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Kurt Klemm

Der Jurist Kurt Klemm war bis 1931 Mitglied der DVP und trat 1931 der NSDAP bei. Klemm war am 26. 4. 1933 von Göring zum Polizeipräsidenten von Recklinghausen ernannt worden und erhielt am 1. Februar 1935 die definitive Ernennung zum Regierungspräsidenten von Münster. Im Oktober 1941 wurde er auf Anforderung von Alfred Meyer zum Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete versetzt und zum Generalkommissar von Shitomir und später von Wolhynien-Podolien (Brest-Litowsk) in der Ukraine ernannt. In Shitomir hat er ab November 1941 die Ghettoisierung der ca. 50 000 noch verbliebenen Juden, die den vorausgegangenen Ermordungsaktionen durch die Einsatzkräfte der SS im Generalkommissariat Shitomir entkommen waren, in verantwortlicher Stellung organisiert. Er trug somit die Verantwortung für die Ausraubung und den Tod ungezählter ukrainischer Juden. Er stellte im August 1942 den Antrag auf Verset- zung in den einstweiligen Ruhestand, der auch genehmigt wurde. Noch bis 1944 arbeitete er in der Wirt- schaft und wurde für die letzten Kriegsmonate zur Wehrmacht einberufen. Nach Ende des Krieges wurde er bis 1947 interniert. Seit 1950 lebte Klemm aber unbehelligt als Regierungspräsident a. D. in Münster und starb am 22. November 1973 im Alter von 80 Jahren.

2008 wurde dann sein Porträt ebenso wie das von Günther Graf von Stosch aus der Galerie der Regie- rungspräsidenten im Regierungssitz der Bezirksregierung Münster aufgrund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit entfernt. Veranlasst wurde dies durch den Regierungspräsidenten Peter Paziorek. Er führte dazu aus: "Leider muss ich feststellen, dass das Verwaltungshandeln der Regierungspräsidenten von einer uneinge- schränkten Loyalität gegenüber dem NS-Regime im Allgemeinen und dem Gauleiter (gemeint ist Dr. Alfred Meyer) im Besonderen gekennzeichnet war."


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. August 2017.

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