Verlegung gemeinsam mit Bildhauer Demnig

14.00 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → FAMILIE ARTUR, JOHANNA & MATHEL DESSAUER (Verlegeort: Königstr. 30)

14.30 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → EHEPAAR JOSEF u. LEA ISSLER (Verlegeort: Hauptstr. 73 (Frühere Hochstraße 73)

15.10 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → FAMILIE SACHER HÄUSLER (Verlegeort: Ringstr. 7)

15.30 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → HENRIETTE BREUER, LUISE U. KURT TODTENKOPF, MARGOT SPIELMANN UND ELFRIEDE PRÜFKE (Verlegeort: Augustastr. 7)

16.10 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → AUGUST ENGLER (Verlegeort: Wilhelminenstr. 77)


Dienstag 18. Juni 2024: Gemeinschaftsverlegung

10.00 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → FELIX FRÖHLING (Verlegeort: Horster Str. 40)

10.30 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → KARL SCHÖNEBERG (Verlegeort: Kurt-Schumacher-Str. 101)

11.00 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → BERTHOLD RABINOWITSCH (Verlegeort: Kesselstr. 29)

11.40 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → EHEPAAR NORBERT u. SELMA HOMBERG (Verlegeort: Fischerstr. 173)

( Änderungen vorbehalten. Wir bitten Teilnehmende, ein Zeitfenster von +/- 15 Minuten zu allen o. g. Uhrzeiten einzuplanen.)


FC Schalke übernimmt Patenschaften im Rahmen des Projekts Stolpersteine Gelsenkirchen 

Online-Redaktion | 15. April 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Stolperstein Juda Rosenberg in Gelsenkirchen an der Ringstrasse 48

Abb: Seit April 2013 erinnert ein Stolperstein an Juda Rosenberg

Bisher erinnert in Gelsenkirchen an der Ringstraße 48 ein Stolperstein an Juda Rosenberg, nun können drei weitere Stolpersteine für dessen Eltern Feibisch und Chana sowie Bruder Josef an gleicher Stelle verlegt werden.

Die Patenschaft und die damit einhergehende Finanzierung für diese drei Stolpersteine hat der FC Schalke 04 übernommen. Die Recherchen zu den Lebens- und Leidenswegen hat der FC Schalke 04 durchgeführt und bereits abgeschlossen, im nächsten Jahr sollen die Stolpersteine in Gelsenkirchen an der Ringstraße 48 verlegt werden.


81. Jahrestag: Deportation der Gelsenkirchener Sinti und Lovara nach Auschwitz-Birkenau 

Andreas Jordan | 1. März 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

76. Jahrestag: Deportation der Gelsenkirchener Sinti nach Auschwitz-Birkenau

Abb: Deportation von Sinti in Asperg, Mai 1940 (Symbolbild)

Am 9. März 1943 wurden die in Gelsenkirchen in einem kommunalen Internierungslager an der damaligen Reginenstraße (Ückendorf) zwangsweise lebenden deutschen Sinti und Lovara zusammengetrieben. Mit dem Ziel ihrer Ermordung wurden die Menschen über Bochum (Nordbahnhof) in das so genannte "Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau deportiert. In den so genannten "Hauptbüchern" des "Zigeunerlagers" ist die Ankunft der aus Gelsenkirchen verschleppten Angehörigen der Minderheit am 13. März 1943 festgehalten. Die Lebenswege von 164 Kindern, Frauen und Männern endeten mit der Ermordung in Auschwitz-Birkenau und 48 mit unbekanntem Schicksal im Lagerkomplex Auschwitz. Bei 31 als „Zigeuner“ verfolgten Menschen mit Lebensmittelpunkt in Gelsenkirchen konnte eine Deportation nach Polen im Mai 1940 nachgewiesen werden, fünf weitere Menschen, ebenfalls Angehörige der Minderheit, wurden in anderen Lagern des so genannten "Dritten Reiches" ermordet. → Digitales Gedenkbuch Gelsenzentrum, Teil II


Wo wirst du sein, wenn sie sie holen? 

Online-Redaktion | 16. Januar 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Wo wirst du sein, wenn sie sie holen?

Wo wirst Du sein, wenn die Deportationen beginnen? Der nachfolgende Text von Sabine Asgodom „Wo wirst du sein, wenn sie sie holen?“ lässt uns fragend zurück:

Wo wirst du sein, wenn sie sie holen?
Wirst du die Liste der Kinder in deiner Klasse schreiben, die abtransportiert werden sollen? Und beflissentlich die Namen abhaken, damit sie wirklich alle erwischen? Oder wirst du selbst den Bus fahren, der sie wegbringt?
Wo wirst du sein, wenn sich deine Nachbarn still vergiften, weil eine Deportation mehr Angst macht als der Tod? Wirst du deine Freunde anrufen, dass eine schöne Wohnung freigeworden ist, voll möbliert?
Wo wirst du sein, wenn sie deine Patienten holen, die endlich die Betten auf deiner Station freimachen müssen? Und wenn die Pflegekräfte mit den fremden Namen gleich mitgehen? Wirst du die Maschinen ausstellen für solche, für die sich ein Transport gar nicht mehr lohnt?
Wo wirst du sein, wenn weinende Mütter und Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften getrieben werden? Wirst du heimlich das kleine Stoffkaninchen aufheben?
Wo wirst du sein, wenn deine Erntehelfer nicht kommen? Wer pflückt deine Gurken? Wirst du sie selbst unterpflügen?
Wo wirst du sein, wenn die dunkelhäutigen Kinder aus deiner Kita verschwunden sind? Wirst du ihre kleinen Hausschuhe in Mülltüten stecken, und die bunten Trinkflaschen und ihre Matschhosen? Und dann gründlich durchwischen?
Wo wirst du sein, wenn deine Kollegen mit Migrationshintergrund ihren Arbeitsplatz räumen müssen? Wirst du ihnen noch alles Gute wünschen? Und ihre Arbeit dann mitmachen? Oder die Sozialschmarotzer, die man dir zuweist, einarbeiten?
Wo wirst du sein, wenn alle Dönerbuden geschlossen sind, und alle Sushi-Roller deportiert? Freust du dich auf die deutschen Kneipen mit Bratwurst und Sauerkraut?
Wirst du nur die Schüsse hören, die den sich wehrenden jungen Männern aus den Containern gelten, oder wirst du sie selbst abgeben? Weil man sich ja den Anweisungen nicht widersetzen kann, weißt du, wir konnten als Einzelne ja nichts tun?
Wo wirst du sein, wenn dein Name auf einer Liste erscheint von Menschen, die diese Flüchtlinge einst auch noch unterstützt haben? Die sich in Migranten verliebt haben, ja, sie in ihre deutschen Familien aufgenommen haben? Wirst du deine nicht-arischen Enkelkinder mal in Nordafrika besuchen?
Was wird aus dir werden?
Keiner von uns wird ungeschoren davonkommen.

Quelle: Sabine Asgodom München, 12.1.2024, 4.25 Uhr


Gelsenkirchen: Internationaler Holocaust-Gedenktag und Jahrestag der Deportation nach Riga  

Online-Redaktion | 16. Januar 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

27. Januar: Internationaler Holocaust-Gedenktag

Der 27. Januar ist in Gelsenkirchen ein besonderer Gedenktag. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die letzten noch im Vernichtungslager Auschwitz verbliebenen Überlebenden. Bereits am 27. Januar 1942 fand die erste Deportation jüdischer Männer, Frauen und Kinder aus Gelsenkirchen und weiteren umliegenden Städten in das Ghetto Riga statt. Zu diesem Zweck hatten die Nazis in der damaligen Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz eigens ein temporäres 'Judensammellager' eingerichtet. In Deutschland wird seit 1996 am 27. Januar an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert. 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und anderen Verfolgten. Auschwitz ist Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte. Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist daher kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. In Gelsenkirchen wird am 27. Januar der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 gedacht, zudem der Deportation jüdischer Menschen von Gelsenkirchen nach Riga, die drei Jahre zuvor am 27. Januar 1942 vom NS-Terrorregime nicht zuletzt mit Hilfe der örtlichen Stadtverwaltung durchgeführt wurde.


Stolpersteinverlegungen in Gelsenkirchen: Ausblick 2024  

Andreas Jordan | 4. Januar 2024 | Stolpersteine Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: 31 neue Stolpersteinein werden 2024 verlegt

Gunter Demnig hat die Stolpersteine erdacht, das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Es ist nicht sein einzigstes Werk, jedoch das bekannteste. Seit mehr als 30 Jahren verlegt der Bildhauer die von ihm ersonnenen Stolpersteine zu Ehren der von den Nazis in Europa verfolgten, verschleppten, in den Suizid getriebenen und ermordeten Menschen - zumeist vor deren ehemaligen Wohnhäusern. Menschen, denen eine rechtzeitige Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen ist, werden dabei ebenso wenig ausgeschlossen wie verfolgte Menschen, die den NS-Terror überleben konnten.

Geschichtsorte in der Nachbarschaft

Die Stolpersteinverlegungen 2024 in Gelsenkirchen finden zweimal als Gemeinschaftsverlegung statt, zu einer weiteren Verlegeaktion kommt Bildhauer Gunter Demnig persönlich nach Gelsenkirchen. 2024 werden wir in Summe 31 neue Stolpersteine in unserer Stadt verlegen.

Dienstag 7. Mai 2024: Gemeinschaftsverlegung

10.00 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → FAMILIE IGNAZ WIESELMANN, (Verlegeort: Luggendelle 26)

11.00 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → FAMILIE ALFRED HEYMANN (Verlegeort: Liboriusstr. 100)


Donnerstag 6. Juni 2024: Stolperstein-Verlegung gemeinsam mit Bildhauer Demnig

14.00 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → FAMILIE ARTUR, JOHANNA & MATHEL DESSAUER (Verlegeort: Königstr. 30)

14.30 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → EHEPAAR JOSEF u. LEA ISSLER (Verlegeort: Hauptstr. 73 (Frühere Hochstraße 73)

15.10 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → FAMILIE SACHER HÄUSLER (Verlegeort: Ringstr. 7)

15.30 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → HENRIETTE BREUER, LUISE U. KURT TODTENKOPF, MARGOT SPIELMANN UND ELFRIEDE PRÜFKE (Verlegeort: Augustastr. 7)

16.10 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → AUGUST ENGLER (Verlegeort: Wilhelminenstr. 77)


Dienstag 18. Juni 2024: Gemeinschaftsverlegung

10.00 Uhr STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN → FELIX FRÖHLING (Verlegeort: Horster Str. 40)

10.30 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → KARL SCHÖNEBERG (Verlegeort: Kurt-Schumacher-Str. 101)

11.00 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → BERTHOLD RABINOWITSCH (Verlegeort: Kesselstr. 29)

11.40 Uhr Stolpersteine Gelsenkirchen → EHEPAAR NORBERT u. SELMA HOMBERG (Verlegeort: Fischerstr. 173)

( Änderungen vorbehalten. Wir bitten Teilnehmende, ein Zeitfenster von +/- 15 Minuten zu allen o. g. Uhrzeiten einzuplanen.)

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Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen.

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