STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Verlegeort ANNEMARIE ZOREK

JG. 1922
DEPORTIERT 1942 RIGA
ERMORDET JULI 1944
KZ KAISERWALD

Verlegeort MARGIT ZOREK

JG. 1924
DEPORTIERT 1942 RIGA
ERMORDET JULI 1944
KZ KAISERWALD

Verlegeort: Augustastraße, Ecke Weberstraße

Annemarie Zorek wurde am 12. August 1922 in Gelsenkirchen geboren, ihre Schwester Margit wurde am 19. Mai 1924 ebenfalls in Gelsenkirchen geboren. Sie waren die Töchter von Georg Zorek, der am 30. April 1885 in Wreschen geboren wurde, (er lebte 1963 in New York) und Hedwig Zorek (geborene Cohen, geboren am 11. Juli 1889 in Gelsenkirchen, gestorben am 4. Januar 1932, beerdigt auf dem Jüdischen Friedhof in Ückendorf).

Die Schwestern lebten in Gelsenkirchen, Augustastraße 7. Am 27. Januar 1942 wurden Annemarie und Margit zusammen aus Gelsenkirchen nach Riga deportiert, beide Schwestern wurden am 12. Februar 1942 aus Gelsenkirchen "amtl. n. unbekannt" abgemeldet, nach Informationen der jüdischen Kultusgemeinde Gelsenkirchen wurden sie im KZ Riga-Kaiserwald im Sommer 1944 bei einer der "Aktionen" des SS-Arztes Dr. Eduard Krebsbach ermordet. (Nach dem Gedenkbuch des Bundesarchivs im Juli 1944)

Annemarie und Margit Zorek sind bei einer dieser Aktionen im Sommer 1944 ermordet worden. In Ihrem Buch "Sadismus oder Wahnsinn" (In der Neuauflage "Mit Bibel und Bembel - Ein Gedenkbuch") berichtet die Autorin Jeanette Wolf von den Schwestern Annemarie und Margit Zorek:

Das Sanitätspersonal wurde von der SS strengstens überwacht, ob es bei den Kranken, den Stichtag inne hielt. Rücksichtslos wurden wir wegen jeder kleinen Verfehlung geschlagen, so z.B., wenn bei einem Kranken die Decke ein wenig verrutscht war oder nicht ganz glatt lag. Zumeist erfolgte die Bestrafung öffentlich beim Appell. Sehr häufig haben wir das Einlieferungsdatum der Kranken geändert, denn der SS waren die Häftlinge viel zu gleichgültig, als daß sie sich genauer angesehen hätten, und so gelang es uns oft, Menschen zu retten. Sehr häufig waren Aktionen. Dann wurden die Lazarette vollständig ausgeräumt. Wohin man die Kranken brachte, wissen wir nicht, nur daß nie wieder einer zurückgekehrt ist. Himmelsfahrtskommandos nannte man die Aktionen, durch die Kranke und Schwache aus dem Lager entfernt wurden.

Unter anderem will ich nur über das Schicksal der beiden bildhübschen Schwestern Annemarie und Margit Zorek aus Gelsenkirchen berichten. Sie waren bereits vom Typhus geheilt, warteten im Lazarett nur auf ihre letzte Blutprobe, als auch sie für die Aktion aufgeschrieben wurden. Sie haben furchtbar geweint und geschrien, da sie nicht sterben wollten. Ich habe sie im Lager einen halben Tag versteckt gehalten, doch dann entdeckte sie ein SS-Mann, und sie wurden, da die anderen schon abtransportiert waren, mit einem besonderen Auto fortgebracht, wohin, das weiß keiner.

Im Jüdischen Museum Westfalen ist das Poesiealbum von Margot Spielmann, ebenfalls aus Gelsenkirchen stammend, ausgestellt. Margot Spielmann, geboren am 21. Mai 1926 in Gelsenkirchen, ledig wurde 1942 auf der Flucht festgenommen, in eine Krankenanstalt verbracht und von dort nach Auschwitz deportiert. In ihrem Poesiealbum finden sich Einträge von Annemarie und Margit Zorek.

Die Ablichtungen aus dem Poesiealbum der Margot Spielmann stellte das Jüdisches Museum Westfalen in Dorsten zur Verfügung:

Eintrag von Annemie Zorek

Foto: Eintrag von Annemie Zorek im Poesiealbum von Margot Spielmann

Willst du getrost durchs Leben geh'n, blick über Dich!
Willst du nicht fremd im Leben steh'n, blick um Dich!
Willst du dich selbst in einem Werte seh'n, blick in Dich!

In freundl. Erinnerung an deine Annemie Zorek

Gelsenkirchen, den 23.10.1941

Eintrag von Margit Zorek

Foto: Eintrag von Margit Zorek im Poesiealbum von Margot Spielmann

Wer mit dem Leben spielt,
kommt nie zurecht,
wer nicht sich selbst befiehlt,
bleibt immer Knecht.

(J. W. von Goethe)

Zur steten Erinnerung gewidmet von Deiner
Margit Zorek

Gelsenkirchen, den 28.9.41


 Blick in die Weberstrasse, die im Hintegrund sichtbere Querstrasse ist die Augustastrasse. Rechts das  Kaufhaus des damaligen jüdischen Eigentümers Alsberg, nach der

Foto: Blick in die Weberstrasse, die im Hintegrund sichtbare Querstrasse ist die Augustastrasse. Rechts das Kaufhaus WEKA (Westfalen-Kaufhaus), das zweite Haus auf der linken Seite (Eckhaus) ist das Haus Augustastrasse 7. Das Haus wurde dann abgerissen, heute befindet sich an dieser Stelle ein Parkplatz. Die Aufnahme stammt etwa aus der Mitte der 60er Jahre. (Das Bild wurde von Karl Heinz Weichelt zur Verfügung gestellt)


Augustastrasse Ecke Weberstrasse in Gelsenkirchen, hier befand sich das Haus Augustastrasse 7, in dem die Schwestern Zorek lebten. Im Hintergrund das  Kaufhaus des damaligen jüdischen Eigentümers Alsberg, nach der

Foto: Augustastrasse Ecke Weberstrasse in Gelsenkirchen, hier befand sich das Haus Augustastrasse 7, in dem die Schwestern Zorek lebten. Im Hintergrund das Kaufhaus des damaligen jüdischen Eigentümers Alsberg, nach der so genannten "Arisierung" vom neuen Besitzer in "WEKA" (Westfalen-Kaufhaus) umbenannt, somit ein Synonym für die Enteignung durch die Nazis. Diesen Namen hat man bis heute beibehalten.

STOLPERSTEINE für die Schwestern Zorek, Augustastrasse 7

Foto: Der anhaltende Frost verhinderte am 9. Februar 2010 vorerst die Verlegung der STOLPERSTEINE für die Schwestern Zorek. Die STOLPERSTEINE wurden nur symbolisch verlegt, die endgültige Verlegung in das Gehwegpflaster findet in Kürze statt.

→ Fotostrecke von der Verlegung an der Augustastrasse 7 Ecke Weberstraße


Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Januar 2010

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