STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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HIER WOHNTE

Verlegeort LEO GOMPERTZ

JG. 1887
FLUCHT 1939
HOLLAND
1940 USA


HIER WOHNTE

Verlegeort BETTY GOMPERTZ

GEB. ISACSON
JG. 1900
FLUCHT 1939
HOLLAND
1939 USA


HIER WOHNTE

Verlegeort ALBERT GOMPERTZ

JG. 1921
FLUCHT 1939
HOLLAND
1939 USA


HIER WOHNTE

Verlegeort FRITZ GOMPERTZ

JG. 1924
FLUCHT 1939
HOLLAND
1939 USA


HIER WOHNTE

Verlegeort ROLF GOMPERTZ

JG. 1928
FLUCHT 1938
HOLLAND
1939 USA

Geplanter Verlegeort: Bahnhofstraße 22, Ecke Klosterstraße

Alter Jüdischen Friedhof an der Wanner Strasse/Oskarstrasse in Gelsenkirchen

Abb. 1: Albert Gompertz starb am 20. Februar 1920 an den Folgen einer Grippe, seine Frau Sophie am 20. Januar 1927. Sie wurden in Gelsenkirchen auf dem alten Jüdischen Friedhof an der Wanner Straße/Oskarstraße bestattet.

Die Geschichte der jüdischen Familie Gompertz, die ursprünglich am Niederrhein beheimatet war, lässt sich bis 1765 zurückverfolgen, als in Issum Alexan- der Gompertz geboren wurde. Er war der Großvater von Gumpel Gompertz, 1820 in Uerdingen geboren. Gumpels ältester Sohn Albert Gompertz, geboren am 20. Mai 1857 in Krefeld gründete 1889 in Gelsenkirchen eine Familie, indem er die am 18. Mai 1853 in Gelsenkirchen geborene Sophie Rubens heiratete. Albert Gompertz eröffnete 1889 das weit über Gelsenkirchen hinaus bekannte Pelzhaus Gompertz an der damaligen Friedrichstrasse (die spätere Schalker Straße).

Das Pelzhaus florierte, zur weiteren Expansion kaufte Albert Gompertz 1909 ein Geschäftshaus an der Bahnhofstr.22, Ecke Klosterstraße. Aus seiner Ehe mit Sophie gingen fünf Kinder hervor, der älteste Sohn war Leo Gompertz, geboren am 15. Januar 1887 in Coesfeld. Er heiratete die in Rotterdam am 20. Dezember 1900 geborene Betty Isacson am 23. Januar 1921 in Gelsenkirchen. Betty war die älteste Tochter von Isidor und Flora Gompertz, geborene Masur. Das Ehepaar Isacson hatte sechs Kinder, sie alle überlebten den Holo- caust. Isidor und Flora Isacson hingegen wurden am 28. Mai 1943 in den Gaskammern des im südöstlichen Polen erreichtete Vernichtungslagers Sobibor ermordet. Leo und Betty Gompertz hatten drei in Gelsenkirchen geborene Söhne, Albert, geboren am 15. November 1921, Fritz, geboren am 13. April 1924 und Rolf, geboren am 28. November 1928.

Familie Leo Gompert, 1930

Abb. 2: Betty und Leo Gompertz mit Albert (Links), Rolf (Mitte) und Fritz (später Fred) in Gelsenkirchen, 1930.

Leo Gompertz: ein jüdischer Aktivist

Leo Gompertz war ein Mann strenger Prinzipien und hoher Ideale. Ihm war von seiner Mutter wie von seinen Großeltern beigebracht worden, was es hieß, ein Jude zu sein. Er engagierte sich aktiv in der jüdischen Gemeinschaft Gelsenkirchens und prägte sie entschieden mit. Kurz nachdem er in das väterliche Geschäft eingetreten war, etwa in den frühen 1920er Jahren, übernahm er die Leitung der jüdischen Jugendorgani- sation und war auch Mitglied des Vorstandes der jüdischen Jugendorganisation in Berlin. Seine Aktivitäten in der jüdischen Jugendbewegung änderten sich natürlich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914, als viele dieser Jugendlichen zum Heeresdienst eingezogen wurden.

Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten

Das Haus BertaAbb.: In der Pogromnacht 1938 zerstörte 'Ehrentafel', "Die Israelitische Gemeinde Gelsenkirchen - Ihren im Weltkrieg 1914-1918 gefallenen Söhnen - Als Zeichen Dankbarer Erinne- rung". Die Bronzetafel war eine Spende der Moses Stern AG, Gelsenkirchen.

In seiner Familie sprach Leo Gompertz wenig über seine Zeit bei der Infanterie, aber er erhielt das Eiserne Kreuz für seinen Fronteinsatz. Er wurde 1918 demobilisiert. Im Jahr 1919 half er dabei, die Organisation jüdischer Frontsoldaten (Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten - RJF) mit aufzubauen. Er war auch Präsident dieser Organisation für den Bezirk Rheinland/Westfalen, Ortsgruppe Gelsen- kirchen. Diese Organisation wurde gegründet, um Juden gegen den haltlosen Vorwurf zu verteidigen, dass sie nicht an der Verteidigung des "Vater- landes" teilgenommen hätten. Eine sehr wichtige Leistung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten war unter anderem die Publikation eines Buches mit den Namen von 12.000 deutschen Soldaten jüdischer Herkunft, die ihr Leben im Ersten Weltkrieg verloren hatten. 43 junge Freunde von Leo Gompertz, sie stammten alle aus Gelsenkir- chen, verloren ihr Leben als Soldaten zwischen 1914 und 1918. Man hoffte, dass dieses Opfer wahrgenommen würde. Es ist eine Tatsache, dass Juden relativ zu ihrem Anteil an der deutschen Bevölkerung in einem größeren Anteil in der deutschen Armee dienten.

Leo Gompertz - im Dienst des Judentums

Es war vielen nicht recht, wenn man öffentlich, besonders in "rechts" gerichteten Kreisen oder nationalen Verbänden, als Jude für sein Judentum eintrat. Das war nötig, als im Sommer 1920 der Deutschvölkische Schutzbund Kleim-Roden, den Herausgeber der Zeitung "Die Wahrheit" (die in Düsseldorf erschien) zu einer Massenkundgebung nach Gelsenkirchen entsandte. Zu dieser Kundgebung wurden durch große öffentliche Plakate alle Interessenten in das Evangelische Vereinshaus Gelsenkirchen-Schalke eingeladen, in dem wir Jahre vorher unsere Bezirkstagung abgehalten hatten.

Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund:

Auf Initiative des "Alldeutschen Verbands" wurde mit anderen völkischen Gruppierungen wie dem Reichshammerbund im Februar 1919 der "Deutsche Schutz- und Trutzbund" gegründet, der sich ein dreiviertel Jahr später in "Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund" umbenannte. Die tiefgreifende Umbruchphase nach dem Ersten Weltkrieg, die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die Auswirkungen der beginnenden Inflation und die verbreitete Orientierungslosigkeit in der Bevölkerung schufen einen günstigen Nährboden für antisemitische und völkische Propaganda. So zählte der Bund bereits Ende 1919 über 25.000 Mitglieder in 85 Ortsgruppen. Bis zum Jahr seines Verbots 1922 wuchs die Zahl auf nahezu 200.000 Mitglieder in über 600 Orts- gruppen an. Von seinen Mitgliedern forderte er den Nachweis "arischer" Abstammung, als Vereinssymbol diente das Haken- kreuz. Die einzelnen Ortsvereine beschäftigten sich mit völkischen Rassentheorien und der Deutschtumsforschung und veranstalteten Sonnenwendfeiern sowie Jugendwanderungen. Einmal im Jahr wurde der "Deutsche Tag" einberufen. Er fungierte als eine Art Hauptversammlung des Bunds, der in der frühen Weimarer Republik die weitaus größte völkisch-antisemitische Organisation darstellte.

Der Vorstand des Bezirksverbandes des Centralvereins Rheinland-Westfalen in Essen beschloss, seinen damaligen Syndikus, zwei weitere Vertreter und drei Vorstandsmitglieder der Ortsgruppe des C.V in Gelsenkirchen, zu denen auch Leo Gompertz gehörte, zur Kundgebung des "Deutsch- völkischen Schutz- und Trutzbundes" zu entsenden.

Da Leo Gompertz die Gelsenkirchener Kreise als Geschäftsmann besonders gut kannte, hatte er die Aufgabe, besonders festzustellen, wer von den Industriellen an dieser Kundgebung teilnahm. Zu seinem Schrecken und später zum Schaden seines Geschäftes musste er feststellen, dass nicht nur Kommerzienrat Emil Kirdorf, der Hauptgeldgeber Hitlers, sondern auch die Herren Küppersbusch, andere Industrielle und viele Rechtsanwälte und Ärzte anwesend waren.

Ein Herr Herdejost, der während des ganzen Krieges als Büroangestellter bei der Firma Küppersbusch gearbeitet hatte, leitete die Versammlung. Als er sah, dass auch Leo Gompertz anwesend war, ließ er ihn auffordern, den Saal zu verlassen. Den sehr jungen Menschen, die er mit dieser Aufforderung zu ihm sandte, erklärte Leo Gompertz, dass er durch Erwerbung der Eintrittskarte, die ihm ein ehemaliger Klassenkollege vom Gymnasium Schalke, Otto König, verkauft hatte, ein Recht habe zu bleiben, bis die Versammlung zu einer geschlossenen Mitgliederversammlung erklärt würde. Nachdem Gompertz weiter auf seinem Recht bestand, erklärte Herdejost vor der Rednertribüne "schließlich" die Versammlung zu einer "geschlossenen Mitgliederversammlung". Hierauf verließ Leo Gompertz den Saal ohne irgendeinen Zwischenfall bis dahin. Vielen seiner nichtjüdischen Bekannten und Freunde passte das nicht, und es kam zu einer großen Schlägerei.

Da Leo Gompertz der Bekannteste unter den anwesenden Juden war, machte der "Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund" ihm den Prozess unter dem Titel "Leo Gompertz und Genossen wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung". Die Anklage endete für ihn mit einem glatten "Freispruch", sowohl vor dem Amtsgericht in Gelsenkirchen unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Dr. Korsch, als auch in der Berufungsinstanz beim Landgericht in Essen, wo er von dem damaligen Landesverbands-Vorsitzenden des C.V, Herrn Rechtsanwalt Dr. Ernst Herzfeld (Abel & Herzfeld) vertreten wurde. "Von der Anklagebank konnte ich viele ehemalige Schul- kollegen des Gymnasiums als Zeugen für den "Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund" aussagen hören" sagte Leo Gompertz später.

Haus Berta, Jugend- und Ferienheim

Das Haus BertaAbb.: Das Haus Berta in den Dreißiger Jahren

Weil jüdische Jugendliche nicht mehr an Freizeit- maßnahmen teilnehmen durften und auch nicht mehr in Jugendherbergen hinein konnten, gründete Leo Gompertz 1934 das jüdische Jugend- und Ferienheim Haus Berta unter dem Dach des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Im Haus Berta konnten jeweils etwa 200 junge Leute untergebracht werden. Am Rande von Dorsten-Holsterhausen, hinter der Bundesstraße 58 bereits auf Schermbecker Gebiet, befand sich von 1934 bis 1937 das Ferienheim für jüdische Kinder und Jugendliche, das "Haus Berta". Nach 1933 wurden Juden im Deutschland des "Dritten Reichs" zunehmend vom öffentlichen Leben und auch aus Sportverbänden und -vereinen ausgeschlossen. Jugendherbergen und Jugendferienheime waren für sie nicht mehr zugänglich. "Haus Berta" sollte diese Aufgabe übernehmen. Zugleich wurde "Haus Berta" gelegentlich als Umschulungsheim bezeichnet: Jugendliche sollten auf das Leben in einem anderen Land (z. B. Palästina) vorbereitet werden.

Erste Bauarbeiten auf dem Gelände von Haus BertaAbb.: Erste Bauarbeiten auf dem Gelände von Haus Berta

Innerhalb kürzester Zeit bauten Jugendliche und Erwachsene eine auf dem Gelände vorhandene Baracke zu einem Ferienheim aus. Am 29. Juli 1934 konnte es eingeweiht werden und gewann rasch überregionale Bedeutung. Hunderte von jüdischen Jugendlichen vor allem aus Rheinland, Westfalen und Hessen verbrachten dort Freizeiten.

Träger von "Haus Berta" war der RJF, der Reichs- bund Jüdischer Frontsoldaten. Haus Berta behauptete sich bis ins Jahr 1937, während eines Schabbatgottesdienstes wurde Haus Berta schließlich von der Gestapo geschlossen. Im November 1938, in den Tagen der Pogromnacht, wurde das Haus Berta von Unbekannten Tätern, vermutlich Nazis, in Brand gesteckt und vom Feuer zerstört. Haus Berta wurde nicht wieder aufgbaut.

Haus Berta - ein Stück Familiengeschichte

Albert Gompertz schreibt in seinen Memoiren: "Für mich ist Haus Berta ein (sehr lebendiges) Stück Familien- geschichte. Es ist die Geschichte meines Vaters Leo Gompertz, der Haus Berta gegründet hat, aber auch die von vielen Freunden der Familie."

Die Geschichte von Haus Berta ist auch ein Stück deutsch-jüdischer Geschichte. Sie enthält Tragik und Leid, aber auch Hoffnung, Zuversicht und Selbstbehauptung. Drei Jahre lang - von 1934 bis 1937 - war das Haus Fluchtpunkt für jüdische Jugendliche und eine Antwort auf die Ausgrenzung und Entrechtung der "National- sozialisten". Es lag bei Schermbeck, nicht weit von Gelsenkirchen und doch Welten entfernt. Julius Gold- schmidt hatte sein Grundstück nebst einer Baracke an Leo Gompertz verpachtet. In kurzer Zeit bauten Jugendliche und Erwachsene diese provisorische Baracke zu einem Freizeitheim für jüdische Jugendliche aus. Man nannte es "Haus Berta", nach der Mutter von Julius Goldschmidt.

Einweihung von Haus Berta 1934Abb.: Einweihung von Haus Berta 1934

Zur Einweihung am 29. Juli 1934 kamen hochrangige Festredner aus Köln und Berlin. Rabbiner Dr. Selig S. Auerbach aus Reckling- hausen übernahm die religiöse Betreuung der Ferienkinder. "In den drei Jahren seiner Existenz", so Auerbach, "ermöglichte Haus Berta vielen Hunderten von jüdischen Jungen und Mädchen glückliche und ungetrübte Ferien, die sie anderswo in Deutschland nicht mehr haben konnten." Haus Berta entwickelte sich bald zu einer Einrichtung von überregionaler Bedeutung.

Gäste kamen aus dem Rheinland, aus Hessen und Westpreußen und natürlich, aus Westfalen. "Ich war 17 Jahre alt, als ich die Atmosphäre dieses Hauses kennen lernte, die Zeltlager und Sportveranstal- tungen, Laufwettbewerbe und Gymnastik. Wir waren anfangs nicht auf ein Leben in der Emigration ausge- richtet, die Hachschara war vor allem Sache der zionistischen Gruppen, des Hechaluz."

Leo Gompertz mit den ersten Gästen von  Haus BertaAbb.:Leo Gompertz mit den ersten Gästen von Haus Berta

Dennoch: die Kinder von Haus Berta nahmen nicht nur an Sport-, Spiel- und Kulturveranstaltungen teil, sie enthielten auch berufliches Training (z.B. in der Schreinerei) und Sprachunterricht. Manchem gab dies den nötigen Mut und die Kraft, sich im Exil zu behaupten und ein neues Leben aufzubauen. Sie nahmen die Erinnerung an Haus Berta mit: nach Argentinien und Australien, nach Chile, England und in die Vereinigten Staaten. Enrique Jorge Isakowitz aus Buenes Aires erinnerte sich 1964: "... dass wir Theater in einer Jugendbühne (spielten und) im Winter morgens früh in Turnhose Dauerlauf durch den Schnee machten und Alarm- übungen, um Schnelligkeit in Reaktion und Anziehen zu erwerben. ... Mir gab jene Erziehung Rückgrat. Genug davon, um eine schwere Auswanderung mit 16 Jahren, die Umstellung und Einordnung in ganz andere, fremde Lebensformen überwinden zu können."

Verfolgung und Ausgrenzung

Pelzwaren Albert Gompertz Gelsenkirchen, Werbeschrift um 1922.Abb.: Pelzwaren Albert Gompertz Gelsenkirchen, Werbeschrift um 1922. Das Foto zeigt das Pelzhaus um 1909. In der ersten Etage lebten Albert und Sophie Gompertz, in der zweiten Leo und Betty mit ihren Kindern. In der dritten hatte das Kindermäd- chen Henny Rohrbach und andere Hausangestellte ihre Zimmer.

In den frühen Jahren des so genannten "Dritten Reiches" wurde das Geschäft von Leo Gompertz immer wieder boykottiert und von SA-Gruppen belagert. Angesichts der ständigen Beschimpfung könnte man fragen, warum er nicht eher mit seiner Familie Deutschland verließ. Der Grund hierfür war, dass er mit der Führung der jüdischen Organisationen übereinstimmte, die meinten, dass Emigration Flucht bedeuten würde und damit die übrige jüdische Bevölkerung ihrem Schicksal überlassen würde. Diese Position wurde auch in den deutschen Synagogen gepredigt. Leo Gompertz hat sich Zeit seines Lebens für dass jüdische Gemeinwohl eingesetzt.

Der Zeitzeuge Eliahu Ben Yehuda, formals Erich Stiefel († 2008) aus Gelsenkirchen erinnerte sich in einem Interview an eine Begebenheit aus den Dreißiger Jahren: "Wir konnten nicht mehr in die Turnhalle. Wir hatten die Turnhalle von der Stadt bekommen, im Lyzeum. Aber die wurde dann für uns gesperrt, genauso wie wir nicht mehr in die städtische Badeanstalt durften. Da hat uns Leo Gompertz geholfen - die Familie hatten ein Logenhaus über der Schauburg auf der Bahnhofstraße. Diese Logenhalle war ziemlich groß und die haben wir dann als Sporthalle bekommen. Wir konnten dort einigermaßen weiter turnen. Wir machten dort auch einen Boxkurs, mit der Absicht, dass wir uns verteidigen können".

Im Sommer 1938 musste Leo Gompertz erleben, wie sehr sich mittlerweile der Antisemitismus intensiviert hatte. Der Industriemanager Emil Kirdorf, ein besonders wichtiger und früher finanzieller Unterstützer von Hitler, war gestorben. Am Tage seiner Beerdigung marschierten Hitler und andere prominente Führer der Nazibewegung, solche wie Göring und Himmler, zusammen mit Horden von SA durch Gelsenkirchen und drohten, das Stadtzentrum zu verwüsten, weil sich dort so viele Geschäfte in jüdischem Besitz befanden.

Bericht von Leo Gompertz über die "Kristallnacht" in Gelsenkirchen

1966 schrieb Leo Gompertz folgenden Bericht über seine Erlebnissen in der so genannten "Kristallnacht":

"Ich war nach dem Mord in der Pariser Botschaft auf die "Kristallnacht" vorbereitet. Bevor ich am 9. Novem- ber mein Geschäft verließ, räumte ich meinen Schreibtisch auf und traf die notwendigen Vorbereitungen für meine Frau. Nur angeblich entlud sich in der "Kristallnacht" der "Volkszorn" der Deutschen, in Wirklichkeit war sie von Goebbels und Göring organisiert worden und wurde durchgeführt von der SA in ihren langen dunklen Mänteln und Stiefeln. Sie hatten lange Brecheisen und zerstörten systematisch die Schaufenster aller Geschäfte in jüdischem Besitz. Darunter auch die neun großen Ausstellungsfenster meines Ladens. Ich blieb in unserer Wohnung oberhalb des Geschäftes und wartete darauf, in Schutzhaft genommen zu werden. Ich erhielt einen Telefonanruf, der mich darauf aufmerksam machte, dass die Synagoge in Brand stand. Von einem Fenster der oberen Etagen konnte ich die Flammen sehen und auch die Feuerwehrwagen, die nur gekommen waren, um die Nachbargebäude zu schützen. Die Feuerwehr tat nichts, um das Feuer in der Synagoge zu löschen.

Dann kam der Moment: Ein SA-Offizier kam mit drei Männern in unsere Wohnung an der Bahnhofstrasse 22. Erst durchsuchten sie die Wohnung nach Waffen, dann nahmen sie mich mit. Meine Jungen schliefen, und ich sagte meiner tapferen Frau auf Wiedersehen. (Mein ältester Sohn Albert befand sich in einer Schule in Cottbus, östlich von Berlin, und ich wusste nicht, wie es ihm erging.) Ich wurde zum Gefängnis beim Polizeiamt gebracht. Als ich das Haus verließ, sah ich die zerbrochenen Fenster und all die wertvolle Ware auf der Straße. Ich wurde mit dreizehn anderen Männern in eine Zelle gesteckt, manche der anderen waren blutig geschlagen worden. Wir konnten nur abwarten und das Beste aus unserer Situation machen.

Die Polizei stand in dieser Nacht mit Gewehren Wache, aber es war ihnen nicht erlaubt, die SA daran zu hindern, ihr Zerstörungswerk fortzuführen. Der kommandierende Polizeioffizier grüßte uns mit den Worten: "Heute ihr, morgen wir." Was diese Worte meinten und für die Zukunft bedeuten sollten, konnten weder wir noch er voraussehen. Gegen Mitternacht kam ein Vertreter der Stadt und forderte Ewald Elsbach und mich auf, ein Dokument zu unterschreiben, das erlaubte, die ausgebrannte Synagoge und das Gemeindehaus abzureißen. Wir weigerten uns, das Dokument zu unterschreiben, weil nur der Vorsitzende des Repräsen- tanten-Kollegiums oder unser Rabbiner, Dr. Siegfried Galliner, das Recht hätten, eine solche Genehmigung zu erteilen (Dr. Galliner war zu dieser Zeit im Hause des Vorsitzenden der Gelsenkirchener Zionisten und keiner der Bewohner dieses Hauses war verhaftet worden.)

Am Mittag des 10. November kam dann Herr [Paul] Hohnroth, der einige Jahre vorher Lehrer meines Sohnes Albert gewesen war, mit einer Gruppe von Gymnasiasten in unser Geschäft und zerstörte die Inneneinrich- tung vollständig und alles, was noch nicht in der vorherigen Nacht verwüstet worden war. Meine jüdischen Angestellten wurden gezwungen, alles zu reinigen und die Glassplitter mit bloßen Händen aufzuheben. Mein zweiter Sohn Fritz, der zu dieser Zeit 14 Jahre alt war und als Lehrling in unserer Werkstatt gearbeitet hatte, wurde ebenso gezwungen, beim Aufräumen zu helfen. Für diese Zeit muss ich unseren jüdischen Frauen, die in dieser Zeit, ohne eine Träne zu vergießen und sich durch die Männer, die ihre Männer blutig geschlagen hatten, einschüchtern zu lassen, Haltung bewiesen, großes Lob aussprechen. Sie taten alles, um ihre Männer so schnell wie möglich zu befreien.

Zwischen dem 15. und 18. November 1938 wurden alle in Gelsenkirchen verhafteten Juden freigelassen und nicht in Konzentrationslager geschickt. Aber bei verschiedenen anderen Gelegenheiten waren ja schon jüdische Männer für Wochen und Monate in Konzentrationslager eingewiesen worden. Dort hatten sie hungern müssen, sie waren geschlagen worden, viele starben oder kamen verletzt zurück. Ich bekam den Befehl, mein Haus an einen mir bezeichneten Interessenten zu verkaufen und mein Geschäft nie wieder zu eröffnen. Weiterhin wurde mir befohlen, so bald wie möglich zu emigrieren."

Vorbereitung der Emigration

Als Leo Gompertz befohlen wurde, sein Geschäft aufzugeben und auch das Haus ohne Entschädigung abzugeben, war ihm erlaubt worden, das Inventar des Geschäfts zu verkaufen. Aber natürlich nur für einen Betrag, der keineswegs dem Wert entsprach. Als dies getan war, begann er, den persönlichen Besitz der Familie in Transportkisten zu packen, und er hoffte, dass er diesen mit nach Amerika nehmen könnte, obwohl er bis dahin noch keine Visa zum Verlassen Deutschlands oder für die Einwanderung in irgendein anderes Land hatte. Die Transportkisten wurden in einen großen Wagen gepackt, aber sie kamen nie aus Europa heraus. Familie Gompertz erfuhr später, dass sie zerstört oder geplündert worden waren bei der Invasion Belgiens. Sie sahen nichts von unseren persönlichen Gegenständen je wieder.

Bevor es so weit gekommen war, etwa um 1936, hatte Leo Gompertz sich schon einmal um Visa für die Einreise in die USA beworben. Dort hatte Mutter Gompertz' Vater eine Cousine, eine Gesangslehrerin, die in New York lebte. Familie Gompertz brauchten eine Bürgschaft, bevor wir uns überhaupt um ein Visa für die USA bei der Botschaft bewerben konnten. Leider hatte die Verwandte aber nicht genug Geld und sie brauchte Zeit, um Helfer zu finden. Glücklicherweise schaffte sie es, finanzielle Unterstützung zu bekommen, so dass die Familie Gompertz durch sie in der Lage waren, Ausreisevisa zu beantragen.

Reisepass von Betty Gompertz mit dem von den Nazis für jüdische Menschen ab August 1938 vorgeschriebenen Zwangsvornamen 'Sara'

Abb.: Auschnitt aus dem Reisepass von Betty Gompertz, ausgestellt am 31. Januar 1939

Während Leo Gompertz das Geschäft liquidierten mußte, gelang es ihm, bei der Polizei Papiere zu besorgen, so dass Fritz und sein Bruder Albert befristete Visa bekamen, um Deutschland zu verlassen und in ein Flüchtlingscamp in Holland zu kommen, das dort von den Holländern eingerichtet worden war. Der jüngste Bruder Rolf, der zu dieser Zeit etwa zehn Jahre alt war, war bereits von einem nichtjüdischen Holländer über die Grenze geschmuggelt worden. So war Rolf schon aus dem Land gebracht worden und lebte bei seinen Großeltern. Aber obwohl die Eltern meiner Frau in Holland lebten, erhielt Leo's Frau kein Einreise- visum für Holland, weil auch die Holländer sich sehr restriktiv verhielten und Angst davor hatten, dass zu viele Menschen zu ihnen kämen.

Familie Gompertz. Erstes Familienfoto in Amerika

Abb.: Familie Gompertz. Erstes Familienfoto in Amerika, 1941

Im März 1939 konnten dann auch die Eltern Deutschland verlassen und die Familie war wieder vereinigt. Sie kamen in ein Flüchtlingslager, das "Lloyd-Hotel" hieß. Es lag zwischen dem Haupt- bahnhof und dem Frachthafen in Amsterdam. Es war ein großes Fabrikgebäude, das in Schlafsäle eingeteilt war. Nur einige wenige verheiratete Paare hatten private Räume. Obwohl die Unterkunft ziemlich primitiv war, waren alle glücklich, aus Deutschland heraus und wieder zusammen zu sein. Es dauerte bis August 1939, bis Mutter Gompertz und die drei Jungen Einreisevisa für die USA erhielten. Sie erhielten die Visa, weil Mutter Gompertz, die in Holland geboren war, unter die holländische Quote fiel und ihre Söhne unter 18 Jahren alt waren. Vater Leo Gompertz hatte bis dahin sein Visum noch nicht erhalten, weil er unter die restriktivere deutsche Quote fiel. Und so war er nicht in der Lage, zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen Holland zu verlassen. Er hatte das Glück, dass er im Januar 1940 das Visum für die USA erhielt, nur wenige Monate, bevor die deutschen Faschisten die Niederlande überfielen.

Im gleichen Jahr, am 7. Februar 1940, wurde der Kaufmann Wilhelm Rüter als neuer "Eigentümer" des Hauses Bahnhofstraße 22 eingetragen. Damit war die "Arisierung" des Eigenums der Familie Gompertz praktisch abgeschlossen.

Albert Gompertz kehrte als amerikanischer Soldat im Zuge der Landung der westlichen Alliierten in der Normandie (D-Day, 6. Juni 1944) nach Europa zurück und kämpfte für die Befreiung der Völker Europas vom Faschismus: Experiences of Albert Gompertz

In den Erinnerungen von Fred Gompertz gab es bis dato nur ein Datum mit grundlegender Bedeutung für sein Leben: der 9. November 1938. Fred Gompertz erlebte als Kind die Pogrome gegen Juden in der so genannten "Reichskristallnacht" in Gelsenkirchen. Dann kam der 9. September 2001. Aber auch den Einsturz der Türme des World Trade Center in New York überlebte er. "Nine-eleven hat mein Leben ein zweitesmal zerstört" sagte Fred Gompertz nach seiner Rettung: My Story - Fred Gompertz

Familie Gompertz hat uns freundlicherweise bereits vor einigen Jahren die niedergeschriebenen, lebensge- schichtlichen Erinnerungen von Albert und Fred Gompertz in der englischsprachigen Orginalfassung zusam- men mit Fotografien und weiteren Dokumenten zur multimedialen Aufbereitung und Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Auf Basis dieser Materialien ist die vorstehende Dokumentation verfasst worden.

Die Patenschaften für die Stolpersteine, die schon bald am letzten selbstgewählten Wohnort an der Bahnhof- straße 22 an das Leben und Wirken von Leo, Betty Gompertz und ihren Kindern Albert, Fritz und Ralph erinnern werden, haben die Nachfahren der Familie Leo Gompertz übernommen.


Leo Gompertz half beim Aufbau der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen nach 1945

Artikel aus 'Aufbau'Abb.: Anzeige in der jüdischen Exil-Zeitung 'Aufbau' am 9. November 1945

Abschrift des vorstehenden Artikels:

GELSENKIRCHENER
WIR WERDEN GERUFEN . . .

DAS JÜDISCHE HILFSKOMITEE GELSENKIRCHEN

schreibt an uns unter dem 18. Oktober 1945:

Unsere Not ist riesengross. Auf einmal sind wir wieder Deutsche; man verweigert uns jegliche besondere Behandlung, man lässt uns hungern und frieren. Wo bleibt da die Hilfe und Wiedergutmachung, die uns so oft durch Radio usw. versprochen wurde. Weshalb hat sich bis heute noch kein Vertreter der grossen amerikanischen Hilfsorganisationen sehen lassen . . . . Wir schreiben gerade Ihnen, da Sie früher segensreich in unserer Gemeinde gearbeitet haben. Sie haben möglicherweise nun auch dort Gelegenheit, für die kleine Zahl (6O) der zurückgekommenen Juden Ihrer Gemeinde etwas zu tun. . . . Aber bitte keine schönen Worte oder Versprechen, sondern etwas Positives. ... Im Namen Aller schon heute unseren Dank."

WIR RUFEN EUCH!
KEINER DARF FEHLEN!

Sendet an die unterzeichneteten Adressen sofort
EUERE POSTANSCHRIFT.

Wir werden euch zu einer Zusammenkunft einladen, um mit Euch Allen die schnellste Hilfeleistung zu beraten. Viele Briefe über mehr als 300 Juden aus Gelsenkirchen werden wir dann gleich-
zeitig Euch zur Kenntnis bringen.

GELSENKIRCHENER, wo auch immer, SCHREIBT UNS
SOFORT!

Ihr, hier in New York, macht keine Telefongespräche!

In alter Verbundenheit:

MAX KLEIN
Wadsworth Terrace
New York 33, N. Y.
LEO GOMPERTZ
282 Cabrini Boulevard
New York 33, N. Y.

 

Hilfe für Gelsenkirchen Abb.:"Aufbau", 21.12.1945: Hilfe für Gelsenkirchen

Leo Gompertz setzte sich im Dienste des Judentums auch nach 1945 besonders für die überlebenden Juden des Holocaust in Gelsenkirchen ein und hat so den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen nach dem 2. Weltkrieg erst möglich gemacht. Als Vorsitzender des "Relief Commitee for Jews in Gelsenkirchen" in New York organisierte Leo Gompertz in den ersten Nachkriegsjahren immer wieder Geld- und Lebensmittelspenden für die in Gelsenkirchen lebenden Juden.

Im nebenstehenden Artikel wird Hermann Voosen aus Gelsenkirchen erwähnt. Am 27.Januar 1942von Gelsekirchen nach Riga deportiert, verbrachte er dreineinhalb Jahre in KZ-Gefangenschaft. Sein Bericht von der Deportation und den unmenschlichen Verhältnissen in Riga und der so genannten "Evakuierung" über das KZ Stutthof vom 30. Mai 1945 ist hier abrufbar (Seite 4-7): Three Letters by Deportees From Germany to the Riga Ghetto and the Kaiserwald and Salaspils Extermination Camps: Johanna Rosenthal formerly Berlin, Hermann Voosen formerly Gelsenkirchen and Heinz Samuel formerly Krefeld.

 

Artikel aus 'Aufbau'Abb.:So schreibt z.B. die jüdische Exil-Zeitung "Aufbau" am 7. Mai 1948, Zitat:

Relief Committee for Jews
in Gelsenkirchen
Chairman: Leo Gompertz, 282 Cabrini Blvd., New York 33.

Unsere letzte Reliefsendung von ca. 750 Pfund Lebensmitteln ist anfangs Januar in Gelsenkirchen durch das dortige Komitee zur Verteilung gelangt. Aus den Dankschreiben ersehen wir, welche Freude diese Gaben bei den 75 Bedachten ausgelöst haben. Das jüdische Hilfskomitee hat in jeder Beziehung vorzügliches geleistet und auch die Friedhöfe wieder in beste Ordnung gebracht. Wollen Sie von der letzten Ruhestätte Ihrer Lieben ein Photo, schreiben Sie an uns und Sie werden die Aufnahme schnellstens erhalten. Wie sehr unsere Hilfe von Nöten ist, können Sie am besten beurteilen, wenn wir die Gelsenkirchener selbst zu Ihnen sprechen lassen. Dafür geben wir Ihnen nachstehend einige Auszüge von Briefen aus Gelsenkirchen:
". . . Ich danke Ihnen herzlich für die übersandte Spende. Es war einmal wieder eine schöne Hilfe für uns, denn leider haben sich die Verhältnisse im Ruhrgebiet noch nicht gebessert. . . ."
"Hätten wir vor allen Dingen nicht Ihre Spenden, dann sähe es in unseren Reihen böse aus."

In einem Schreiben, das von allen 75 Empfängern unserer Spenden unterzeichnet ist, heisst es:
". . . Ihre Hilfe ist für uns alle eine Ermunterung, auszuhalten, wenn wir wissen, dass Freunde im Ausland wohnen, die an uns denken und auch zu opfern für uns bereit sind. Vergessen Sie uns bitte nicht. . . ."
Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Zeigen wir uns dem Schicksal, das uns hierher geführt hat, dankbar. Geben Sie uns die Möglichkeit weiter zu helfen und senden Sie bald wieder einen Scheck an unseren Schatzmeister, Max Klein, 384 Knickerbocker Avenue. Brooklyn, N. Y. Gez. Otto Guthmann, Sekretär. 504 West 173rd Street, New York 33. N. Y.

Artikel aus AufbauAbb.: Aufbau, Jg. 14. 1948, Nr. 44 (29.10.1948), S. 35

Relief Commitee for Jews in Gelsenkirchen 282 Cabrini Boulevard, Apt. 1-D, New York 33, N.Y. Leo Gompertz, Chairman

Nachdem Anfang des Jahres auf dem städtischen Friedhof in Gelsenkirchen-Buer ein Gedenkstein für die Opfer des Naziregimes enthüllt worden ist, erfolgte die Einweihung eines Mahnmal für die 250 jüdischen Frauen und Mädchen, die bei einem allierten Luftangriffim September 1944 umgekommen sind. Diese 250 Jüdinnen waren aus Ungarn zur Zwangsarbeit in den Benzin-Werken Gelsenkirchen-Horst verschleppt worden. Die große Anzahl der jüdischen Opfer erklärt sich daraus, das es den Juden verboten war, die Luftschutzbunker aufzusuchen. Von den 1.000 anderen Werksangehörigen ist nicht ein einziger umgekommen. Nur einige wenige leben noch in der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, die insgesamt 70 Seelen zählt gegnüber ca. 1.200 vor 1933.

Man bemüht sich, dass jüdische Leben nach alter Traditon aufrecht zu erhalten. Ein jüdischer Frauenverein ist wieder begründet worden. Gottesdienste finden regelmäßig in einem neu hergerichteten Betraum statt, die Friedhöfe sind wieder in einem würdigen Zustand gesetzt. Bilder von den Grabstätten können bei uns angefordert werden.
Unsere Aufgabe, die noch Überlebenden in Gelsenkirchen mit zusätzlichen Lebensmitteln zu unterstützen, ist immer noch unerläßlich. Wir richten an alle ehemaligen Gelsenkirchener den dringenden Appell, im neuen Jahr nicht zurückzustehen. Wir erwarten Ihre Spende, die zu richten ist an: Max Klein, 384 Knickerbocker Ave. Brooklyn, New York. Gez. Otto Guthmann, Secr.

Quellen:
Vgl. auch: Stefan Goch: Jüdisches Leben. Januar 2004. (Schriftenreihe des ISG, Materialien; Band 8. Interview mit Eliahu Ben-Yehuda, S.71 f. und Familie Gompertz (Deutsche, gekürzte Übersetzung der amerikanischen Orginalfassung "Experiences of Albert Gompertz - From Nazi Germany to America) S.79 ff.
Diethard Aschoff: Unveröffentlichte westfälisch-jüdische Erinnerungen, in: Westfälische Forschungen, Bd. 38
Fotos Haus Berta aus dem Privatbesitz von Pfarrer i.R. Wolfgang Bornebusch und Familie Gompertz, USA
http://www.derwesten.de/staedte/dorsten/Haus-Berta-id927900.html
http://www.juedischeliteraturwestfalen.de/index.php?show=list&valex=5&period=1900&id=24 Leo Gompertz
http://www.dhm.de - Der Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund
Leo Gompertz: Arbeit für die jüdische Jugend in Deutschland. Mein Erlebnis im Dienste des Judentums. New York 1966.
Jüdische Zeitung "Aufbau", div. Ausgaben 1945-1948. Aufbau, Jg. 11. 1945, Nr. 51 (21.12.1945), S. 23


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Februar 2017.

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