STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam gegen das Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Verlegeort SALOMON TEPPER

JG. 1893
EINGEWIESEN 6.2.1942
JACOBY'SCHE ANSTALT
BENDORF-SAYN
DEPORTIERT 1942
IZBICA
SCHICKSAL UNBEKANNT

Verlegeort SARA TEPPER

GEB. STEUER
JG. 1898
DEPORTIERT 1942
RIGA
ERMORDET NOV. 1943


Verlegeort ANNA TEPPER

JG. 1923
FLUCHT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
SOBIBOR
ERMORDET 4.6.1943


Verlegeort DORA TEPPER

JG. 1924
FLUCHT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 15.12.1942


Verlegeort MAX TEPPER

JG. 1926
FLUCHT 1939
HOLLAND
VERSTECKT/ÜBERLEBT

Verlegeort: Florastraße/Höhe Kennedyplatz (frühere Schalker Straße 45)

Von links nach rechts: Salomon Tepper, Hanna Ramer, Sara Tepper und Leib Steuer.  Hanna Ramer konnte mit einem der Kindertransporte nach England gerettet werden

Abb. 1: Von li. n. re.: Salomon Tepper, Hanna Ramer, Sara Tepper und Aaron Leib Steuer. Nur Hanna Ramer konnte mit einem Kindertransport nach England gerettet werden. (Nachtrag: für Klara geb. Fahn und Aaron Leib Steuer wurden 2016 in Essen, Turmstr. 17 Stolpersteine verlegt.)

Salomon Tepper wurde am 15. Juni 1893 in Szufnarowa geboren. Er war mit Sara Tepper, geborene Steier, geboren am 18. Juli 1898 in Dzwienanz verheiratet. Das Ehepaar Tepper hatten drei in Gelsenkirchen geborene Kinder, die am 28. Januar 1923 geborene Anna, die am 16. März 1924 geborene Dora und den am 1. August 1926 geborenen Max.

Früherer Verlauf der Schalker Straße

Abb.: Früherer Verlauf der Schalker Straße, Gebäudelage der Häuser Nr.36, 38, 45, 49 und 51 und Angaben des Katasteramtes. Die Häuser 36, 38, 49 und 51 wurden ab etwa Ende 1939 als so genannte "Judenhäuser" ausgewiesen. Hier, wie an anderen Orten der Stadt, wurde die jüdische Bevölkerung zwangsweise einquartiert, um so die Überwachung dieser kleinräumigen Ghettos durch die Gestapo zu erleichtern. Auch dieser Bereich ist in den frühen Fünfziger Jahren umfassend neugestaltet worden und heißt heute Kennedy-Platz bzw. Elisabeth-Nettebeck-Platz.

Anfang der Dreißiger Jahre wohnte Familie Tepper zunächst an der Bismarckstrasse 78. Letzter selbst gewählter Wohnort war laut der Einwohnermelde-kartei an der Schalker Straße 45. Ende der Dreißiger Jahre wurde auch die jüdische Familie Tepper von den NS-Verfolgungsbehörden gezwungen, in eines der so genanntes "Juden-häuser" Gelsenkirchens an der Schalker Strasse 38 zu ziehen.

Im Dezember 1941 soll Salomon Tepper nach den 1946 erstellten Listen der jüdischen Kultusgemeinde Gelsen-kirchen in die "Heil- und Pflegeanstalt der Reichsvereinigung der Juden in Bendorf-Sayn" (Jaco-by'sche Anstalt in Bendorf-Sayn) eingewiesen worden sein, in den Einwohnermeldeunterlagen findet sich der Eintrag "6.2.1942, n. Bendorf/Rh. Lager Hindenburgstraße 49".


Einwohnerkartei, Familie Salomon Tepper

Einwohnerkartei, Familie Salomon Tepper, Rückseite

Abb. 2: Familie Salomon Tepper, Einwohnermeldekartei Gelsenkirchen. (Dokumente zum Vergößern anklicken)

Auf Anordnung des Reichsministerium des Inneren wurden bereits ab 1940 alle jüdischen Patienten und Patientinnen, die in "Heil- und Pflegeanstalten" des Deutschen Reiches untergebracht waren, in Bendorf-Sayn zusammengefasst. Hintergrund: "Juden und Deutsche" sollten nicht mehr gemeinsam untergebracht sein.

In der "Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt" Bendorf-Sayn herrschten in Folge der Überbelegung katastrophale Zustände, es fehlte an Medikamenten und Nahrungsmitteln. Nachdem die "Euthanasie-Aktion" im August 1941 "offiziell" eingestellt worden war, erfolgte ab 1942 die Verschleppung der jüdischen Patienten und Patientinnen aus Bendorf-Sayn in die Vernichtungslager im besetzten Osteuropa, um sie dann dort wie geplant zu ermorden. In der Gestapo-Liste "Juden aus dem Landkreis Koblenz die am 30.4.1942 abtransportiert worden sind" [1] ist auch Salomon Tepper aufgeführt. Mit dem Transport vom 30. April 1942 ab Koblenz-Lützel wurden die von den Verfolgungsmaßnahmen erfassten Juden in das Ghetto Krasniczyn im Bezirk Lublin im so genannten "Generalgouvernement" deportiert.

Vermerk der Gestapo Koblenz

Abb. 3: Vermerk der Gestapo Koblenz, Quelle: ITS, Arolsen
(Zum Vergrößern Bild anklicken)

Salomon Tepper gelingt unterwegs zunächst die Flucht aus dem Deportationszug, er wird jedoch verhaftet und nach Bendorf-Sayn zurück gebracht. In der Kartei der Gestapo Koblenz ist mit Datum 28.5.1942 festgehalten: Salomon Tepper (...) Ist am 30.4.42 aus dem Evakuierungstransportzug gesprungen. Er wurde in Weimar aufgegriffen und mit Sammeltransport nach hier überführt. Tepper wurde dem Betriebsführer -Kochanek- übergeben und ist wieder als Kranker aufgenommen worden.[2] Kurze Zeit später wird er erneut deportiert. Salomon Tepper ist in einer von der Gestapo, Staatspolizei-stelle Koblenz am 7. Juli 1942 erstellten Liste "der am 15.6.1942 aus der Heil und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn ausgesiedelten Juden" [3] verzeichnet.


Telegramm aus dem Reichssicherheitshauptamt

Telegramm aus dem Reichssicherheitshauptamt

Abb. 4+5: Telegramm aus dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) Adolf Eichmann an die Gestapo Düsseldorf. Der "Sonderzug" mit dem Kürzel "Da 22" hatte das Bestimmungsziel Izbica bei Lublin, Quelle: ITS, Arolsen. (Dokumente zum Vergößern anklicken)

Das Ghetto Izbica war ab 1942 für deportierte Juden eine Durchgangsstation in die Vernichtungslager des Holocaust, insbesondere nach Belzec und Sobibór. Hier verliert sich die Spur von Salomon Tepper.

Mitteilung aus dem RSHA

Abb.: Mitteilung aus dem RSHA vom 11. Juni 1942 an die Gestapo Düsseldorf (Zum Vergrößern Bild anklicken)

In einem weiteren Fernschreiben aus dem "Eichmannreferat" (IV b 4 A) im Reichs-sicherheitshauptamt vom 11.6.1942 werden der Staatspolizeileitstelle Düsseldorf organisa-torische Details der Deportation mitgeteilt. Für den Transport der Menschen aus der "Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn" sind 9 Güterwaggons vorgesehen.

Salomon Teppers Frau Sara wurde am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga verschleppt, sie wurde bei Auflösung des Ghettos Riga im November 1943 ermordet.

Links, mit heller Jacke: Max Tepper. Das Foto entstand vermutlich in der Jüdischen Schule ander Ringstraße in Gelsenkirchen

Abb. 6: Links, mit heller Jacke,stehend: Max Tepper. Das Foto entstand vermutlich in der Jüdischen Schule an der Ringstraße in Gelsenkirchen. Wer kann helfen, die abgebildeten Personen zu identifizieren? Email an Andreas Jordan, Stolpersteine Gelsenkirchen Email
(Zum Vergrößern Bild anklicken)

Die Kinder Anna, Dora und Max sind laut den Einträgen in den Gelsenkirchener Meldeunterlagen am 22. Februar 1939 zunächst von Gelsenkirchen in die Niederlande flüchten. Dora Tepper arbeitete als Dienstmädchen in Amsterdam, sie lebte einige Zeit im Waisenhaus für Mädchen (Nederlands-Israëlitisch Meisjes-weeshuis) an der Rapenburgerstraat 171.

Die Schwestern Dora und Anna Tepper wurden schon bald nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande im Mai 1940 von der NS-Vernichtungsmaschinerie eingeholt. Dora Tepper wurde am 3. Dezember 1942 in das "polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork" (so die offizielle Bezeichnung der NS-Verwaltung ab 1. Juli 1942) deportiert, am 12. Dezember 1942 nach Auschwitz verschleppt und dort am 15. Dezember 1942 ermordet. Anna wurde von Westerbork am 1. Juni 1943 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort am 4. Juni 1943 ermordet.

Abb.7: Dora Tepper (li.) wurde nur 18 Jahre, ihre Schwester Anna (re.) 20 alt.

Dora Tepper Anna Tepper

Anne Steuer und Max Tepper

Abb.8: Anne Steuer und Max Tepper

Die Patenschaft für vier Stolpersteine, die an Familie Tepper erinnern, hat der Inner Wheel Club Gelsenkirchen e.V. übernommen, eine weitere Patenschaft hat Dr. Ulrike Asche-Zeit übernommen.

Quellen:
Gedenkbuch BA
db.yadvashem.org
search.ancestry.com
www.jewishgen.org
Wahlliste vom 16. November 1930 zur Gründung der liberalen jüdischen Synagogengemeinde
Deportationslisten der Jüdischen Kultusgemeinde Gelsenkirchen, in Andrea Niewerth, Gelsenkirchener Juden im Nationalsozialismus, 2002.
[1] Copy of Doc. No. 11196885#2 (1.2.1.1/0001-0060/0014/0039) in conformity with the ITS Archives, Transportlisten Gestapo
[2] Copy of Doc. No. 12521021#1 (1.2.3.3/GKOB029E/0140)in conformity with the ITS Archives, Kartei Gestapo Koblenz
[3] Copy of Doc. No. 11196890#1 (1.2.1.1/0001-0060/0014/0044) in conformity with the ITS Archives, Transportlisten Gestapo
[4] Copy of Doc. No. 82164666#2 (1.2.3.0/0004/0131)in conformity with the ITS Archives, Akten der Gestapo und Informationen über die Gestapo

Abbildungen:
Abb. 1,5, 8: Privatbesitz, Nachf. der Familie
Abb.: 2 Einwohnermeldekartei, StA Gelsenkirchen, ISG
Abb.: 3 (Doc. ID 12521021) und 4+5 (Doc. ID 82164666): ITS, Arolsen
Abb.:7 Dora Tepper: Joods NL, Collectie Joods Historisch Museum. Anna Tepper: dokin - Stichting Duitse Oorlogskinderen in Nederland

Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. August 2011. Nachtrag November 2012

Stolpersteine für Familie Tepper, verlegt am 29. April 2013

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Stolpersteine Gelsenkirchen - Familie Tepper

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