STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Verlegeort ISIDOR ISACSON

JG. 1875
FLUCHT 1936
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
SOBIBOR
ERMORDET 28.5.1943


Verlegeort FLORA ISACSON

GEB. MASUR
JG. 1876
FLUCHT 1936
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
SOBIBOR
ERMORDET 28.5.1943

Verlegeort: Ringstrasse 4/Ecke Wildenbruchstraße

Isidor Isaacksohn, der seinen Namen zu einem frühen, aber nicht bekannten Zeitpunkt in Isacson änderte, wurde am 15. September 1875 in Libau geboren. Er war mit Flora, geborene Masur, geboren am 7. Dezember 1876 in Lissau-Posen, verheiratet. Die ursprünglich aus Russland stammende Familie Isacson ging schon vor 1900 nach Rotterdam. Dort wurde am 20. Dezember 1900 die älteste Tochter Betty geboren. Betty Isacson heiratete am 23. Januar 1921 in Gelsenkirchen Leo Gompertz, das Ehepaar hatte insgesamt sechs Kinder, die den Holocaust überlebten: die bereits erwähnte Betty, Rita und Fella und die Söhne Herbert, Max und Louis.

Die Familien Gompertz und Isacson in Velsen, Holland

Abbildung 1: Letztes gemeinsames Treffen aller Angehörigen der Familien Gompertz und Isacson in Velsen, Holland. Das Foto entstand zwei Tage bevor Albert, Fritz und Rolf mit ihrer Mutter Betty Gompertz, geb. Isacson an Bord des Schiffes gingen, dass sie in die USA brachte - genau an dem Tag, als die Deutschen Polen überfielen. Von links nach rechts: stehend Fella Goldschmidt, daneben Rita and Ernst Heymanson, dann Betty, Albert and Leo Gompertz, Sophie and Max (Marcel) Isacson, Hilde and Herbert Isacson, Bep Weynshenk mit ihrem damaligen Verlobten Lutz Isacson. Auf der linken Seite, sitzend: Flora Isacson, Fritz Gompertz in der Mitte und rechts Isidor Isacson, dazwischen Ellen Heymanson and Rolf Gompertz.

Werbeanzeige der Firma Fisch-Engros I. Isacson, Gelsenkirchen

Abbildung 2: Werbeanzeige von 1927 der Firma Fisch-Engros I. Isacson, Gelsenkirchen, Ringstrasse 4.

Ab 1923 baute Isidor Isacson in Gelsenkirchen eine Fisch-Großhandlung auf, die u.a. Einzel- handelsfilialen in Essen und Bochum betrieb, ein Ladengeschäft befand sich in Gelsenkirchen an der Ringstrasse 4, Ecke Waldstrasse (heute: Im Kerkenbusch). Die Besitzanteile der "Fisch-Engros I. Isacson" zum Zeitpunkt der Gründung verteilten sich wie folgt: Isidor Isacson 50%, Sohn Herbert 25% und Samuel van Ments, ein jüdischer Geschäftsmann aus den Niederlanden, hielt die restlichen 25 %.


Briefkopf der

Abbildung 3: Briefkopf der "FISCHHAGE" FISCHHANDELSGESELLSCHAFT M.B.H. vom 30. Juni 1933.

Ladenlokal Isacson in Gelsenkirchen, Ringstrasse im Oktober 1945

Abbildung 4: Ladenlokal Isacson in Gelsenkirchen, Ringstrasse im Oktober 1945.

Am 25. April 1933 "verkauften" Isidor und sein Sohn Herbert ihre Unternehmensanteile, führten aber als "unkündbare" Angestellte gegen Entgelt den Betrieb weiter. Unmittelbar nach dem Verkauf wurde das Unternehmen in "FISCHHAGE FISCHHANDELS-GESELLSCHAFT M.B.H." umbenannt. Neben dem florierenden Geschäfts- betrieb verfügte die Familie Isacson auch über umfangreichen Immobilienbesitz in Gelsenkirchen. Die "Arisierung" des Geschäftes und die Enteigung des Besitzes der Familie Isacson begann bereits im Frühjahr 1933 und vollzog sich über einen längeren Zeitraum bis 1937.

Carsten Kaiser und Thomas Lammfuss: → Dokumentation der Enteigung

Albert and Oma Isacson in May 1922

Abbildung 5: Flora Isacson hält Albert Gompertz auf dem Arm, Mai 1922

Isidor Isacson versuchte 1936 unter dem zunehmenden Verfolgungsdruck durch das NS-Regime Visa für die Flucht der Familiein die USA zu bekommen, was ihm jedoch nicht gelang. Die Familie flüchtete dann 1936/37 in die Nieder-lande. In Gelsenkirchen wurde derweil die endgültige "Arisierung" des Besitzes der Familie Isacson abgewickelt. Das Ehepaar Isacson wurde schließlich von den NS-Verfolgungsbehörden in den Niederlanden verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Von dort wurden Isidor und Flora Isacson am 25. Mai 1943 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und am 28. Mai - dem Tag der Ankunft in Sobibor - in der Gaskammer ermordet. Die Patenschaft für die Stolpersteine, die dem Ehepaar Isacson gewidmet werden, hat Else Rogalla übernommen.

Quellen:
Experiences of Albert Gompertz: From Nazi Germany to America. Autobiografie von Albert Gompertz, written in Palm Beach, Florida July, 1998. Mit freundlicher Genehmigung der Familie Gompertz.
Carsten Kaiser und Thomas Lammfuss: Enteignung und Bereicherung - Zehn Beispiele: 'Fischgroßhandel Isaak Isacson' in 'Was die Nationalsozialisten „Arisierung' nannten – Wirtschaftsverbrechen in Gelsenkirchen während des „Dritten Reiches“, Heinz Jürgen Priamus (Hg.) erschienen Mai 2007, Klartext Essen.

Abbildungen 1-4:
1, 4+5: Das Foto Nr. 4 entstand bei einem Besuch Albert Gompertz' als US-Soldat seine Heimatstadt Gelsenkirchen besuchte. Privatbesitz Familie Gompertz/Isacson, mit freundlicher Genehmigung.
2: Werbeanzeige 1927 in: Monographien deutscher Städte, Bd. 20, Herausgeber Karl von Wedelstaedt, Erwin Stein.
3: Zeugnis auf Geschäftspapier der "FISCHHAGE" für Jacob Feilmann. Mit freundlicher Genehmimgung von Enrique Kahn.

Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. September 2011

Stolpersteine für Ehepaar Isacson, verlegt am 8. Oktober 2012

Stolpersteine Gelsenkirchen - Ehepaar Isacson

Stolpersteine Gelsenkirchen - Ehepaar Isacson


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