STOLPERSTEINE GELSENKIRCHEN

Gemeinsam erinnern statt Vergessen


Stolpersteine Gelsenkirchen

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Stolpersteine - Ein Kunstprojekt für Europa von Gunter Demnig

Gunter Demnig

Gunter Demnig. (Foto: © Karin Richert)

Der 1947 in Berlin geborene Aktionsünstler und Bildhauer Gunter Demnig kam in der Mitte der 80er Jahre nach Köln. In der Folgezeit initiierte er ver- schiedene Projekte, in denen er die Spuren der Gräueltaten des NS-Regimes thematisierte. 1993 entstand die Idee, NS-Opfern ein Denkmal genau dort zu setzen, wo diese Men- schen auch lebten - vor den Türen Ihrer Häuser. Die Idee für die Stol- persteine - sein bedeutendstes und zugleich in den Anfängen umstrittenstes Werk - war geboren. Stol- persteine erinnern an Menschen, die dem Nazi-Terror zum Opfer fielen.

Es sind pflastersteingroße Würfel, mit einem Messingblech überzogen, die vor dem letzten Wohnort der Verfolgten flächenbündig in die Gehwege eingelassen werden. Über die Stol- persteine "stolpern" heißt stutzen, stehen bleiben, nachdenken - Stolpersteine verursachen kein tat- sächliches stolpern. Eine Idee, die Gunter Demnig bisher in über 1200 Städten verwirklicht hat - zu- sammen mit den Menschen vor Ort. Die 10cm x 10cm großen Denkanstöße werden über Paten- schaften finanziert.

Stolpersteine - eine dezentrale Gedenkstätte, bei der das Erinnern nicht im Ritual erstarrt, das unge- heuerliche Verbrechen nicht abstrakt bleibt. Die Stolpersteine sprechen mit uns, still, leise und unaufdringlich, 365 Tage im Jahr. Eine ihrer Botschaften lautet: „Zur Mahnung an uns, jeder Missachtung des Lebens und der Würde des Menschen mutig und ohne Zögern entgegenzutreten.“

Erste Stolpersteine verlegte Demnig in Köln, seinerzeit noch ohne Genehmigung. 1996, im Rahmen des Projektes "Künstler forschen nach Auschwitz" verlegte er 55 Stolpersteine in Berlin. 1997 wurden dann die ersten zwei Stolpersteine für Zeugen Jehovas in Österreich verlegt. Vier Jahre später, nachdem Bedenken und bürokratische Hürden der Stadt Köln ausgeräumt waren, bekam Gunter Demnig die Erlaubnis, 600 Steine in Köln zu verlegen. Bis Anfang 2019 wurden es in Köln mehr als 2200 Stolpersteine. Mittlerweile hat Bildhauer Demnig über 70.000 Stolpersteine in mehr als 1200 Städten und Gemeinden verlegt, nicht nur in Deutschland, sondern auch in weiteren 24 Staaten Europas.

Gunter Demnig:

'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist', zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Im Januar 2005 erhielt Gunter Demnig den "Obermayer German Jewish Award". Die amerikanische Obermayer-Foundation zeichnet damit das Engagement nicht-jüdischer Deutscher für die Bewahrung und Erinnerung jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens in Deutschland aus. Am 4. Oktober 2005 wurde ihm von Horst Köhler der Verdienstorden der Bundesrepublik verliehen. Am 20. November 2005 erfolgte die Verleihung des antifaschistischen Jugendmedienpreises "Das Rote Tuch" an Gunter Demnig für die bundesweit verlegten Stolpersteine. Am 20. August 2006 wurde Gunter Demnig für das Projekt Stolpersteine die Alternative Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln verliehen.

Weitere Ehrungen und Auszeichnungen folgten 2007: Demnig erhielt den Giesbert-Lewin-Preis der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, am 23. Mai 2008 wurde ihm von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und der Bundes-justizministerin Brigitte Zypries der Preis Botschafter für Demokratie und Toleranz verliehen. Im April 2009 wurde ihm von der Erich-Mühsam-Gesellschaft in Lübeck der Erich-Mühsam-Preis verliehen. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf zeichnet Gunter Demnig 2009 mit der Josef-Neuberger-Medaille aus, der Künstler erhält die Auszeichnung für sein Dauerprojekt Stolpersteine. Seit zehn Jahren erinnert er mit den in Bürgersteigen eingelassenen kleinen Messingtafeln an während der Nazizeit deportierte, vertriebene und ermordete jüdische Bürger. "Mit seinem Projekt erinnere Demnig auf außergewöhnliche und sehr eindringliche Weise an die Opfer des NS-Regimes", begründete die jüdische Gemeinde ihre Entscheidung. "Der Künstler gebe mit seinen Stolper- steinen den Menschen ihren Namen wieder und damit ein Stück Würde und Individualität".

Es folgten in den Jahren danach weitere Auszeichnungen und Ehrungen, beispielsweise 2011 die Otto-Hirsch-Medaille der Stadt Stuttgart, 2013 der Lothar-Kreyssig-Friedenspreis, 2015 der Eugen-Kogon-Preis. Im Jahr 2020 wird Gunter Demnig den Benediktpreis von Mönchengladbach erhalten. Die mit 5000 Euro dotierte und alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung soll im Frühjahr 2020 überreicht werden. Die Preis- träger werden für wertorientiertes Handeln vor dem Hintergrund der christlich-abendländischen Erfahrun- gen geehrt. Ausgezeichnet wurden zuletzt die Journalistin Dunja Hayali und Königin Silvia von Schweden.

Das Projekt: → Stolpersteine - Ein Kunstprojekt für Europa von Gunter Demnig
Stationen, Werke, Auszeichnungen: → Gunter Demnig. Seit 1967


Andreas Jordan, Projektgruppe STOLPERSTEINE Gelsenkirchen. Februar 2011, aktualisiert Mai 2019

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