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Wilhelm Rüter

Der am 2. März 1909 in Sterkrade (Oberhausen) geborene Wilhelm Rüter trat bereits am 1.5.1933 in die NSDAP ein, Mitgliedsnummer 2863654, Ortsgruppe Oberhausen. In der Zentralkartei der NSDAP findet sich auf der Karteikarte von Wilhelm Rüter ein Porträtfoto (datiert auf den 7. Juli 1936), diese Fotos wurden im Zusammenhang mit der Ausstellung eines NSDAP-Mitgliedsbuches aufgeklebt. Ein Anspruch auf Tausch der NSDAP-Mitgliedskarte gegen ein NSDAP-Mitgliedsbuch bestand ab 1933 nach zweijähriger Mitgliedschaft in der NSDAP.

Der Kaufmann Wilhelm Rüther betrieb in Gelsenkirchen ein Schuhgeschäft an der Bahnhofstraße, gegen- über dem Pelzhaus von Leo Gompertz. Im Anschluss an die beschämenden Ereignisse der so genannten "Reichskristallnacht" (9. November 1938) wurde Leo Gompertz mit weiteren Gelsenkirchener Juden in so genannte "Schutzhaft" genommen und in das Polizeigefängnis an der Ahstr. 24 / Machensplatz in Gelsen- kirchen eingeliefert. Auch Leo Gompertz wurde im Gefängnis bedroht, geschlagen und gedemütigt. Am 15. November 1938 wurde Leo Gompertz wieder aus der so genannten "Schutzhaft" entlassen, zusammen mit den anderen Juden, die der damalige Kreiswirtschaftsberater der NSDAP bei der Entlassung vor dem Gefängnisgebäude antreten liess.

Bei diesem "Schlussappell" wurde u.a. auch Leo Gompertz der Befehl erteilt, unverzüglich sein Geschäft zu liquidieren und seinen Grundbesitz zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes an einen bereits vor- bestimmten Interessenten zu veräußern. Zwei Tage später fand dann der "Verkauf" des Grundbesitzes Bahnhofstraße 22/Ecke Klosterstraße an Wilhelm Rüter statt. Die Auflassung lt. Grundbuch datiert auf den 17. November 1938, der "Kaufvertrag" ist auf den 18. November 1938 datiert.

Im 2. Weltkrieg hat das Haus Bahnhofstraße 22/Klosterstraße 2 schwere Bombenschäden erlitten. Es wurde durch den im Rahmen des von Leo Gompertz Ende 1949 angestrengten Wiedergutmachungsver- fahrens eingesetzten Treuhänder zutreffend als Totalschaden bezeichnet. Rückgabepflichtig war der damalige Käufer und neue Besitzer Wilhelm Rüter, der von der "Arisierung" profitiert hatte. Gegen eine Nachzahlung von 35.000 DM verzichtete Leo Gompertz in einem Vergleich vom 5. September 1950 schließlich auf seine Ansprüche. Ob Leo Gompertz diese Nachzahlung dann auch tatsächlich von Wilhelm Rüter erhalten hat, ist nicht bekannt. Bekannt hingegen ist, das Rüter das Haus (Bahnhofstr. 22) wiederaufbauen ließ und es sich auch heute noch in Besitz der Familie Rüter (Rüter Schuhe) befindet.

Weitre Informationen zur Familie Leo Gompertz


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. August 2017.

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