STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

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Hugo Schmick

Geboren am 30. März 1909 in Gelsenkirchen als Sohn eines Ingenieurs und Wasserwerksdirektors. 1928 - 1934 Medizinstudium in Marburg, Greifswald und Göttingen, Staatsexamen im Sommer 1934, Promotion am 29. Mai 1935, Approbation am 15. Juli 1935, chirurgische Facharztqualifikation vermutlich erst nach 1945 zuerkannt. Zunächst Assistenzarzt am Knappschaftskrankenhaus in Gelsenkirchen bis zum 30. April 1936. Eintritt in die Allgemeine SS am 15. Mai 1933 (Nr. 84 693), nach Bewerbung als Truppenarzt in der „LSSAH" Eintritt in die SS-VT am 1. Mai 1936, höchster Dienstgrad SS-Obersturmbannführer (aktiv, seit 9. November 1942). NSDAP-Beitritt im Jahre 1935 (Nr. 3 681 138). Bewerbung für die SS-VT ausgelöst durch ein Zusammentreffen mit dem Reichsarzt-SS Grawitz, dem Schmick auf einem SS-Kameradschafts- abend durch seine Körpergröße als potentieller Truppenarzt für die „LSSAH" aufgefallen war. Ab dem 1. Mai 1936 bis zum 31. Oktober 1937 Truppenarzt bei der „LSSAH" am Standort Berlin, zwischen dem 1. August und dem 31. Oktober 1937 zur Grundausbildung nach Ellwangen kommandiert. Ab dem 1. November 1937 bis zum 1. Juli 1939 mit der Führung der Sanitätsstaffel SS-VT Dresden beauftragt und Truppenarzt des dortigen SS-Pionierbataillons, ab dem 1. Juli 1939 für den Einsatz am Standort Sachsenhausen zur Sanitätsabteilung der SS-Totenkopfstandarten/KL versetzt.

Ab dem 1. September 1939 dann offiziell zur 2. SS-Sanitätsstaffel SS-TV „Brandenburg" versetzt, dort bis mindestens November 1939 SS-Lagerchirurg sowie 1. Lagerarzt und an den Lost-Versuchen von Walter Sonntag beteiligt. Unter den Lagerinsassen als „Elefantenbaby" bekannt. Aus dem Lagerdienst resultiert die Freundschaft zu Rudolf Höss und dessen Familie sowie zu Max Peters. Der bei Ley/Morsch genannte Lagerdienst zwischen Mai 1939 und Oktober 1940 ist falsch datiert, da Schmick laut eigenem, glaubhaften Bekunden ab Spätherbst 1939 als Chirurg zur 3. SS-Panzerdivision „Totenkopf" versetzt wurde und nach Alzey kam. Mit diesem Verband Teilnahme am Westfeldzug. Ab dem 1. Oktober 1940 bis zum 15. Mai 1941 zur SS-Lazarettabteilung Hohenlychen kommandiert, dann ab dem 15. Mai 1941 bis zum 21. August 1942 erneuter Fronteinsatz und Teilnahme am Ostfeldzug bei der 2. SS-Infanterie-Brigade (mot). Ab dem 21. August 1942 bis zu einem unbekannten Zeitpunkt im SS-Lazarett (mot) in Dnjepropetrowsk, anschließend bis zum 17. Oktober 1943 Truppenarzt in der 5. SS-Panzerdivision „Wiking" und von dort am 5. Januar 1944 rückwirkend zum 17. Oktober 1943 zum SS-FHA versetzt und ab dem 18. Oktober 1943 bis zum 1. September 1944 zur Chirurgischen Universitätsklinik in Jena kommandiert. In dieser Stellung an Medizinversuchen im KL Buchenwald führend beteiligt.

Anschließend zwischen dem 1. September und dem 20. Dezember 1944 dritter Fronteinsatz als Truppen- arzt der 6. SS-Gebirgsdivision „Nord". In seiner letzten Dienststellung ab dem 20. Dezember 1944 bis zum Kriegsende als Chefarzt der Chirurgischen Abteilung im SS-Lazarett Garmisch-Partenkirchen und dort in Kriegsgefangenschaft geraten und nachfolgend bis 1948 interniert. Vom 21. Juli bis zum 21. September 1951 in Untersuchungshaft. Weil die Freiwilligkeit der Probanden nicht widerlegt werden konnte, wurde ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Duisburg wegen der Lost-Versuche am 25. Februar 1953 außer Verfolgung gesetzt. Ein Ermittlungsverfahren wegen Mordverdacht in den Lagern Sachsenhausen und Buchenwald wurde am 27. Januar 1960 mangels hinreichenden Tatverdachts von der Staatsanwalt- schaft München eingestellt. Nach dem Ende der Internierung am 30. Juni 1948 Verlegung des Wohnsitzes von Oranienburg nach Gräfelfing und dort bis 1981 als Facharzt für Chirurgie in eigener Privatklinik tätig. Am 19. Oktober 1982 in München-Pasing verstorben. Konfession: evangelisch, Kirchenaustritt vor Mai 1945: nein, verheiratet vor Mai 1945: ja, Kinder vor Mai 1945: 5.

Quelle: Marco Pukrop, M.A. "SS-Mediziner zwischen Lagerdienst und Fronteinsatz. Die personelle Besetzung der Medizinischen Abteilung im Konzentrationslager Sachsenhausen 1936 - 1945", Diss. Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover , 2015, S.568-569


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Juli 2017.

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