STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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"Niemand kann aus der Geschichte seines Volkes austreten.
Man soll und darf die Vergangenheit nicht 'auf sich beruhen lassen',
weil sie sonst auferstehen und zu neuer Gegenwärtigkeit werden könnte." (Jean Améry)


Datensammlung: Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen 1933–1945

Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen

Abb.: NSDAP und angeschlossene Verbände Gelsenkirchen im Adressbuch 1939. Namentlich aufgeführt sind Kreisamtsleiter, Ortsgruppenleiter usw. (Zum Vergrößern anklicken)

In Hamburg ging kürzlich eine Datenbank on- line, die analog und ergänzend zur bereits für die in der Hansestadt vorhanden Stolperstein- datenbank die Dabeigewesenen in Kurzbio- grafien skizziert. Mit dieser Datenbank möchte die Landeszentrale für politische Bildung den Blick auf diejenigen lenken, die das NS-System gestützt und mitgemacht haben. Die Datenbank enthält eine Sammlung von Kurzprofilen über Menschen, die auf unterschiedliche Weise an den NS-Gewaltverbrechen in Hamburg Anteil hatten, sei es als Karrieristen, Profiteur*innen, Befehlsempfänger*innen, Denunziant*innen, Täter*innen und auch so genannte sogenannte Mitläufer*innen.

"Verbrecherische Systeme funktionieren nur dann, wenn Menschen an ihnen mitwirken, wenn Menschen sich entscheiden dabei zu sein, nahe dran zu sein, davon zu profitieren oder gar mit zu gestalten. Die Durchsetzung von Gewalt- herrschaft benötigt Handelnde: Täterinnen und Täter; und sie benötigt Wegsehende und dadurch stumm Zustimmende oder nicht Wider- sprechende, sagt Dr. Sabine Bamberger-Stemmann (Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg), und weiter sagt sie:" Dabeigewesene waren Nachbarn, Arbeitskolleginnen und -kollegen, Bekannte, Freundinnen und Freunde der Kinder. Sie waren keine Fremden, sondern sie gehörten zum vertrauten Umfeld. Zumindest waren sie ebenso wie viele Opfer ihrer Taten Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Oder sie maßten sich an, als Menschen dieser Stadt im sog. "Tausendjährigen Reich" hierher verschleppte Menschen auszubeuten, zu erniedrigen oder gar zu töten."

Es reicht nicht, mit Stolpersteinen der Opfer zu gedenken

Dr. Rita Bake, die für die Hamburger Datenbank verantortlich zeichnet, geht es mit der neuen Datenbank "nicht um eine Anklage, nicht darum, mit dem Finger auf diese Menschen zu zeigen.“ Sie sei vielmehr eine nötige Voraussetzung, um überhaupt aus der Geschichte lernen zu können. Das wiederum setzt ein umfassendes Verständnis für die historischen Zusammenhänge voraus. Bake: „Wir können die Geschichte in ihrer Komplexität nur verstehen, wenn wir nicht nur die Opfer betrachten, sondern auch die Dabeigewesenen. Denn ohne die Dabeigewesenen hätte es keine Opfer gegeben.“

Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen

Abb.: Aufmarsch von Dabeigewesenen in Gelsenkirchen. Ohne die Dabeigewesenen hätte es keine Opfer gegeben.

Vor diesem Hintergrund finden sie hier eine Datensammlung unter dem Titel "Die Dabeige- wesenen - Gelsenkirchen" - ähnlich der Ham- burger Datenbank - damit wollen wir den Blick auf Gelsenkirchener*innen lenken, die das NS-System stützten, sich bereicherten und mit- machten. Denn auch in Gelsenkirchen wohnten Nazis oftmals Tür an Tür mit jüdischen Nach- barn oder mit Menschen aus anderen Verfolg- tengruppen, die denunziert, ausgeraubt, vertrie- ben, deportiert und in den Konzentrationslagern und anderen Unrechtsstätten ermordet wurden. Vom Raubgut, zum Beispiel dem Mobiliar der verfolgten Menschen, profitierten nicht nur der Staat, Parteigenossen und bspw. Mitglieder von SA, Polizei und SS, sondern auch "einfache Volksgenossen" fast jeden Alters. Grundlage für die Gelsen- kirchen betreffende Datensammlung sind bereits vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen (z. B. des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen, ISG), andere Veröffentlichungen zu Gelsenkirchen im Nationalsozialismus, aber auch in diversen Fällen Entnazifizierungsakten und andere Akten und Dokumente, die in den Archiven zur Verfügung stehen. Nicht zuletzt greifen wir dabei auch auf die Ergebnisse unsere bereits getätigten Recherchen zurück. Auf diese Weise wird die Datensammlung als "Work in Pogress" kontinuierlich wachsen.

Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen 1933–1945

A - D E - I J - M N - R S - V W - Z Abk.

In die Datensammlung werden, sortiert nach Anfangsbuchstaben des Nachnamens überwiegend Per- sonen aufgenommen, die zwischen 1933 und 1945 in Gelsenkirchen zumindest zeitweilig gelebt, gear- beitet bzw. gewirkt haben. Neben diesen Kurzprofilen stellt die Datensammlung außerdem Adressen und Akteure der NSDAP, ihrer Organisationen, Verbände und Gliederungen sowie der Staats-, Reichs- und Provinzialbehörden in Gelsenkirchen zur Verfügung. Die Datensammlung wird fortlaufend ergänzt und erweitert. Gerne nehmen wir auch von Dritten erarbeitete Profile auf, von Privatpersonen benötigen wir zur Verifizierung der Angaben Kopien entsprechender Dokumente bzw. Nachweise.

Ansprechpartner: Andreas Jordan, a.jordan(ätt)gelsenzentrum.de


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Juli 2017.

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