STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Ausgrenzung erinnern


Stolpersteine Gelsenkirchen

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HIER WOHNTE

Verlegeort FRITZ ROSENBAUM

JG. 1888
VERHAFTET 20.9.1944
ZWANGSARBEIT
'ORGANISATION TODT'
1945 THERESIENSTADT
BEFREIT
TOT AN HAFTFOLGEN
15. JUNI 1945

HIER WOHNTE

Verlegeort HELENE ROSENBAUM

GEB. HEIDENSTECHER
JG. 1893
AUSGEGRENZT / DRANGSALIERT
MIT HILFE ÜBERLEBT

HIER WOHNTE

Verlegeort HANS-GÜNTHER ROSENBAUM

JG. 1920
AUSGEGRENZT / DRANGSALIERT
MIT HILFE ÜBERLEBT

HIER WOHNTE

Verlegeort WOLFGANG ROSENBAUM

JG. 1929
AUSGEGRENZT / DRANGSALIERT
MIT HILFE ÜBERLEBT

Verlegung geplant am 6. März 2023, Verlegeort: Mittelstr. 36, Gelsenkirchen

Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939: Fritz Rosenbaum, verzeichnet Mittelstr. 36

Abb.1: Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939: Fritz Rosenbaum, Händler, verzeichnet Mittelstr. 36

Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939: Helene Rosenbaum, Tabakgeschäft Rosenbaum, verzeichnet Wilhelmstr. 47

Abb.2: Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939: Helene Rosenbaum, Tabakgeschäft Rosenbaum, verzeichnet Wilhelmstr. 47

Friederich Fritz Rosenbaum, von allen nur Fritz genannt, geboren am 11. November 1888 in Herbede, war mit der nicht-jüdischen Helene, geb. Heidenstecher, geboren am 20. Juni 1893 in Stockum verheiratet. Das Paar hat am 11. Oktober 1919 in Mühlheim /Ruhr geheiratet, am 2. März 1920 wurde der erste Sohn Hans-Günter geboren. Sein Bruder Wolfgang folgte am 27. November 1929. Beide Kinder wurden in Gelsenkirchen Buer geboren. Fritz Rosenbaum war von Beruf Kaufmann, betrieb an der Wilhelmstraße in Erle einen Tabakwarenhandel. Bereits 1932 übertrug er das Geschäft vorausschauend auf seine Ehefrau Helene. Helene Rosenbaum führte das Geschäft bis 1943 weiter, bis der Betrieb am 1. Juni 1943 aus rassischen Gründen geschlossen wurde (Am 1. Juni 1945 konnte Helene Rosenbaum wiedereröffnen.)

Im September 1935 wurden die so genannten "Nürnberger Gesetze" verkündet, die den NS-Rassismus juristisch institutionalisierten. Nach deren Definition galt Fritz Rosenbaum als "Volljude", seine Ehefrau und die Söhne als so genannte "Halbjuden" (NS-rechtlich als „Jüdische Mischlinge ersten Grades“). Die Ehe der Rosenbaums galt nach Lesart der Nazis als so genannte "Mischehe".

In „Mischehen“ zwischen Juden und „Ariern“ galt in der NS-Zeit für jüdische Ehepartner und Kinder längere Zeit ein spezieller „Schutz“. Weil die meisten von ihnen dem Holocaust entkamen, wurden sie lange nicht als verfolgte Gruppe wahrgenommen. So wurde auch Fritz Rosenbaum 1944 von der Gestapo verhaftet, weil er Jude war und in „Mischehe“ lebte.

Vom NS-Regime entrechtet und durch die Rassengesetze als minderwertig verunglimpft, mussten viele so genannte "Mischlinge" an der Frontfür das "Dritte Reich" kämpfen, während oftmals fast zeitgleich ihre Angehörigen in den Vernichtungslagern ermordet wurden. Sohn Hans-Günther Rosenbaum gab nach dem Krieg im so genannten Wiedergutmachungsverfahren an, das er 1938 am Gymnasium Buer Abitur gemacht hat, weiter führte er aus: "(...) Da ich als "Halbjude" nach den damaligen Bestimmungen im RAD und in der Wehrmacht dienen musste, leistete ich anschliessend meine Dienstpflicht ab. Während des Krieges nahm ich am Polen- und Westfeldzug teil." Im November 1944 erfolgte aus rassischen Gründen seine Entlassung aus der Wehrmacht.

Fritz Rosenbaum, Deportation nach Theresienstadt

Abb.3: Kartothek KZ Theresienstadt, Karteikarte Fritz Rosenbaum

Am 20. September 1944 wurde auch Fritz Rosenbaum verhaftet. Nacheinander wurde er in Zwangsarbeitslager der 'Organsisation Todt' (OT) in Tröglitz bei Zeitz, Oberloquitz und Sitzendorf verschleppt.

Am 2. Februar 1945 wurde Fritz Rosenbaum ab Leipzig mit dem Transport Nr. 54-XVI/5 nach dem KZ Theresienstadt verbracht. Dort erlebte er laut Zeugenaussagen am 8. Mai 1945 seine Befreiung durch die Rote Armee schwerkrank im Lagerlazarett. Seither fehlt von Fritz Rosenbaum jedes Lebenszeichen. Ehefrau Helene ließ ihren Mann 1952 für tot erklären, als Zeitpunkt des Todes wurde der 15. Juni 1945, 24 Uhr eingetragen.

Fritz Rosenbaum, Deportationsliste, Zielort Theresienstadt

Die in der Schweiz lebende Stolpersteinpatin Ruth Matthey, gebürtige Gelsenkirchenerin, verbrachte ihre Kindheit in Erle. Sie kannte Herrn Rosenbaum noch persönlich, auch kann sie sich an die zwei Söhne des Ehepaars Rosenbaum erinnern: "Freitags morgens ging mein Vater oftmals zu Herrn Rosenbaum in den Laden, um dort mit ihm eine Zigarre zu rauchen. Dabei mahm er mich oft mit, ich bekam bei diesen Besuchen jedes mal von Herrn Rosenbaum ein Bonbon geschenkt. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, das an Herrn Rosenbaum und seine Familie erinnert wird. Daher habe ich die Patenschaften für diese vier Stolpersteine übernommen".

Biografische Zusammenstellung: Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen.

Quellen:
Helene Rosenbaum, WGM 737, ISG - Institut für Stadtgeschichte / Stadtarchiv Gelsenkirchen
Meldekarte, ebda.
Adressbuch Gelsenkirchen, Ausgabe 1939


Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Januar 2023

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