STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


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Die Dabeigewesenen - Gelsenkirchen

Ehepaar Franz u. Martha Salfeld

Nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald kehrte Herman Neudorf 1945 als einziger Überlebender seiner Familie nach Gelsenkirchen-Horst zurück. Die meisten seiner Freunde, Familienmitglieder und Verwandten waren ermordet worden, die jüdischen Gemeinden existierten nicht mehr.

Herman Neudorf erinnert sich: „Bei meiner Rückkehr [Anm. d. Verf.: aus Buchenwald Pfingsten 1945] wog ich grade 40 Kilogramm, war nur noch Haut und Knochen. Hätte das ganze noch einige Wochen länger gedauert - ich wäre verhungert. In der Hyppolitus-Schule in Horst fand ich Frau Salfeld. Unsere ehemalige Nachbarin aus der Markenstraße 19 hatte dort ein Notquartier. In der Nazi-Zeit hat sie uns mehrfach bei der Gestapo angezeigt. Unaufgefordert war sie nun sofort bereit, mir die in der "Kristallnacht" geraubten Dinge aus der Wohnung meiner Eltern zurückzugeben. Ich verschenkte die Kleidungsstücke dann an Bedürftige in Horst. Natürlich beteuerte sie, „von alledem nichts gewusst“ zu haben, betonte, wie schwer sie es doch in der NS-Zeit gehabt habe. Auch der Sohn sei gefallen. - Sie hatte es bestimmt besonders schwer, als NS-Frauenschaftsführerin und fanatische Anhängerin der Nazis!"

Brief von Herman Neudorf an die Field Security Sections (FSS)

Abb.: Brief von Herman Neudorf an die Field Security Sections (FSS), der Geheimdienst der britischen Armee. Eine Spezialeinheit, die mit Kriegsende in das besetzte Deutschland kommandiert wurde, mit der Aufgabe, nach Kriegsverbrechern und NS-Größen zu fahnden.

Quelle: Aus den Erinnerungen von Hermann Neudorf, 2009.
Brief aus Privatbesitz Herman Neudorf


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Juni 2018.

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