STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

← STOLPERSTEINE Gelsenkirchen

Verlegeort HERMANN HEYMANN

JG. 1894
FLUCHT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
ERMORDET 7.10.1944
AUSCHWITZ

Verlegeort ERNA HEYMANN

GEB.HEYMANN
JG. 1904
FLUCHT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
ERMORDET 8.10.1944
AUSCHWITZ

Verlegeort ELLEN MARGRIT HEYMANN

JG. 1931
FLUCHT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
ERMORDET 8.10.1944
AUSCHWITZ

Verlegung geplant in 2021, Verlegeort: Karl-Meyer-Straße 29

Erna Heymann, Tochter von Helene Simons, wurde am 4. August 1904 in Gelsenkirchen geboren, sie war mit dem ebenfalls in Gelsenkirchen am 5. November 1894 geborenen Hermann Heymann verhei- ratet. Hermann war der Sohn von Abraham Heymann und Lina Mosbach Am 30. Juni 1931 wird die ge- meinsame Tochter Ellen Margrit in Gelsenkirchen geboren. Herman Heymann betrieb ein kleines Wa- renhaus an der Karl-Meyer-Straße in Gelsenkirchen-Rotthausen.

Ellen-Margrit mit ihren Eltern Erna und Hermann Heymann

Abb.1: Ellen-Margrit mit ihren Eltern Erna und Hermann Heymann

Das Gelsenkirchener Adressbuch, Ausgabe 1934 verzeichnet Hermann Heymann an der Karl-Meyer-Straße 29. Diese Straße hieß zuvor Victoriastraße, Rotthausen wurde am 1. Oktober 1906 selbststän- dige Bürgermeisterei im Landkreis Essen. Aus diesem Anlass der Ausgemeindung beschloss der Ge- meinderat die Umbenennung der bisherigen Victoriastraße in "Karl-Meyer-Straße".

Ellen-Margrit mit ihren Eltern Erna und Hermann Heymann

Abb.2: Kaufhaus Heymann & Co, Karl-Meyer-Straße 29 in Gelsenkirchen-Rotthausen

Über das Leben der Familie Hermann Heymann in Gelsenkirchen sind uns lediglich rudimentäre Bruch- tücke bekannt. Laut Auskunft des hiesigen Stadtarchivs bzw. Institut für Stadtgeschichte sind keinerlei Archivalien mit Bezug zur Familie Hermann Heymann vorhanden. Wir wissen, wo sie gelebt haben, wir wissen, dass sie diskriminiert, verfolgt, entrechtet und schlussendlich ermordet wurden.

Auch wissen wir, das sie staatlich legitimiert ihres Besitzes beraubt wurden, nachzulesen in der Gelsen- kirchener Stadtchronik unter dem 3. Februar 1939: "Das frühere jüdische Kaufhaus Heymann & Co. in Rotthausen ist in die Hände des Kaufmanns Bernhard Strickling übergegangen." Mit dem Verlust ihrer Existenzgrundlage floh Familie Heymann am 12. April 1939 in vermeintliche Sicherheit nach Holland.

Dort wohnte die kleine Familie in der Stadt Assen in der Provinz Drenthe. Doch die Hoffnung auf eine friedvolle, auskömmliche Zukunft endet auch für Familie Heymann schon bald, am 10. Mai 1940 über- fällt die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Der Niederländische General Winkelman unterzeichnet am 15. Mai das Kapitulationsdokument. Die Niederlage ist hart für die niederländischen Soldaten und Zivilisten, doch zugleich fühlen sich viele Niederländer auch erleichtert, dass die Tage der Anspannung vorbei sind.

Für die jüdische Bevölkerung sieht die Lage jedoch ganz anders aus. Sie hat die größte Angst vor den Nazis. Manche Jüdinnen und Juden sind in den dreißiger Jahren aus Deutschland in die Niederlande geflüchtet und werden nun von den Nazis eingeholt. In den Monaten nach dem Überfall nehmen sich Hunderte Jüdinnen und Juden das Leben. Schon sehr bald installieren die deutschen Besatzer in Hol- land ihren auch gegen jüdische Menschen gerichteten Verfolgungs- und Repressionsapparat.

 

Exkurs I: Geschichte des Lagers Westerbork

Im Jahr 1939 beschloss die niederländische Regierung den Bau eines Aufnahmelagers für aus dem Deutschen Reich geflohenen Juden. Am 9. Oktober 1939 traf in diesem bei Westerbork in der Provinz Drenthe errichteten Zentralen Flüchtlingslager eine erste Gruppe mit 22 deutschen Juden ein. Am Tag des deutschen Überfalls, dem 10. Mai 1940, befanden sich rund 700 Menschen im Lager. Ende 1941 fiel die Entscheidung der Besatzer, das La- ger in Westerbork als zentrales Sammellager für die bevorste- hende Deportation der niederländischen Juden einzurichten. In Folge dieser Planungen wurde das Lager Westerbork am 1. Juli 1942 dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicher- heitsdienstes (BdS) unterstellt und formal in ein 'Polizeiliches Judendurchgangslager' umgewandelt. Ab Juli 1942 trafen Juden aus allen Teilen des Landes in Westerbork ein. Nach erhaltenen Unterlagen wurden die höchsten Häftlingszahlen am 3. Oktober 1942 mit 15.235 Personen und am 23. Juni 1943 mit 15.461 Per- sonen registriert. Im Jahr 1943 entstand neben dem Lagergelän- de ein Krematoriumsgebäude, in dem die Leichen der an Krank- heiten und Altersschwäche verstorbenen Häftlinge verbrannt wur- den. Ingesamt 751 Menschen starben in Westerbork. Ebenfalls 1943/1944 ließ die Lagerleitung verschiedene Werkstätten errich- ten, in denen die Häftlinge bis zu ihrem Abtransport arbeiten mussten. So entstanden u.a. eine Näherei, eine Schneiderei und eine Linoleumfabrik. In der Lagerindustrie wurden Häftlinge zur Abfallverwertung, Foliensortierung, Flugzeug- und Batteriezer- legung sowie Metallsortierung, Kabel- und Apparatezerlegung eingesetzt. Der erste Deportationszug verließ das Lager am 15. Juli 1942. Das Ziel war Auschwitz. Zwei Jahre lang trafen die Deportationszüge nach einem festen Fahrplan oftmals montags im Lager ein, um am Dienstagmorgen mit neuen Opfern wieder in Richtung Osten abzufahren. Insgesamt verließen vom 15. Juli 1942 bis zum 13. September 1944 rund einhundert Transporte das Lager. Mehr als 100.000 Juden und eine Gruppe von 245 Sinti und Roma wurden dabei deportiert. Nur rund 5.000 von ihnen kehrten nach dem Krieg zurück. → Weiterlesen

Familie Heymann wird am 25. Februar 1941 von der Sicherheitspolizei in ihrer Wohnung am Pla- taanweg 45 in Assen verhaftet, Hermann Hey- mann wurde des "Devisenschmuggels" verdäch- tigt. Die Familie wird im - zu diesem Zeitpunkt noch Flüchtlingslager - in Westerbork eingesperrt. Hey- manns wurden im südwestlichen Bereich des La- gers Westerbork untergebracht, in dem vornehmlich ältere Menschen ("Oude kampbewoners") gefan- gengehalten wurden (in Baracke 85 und in einem Teil des Lagerkrankenhauses). Unter anderem wurde Hermann Heymann als Dachdecker im Lager eingesetzt, obwohl er von Beruf Kaufmann war. Wie Frau und Tochter den Lageralltag erlebt haben, wis- sen wir nicht, mög- licherweise hat Ellen Margrit gar die lagereigene Schule besucht.

Auch der Vater von Erna Heymann, Nathan Hey- mann (Jg. 1871), wurde später in diesem Teil von Westerbork interniert, er brauchte nicht arbeiten und erlebte seine Befreiung 1945 in Theresien- stadt. Nathan Heijmans (Holl. Schreibweise) starb am 11. Juli 1957 in Amsterdam

Noch bis zum 18. Januar 1944 lebte Familie Her- mann Heymann hoffend und bangend im Lager Westerbork. Auch sie hörten sicherlich von den Gerüchten, das die regelmäßig abtransportierten Menschen ermordet werden. Dann kam für Familie Heymann der Tag des Abtransportes nach There- sienstadt, es war der 18. Januar 1944.

Heymanns können nicht mehr von ihrem Lageralltag in Westerbork berichten. Das machen Holocaust-Überlebende wie Eva Wyel. Die aus Kleve stammende Eva Weyl war in den Jahren 1942 bis 1945 in Westerbork interniert. Die heute 82-ährige hält noch immer Zeitzeugenvorträge über ihre Zeit der Gefan- genschaft in Westerbork. Dabei schildert sie besonders eindrücklich, das Lagerkommandant Albert Konrad Gemmeker alles daransetzte, einen perfiden, trügerischen Schein zu bewahren, denn die Menschentrans- porte in die deutschen Vernichtungslager im Osten sollten möglichst reibungslos verlaufen. Den jüdischen Gefangenen wurde eine riesige Täuschung vorgespielt, das Leben im Lager glich dem in einem normalen Dorf. So gab es einen Bürgermeister, ein Krankenhaus, ein Orchester, ein Theater, kleine Geschäfte, eine Schule und sogar einen Spielplatz. Die Interneirten durften alle zehn Tage duschen, Briefe verschicken und auch erhalten und sogar zum Geburtstag beispielsweise Pfannkuchen backen. Niemand hungerte, es gab drei Mahlzeiten am Tag. All das gehörte zu Gemmekers Strategie, er wollte damit nicht zuletzt Gerüch- te über die Ermordung der Juden im Osten vermeiden. Die Juden wurden dort in Westerbork kaum über- wacht und organisierten vieles selbst. Selbst diejenigen, die zu fliehen versuchten, brachte man unversehrt zurück, um sie dann aber am darauf folgenden Dienstag mit dem nächsten Deportationszug in Richtung Osten zu verschleppen.

"Die Gerüchte, was dort im Osten passiert, sprachen sich zwar bis zu uns rum, aber keiner konnte das damals glauben", schildert Eva Weyl. "Die Unwissenden konnten sich so einen "industrialisierten Massen- mord" gar nicht vorstellen. Allerdings drangen die Gerüchte immer wieder zu den gefangenen Menschen, manche nahmen sich aus Angst das Leben." Im Übergangslager lebte Frau Weyl zusammen mit ihren El- tern in überfüllten Baracken. Durch seine Kontrolle über die Entscheidung, wer "auf Transport" mit dem Zug nach Ausschwitz gebracht wurde, habe sich Gemmeker wie "der König vom Lager" gefühlt. Er ließ sich von den jüdischen Häftlingen – darunter Ärzte, Friseure, Handwerker – bedienen. Seine Vorgehens- weise funktionierte zur Zufriedenheit seine Vorgesetzten: In keinem anderen Land in Europa lief die Depor- tation von Menschen so reibungslos ab wie in den Niederlanden.

Montagnachts um 24 Uhr wurden in Westerbork immer die Listen mit den Namen der Menschen vorge- lesen, die am Dienstag mit dem Zug abtransportiert werden sollten. Ab Anfang 1943 fuhr jeden Dienstag ein Güterzug mit je 1.000 Menschen Richtung Vernichtungslager, Ziel: Auschwitz oder Sobibor. Der letzte Transport erfolgte am 13. September 1944. Insgesamt verließen 93 Züge mit über 100.000 Gefangenen Westerbork. Unter ihnen befanden sich auch 245 Sinti und Roma. Auf den tagelangen Bahnfahrten in die Mordlager starb jedes Mal rund ein Zehntel der Insassen, da es zu wenig Platz in den Viehwagons gab.

Die Internierung der Familie Weyl in Westerbork wurde immer wieder verlängert, da ihr Vater eine wichtige Arbeitsstelle in der Administration des Lagers hatte, sodass die Familie "vorübergehend bevorzugt war". Das hieß, dass sie nicht abtransportiert werden durften und sogar eine eigene Zweizimmerwohnung bekam. Dank dieser Arbeitsstelle und weiterer glücklicher Zufälle überlebte Familie Weyl den Holocoaust.

Rudolf Breslauer: Dokumentarische Szenen aus dem "Judendurchgangslager" Westerbork

Der in Westerbork internierte Rudolf Breslauer drehte 1944 im Auftrag des deutschen Lagerkomman- danten SS-Obersturmführer Albert Konrad Gemmeker über mehrere Monate diesen Film über das Le- ben der Internierten in dem deutschen 'Durchgangslager' Westerbork. Augenfällig fehlt dem Filmmaterial im Unterschied zu den in der gleichen Phase des Zweiten Weltkriegs entstandenen Filmszenen aus dem "Ghetto" Theresienstadt die direkte propagandistische Intention.

Die tonlosen Filmsquenzen sind außergewöhnlich, so liegt hier u. a. wahrscheinlich die einzige Filmauf- nahme vom Start eines Deportationszugs in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor. Einer der erhaltenen Zwischentitel, der für den Film vorgesehen war, lautete: Seit zwei Jahren immer wieder das gleiche Bild: TRANSPORT.

Fast scheint es, als habe Gemmeker den filmischen Beweis für eine Zeit nach dem Krieg liefern wollen, wie "gut" es "seinen Juden" in Westerbork unter seiner Ägide als Lagerkommandant doch ergangen ist. 1944, als Gemmeker den Film in Aftrag gab, war die Niederlage Deutschlands bereits abzusehen, das wird auch Gemmeker nicht entgangen sein. Kameramann Rudolf Breslauer wurde samt seiner Familie im September 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Im Prozeß gegen Albert Konrad Gem- meker im Jahre 1949 behauptete dieser, nicht gewusst zu haben, was die Menschen in den Vernich- tungslagern erwartete. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung im April 1951 kehrte Gemmeker in seine Geburtsstadt Düsseldorf zurück, wo er anschließend am Carlsplatz in einem Tabakwarenladen arbeitete. Es soll jüdischen Holocaust-Überlebenden große Genugtuung bereitet ha- ben, bei ihm einzukaufen und sich von dem früheren Lagerleiter bedienen zu lassen.

Die nachfolgenden Fotos zeigen die Ankunft des Menschentransportes am 20. Januar 1944 in Theresien- stadt, in dem sich auch Familie Heymann befand.

Ankunft 20. Januar 1944 in Theresiensatdt Ankunft 20. Januar 1944 in Theresiensatdt

Den weiteren Leidensweg der Familie Hermann, Erna und Ellen Margrit Heymann von Thersienstadt bis zu ihrem gewaltsamen Tod im Vernichtungslager Auschwitz bilden zum Teil die nachfolgenden Dokumente ab, diese sind Zeugnisse der bürokratischen Umsetzung des Massenmords. Über die Ängste und Nöte der Menschen, die auf diesen Karteikarten namentlich erfasst sind, verraten sie uns nichts. (Zum Vergrößern anklicken)

Hermann Heymann, Kartothek Theresienstadt, Arolsen Archives

Erna Heymann, Kartei Westerbork, Arolsen Archives

Ellen Margrit Heymann, Kartei Westerbork, Arolsen Archives

Hermann Heymann, Kartothek Theresienstadt, Arolsen Archives

Erna Heymann, Kartothek Theresienstadt, Arolsen Archives

Ellen Margrit Heymann, Kartothek Theresinstadt, Arolsen Archives

In Theresienstadt folgten für die Heymanns erneut qualvolle Monate der Ungewissheit. Am 6. Oktober 1944 wird in Theresienstadt ein Menschentransport zusammengestellt, auf der Transportliste stehen auch die Namen der Gelsenkirchener Familie Heymann. Wir wissen heute, das dieser Transport den Zielort Auschwitz hatte und wir wissen auch, das eine Fahrt in den sicheren Tod war. Hermann Heymann wurde am 7. Oktober, seine Frau Erna und Tochter Ellen Margrit am 8. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet.

Exkurs II: Legalisierter Raub

Ab dem 1. Januar 1939 war Juden das Betreiben von Einzelhan- delsgeschäften und Handwerksbetrieben sowie das Anbieten von Waren und Dienstleistungen untersagt. Schon vorher wur- den jüdische Geschäftsinhaber oder Grundstücksbesitzer unter (teils öffentlichen) Druck gesetzt, das Geschäft deutlich unter dem aktuellen Wert zu verkaufen oder zu übertragen. Sehr oft waren daran bisherige Mitinhaber oder Angestellte beteiligt oder dadurch begünstigt, die ihre Verbindungen zur NSDAP oder ähn- lichen Nazi-Organisationen zur privaten Bereicherung einsetz- ten. Den Vorwand der rassischen "Säuberung des Volkskörpers von jüdischen (oder jüdisch versippten) Volksschädlingen" nutz- ten sie in Kenntnis des durch die Nazis ausgeübten individuellen und allgemeinen Terrors an der religiösen Minderheit. Im Herbst 1939 befanden sich von ehemals 100.000 Betrieben jüdischer Inhaber nur noch 40.000 in den Händen ihrer rechtmäßigen Be- sitzer. Unternehmen wie auch das des Bernhard Strickling konn- ten mit den "Arisierungen" ihren Profit enorm steigern und ihre wirtschaftliche Stellung so weiter ausbauen.

Was wusste der Kaufmann Bernhard Strickling seinerzeit über den Verbleib des Vorbesitzers des Kaufhauses Heymann & Co., was hat er mögli- cherweise später erfahren? Vielleicht hat es ihn auch nicht interessiert, vielleicht wollte er es gar nicht wissen. Wie wurde die Firmengeschichte über die Jahrzehnte innerhalb der Familie weiter erzählt? Darauf wird es wohl keine Antworten ge- ben. Auf der Webseite des Textilkaufhauses Strickling heißt es heute verschleiernd, Zitat:

"Bereits in dritter Generation ist die Familie Strickling in Gelsenkirchen-Horst zuhause. Die Wurzeln des Familienbetriebes liegen allerdings in Gelsenkirchen-Rotthausen, wo Bernhard Strickling, der Vater des langjährigen Inhabers Paul Strickling, 1923 als 26-jähriger zunächst mit einem Papierwarenladen angefangen hatte. Schon wenig später erweiterete der junge Ge- schäftsmann seinen Laden in Gelsenkirchen-Rotthausen und stockte das Sortiment um Kurzwaren auf - der erste Schritt in Richtung Textilien. 1936 ergriff Bernhard Strickling mit seiner Frau Elisabeth eine weitere Chance zur Geschäftsausweitung und übernahm in Gelsenkirchen-Horst das alteingeführte Textilfachgeschäft Halbeisen an der damaligen Schloßstraße."

Von dem Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer stammt dieses historische Zitat: "Ihr seid nicht ver- antwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon." Davon sind die Nachfahren des Bernhard Strickling natürlich nicht ausgenommen, jeder entscheidet für sich selbst, wie er mit der Vergangenheit und auch der Vergangenheit der eigenen Familie umgeht. Cornelia Schwan- der, eine Enkelin von Bernhard Strickling, hat sich entschieden - sie hat die Patenschaft für die drei Stol- persteine übernommen, die schon bald an Hermann, Erna und Ellen Margrit Heymann erinnern werden.

Quellen:
Abb.1: Foto von Freerk Kunst, https://www.joodsmonument.nl/en/page/583951/erna-met-haar-dochter-ellen-margrit-en-haar-man-hermann-heymann (Abruf 7/2020)
Abb.2+3: Theresienstadt, Czechoslovakia, Jewish deportees from Nederland arriving to ghetto, 20/01/1944. ID 101724/7EO8 u. ID 101734/7EO9, Yad Vashem.
Abb.4: Karteikarten Westerbork u. Theresienst, Hermann, Erna, Ellen Margrit Heymann, Arolsen Archives
Geschichte Lager Westerbork: http://www.tenhumbergreinhard.de/1933-1945-lager-1/1933-1945-lager-w/westerbork.html (Abruf 7/2020)
Gedenkbuch Bundesarchiv, ID 855392, ID 855402,ID 855333
Stadtchronik Gelsenkirchen
Stichting Struikelstenen Assen
Eva Moraal, Als ik morgen niet op transport ga... Kamp Westerbork in beleving en herinnering, 2014


Biografische Zusammenstellung: Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. 7/2020.

↑ Seitenanfang