STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

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Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)

Die Anfänge in Gelsenkirchen

Die erste Gelsenkirchener Ortsgruppe der NSDAP entstand 1923 in Resse. Nach einer Selbstdarstellung der Nationalsozialisten von 1934 war sie auch die "Geburtsstätte des Nationalsozialismus im Gau Westfa- len-Nord". Als Anführer muss der damalige Schlosser und spätere stellvertretende NSDAP-Gauleiter Peter Stangier betrachtet werden. Zu der Gruppe fanden insbesondere jüngere Arbeiter und Handwerker, die der übersteigerte Nationalismus und das militärische Gepräge anzogen.

Die von übersteigertem Nationalismus und rassistischem Gedankengut angetriebenen Männer im Raume Buer - neben Resse beispielsweise auch in Scholven, Hassel und Buer-Mitte - sammelten sich zunächst noch in verschiedenen rechtsradikalen und völkischen Gruppierungen. Teilweise bestand auch Kontakt zur NSDAP. Nach dem Münchener "Hitlerputsch" (8./9. November 1923) arbeiteten diese nunmehr verbotenen Gruppen illegal oder unter anderem Namen weiter. als "Völkisch-Sozialer Block" trat ein Wahlbündnis von nationalistischen und völkischen Gruppierungen zu den Wahlen im Jahr 1924 an.

Mit rassistischer Propaganda wandte diese Organisation sich an die Gelsenkirchener Bevölkerung. Dem "Völkisch-Sozialen Block" gelang es, bei den Stadtverordnetenwahlen im Mai 1924 im damals noch selbst- ständigen Buer, einen Kandidaten durchzubringen. Nach dem "Hitler-Putsch" war die NSDAP verboten worden. Nach Aufhebung des Verbotes 1925 erfolgte die Wiedergründung der NSDAP in Gelsenkirchen und Buer im August 1925.

In dieser Frühphase der Gelsenkirchener NSDAP referierten führende Nationalsozialisten wie Joseph Goebbels oder Gregor Strasser vor zumeist noch wenig Interessenten. In der NSDAP organisierten sich zunächst überwiegend extrem nationalistisch eingestellte Männer. Trotz der gegen die Emanzipation gerichteten NS-Propaganda traten auch Frauen in die NSDAP ein. Sie beteiligten sich bspw. als NS-Frauenschaftsführerinnen an Propagandaveranstaltungen im Reichstagswahlkampf 1928.

Die Propaganda- und Schulungsarbeit der NSDAP hatte durchaus einigen Erfolg. Mit Fahrrädern ging man auch auf Propagandafahrt in die Umgebung. Ab 1928 veranstalteten die NSDAP-Ortsgruppen Buer, Resse und Scholven diese Fahrten. dabei warben sie auch in der näheren Umgebung Mitglieder für ihre Partei. Am 4. April 1929 bezeichnete der Recklinghäuser Polizeipräsident die neugebildete Gesamtstadt Gelsen- kirchen mit 350 Nationalsozialisten als "führend" innerhalb des NSDAP-Bezirks Emscher-Lippe, der insge- samt 631 Mitglieder zählte. Ende der 1920er Jahre glich die lokale NSDAP ihre Organisationsstruktur der 1928 aus Buer, Horst und Gelsenkirchen neu gebildeten Großstadt an. Die Mitglieder wurden jetzt in einer Ortsgruppe "Groß-Gelsenkirchen" zusammengefasst. Die Führung der neuen Ortsgruppe übernahm Dr. Alfred Meyer.

Ein erster Erfolg der Gelsenkirchener NSDAP stellte sich bei der am 17. November 1929 durchgeführten Stadtverordnetenwahl ein. Sie konnte ihren Stimmanteil gegenüber den Wahlen des Jahres 1928 verdop- peln und errang erstmals ein Mandat im Rat der Stadt. Die dadurch gebotenen Möglichkeiten nutzte die NSDAP. Demagogisch polemisierte sie gegen die "Systemparteien". Und das zeigte in der beginnenden Weltwirtschaftskrise bald Erfolge: So betrug zum Jahreswechsel 1929/30 die Mitgliederzahl im gesamten Gau Westfalen 3.500 Personen. bis zum 1. September verdreifachte sie sich und stieg auf 11.500. Es wurden die Gaue Westfalen-Süd und Westfalen-Nord geschaffen. Die Leitung des Gaus Westfalen-Nord fiel dem Gelsenkirchener Nationalsozialisten Dr. Alfred Meyer zu.

Mit dem aus Gelsenkirchen stammenden Gauleiter an der Spitze verstärkte der NSDAP-Gau Westfalen-Nord in den krisengeschüttelten 1930er Jahren seine Propaganda-Aktivitäten. Zu einer Großveranstaltung des Gaues am 18. Oktober 1931 erschien auch der "Führer" der NSDAP, Adolf Hitler, und sprach vor Zehntausenden Nationalsozialisten. die Geschäftsführung des neugeschaffenen NSDAP-Gaus Westfalen-Nord blieb zunächst zusammen mit der Geschäftsstelle der Ortsgruppe Gelsenkirchen und der des Bezirks Emscher-Lippe in Gelsenkirchen. Anfang November 1931 zog man in das Haus Hochstraße 48, der heu- tigen Hauptstraße. Die Gelsenkirchener Nationalsozialisten blieben hier bis zum Kriegsende. Die Gaulei- tung zog im Oktober 1932 endgültig nach Münster. In Anlehnung an die Münchener Parteizentrale erhielt das Gelsenkirchener Parteihaus die Bezeichnung "Braunes Haus" und als zweiten Namen "Ludwig-Knick- mann-Haus" in Erinnerung an diesen "Märtyrer der Bewegung".

Baustein für die Vereinigung Soziales Heim über 3 Reichsmark.

Abb.: Unterstützung für die NSDAP in Höhe von 3 Reichsmark - Gelsenkirchen, Oktober 1932 Gau Westfalen-Nord der NSDAP

Zeitgleich hatten die Gelsenkirchener National- sozialisten eine Vereinigung mit der Bezeichnung "Soziales Heim" gegründet. Die Vereinigung war als Einrichtung zur "Unterstützung unmittelbarer Partei- mitglieder" gedacht. Mit der Einrichtung des "Sozia- len Heims" wirkte die Gelsenkirchener NSDAP in die Kreise der immer mehr von der Weltwirtschafts- krise und von Arbeitslosigkeit getroffenen Arbeiter- schaft Gelsenkirchens.

Als Form der Spende wurden "Bausteine" verkauft, um die Einrichtung zu finanzieren. Die Gelsenkir- chener NSDAP wie die Partei insgesamt finanzierte sich überwiegend selbst. Aber es flossen auch nen- nenswerte Spenden von Großindustriellen in die Kassen der NSDAP. Ein früher Förderer der National- sozialisten war neben Fritz Thyssen und Friederich Flick auch der Generaldirektor der Gelsenkirchener Bergwerks-AG Emil Kirdorf. Dennoch kann von einer großangelegten Unterstüzung der Nazi-Partei seitens der Industrie vor 1933 nicht die Rede sein.

Die Gelder für die aufwendig und "modern" geführten Wahlkämpfe stammten größtenteils von "Mittelständ- lern", aus Mitgliedsbeiträgen, aus Eintrittsgeldern für NSDAP-Veranstaltungen und aus dem Verkauf von Werbematerial. Nach Selbstdarstellung der Gelsenkirchener NSDAP erhielt die Partei verdeckt Spenden aus der Geschäftswelt und dem örtlichen Mittelstand. Diese Unterstützer wollten nicht öffentlich in Erschei- nung treten.

Vgl. hierzu auch: Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Katalog zur Dauerausstellung. Essen, 2000.


 A. Paul Weber, Deutsches Verhängnis, 1931/1932

Abb.: A. Paul Weber (1893-1980, Hitler - Deutsches Verhängnis, 1931/1932


Der Aufstieg der NSDAP in Gelsenkirchen

Die Anfänge der NSDAP in Gelsenkirchen und Buer sind nicht mehr exakt zu datieren. Einige Indizien deuten darauf hin, dass bereits vor dem reichsweiten Parteiverbot 1923 nationalsozialistische Ortsgruppen in beiden Städten existierten, es bleibt jedoch unklar, ob diese tatsächlich der NSDAP oder vielmehr einer der rechtsradikalen Vorläuferorganisationen wie dem DVST zuzuordnen waren. Feststehen dürfte aller- dings, dass Organisationen wie der bereits 1919 gegründete DVST oder der „Völkisch soziale Block" ein organisatorisches Sprungbrett für die sich entwickelnde NSDAP bildete, zumal einige spätere Parteiprota- gonisten hier ihre politischen Wurzeln hatten. Als besonders prominente Aktivisten der Rechtsradikalen vor 1925 in Gelsenkirchen und Buer sind in diesem Zusammenhang der spätere Gauleiter von Düsseldorf Fritz Florian, der spätere SA-Stabschef Viktor Lutze sowie der spätere Vize-Gauleiter und städtische Beigeord- nete Peter Stangier zu nennen.

Feste organisatorische Strukturen lassen sich für die NSDAP indes erst nach Neugründung der Partei auf Reichsebene 1925 nachweisen, wenngleich es der NSDAP in Buer und Gelsenkirchen in dieser Zeit nie gelang, den Status einer mehr oder minder rührigen Splittergruppe zu überwinden. Selbst im Frühjahr 1929 hatte die Partei (nach Angaben des Recklinghäuser Polizeipräsidiums) innerhalb der gesamten Stadt nicht mehr als 350 Mitglieder. Der eigentliche politische Aufschwung der NSDAP setzte in Gelsenkirchen (wie auch auf Reichsebene) um die Jahreswende 1929/30 ein. Vor Ort ist dieser Aufschwung eng mit dem Erscheinen des späteren Gauleiters Dr. Alfred Meyer auf der politischen Bühne verbunden. Meyer über- nahm 1928 den Posten des Ortsgruppenleiters für Gelsenkirchen und trat 1929 die Nachfolge von Fritz Florian als Bezirksführer Emscher-Lippe an. In dieser Zeit intensivierte die Partei ihre propagandistischen Aktivitäten und konnte am 17.11.1929 einen ersten Wahlerfolg erzielen. Bei den Stadtverordnetenwahlen verdoppelte die NSDAP mit 2.675 Stimmen ihr Wahlergebnis des Vorjahres und erlangte erstmalig ein Mandat im Rat. Meyer nutzte die neugewonnene Öffentlichkeit zu Propagandazwecken, indem er die Verwaltungsspitze ausgiebig mit ungerechtfertigten Korruptionsvorwürfen konfrontierte.

Ein durch die Fraktionsgemeinschaft mit der Evangelischen Vereinigung erlangter Sitz im Rechnungs- prüfungsausschuss, der vom späteren Oberbürgermeister Carl Böhmer wahrgenommen wurde, war für Meyers Kampagne insofern von Nutzen, als er zwar nicht zum Sturz der verantwortlichen Beamten, wohl aber zu einer gewissen öffentlichen Aufmerksamkeit für die Partei führte.Diese versuchte die NSDAP nun auch durch verstärkte Werbung, politische Versammlungen und offene Konfrontationen auf der Straße, vor allem mit den Kommunisten, zu erlangen. In der Folgezeit stiegen die Mitgliederzahlen spürbar an. Zwar sind für die Stadt keine exakten Angaben überliefert, doch deutet die immer stärkere Ausdifferenzierung der Parteiorganisation auf eine rasch wachsende personelle Basis hin.

Die Ortsgruppe "Groß-Gelsenkirchen" wurde in die Ortsgruppen "Gelsenkirchen" und Buer" umgewandelt, und Anfang 1931 wurde der Gau in "Westfalen-Süd" und „Westfalen-Nord" aufgeteilt. Die Gauleitung von Westfalen-Nord übernahm Meyer, der inzwischen Reichstagsabgeordneter der NSDAP geworden war und sein Stadtverordnetenmandat in Gelsenkirchen niedergelegt hatte. Sitz der Gauleitung wurde zunächst Gelsenkirchen, und Meyer berief einige alte Mitstreiter aus der Stadt in seinen Gaustab, unter anderem den späteren Oberbürgermeister Böhmer als Vorsitzenden des Gau-Untersuchungs- und Schlichtungs- ausschusses (USchlA). Erst im Herbst 1932 verließ die Gauleitung Gelsenkirchen und siedelte ins Verwal- tungszentrum Münster über. Parallel dazu wurde die Gauuntergliederung nach Bezirken aufgelöst und durch Kreise ersetzt. Gelsenkirchen bildete von nun an einen eigenen Parteikreis mit insgesamt dreizehn Ortsgruppen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Parteiorganisation vor Ort weiter ausdifferenziert, ohne dass genaue Zahlenangaben überliefert sind.

Neben die SA, die in Gelsenkirchen und Buer bereits seit den 1920er Jahren existierte, traten nun andere Parteinebenorganisationen wie die NS-Frauenschaft oder der NS-Schülerbund. Trotz dieses bemerkens- werten organisatorischen Aufstiegs der Partei innerhalb weniger Jahre konnten die Gelsenkirchener Natio- nalsozialisten bei freien Wahlen in keinem Fall die durchschnittlichen Wahlergebnisse der NSDAP auf überlokaler Ebene erreichen. In der ersten regionalen Wahl nach der Städtevereinigung, der Wahl zum Provinzial-Landtag 1929, war die Diskrepanz von weniger als einem Prozentpunkt angesichts eines allge- mein niedrigen Wahlergebnisses noch relativ gering. Doch bereits bei der Reichstagswahl vom 14.9.1930, bei der die NSDAP reichsweit erstmals erdrutschartige Gewinne erzielen konnte, zeigte sich die Schwäche der Gelsenkirchener Parteisektion — sie blieb mit gut 10% der Stimmen um fast acht Prozentpunkte unter dem Reichsdurchschnitt. Dieser Trend blieb bei allen folgenden Wahlen erhalten.

Ihr bestes Ergebnis vor 1933 erzielte die Partei in Gelsenkirchen bei den preußischen Landtagswahlen im April 1932 mit 24,5%. Der Landesdurchschnitt betrug indes 36,3%. Bei den letzten freien Reichstags- wahlen im November 1932 fiel der Stimmenanteil der NSDAP dann bereits wieder unter die Marke von 20%. Die Ursachen für die relative Schwäche der NSDAP vor Ort lassen sich vor allem auf die hohe Stabilität der drei anderen dominierenden politischen Parteien in der Stadt zurückführen: der KPD, des Zentrums und der SPD. Bei der ersten gesamtstädtischen Wahl, der Stadtverordnetenwahl vom 20. Mai 1928, hatte die KPD 24,3% der Stimmen erhalten. In den Wahlen der nächsten Jahre konnte sie dieses Ergebnis zumindest beibehalten und schaffte es bei den beiden Reichstagswahlen 1932 sogar, die Dreißigprozentmarke zu überschreiten. Als ähnlich stabil erwies sich die Wählerbasis des Zentrums. Das Zentrum hatte bei den Stadtverordnetenwahlen 1928 22,6% erreicht — ein Stimmenanteil, der sich in den folgenden Jahren leicht erhöhte und danach wieder etwa auf den Ausgangswert zurückging, ohne dass insgesamt wirklich nennenswerte Veränderungen zu verzeichnen gewesen wären.

Auch die SPD, die in Gelsenkirchen im Vergleich zur KPD traditionell schwach vertreten war, verlor zwischen 1929 und 1933 nur geringfügig und erzielte regelmäßig Ergebnisse zwischen 11,5 und 14,2% der Stimmen. Drastische Verluste mussten in Gelsenkirchen dagegen die Vertreter der bürgerlich-liberalen Parteien und der kleineren Interessensparteien hinnehmen. Die DDP war in der Stadt von Anfang an nur als Splitterpartei vertreten, während die DVP zwischen 1928 und 1933 von einem Stimmenanteil von fast 11% bei den Kommunalwahlen 1929 auf unter 2% bei der Reichstagswahl am 31.7.1932 abrutschte. Nicht besser erging es dem Evangelischen Volksdienst und der Wirtschaftspartei, die von maximal 5,7% bzw. 6,8% schnell in die völlige Bedeutungslosigkeit absanken. Allein die DNVP konnte aus dem bürgerlichen-nationalen Lager ihre schwache Position halten. Der Schluss liegt daher nahe, dass sich die nationalsozia- listische Wählerschaft in Gelsenkirchen vorwiegend aus einem bürgerlich-protestantischen Lager rekrutier- te, das anders als der Katholizismus oder die sozialistische Arbeiterschaft über keine festgefügten Milieu- organisationsformen verfügte.

Einen methodisch abgesicherten Einblick in die Wählerstrukturen der NSDAP vor Ort zu gewinnen, erweist sich jedoch als außerordentlich schwierig. Denn zum einen lässt die ausschließliche Betrachtung von Stimmengewinnen oder Verlusten noch keinen sicheren Rückschluss auf die Binnenwanderungen von Wählerschichten zu, zum anderen ergibt sich das quellentechnische Problem, dass ausreichend diffe- renzierte Statistiken zum Wahlverhalten der verschiedenen Bevölkerungsschichten nicht existieren.

Für Gelsenkirchen liegen nur zwei Untersuchungen vor, die versuchen, ein ausdifferenziertes Bild zu zeichnen. Jürgen Pastowski analysiert die Wahlen zwischen 1924 und 1930 und stellt im Hinblick auf die NSDAP fest, dass sie in Stadtteilen mit hohem Arbeiteranteil tendenziell schwach vertreten war und über- durchschnittliche Ergebnisse vor allem in Vierteln mit hohem Beamten-, Angestellten- oder freiberuflichem Bevölkerungsanteil erzielte. Thomas Schwarzer analysiert das Wahlverhalten der Buerschen Industriear- beiterschaft auf der Ebene der Wahlstimmbezirke. Angesichts der schmalen zur Verfügung stehenden Datenbasis kommt er zu dem Ergebnis, dass die NSDAP in Buer auch in der Arbeiterschaft über eine gewisse, zahlenmäßig allerdings nicht exakt festzustellende Anhängerschaft verfügte: "Auch in Buer waren [...] Arbeiterbezirke nicht notwendigerweise Diasporagebiete der Parteien des rechten Lagers. Lediglich in sieben der 19 untersuchten Stimmbezirke schnitten die Parteien der Rechten bei der Landtagswahl [1932, C. S.] unterdurchschnittlich ab. [...] Die Frage nach dem Grad, in welchem die Arbeiterschaft in diesen Stimmbezirken der Rechten ihre Stimme gegeben hatte, ist aufgrund der kleinen Datenbasis statistisch nicht zu beantworten.

Fügt man die Ergebnisse der beiden Untersuchungen thesenartig zusammen, so kann man vermuten, dass die NSDAP in Gelsenkirchen vor allem in bürgerlich-mittelständisch geprägten Stadtvierteln Zuspruch erhielt, darüber hinaus aber auch über ein nicht unbedeutendes Wählerpotential in der Arbeiterschaft verfügte, auch wenn die Milieubindungen der Mehrzahl der Arbeiter intakt blieben. Diese These, dass die NSDAP nicht nur als Sammelbecken für die ehemaligen Wähler eines bürgerlichen Mittelstandsmilieus fungierte, deckt sich mit den neueren Forschungen zur Sozialstruktur der Partei und ihrer Wählerschaft.

Die NSDAP war eine schichten-und konfessionsübergreifende Sammlungsbewegung, die zwar über be- stimmte Schwerpunkte innerhalb ihrer Wählerschaft verfügte, jedoch als "erste moderne Integrationspartei" keine einseitige Interessenpolitik bestimmter Bevölkerungsgruppen propagierte und gerade deshalb eine relativ breite Wählerschaft ansprechen konnte: "Vor 1933 war die NSDAP sowohl eine Partei des Mittel- standsextremismus als auch der radikalisierten Unpolitischen aller Couleur und sozialen Herkunft, sowohl Heils- als auch Protestbewegung."

Quelle: Christoph Schmidt, Nationalsozialistische Kulturpolitik im Gau Westfalen-Nord, Regionale Strukturen und lokale Milieus (1933-1945), 2006, Paderborn. S.108-112


Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) in Gelsenkirchen

( Hinweis: Die nachfolgende Listung gibt den personellen Stand Ende 1938 wieder)

Politische Leitung

Kreisleitung Emscher-Lippe, Gelsenkirchen, Dietrich-Eckart-Straße 3
        Kreisleiter Pg. Scholdra, Gelsenkirchen, Kaiserstraße 37

Kreisgeschäftsführung: Kreisamtsleiter Pg. Struchtrupp
Kreisorganisationsamt: Kreisamtsleiter Pg. Kappe
Kreispersonalamt: Kreisamtsleiter Pg. Hanewinkel
Kreiskassenleiter: Kreisamtsleiter Pg. Göllner
Kreispropagandamt: Kreisamtsleiter Pg. Bunse
Kreisschulungsamt: Kreisamtsleiter Pg. Eggers
Kreispresseamt: Kreisamtsleiter Pg. Zink
Amt für Volkswohlfahrt, Schalker Straße 2, Kreisamtsleiter Pg. Hagemann
Amt für Volksgesundheit, Dietrich-Eckart-Straße 7, : Kreisamtsleiter Pg. Elverfeld
Amt für Erzieher, Kreisamtsleiter Pg. Theegarten
Amt für Beamte, St.-Georgs-Haus, Kreisamtsleiter Pg. Drawert
Kommunalamt, Städt. Sparkasse, Kreisamtsleiter Pg. Klosner
Amt für Kriegsopfer, Heysestraße 1, Kreisamtsleiter Pg. Tormann
Amt für Technik, Gladbeck, Rathaus, Kreisamtsleiter Pg. Schiffmann
Amt für Agrapolitik, Gladbeck, Landstraße 145, Kreisamtsleiter Pg. Erkens
Rassepolitisches Amt, Buer, Beckeradstraße 34, Kreisamtsleiter Pg. Ullrich
Rechtsamt, Amtsgericht, Kreisamtsleiter Pg. Pieper
Wirtschaftsberatung, Vohwinkelstraße 38, Kreisamtsleiter Pg. Hackemann
Handel und Handwerk, Gladbeck, Kirchstraße, Kreisamtsleiter Pg. Weghaus
Kulturhauptstelle, Buer, Cranger Str. 39, Kreisamtsleiter Pg. Fritz

Ortsgruppen der NSDAP

Buer-Beckerad, Horster Str. 95, Ortsgruppenleiter Pg. Joswig
Buer-Beckhausen, Frauenstr. 2, Ortsgruppenleiter Pg. Böhm
Buer-Bergmannsglück, Mühlenstr. 83, Ortsgruppenleiter Pg. Burcherjeiser
Buer-Erle, Cranger Str. 323, Ortsgruppenleiter Pg. Nickel
Buer-Ewald, Arminiusstr. 17, Ortsgruppenleiter Pg. Suchowitz
Buer-Forsthaus, Cranger Str. 323, Ortsgruppenleiter Pg. Seppmann
Buer-Hassel, Polsumer Str. 210a, Ortsgruppenleiter Pg. Kasper
Buer-Hugo, Horster Str. 95, Ortsgruppenleiter Pg. Raetz
Löchterheide-Buer, Nienhofstr., Ortsgruppenleiter Pg. Tente
Buer-Middelich, Woltmannstr. 1, Ortsgruppenleiter Pg. Pfaff
Buer-Mitte, de-la-Chevallerie-Str. 23, Ortsgruppenleiter Pg. Kappe
Buer-Oberscholven, Mentzelstr. 10, Ortsgruppenleiter Pg. Brassart
Buer-Resse, Zum Markt 9, Ortsgruppenleiter Pg. Lenz
Buer-Schloven, Bülsestr. 90, Ortsgruppenleiter Pg. Erlemann
Gelsenkirchen-Achternberg, Admiral-Scheer-Str. 5, Ortsgruppenleiter Pg. Riegelmann
Gelsenkirchen-Aschenbruch, Ückendorfer Str. 113, Ortsgruppenleiter Pg. Claus
Gelsenkirchen-Altstadt, Dietrich-Eckart-Str. 24, Ortsgruppenleiter Pg. Rodat
Gelsenkirchen Am Rundhöfchen, Dietrich-Eckart-Str.24, Ortsgruppenleiter Pg. Kruczinski
Gelsenkirchen-Bismarck-Ost, Bismarckstr. 270, Ortsgruppenleiter Pg. Maletz
Gelsenkirchen-Bismarck-West, Bismarckkolonie 36, Ortsgruppenleiter Pg. Peter Tanz
Gelsenkirchen-Braubauerschaft, Bismarckstr. 242, Ortsgruppenleiter Pg. Piasta
Gelsenkirchen-Bulmke, Hertastr. 14, Ortsgruppenleiter Pg. Niermann
Gelsenkirchen-Dahlbusch, Karl-Meyer-Str. 64, Ortsgruppenleiter Pg. Siebrecht
Gelsenkirchen-Feldmark, Andreas-Bauriedel-Str. 6, Ortsgruppenleiter Pg. Autthun
Gelsenkirchen-Haus-Goor, Haldenstr. 70, Ortsgruppenleiter Pg. Renn
Gelsenkirchen-Heimgarten, Franz-Seldte-Str. 71, Ortsgruppenleiter Pg. Ehlers
Gelsenkirchen-heinrichsplatz, Schultestr. 12, Ortsgruppenleiter Pg. Meyer
Gelsenkirchen-Heßler, Fersenbruch 22, Ortsgruppenleiter Pg. Raffelt
Gelsenkirchen-Horst-Nord, Industriestr. 44, Ortsgruppenleiter Pg. Guthoff
Gelsenkirchen-Horst-Mitte, Markenstr. 2, Ortsgruppenleiter Pg. Hottenroth
Gelsenkirchen-Horst-Süd, Devenstr. 135, Ortsgruppenleiter Pg. Bock
Gelsenkirchen-Hüllen, Erichstr. 9, Ortsgruppenleiter Pg. Tschmarke
Gelsenkirchen-Hüllerbruch, Germanenstr. 23, Ortsgruppenleiter Pg. Beckeradstraße
Gelsenkirchen-Luthenburg, Ueckendorfer Str. 26, Ortsgruppenleiter Pg. Nickel
Gelsenkirchen-Möntingplatz, Martin-Faust-Str. 1, Ortsgruppenleiter Pg. Kosuch
Gelsenkirchen-Neustadt, Bochumer Str. 36, Ortsgruppenleiter Pg. Wennemacher
Gelsenkirchen-Ottilienau, Flöz Sonnenschein, Ortsgruppenleiter Pg. Raphael
Gelsenkirchen-Rotthausen-Ost, Rotthauser Str. 97, Ortsgruppenleiter Pg. Lichte
Gelsenkirchen-Rotthausen-West, Admiral-Scheer-Str. 5, Ortsgruppenleiter Pg. Kamin
Gelsenkirchen-Schalke, Schalker Markt 2, Ortsgruppenleiter Pg. Abel
Gelsenkirchen-Schalke-Ost, Bismarckstr. 168, Ortsgruppenleiter Pg. Bork
Gelsenkirchen-Schalke-Süd, Idastr. 16, Ortsgruppenleiter Pg. Ehlen
Gelsenkirchen-Sellmannshof, Bismarckstr., Ecke Oststr., Ortsgruppenleiter Pg. Malinowski
Gelsenkirchen-Ueckendorf, Bochumer Str. 89, Ortsgruppenleiter Pg. Leisels
Gelsenkirchen-Wiehagen, Bockermühlstr. 15, Ortsgruppenleiter Pg. Ternow
Gelsenkirchen-Wiese, Königstr. 2, Ortsgruppenleiter Pg. Dworak
Gelsenkirchen-Wildenbruch, Schultestr. 12, Ortsgruppenleiter Pg. Goldmann

Gliederungen der NSDAP

SA-Standarte 137 "Ludwig-Knickmann", Dietrich-Eckart-Str. 9/11, SA-Standartenführer SA-Oberführer Jackstien
SA-Sturmbann III/237, Dietrich-Eckart-Str. 9/11
SA-Marinesturmbann II/52, Buer, Cranger Str. 190
SA-Sturm 14/137, Wanner Str. 45
SA-Reitersturm 3/70, Buer, Horster Str. 182
SA-Motorsturm 27/M 66, Heysestr. 1
SA-Sanitätssturm 137, von-der-Pfordten-Str. 24
Hitler-Jugend, von-Richthofen-Str. 23
        Bann 228, Buer, Springestr. 44
        Hauptverwaltung, Ahstr. 7
Bund deutscher Mädel, Untergau 251, Dietrich-Eckart-Str. 5
NS-Frauenschaft, Kreisamtsleitung, Dietrich-Eckart-Str. 3
        Mütterschule Horst, Buerer Straße 3
        Mütterschule Gelsenkirchen, Kaiserstr. 44

Angeschlossene Verbände

Die Deutsche Arbeitsfront, Kreisverwaltung Gelsenkirchen, Dietrich-Eckart-Str. 7, Kreisamtsleiter Pg. Schlechter
Verwaltungsstelle Augustastr. 18
NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude, Horster Str. 59
NS-Volkswohlfahrt, Kreisamtsleitung Schalker Str. 2
        Ortsgruppe Altstadt, Königstr. 2
        Ortsgruppe Aschenbruch, Dessauerstr. 12
        Ortsgruppe Bismarck, Marienstr. 50
        Ortsgruppe Bismarck-West, Bismarck-Kolonie 36
        Ortsgruppe Bulmke, Bulmker Str. 21
        Ortsgruppe Feldmark, Andreas-Bauriedel-Str. 6
        Ortsgruppe Heßler, Kanzlertsr. 40
        Ortsgruppe Horst-Nord, Hochstr, 17
        Ortsgruppe Horst-Süd, Nordsternstr. 7
        Ortsgruppe Hüllen, Vandalenstr. 17
        Ortsgruppe Neustadt, Bochumer Str. 36
        Ortsgruppe Rotthausen-Ost, Rotthauser Markt 11
        Ortsgruppe Rotthausen-West, Admiral-Scheer-Str. 5
        Ortsgruppe Schalke, Schalker Markt 2
        Ortsgruppe Schalke-Ost, Heerstr. 2
        Ortsgruppe Ueckendorf, Dessauerstr. 12
        Ortsgruppe Wiese, Königstr. 2
        Ortsgruppe Wildenbruch, Auf dem Graskamp 9
        Ortsgruppe Buer-Mitte, Ludwig-Knickmann-Str.
        Ortsgruppe Buer-Hugo, Essener Str. 96
        Ortsgruppe Buer-Beckhausen, Frauenstr. 2
        Ortsgruppe Buer-Erle, Cranger Str. 14
        Ortsgruppe Buer-Hassel, Mährfeldstr. 7
        Ortsgruppe Buer-Resse, Manusstr.
        Ortsgruppe Buer-Scholven, Feldhauser Str. 222
NS-Kriegsopferversorgung, Kreismatsleitung, Heysestr. 1
NS-Ärztebund, Dietrich-Eckart-Str. 7
NS-Lehrerbund Kreiswaltung, Dietrich-Eckart-Str. 3
        Kreiswaltung Buer, Nienhoffstr. 2

Quelle: Adressbuch Stadt Gelsenkirchen, Ausgabe 1939


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. August 2017.

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