STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Verlegeort VIKAR HEINRICH KÖNIG

JG. 1900
IM CHRISTLICHEN WIDERSTAND
DENUNZIERT
VERHAFTET 30.9.1941
GEFÄNGNIS GELSENKIRCHEN
ERMORDET 24.6.1942
DACHAU

Verlegung 2021, Verlegeort: Ahstraße, Höhe Einmündung Husemannstraße

Vikar Heinrich König, Gelsenkirchen

Abb. 1: Der katholische Theologe Heinrich König bekommt in Gelsenkirchen einen Stolperstein - das wünschen nicht zuletzt die Paten, die jüngst die Kosten für das kleine Denkmal über- nommen haben.

Heinrich König, seit 1935 Vikar an der Propstei- kirche St. Augustinus in Gelsenkirchen, wurde von dem Wehrmachtsangehörigen Waßmann jun. aus dem nachbarschaftlichen Umfeld bei der Gelsenkirchener Gestapo denunziert. König habe sich im Gespräch mit ihm in seiner Dienstwoh- nung über die "Vergasung von Geisteskranken" und die "Affäre Rudolf Hess" geäußert.[1] Das diese - vermutlich kritischen - Äußerungen Königs nicht im Sinne des NS-Terrorregimes wa- ren, zeigt die zeitnahe Reaktion der Gestapo auf die Denunziation. Die Verhaftung Königs erfolgte umgehend, am 30. September 1941 wurde er in das Polizeigefängnis in der Gelsenkirchener Alt- stadt eingeliefert.[2]

Heinrich König bieb in den nachfolgenden Verhö- ren bei seiner ablehnenden Haltung gegen die Nazis, die Gestapo ordnete daraufhin die so ge- nannte "Schutzhaft" gegen den nunmehr zum "Staatsfeind" erklärten Heinrich König an.[3] Das bereits Ende Februar 1933 wesentlich verschärf- te Instrument der "Schutzhaft" ermöglichte es der Gestapo, Gegner der NS-Diktatur unbegrenzt ohne eine Gerichtsverhandlung in Schutzhaft- und Konzentrationslager einzuweisen.

Exkurs: Pfarrerblock Dachau

Beim Pfarrerblock handelte es sich wie bei allen Häftlingsblöcken im Lager Dachau um Holzbaracken mit der Grundfläche 100×10 Meter. Sie entsprachen dem damaligen Stand von Reichskaser- nen und hatten vier Räume, genannt Stuben. Diese wiederum waren in je einen Schlaf- und einen Tagesraum aufgeteilt. Jeweils für zwei Stuben standen ein Wasch- und ein Toilettenraum zur Verfügung. Jede Stube war für 52 Häftlinge eingerichtet. Der Pfar- rerblock bestand später aus drei zusammenliegenden Wohnblö- cken: Block 26, 28 und 30. Den anderen Häftlingen war der Zu- tritt zu dem Pfarrerbereich untersagt.

Die "Schutzhaftbefehle" zu zeitlich unbefristeter Polizeihaft in KZs trugen den Briefkopf der Poli- tischen Polizei. Ohne irgendeine Aktion getätigt zu haben, konnten Menschen so zu "objektiven" Gegnern bzw. Staatsfeinden erklärt werden. Am 2. Dezember 1941 wurde König in das Konzen- trationslager Dachau überstellt und unter der Gefangenennummer 28794 registriert. Ab März 1942 wurde er dann im so genannten Pfarrer- block gefangen gehalten.

Überlebende Mitgefangene berichteten, König habe sich kurz nach der Einlieferung in das KZ Dachau einer "Gallenblasenoperation" unterziehen müssen. Hinter solchen "Operationen" verbargen sich oftmals pseudo-medizinische Versuche an Men- schen. Laut dem ärztlichen Bericht soll dieser Eingriff jedoch gut und vollständig verheilt sein. Einige Monate danach, am 23. Juni 1942, wird Heinrich König im Häftlingskrankenbau des KZ Dachau auf- genommen.[4] Am Abend des nächsten Tages stirbt Heinrich König.

 Auszug Hausstandsbuch Bahnhofstraße 42

Abb. 2: Todesmeldung Heinrich König

Vikar Heinrich König, Gelsenkirchen

Abb. 3: Die Nachfrage Helene Königs vom Juli 1942 zum Krankheitsverlauf ihres Bruders beantwortet der 1. Lagerarzt des KZ Dachau

Die Sterbeurkunde Königs nennt als angebliche Todesursache "Versagen von Herz und Kreislauf bei Bauchfellentzündung" am 24. Juni 1942, an- gegeben von der Staatspolizeileitstelle München. Das Heinrich König am Abend an seines 42. Ge- burtstages starb, war wohl kein Zufall. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, das Heinrich König letztlich in Folge von an ihm vorgenom- menen pseudo-medizinischen Versuchen der Dachauer KZ-Ärzte gestorben ist.

Der Leichnam Heinrich Königs wurde vor Ort im KZ Dachau kremiert, eine Urne mit Asche an seine Mutter nach Gelsenkirchen übersandt. Die Beisetzung der Urne erfolgte am 2. Juli 1942 im engsten Kreis auf dem Gelsenkirchener Altstadt- friedhof.[5]

Quellen:
Abb.1: Joachim Schäfer, Ökumenisches Heiligenlexikon
Abb.2: Todesmeldung, Arolsen Archives, 10143816
Abb.3: Entschädigungsakte K 204/Regierung Münster, Wiedergutmachungen, Nr. 9913, Landesarchiv NRW

[1]: Entschädigungsakte K 204/Regierung Münster, Wiedergutmachungen, Nr. 9913, Landesarchiv NRW
[2]: Ebda.
[3]: Ebda.
[4]: Ebda.
[5]: Ebda.


Biografische Zusammenstellung: Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. 12/2020.

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