STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Verlegeort DAVID RABINOWITSCH

JG. 1894
DEPORTIERT 1942
1943 RIGA
1944 STUTTHOF
1945 TODESMARSCH
LAGER RIEBEN
ERMORDET


Verlegeort JOHANNA RABINOWITSCH

GEB. CARMUSIN
VERW. LEWIN
JG. 1896
DEPORTIERT 1942
RIGA
1944 STUTTHOF
ERMORDET


Verlegeort ARTHUR LEWIN

JG. 1923
DEPORTIERT 1942
1943 RIGA
BEFREIT

Verlegung 2020, Kesselstraße 29

Der Kaufmann David Rabinowitsch, geboren am 26. Mai 1894 in Tiraspol (Ukraine) lebte mit seiner zweiten Frau Johanna, geb. Carmusin, geboren am 24. Mai 1896 (nach eigenen Angaben in Rotterdam) an der Kesselstraße 29 in Gelsenkirchen.[1, 2] David Rabinowitsch hatte in erster Ehe am 19. Februar 1921 in Lauthental (Harz) die am 21. Juli 1894 in Ringelheim geborene Meta Oppermann geheiratet. Die Ehe wurde am 26. Februar 1937 geschieden. Auch Meta Oppermann-Rabinowitsch blieb in Gelsenkirchen, lebte an der Bochumer Straße 100. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt, fest steht jedoch, das sie an den Folgen der NS-Verfolgung gestorben ist.

Bereits vor dem 17. Mai 1939 wurde das Ehepaar David und Johanna Rabinowitsch von den NS-Behörden zum Zwangsumzug in eines der so genannten Gelsenkirchener "Judenhäuser" an der damaligen Von-Scheubner-Richter-Straße 54 (heutige Ringstraße) gezwungen. Johanna Rabinowitsch, geb. Carmusin, verwitwete Lewin hatte aus erster Ehe einen Sohn, Arthur Manfred Lewin, geboren am 9. Juli 1923. Arthur war nach den Meldeunterlagen ebenfalls unter dieser Anschrift gemeldet.

Vom temporären "Judensammellager" in der Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz wurden Arthur Lewin sowie David und Johanna Rabinowitsch mit dem ersten Gelsekirchener Deportationstransport am 27. Januar 1942 nach Riga in Lettland verschleppt. [3] Zunächst im Ghetto Riga gefangen, wurde David Rabinowitsch ab Juli 1943 in das Außenlager Spilwe des Stammlagers KZ Riga-Kaiserwald überstellt. Seine Frau Johanna musste nach den Erinnerungen des Holocaust-Überlebenden Hermann Voosen aus Gelsenkirchen [4] im Außenlager (Kasernierung) Armeebekleidungsamt (A.B.A 701) Zwangsarbeit leisten, Arthur Lewin wurde im KZ Riga-Kaisewald gefangen gehalten. Wie sein weiterer Leidensweg verlief, kann vor dem Hintergrund fehlender Dokumente nicht dargestellt werden, jedoch hat Arthur 1945 seine Befreiung an einem bisher nicht bekannten Ort erlebt. Bis zu seiner Auswanderung nach Uruguay im Frühjahr 1948 lebte Arthur Lewin im Jüdisches DP-Camp Bergen-Belsen [5]. 1963 lebte Arthur Lewin in Montevideo, Uruguay.[6]

Ausschnitt aus dem Einlieferungsbuch des KZ Stutthof

Abb. 1: Ausschnitt aus dem Einlieferungsbuch des KZ Stutthof, Johanna Rabinowitsch ist mit der Häftlingsnr. 61466 eingetragen worden.

Auch David und Johanna Rabinowitsch wurden mit dem Näherrücken der Roten Armee und der darauf erfolgenden Auflösung des KZ Kaiserwald und seiner Neben- und Außlager am 9. August 1944 auf dem Seeweg in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt [7], wo Johanna schließlich ermordet wurde. Ende Januar 1945 wurde schließlich die "Evakuierung" des KZ Stutthof befohlen. Etwa 11.000 Häftlinge wur- den in Kolonnen von jeweils etwa 1000 Menschen auf einen Todesmarsch in das etwa 140 Kilometer entfernte Lebork (Lauenburg) befohlen. Eine Kolonne, in der sich auch David Rabinowitsch befand, erreichte schließlich das bereits geräumte Zivilarbeiterlager Rybno (Rieben) in Pommern, dass ab dem 3. Februar 1945 als Auffanglager für Häftlinge aus Stutthof diente. Noch vor der Befreiung des Lagers Rieben am 10. März 1945 ist David Rabinowitsch dort zwischen dem 18. und 22. Februar umgekom- men, die genauen Umstände seines Todes sind nicht bekannt.[8] Das Ehepaar Rabinowitsch wurde nach 1945 für tot erklärt, als Todestag wurde der 8. Mai 1945 festgelegt. [9]

Quellen:
[1] ITS Digital Archive, Arolsen Archives, 6.3.3.2 / 97642341; Korrespondenzablage T/D - 344 735
[2] Mapping the Lives, https://www.mappingthelives.org Angaben aus der Volkszählung: (1.1) Bundesarchiv, R 1509 (Reichssippenamt). Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 17. Mai 1939.ID-Nr. aus der 1939 Volkszählung: VZ328482
[3] Deportationslisten Gelsenkirchen in: Andrea Niewerth, Gelsenkirchener Juden im Nationalsozialismus, Essen 2002, S. 357-365, 370-385
[4] Yad Vashem, Aufzeichnungen Hermann Voosen vom 10. Oktober 1945
[5] ITS Digital Archive, Arolsen Archives, Nachkriegszeitkartei 3.1.1.1 / 68038218
[6] Leo Baeck Institut New York, Namensliste Stadt Gelsenkirchen, Stadtamt 50/1, Wiedergutmachung/BEG: lfd. Nr. 618 Lewin, Arthur
[7] ITS Digital Archive, Arolsen Archives, 1.1.41.1 / 4398995, Einlieferungsbuch des KL Stutthof
[8] ITS Digital Archive, Arolsen Archives, 6.3.3.2 / 97642341; Korrespondenzablage T/D - 344 735
[9] ebda.

Abbildungen:
[1] ITS Digital Archive, Arolsen Archives, 1.1.41.1 / 4398995, Einlieferungsbuch des KL Stutthof


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Dezember 2019

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