STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Ausgrenzung erinnern


Stolpersteine Gelsenkirchen

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HIER WOHNTE

Verlegeort GRETE HENZE

GEB. LILIENTHAL
JG. 1880
VERHAFTET 1944
ZWANGSARBEIT
FRAUENLAGER ELBEN
"ORGANISATION TODT"
BEFREIT

HIER WOHNTE

Verlegeort DR. HERMANN HENZE

JG. 1882
SCHEIDUNG VERWEIGERT
AUSGEGRENZT/DRANGSALIERT
ÜBERLEBT

HIER WOHNTE

Verlegeort GEORG HENZE

JG. 1910
FLUCHT 1936
BRASILIEN

HIER WOHNTE

Verlegeort HERMANN HENZE

JG. 1913
FLUCHT 1936
FRANKREICH
MIT HILFE ÜBERLEBT

Verlegung geplant am 6. März 2023, Verlegeort: Polsumer Str. 170, Gelsenkirchen

Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939

Abb.1: Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939

Margarete Henze, geborene Lilienthal, geboren am 3. Januar 1880 in Minden war mit dem am 15. Juni 1882 geborenen, nicht-jüdischen Arzt Hermann Henze verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei evangelisch getaufte Söhne, den am 21. Juli 1910 in Mühlheim/Ruhr geborenen Georg, der auch 'Sevi' genannt wurde und dem am 28. März 1913 in Buer geborenen Hermann. Gemeinsam wohnten die Henzes im elterlichen Haus an der Polsumer Str. 170. In diesem Haus betrieb Dr. Henze auch seine Arztpraxis. Unmittelbar nach der Machtübergabe an die Nazis im Januar 1933 begannen die neuen Machthaber, Dr. med. Henze unter Druck zu setzen. Dem Nazi-Regime misssfiel die Tatsache, das Dr. Henze mit einer Jüdin verheiratet war. Dr. Henze wurde in der Folgezeit wiederholt bedrängt, sich doch scheiden zu lassen. Doch das lehnte der Mediziner entschieden ab.

Die Folge war nicht zuletzt, dass man Dr. Henze laut der von seiner Ehefrau in einem von ihr angestrengten so genannten "Wiedergutmachungsverfahren" gemachten Angaben für die Dauer von mindestens zwei Jahren die Fürsorgekasse entzog. Ebenso entzog man Dr. Henze vor diesem Hintergrund seine Bestellung zum Knappschaftsarzt. Dadurch verschlechterten sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie Henze massiv.

Da Frau Henze Jüdin war, galten ihre beiden Söhne wegen der Nürnberger "Rassegesetze" 1935 nach ihrer Herkunft als "Volljuden" und waren entprechend antisemitischen Anfeindungen und Diskrminierung ausgesetzt. 1936 flüchtete Sohn Georg nach Brasilien und konnte so dem Holocaust entkommen. Sein Bruder Hermann ging im Dezember 1937 nach Hagen. Sein weiterer Weg während der NS-Zeit ist nicht bekannt. Er konnte überleben, kehrte nach dem Krieg mit seiner Verlobten Ilse, geb. Schwarz aus Pitiviers/Frankreich zunächst in das elterliche Haus in Gelsenkirchen zurück.

Dennoch war Dr. Henze vom 1. September 1939 bis 11. November 1942 beim Sicherheits und Hilfsdienstes (SHD) tätig. Der SHD sollte für alle im Rahmen der Zivilverteidigung und des Luftschutzes anfallenden Aufgaben zur Verfügung stehen. Das Aufgabenspektrum des SHD beinhaltete neben der Brandbekämpfung auch sanitätsdienstliche und technische Hilfeleistungen sowie Entgiftungseinsätze. Aus rassistischen Gründen wurde Dr. Henze jedoch am 11. November 42 ausgeschlossen.

Da die Henzes in so genannter "privilegierter Mischehe" lebten, war Frau Henze zunächst von der Deportation zurückgestellt und der Tragepflicht des so genannten "Gelben Sterns" ausgenommen. Mitte September 1944 änderte die NS-Regierung jedoch ihren Kurs, so wurden wurden dann auch die in "Mischehe" lebenden Gelsenkirchener*innen verhaftet.

Am 18. September 1944 wurde Grete Henze verhaftet, in das Polizeigefängnis Gelsenkirchen und am nächsten Tag in das Polizeigefängnis Buer verbracht. Von dort wurde sie am nächsten Tag in das Polizeigefängnis Kassel und von dort in das Frauenlager Elben bei Kassel deportiert. Grete Henze erlebte dort ihre Befreiung durch die US-Armee am Vormittag des 31. März 1945. Am 27. Mai 1945 kehrte sie nach Gelsenkirchen zurück, lebte bis zu ihrem Tod weiter in der Polsumer Straße 170.

Quellen:
Meldekarte, ISG - Institut für Stadtgeschichte / Stadtarchiv Gelsenkirchen
WGM 306, Ebda.

Biografische Zusammenstellung: Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen, Dez. 2022


Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen, 2022

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