STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen

Stadtverwaltung Gelsenkirchen 1933 - 1945

Oberbürgermeister Böhmer, Hans-Sachs-Haus
Bürgermeister und Stadtkämmerer Dr. Schumacher, Hans-Sachs-Haus
Stadtrat Schossier, Rathaus Buer
Sadtrat, Stadtmedizinalrat Dr. Wendenburg, Hans-Sachs-Haus
Stadtbaurat Fuchslocher, Rathaus Buer
Stadtrechtsrat Dr. Schäfer, Hans-Sachs-Haus
Stadtrat Schulte, Hans-Sachs-Haus
Stadtdirektor Holz, Hans-Sachs-Haus

Städtische Dienststellen

Haupt- und Personalamt, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Stadtverwaltungsrat Barney
Rechnungsprüfungsamt, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Stadtverwaltungsrat Schmidtmann
Stadtpolizeiamt, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Stadtoberinspektor Schenk
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer: Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Horst: Verwaltungsgebäude Horst
Rechtsamt, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Städt. Rechtsrat Schulte-Terboven (Stadtamtmann Bauermann)
Verkehrsamt, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Stadtamtmann Elsner
Städt. Informationsdienst, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Pressereferent Dinger
Statistisches und Wahlamt, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Dr. Große-Boymann
Standesamt Gelsenkirchen, Hans-Sachs-Haus, Standesbeamter: Stadtamtmann Ernst
Standesamt Gelsenkirchen-Buer, Gelsenk.-Buer, Hochstr 68, Standesbeamter: Stadtamtmann Köker
Standesamt Gelsenkirchen-Horst, Gelsenk.-Horst, Standesbeamter: Stadtoberinspektor Mantia
Stadtkämmerei, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Finanzdirektor Wolff
Stadthaupt- u. Steuerkasse, Gelsenkirchen, Stürmerstraße, Leiter: Stadtkassendirektor Schälicke
        Zahlstelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
        Zahlstelle Gelsenkirchen-Horst, Verw.-Gebäude Gelsk.-Horst
Stadtsteueramt, Gelsenkirchen, Hans-Sachs-Haus, Leiter: Stadtverwaltungsrat Nachbarschulte
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Horst, Verw.-Gebäude Gelsk.-Horst
Fürsorgeamt, Dickampstr.2, Wildenbruchstr. 11/13, Ahstr. 17
Leiter: Stadtamtmann Capelle
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Horst, Verw.-Gebäude Gelsk.-Horst
Stadtjugendamt und Amt für Volksertüchtigung, Hans-Sachs-Haus
Leiter: Stadtverwaltungsrat Schmidtkamp
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Horst, Verw.-Gebäude Gelsk.-Horst
Gesundheitsamt, Kaiserstr.4
Leiter: Amtsarzt Obermedizinalrat Dr. Huebner (Stadtoberinspektor Ries)
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer u. Westerholter Str. 18
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Horst, Verw.-Gebäude Gelsk.-Horst
Versicherungsamt, Hans-Sachs-Haus
Leiter: Direktor des Vericherungsamtes Honsalek
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Horst, Verw.-Gebäude Gelsk.-Horst
Nahrungsmittel-Untersuchungsamt Gelsenkirchen, Vohwinkelstr.24
Leiter: z.Zt. unbesetzt
Schulamt, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen, Neumarkt 1
        Leiter: Stadtamtmann Bechtel
        Städt. Schulrat Winkel, Gelsenkirchen, Neumarkt 1
        Städt. Schulrat Theegarten, Gelsenkirchen, Neumarkt 1
        Kreisschulrat Ellermann, Rathaus Buer
Stadtamt für Theater und Konzerte, Gelsenkirchen, von-Richthofen-Str.
Leiter: Stadtoberinspektor Zöller
Theater und Konzertkasse, Neumarkt 1
Stadtbücherei, Kunstausstellungen, Gelsenkirchen, Neumarkt 2
Bücherei-Nebenstelle, Gelsk.-Buer, Goldberghaus
Schiffer, Leiter der Stadtbücherei
Stadtarchiv, Museen, Gelsnkirchen, Nuemarkt 2
Leiter: Dr. Große-Boymann
Bauverwaltungsamt, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen, Hans-Sachs-Haus
Leiter: Stadtassessor Hammann
Stadtamt für Wohnungsbauförderung und Kleinsiedlung, Rathaus Buer
Leiter: Haneklaus
Baupolizeiamt und Wohnungsaufsicht, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen, Hans-Sachs-Haus
Leiter: Städt. Baurat Lorenz
Hochbauamt, Hans-Sachs-Haus
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
Leiter: Städt. Baurat Treutle
Straßenbauamt, Rathaus Buer
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen, Hans-Sachs-Haus
Leiter: Städt. Baurat Jäger
Kanalbauamt, Hans-Sachs-Haus
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
Leiter: Städt. Baurat Bonn
Stadtplanungsamt, Rathaus Buer
Leiter: Städt. Baurat Wönkhaus
Vermessungsamt, Hans-Sachs-Haus
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
Grundstücksamt, Hans-Sachs-Haus
        Verw.-Stelle Gelsenkirchen-Buer, Rathaus Buer
Liegenschaftsdirektor Sauer
Stadtamt für Grünanlagen für Gelsenkirchen, von-Richthofen-Straße
Stadtgartenoberinspektor Pietschker
für Gelsenk.-Buer, Rathaus Buer, Gartenbauinspektor Falke
Stadtamt für städt. Betriebe, Hans-Sachs-Haus
Leiter: Referent Dr. Schmidt (Stadtoberinspektor Stammen)
Städt. GWE.-Werke, Gelsenkirchen, Franz-Seldte-Straße 7
Leiter: Direktor der GWE.-Werke Adam
        Gelsenkirchen-Buer, Horster Straße 119
        Gelsenkirchen-Horst, Schloßstraße 8
Städt. Schlacht- und Viehhof, Gelsenkirchen, Feldstraße 1
Leiter: Schlachthofdirektor Dr. Glieckenberg
Städt. Fuhrpark (Straßenreinigung und Müllabfuhr)
Leiter: techn. Stadtoberinspektor Paul
        Gelsenkirchen, Junkerweg 53
        Gelsenkirchen-Buer, Immermannstarße 1
        Gelsenkirchen-Horst, Schumacherstraße 21a
Feuerschutzpolizei, Gelsenkirchen, Wiese 2
Freiwillige Feuerwache, Gelsenk.-Buer, Am Spritzenhaus
Krankentransport- und Unfallwesen, Gelsenkirchen, Wiese
Leiter: Branddirektor Scholten
Rettungs- und Unfallwache Gelsenkirchen-Buer
Gelsenkirchen-Buer, Immermannstraße 1
Leiter: Betriebsleiter Tente
Stadtleihamt, Gelsenkirchen, Oststraße 1
Gelsenkirchen-Buer, Hagenstraße 34
Leiter: Stadtoberinspektor Tappert
Badeanstalten
Stadtbad Gelsenkirchen, Hindenburgstraße 17
Freibad Grimberg
Leiter: Badeinspektor Schröder

Quelle: Adressbuch Stadt Gelsenkirchen, Ausgabe 1939

Eine exemplarische Betrachtung: Stadtverwaltung Gelsenkirchen 1933 - 1945

Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen. Zwischen 1933-1945 Unrechtsort und Sitz der Stadtverwaltung

Abb.: Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen. Zwischen 1933-1945 Unrechtsort und Sitz der Stadtverwaltung. Foto:ISG, Fotosammlung, Bild-Nr. 409

Die Rolle der Kommunen bei der NS-Verfolgungs- politik werden noch immer unterschätzt. Dabei führten die Rathäuser nicht nur Weisungen aus, sondern gingen immer wieder über zentrale Vorgaben hinaus. Städte und Gemeinden spielten im "Dritten Reich" eine wichtige Rolle, hatten sie doch als untere Verwaltungs- behörden die NS-Politik auf kommunaler Ebene umzusetzen. Die Kommunalverwaltungen standen in engem Kontakt mit der Bevölkerung und erfuhren deren Reaktionen - zustimmender wie ablehnender Art - unmittelbarer als jede andere Behörde. Aus Sicht des Regimes erfüllten sie eine wichtige Funktion: Für den Durch- haltewillen und die Moral der Bevölkerung ist zum Beispiel die Bedeutung des kommunalen Krisen- managements nach Bombenangriffen kaum zu überschätzen. Aufgrund ihrer integrativen Funktion waren die Kommunen auch in die NS-Verfolgungs- politik involviert - sonst wäre diese nicht so "effektiv" durchzusetzen gewesen. Es gibt wohl kaum eine Verfolgungsmaßnahme, bei der kommunale Stellen nicht einbezogen oder wenigstens darüber unterrichtet gewesen wären. Umso erstaunlicher ist die Tat- sache, dass die Mitwirkung der Kommunen an der NS-Verfolgungspolitik lange Zeit wenig beachtet wurde. Lokalgeschichtliche Abhandlungen beschränken sich häufig auf die "Gleichschaltung" der Rathäuser und brechen danach ab. Die NS-Verfolgungspolitik durch die Kommunen ist weithin noch immer nur unzu- reichend erforscht.

Die Städte und Gemeinden waren stärker in die NS-Verfolgungspolitik einbezogen als bislang angenom- men. Sie entließen Mitarbeiter aus rassischen und politischen Gründen. Sie wirkten an der Judenverfol- gung und an Deportationen mit, "arisierten" Kunstgegenstände, private Bibliotheken, Gold- und Silber- gegenstände sowie Immobilien. Die kommunalen Gesundheitsämter sorgten für die massenhafte Steri- lisierung von "Erbkranken". Die Stadtverwaltungen vertrieben Sinti und Roma aus ihren Wohnungen und verfolgten sie. Die städtischen Bauämter beschäftigten in großer Zahl Kriegsgefangene und Zwangsarbei- ter. Besonders bemerkenswert ist, dass die kommunalen Beamten und Angestellten ihre Handlungsspiel- räume häufig nicht im Sinne der Opfer nutzten, sondern immer wieder über Direktiven "von oben" hinaus- gingen bzw. sogar Verfolgungsmaßnahmen aus eigenem Antrieb ersannen. Auf dem Gebiet der Verfol- gungspolitik lassen sich keine nennenswerten Gegensätze zwischen den Kommunen und den örtlichen Parteistellen ausmachen, die sich ansonsten heftige Konflikte lieferten. Daher muss das Bild von einem Gegensatz zwischen der "alten Bürokratie" und der neuen NSDAP-Bürokratie, wie es in der älteren Literatur entwickelt wurde, in Frage gestellt werden.

Für die Lokalgeschichtsschreibung tut sich hier ein weites Forschungsfeld auf, wie sich am Beispiel der Edelmetallabgabe zeigen lässt, die Juden 1939 aufgezwungen worden war. Binnen zweier Wochen hatten sie alle Gegenstände aus Silber und anderen Wertmetallen in den städtischen Pfandleihhäusern abzulie- fern. Der Ankauf war ein verkappter Raub, denn gezahlt wurden lediglich zwei Pfennig pro Gramm Silber. Diese zentrale, organisatorisch aufwändige Verfolgungsmaßnahme wurde nicht von der Partei oder der Gestapo, sondern von den Kommunen ausgeführt. In rund 60 kommunalen Pfandleihanstalten im Reich wurden so genannte öffentliche Ankaufstellen eingerichtet, in denen Verwaltungsmitarbeiter die abgege- benen Gegenstände registrierten, ihren Wert abschätzten, den Juden eine geringe Entschädigung dafür auszahlten, die Gegenstände einschmelzen ließen, versteigerten oder an eine zentrale Stelle nach Berlin weiterleiteten. Die Leihämter schickten insgesamt 135 Tonnen Silber und 1,3 Tonnen Gold an die Schmelzanstalten. Die Gesamteinnahmen der öffentlichen Ankaufstellen für Wertsachen von Juden werden mit reichsweit mit rund 54 Millionen RM beziffert.

Andere Verfolgungsfelder in der lokalgeschichtlichen Darstellung

Auch andere Verfolgungsfelder fehlen in vielen lokalgeschichtlichen Darstellungen, so auch in Gelsen- kirchen. Letztlich ließe sich über die erwähnten Beispiele hinaus anhand jedes beliebigen kommunalen Amtes die Mitwirkung der Städte an der NS-Verfolgungspolitik dokumentieren:

Die Personalämter entließen nach dem Berufsbeamtengesetz Mitarbeiter aus politischen und rassischen Gründen.
Die Sportämter beschlagnahmten die Sportanlagen von jüdischen Vereinen und der Arbeiterbewegung.
Die Gartenverwaltungen vertrieben Juden aus den öffentlichen Grünanlagen.
Die Statistischen Ämter ermittelten die Anzahl von Juden und "Mischlingen" im Stadtgebiet in Zusammenarbeit mit der Geheimen Staatspolizei.
Die Einwohnerämter führten Suchkarten des Gesundheitsamtes für Geschlechtskranke.
Die Wohlfahrtsämter lieferten Informationen in Sterilisations- sowie Ehegesetzgebungsverfahren und waren an der Verfolgung von "Asozialen" beteiligt.
Die Standesämter arbeiteten bei der Umsetzung der Ehegesetzgebung mit den Gesundheitsämtern Hand in Hand.
Die Stadtarchive lieferten Material zur "Sippenforschung".
Die Schulämter gaben Beurteilungen von Hilfsschülern zur Verwendung in Sterilisationsverfahren weiter und schlossen jüdische Kinder vom Unterricht aus.
Die Wohnungsämter vertrieben Juden, Sinti und Roma aus ihren Wohnungen und bereiteten Deportationen vor.
Die Fürsorgebehörden schlossen Juden von Sozialleistungen aus.
Die Oberbürgermeister genehmigten in vielen Kommunen die "Arisierungen" von Einzelhandelsgeschäften.
Die Grundstücksämter kauften Immobilien von jüdischen Eigentümern, die auswandern mussten oder deportiert wurden.
Die Kämmereien verbuchten das "arisierte" Vermögen in den städtischen Haushalten.
Die Bauämter organisierten die städtischen Kriegsgefangeneneinsätze.
Die Wirtschafts- und Ernährungsämter waren für die Lebensmittelrationierung für sämtliche Einwohner zuständig - inklusive der Juden sowie der Insassen in Gefängnissen, Gefangenen- und Konzentrationslagern. Kaum eine Behörde verfügte über einen solch umfassenden Überblick über das NS-Lagersystem.

Die Liste ließe sich fortsetzen. War es in Gelsenkirchen anders? Nein, davon ist nicht auszugehen. Exemplarisch sei hier der "Ankauf" eines Hauses an der Klosterstraße 21 durch die Stadt Gelsenkirchen erwähnt, das sich im Besitz des jüdischen Arztes und Unternehmers Friederich Moritz Levisohn befand. Levisohn, der sich ab 1946 Fritz Lening nannte, musste sich in einem Rückerstattungsverfahren nach dem Krieg sein Eigentum zurückholen.

Vorstehend sind beispielsweise die jeweiligen Leiter der einzelnen Ämter innerhalb der Stadtverwaltung namentlich aufgführt - Wer war wann in welche Entrechtungs- und Verfolgungsmaßnahmen involviert? Den Kommunen bleibt viel Arbeit, wenn sie ihre Mitwirkung an der NS-Verfolgungspolitik aufarbeiten wollen. Dabei darf sich der Blick nicht nur auf das antidemokratische und rassistische Verwaltungshandeln vor 1945 beschränken, dazu gehören auch erste Formen des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit, etwa Fragen der Entnazifizierung, die Entschädigung Betroffener oder auch die Wiedereingliederung "belas- teter" Beamter.

Drittes Reich in Gelsenkirchen

Sitzung der Gelsenkirchener Ratsherren im Saal des Hans-Sachs-Hauses während des "Dritten Reiches".. Foto: STDA GE (Foto Müller)


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. August 2017.

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